Schlagwort: legale prostitution

Prostitution: Was ist mit Deutschland?

Hamburg - Herbertstraße, Rotlichtvierte

Steffen Klaus via Flickr, [CC BY 2.0]

Ich bin Französin, lebe seit längerer Zeit in Deutschland, fühle mich hier glücklich und geborgen, ich mag die Sprache, das Umweltbewusstsein, die Kultur, die Demokratie, viele Sachen. Aber das Prostitutionsgesetz von 2002 passt überhaupt nicht in dieses Bild, das ich von Deutschland habe.

Jetzt haben hier bestimmte Menschen keine Rechte, sie werden anders behandelt als normale Bürgerinnen, sogar anders als Ausländerinnen wie ich.

Das sind diese Mädchen, die in Bordellen und auf dem Strich zu finden sind.

Es wurde von Legalisierung der Prostitution gesprochen, aber wo ist die Legalisierung ? Alles ist jenseits von legal. Die Prostitution befindet sich in einer komplett gesetzlosen Zone wie früher im Wilden Western, als es die Vereignigte Staaten noch nicht gab.

Die Mädchen sind gar keine Mitglieder der Gesellschaft. Sie bewegen sich in einer komplett parallelen Welt als Wesen, die ungefähr den Status eines Rindviehs besäßen, wenn nicht jeden Tag die Finanzbeamten in die Bordelle kämen, um für jede Frau einen Pauschalbetrag zu kassieren. Die Kommunen verdienen mit der Prostitution viel Geld. Doch die Frauen bekommen keine Aufenthaltserlaubnis, keine Arbeitserlaubnis, und sie müssen sich nirgendwo anmelden, so das keiner weiß, wie sie heißen, ob sie überhaupt einen Namen haben, wie alt sie sind, ob sie überhaupt volljährig sind, eine Identität besitzen. Wenn sie verschwinden, weiß auch keiner wo, und es scheint auch egal zu sein. Sind das noch Menschen für die deutsche Republik ? Bald kriegen sie noch einen Chip ins Ohr, wenn es weiter geht.

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Die mutigen Frauen vom La Strada

Café La Strada

Café La Strada (Foto: privat)

Ein diesiger Herbstnachmittag in Stuttgart, die roten Lichter des Leonhardsviertels in Stuttgart strahlen nur schwach und vereinzelt durch den Oktobernebel, doch aus der Küche des La Strada duftet es schon köstlich. Die drei Frauen, Anna, Daniela und Teresa stehen in der Küche und kochen Essen aus ihrer Heimat, Bulgarien und Ungarn. Sprachfetzen fliegen durch die Luft, es wird viel gelacht. Das La Strada ist eine Anlaufstelle für Prostituierte, hier gibt es ein Abendessen, Kleidung, kostenlose medizinische Versorgung durch einen Arzt des Gesundheitsamtes und vor allem immer ein offenes Ohr. Ich helfe den Frauen in der Küche, schnippele Gemüse, lasse mir das Ofengericht aus Kartoffeln, Paprika und Ei erklären, das würzig duftet.

“Mein Sohn hatte letzte Woche Geburtstag”, erzählt mir Teresa. Sie zeigt mir ein Foto von einem selbstbewussten Jungen, der freundlich in die Kamera lächelt, während er sein neues Fahrrad festhält, ein Geschenk seiner Mutter. Daniel lebt im Heim, seit seiner Geburt. Seine Mutter sieht ihn nur alle paar Wochen, doch sie strahlt vor Glück und Stolz über das ganze Gesicht.
Bei einer Zigarette erzählt mir Daniela, dass sie vor wenigen Wochen ihre Tochter aus Ungarn nachholen konnte. Seit Ende 2013 prostituiert sie sich nicht mehr, sie macht einen Deutschkurs und möchte als Verkäuferin arbeiten. Sie ist eine schöne Frau mit Augen so tief wie Waldseen. Sie spricht gut Deutsch, nur wenn ich zu schnell rede, lacht sie und runzelt die Stirn, damit ich langsamer spreche. Ich frage sie, wie es war, auf der Straße und die blauen Augen verdunkeln sich. “Früher”, sagt sie, “war besser. Ich habe immer sauber gearbeitet. Ich hattte meine Klienten. Dann kamen die anderen Frauen. Sie machen es für 10 Euro ohne Kondom. Das wollten meine Klienten auch. Da habe ich gesagt, es ist genug.” Daniela kam mit ihrem Mann nach Deutschland. Sie wusste, dass sie sich hier prostituieren würde. Ich frage sie, ob es so war, wie sie es sich vorgestellt hat, damals in Bulgarien. Sie schüttelt den Kopf. “Alle Männer scheiße”, sagt sie mit Nachdruck. Danielas Geschichte ist eine der Erfolgsgeschichten aus dem La Strada. Ihr ist der Ausstieg gelungen, ihre Tochter lebt bei ihr und sie hat sich von ihrem Mann getrennt, ist selbstständig. Den anderen Frauen geht es nicht so. “Keine arbeitet ohne Zuhälter”, erklärt sie mir. “Nicht hier.” Draußen wird es dunkel und die Ersten drängen sich bereits vor den Türen des La Strada, das um 19 Uhr seine Türen öffnet. Mehrere ehrenamtliche Frauen sind gekommen, um zu helfen – sie übersetzen, hören zu oder arrangieren Bücher und Deko zum Mitnehmen für die Frauen.

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Unsere Frage der Woche: Ist ein Gesetz zur Freierbestrafung sinnvoll?

Hier bei den Störenfriedas haben wir immer wieder die negativen Aspekte legaler Prostitution diskutiert. Wir betrachten Prostitution als eine Institution des Patriarchats, in der Frauen (und Männer) ausgebeutet werden – mit zum Teil drastischen Folgen für ihre psychische und physische Gesundheit. In der Prostitution finden sich vor allem arme, migrantische oder anders diskriminierte Menschen. Wo es legale Prostitution gibt, blüht der Menschenhandel. Flatrate-Bordelle und Gang-Bang-Parties führen das Bild der selbstbestimmten Prostituierten ad absurdum. Mit dem Prinzip der Menschenwürde ist sie in unseren Augen nicht vereinbar, weshalb wir für ein Gesetz der Freierbestrafung kämpfen, das Männern den Sexkauf verbietet und gleichzeitig den Frauen echte Hilfe und Ausstiegsmöglichkeiten bietet.
Andere Sichtweisen sehen in der Prostitution einen Ausdruck der körperlichen Selbstbestimmung und betonen, dass jeder Frau selbst überlassen werden muss, ob sie sich prostitutiert oder nicht. Prostitution wird hier eine Konsequenz der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, in der alles, auch Sex, zur Ware werden kann. Auch Prostituierte selbst erklären, dass sie nicht als Opfer gesehen werden wollen, sondern als selbstbestimmt Handelnde, die selbst über ihren Körper bestimmen – sie verkaufen nicht sich, sondern eine Dienstleistung.
Wie sehen unsere LeserInnen die Diskussion um legale Prostituion? Ist ein Gesetz nach schwedischem Vorbild sinnvoll, in dem Freier bestraft werden?