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Cherry Smiley: Wirkliche Veränderung für indigene Frauen wird es erst mit einem Ende der Prostitution geben

Cherry Smiley ist Projektmanagerin für Gewaltprävention und Sicherheit, bei der Native Women`s Association of Canada und Mitglied der Women`s Coalition for the Abolition of Prostitution

Der Beitrag erschien bei The Globe and the Mail – Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung

Als Land, und als Resultat der Arbeit von vielen indigenen Überlebenden des Residential School-Systems, Familienmitgliedern und Fürsprecher_innen, sind wir weit vorangeschritten die Schäden, die mit diesem Indian Residential-School-System verbunden sind, zu erkennen.*

Wir erkennen, dass die Zwecke dieser Institutionen an sich gewalttätig waren, und die Prozesse mit denen diese erreicht werden sollten in systematischem sexuellen, physischen und emotionalem Missbrauch, dem Verlust von Sprache, Kultur und Identität, manchmal auch dem Tod, resultierten. Wir erkennen, dass diese schrecklichen Konsequenzen auch heute noch Auswirkungen auf unsere Leben haben, und als eine teilweise verheerende Altlast auf indigenen Frauen und Mädchen liegen.

Am 6. Dezember 2014 trat die neue kanadische Prostitutionsgesetzgebung in Kraft. Prostitutionsüberlebende, indigene Frauengruppen, Anti-Gewalt- und Gleichstellungsaktivist_innen, sowie Wissenschaftler_innen haben diese Entscheidung Sexkäufer, Zuhälter und Werbende für „sexuelle Dienstleistungen“ zu kriminalisieren und prostituierte Frauen weitgehend zu entkriminalisieren gefeiert. Wir haben die Investitionen in die Unterstützung und Ausstiegsprogramme begrüßt, obwohl wir noch viel mehr davon brauchen. Auch wenn es sich nicht ganz um das „Nordische Modell“ handelt, so sind wir doch auf dem richtigen Weg zu Gleichheit für alle Frauen, in dem wir daran arbeiten Prostitution zu beseitigen.

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Chris Hedges: Die Hurerei der Linken

Not For Sale: Human Trafficking

by Ira Gelb via Flickr, [CC BY-ND 2.0]

VANCOUVER, British Columbia – Prostitution ist der vollkommene Ausdruck des globalen Kapitalismus. Unsere Firmenchefs sind Zuhälter. Wir alle werden entwürdigt und erniedrigt, verarmt und machtlos zurückgelassen, um den grausamen und lüsternen Ansprüchen der Wirtschaftselite zu dienen. Und wenn sie uns leid sind, oder wir nicht länger von Nutzen sind, werden wir als menschlicher Abfall ausrangiert. Wenn wir Prostitution als legal akzeptieren, wie Deutschland das getan hat, als einer Zivilgesellschaft statthaft ansehen, dann nehmen wir einen weiteren gemeinsamen Schritt in die globale Kultur, die von den Mächtigen errichtet wird. Der Kampf gegen Prostitution ist der Kampf gegen einen entmenschlichenden Neoliberalismus, der bei der Unterordnung von verarmten Mädchen und Frauen beginnt, aber nicht dort endet..

Armut ist kein Aphrodisiakum. Diejenigen, die ihre Körper für Sex verkaufen, tun dies aus Verzweiflung heraus. Sie enden oftmals physisch verletzt, mit einer Vielzahl von Krankheiten und medizinischen Leiden, und leiden unter ernsthaften emotionalen Traumata. Die Linke begeht moralischen Bankrott durch ihren Fehler legale Prostitution nicht als ein anderes Gesicht des Neoliberalismus zu erfassen. Seinen Körper zu verkaufen hat nichts mit Wahlfreiheit zu tun. Es hat nichts mit Freiheit zu tun. Es ist eine Form ökonomischer Sklaverei.

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Die gestohlenen Schwestern

Highway of Tears

By Izithombe (Flickr: Highway of Tears) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

Es klingt wie ein Albtraum: Tausende Frauen verschwinden in den letzten Jahren – und die Regierung ignoriert es einfach. Doch genau das passiert indigenen Frauen in Kanada und in den USA. Obwohl indigene Frauen nur 3 Prozent der gesamten weiblichen Bevölkerung Kanadas ausmachen, ist ihr Anteil an den ermordeten Frauen in den letzten Jahren stetig gestiegen: von 9 Prozent in 1980 auf 18 Prozent in 2011 und 23 Prozent in 2012. In den letzten 30 Jahren sind 1881 Frauen verschwunden, viele von ihnen wurden ermordet, bei anderen ist ihr Schicksal ungewiss.

Aktuell ist eine neue, von unabhängigen Aktivisten und Forschern ins Leben gerufene Datenbank an den Start gegangen: “It starts with us – Missing and Murdered Indigenous Women”. Sie ist nicht die erste Datenbank dieser Art. “Sisters in Spirit” war die erste Datenbank in Kanada, die die Fälle erfasste.

Erst im Februar hatte The Native Women’s Association of Canada (NWAC) mehr als 20.000 Unterschriften gesammelt, um die kanadische Regierung dazu zu bringen. Am 13. Februar verschwand die schwangere Loretta Saunders, eine Inuk, die später tot aufgefunden wurde. Trotz der erschreckenden Zahlen und des wachsenden öffentlichen Drucks lehnte die konservative kanadische Regierung eine nationale Untersuchung der Vorfälle ab. Es gibt noch nicht einmal eine nationale Datenbank, die alle Fälle erfasst – diese Arbeit wird allein von unabhängigen AktivistInnen gemacht. Die Online-Petition der NWAC kann hier [Update: Petition nicht mehr online, Text noch im Internet Archive verfügbar] unterzeichnet werden.
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