Schlagwort: leihmutterschaft

Buchrezension: Ware Frau. Prostitution, Leihmutterschaft, Menschenhandel

“Ware Frau. Prostitution, Leihmutterschaft, Menschenhandel” ist die lang ersehnte deutsche Übersetzung von Ekmans bekanntem Buch “Being & Being Bought: Prostitution, Surrogacy & the Split Self” (im schwedischen Original “Varat och varan: prostitution, surrogatmödraskap och den delade människan”).

Prostitution und Leihmutterschaft scheinen auf den ersten Blick zwei gänzlich unterschiedliche Themen zu sein. Doch Ekman analysiert präzise die beiden ausbeuterischen und menschenverachtenden Systeme und zeigt scharfsinnig die Parallelen auf. Beide Systeme funktionieren durch die Abspaltung des eigenen Selbst der Frauen. Dies ist einerseits ein Selbstschutz, um die Ausbeutung zu ertragen und spielt andererseits den Ausbeutern in die Hände, da dadurch das System aufrechterhalten bleibt.

Weiterlesen

Leihmutterschaft: kolonialisierte Frauenkörper

Schwangere Frau, Pregnant Woman

By Øyvind Holmstad (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Im Sommer sorgte der Fall von “Baby Gammy” für einen Skandal. Australische Eltern hatten bei einer thailändischen Leihmutter ein Baby “in Auftrag gegeben”. Als die Leihmutter Zwillinge bekam, ließen sie eines der Kinder, das an Down-Syndrom leidet und einen Herzfehler hat, im Krankenhaus zurück. Ein krankes Kind hatten sie sich offensichtlich nicht vorgestellt. Später kam heraus, dass der Vater wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern bereits vorbestraft war. Thailand arbeitet seither an einem Verbot der Leihmutterschaft – zumindest für jene Fälle, in denen Geld fließt. Babies auf Bestellung soll es nicht mehr geben – doch die Realität sieht längst anders aus:
Leihmutterschaft ist weltweit ein boomendes Geschäft: Allein in Indien wurden 2012 2,5 Milliarden US-Dollar mit Leihmutterschaft umgesetzt, rund 350 Kliniken bieten dort künstliche gezeugte Kinder inklusive zur Verfügung stehender Leihmütter an, weltweit sind es rund 4 Milliarden. Zwischen 5000 und 100.000 Dollar, je nach Land, zahlen die Auftraggeber dafür, dass eine Frau den befruchtenden Embryo ihrer Wahl austrägt. In Indien und Thailand ist so ein regelrechter “Leihmutter-Tourismus” entstanden.

Grundlage dafür ist ein Vertrag, der den Leihmüttern vorschreibt, wie sie sich während der Schwangerschaft zu verhalten haben und dass sie ihre Rechte an dem Kind sofort nach der Geburt aufgeben. Seit Leihmutterschaft möglich ist, gibt es die Forderung, sie überall zu legalisieren – in den meisten EU-Staaten ist sie verboten, in den USA zum Teil und in Kanada ganz legal. Norwegen erlaubt Leihmutterschaft im Ausland. Deutschland verbietet sie auf Grundlage des Embryonen-Schutzgesetzes. Ein “Recht auf Elternschaft” wird postuliert, für heterosexuelle Paare, die auf natürliche Weise keine Kinder bekommen können, aber auch für homosexuelle Paare oder Singles – unter denen alleinstehende Frauen übrigens die kleinere Gruppe bilden. Leihmutterschaft, legalisierte Prostitution und Pornographie stehen in einem engen Zusammenhang: Sie bedeuten die fortschreitende, maximale Kolonialisierung von Frauenkörpern für Profit. Der Motor sind die patriarchalen Machtverhältnisse, die keineswegs auf dem Rückzug sind. Die Globalisierung und die neoliberale Wirtschaftsordnung erleichtern es nur, diese Ausbeutung hinter Begriffen wie “Vertragsfreiheit” und “Selbstbestimmung” zu verschleiern.

Weiterlesen