Schlagwort: Literatur

Radikalfeministische Literatur in deutscher Sprache

Pixabay. Public Domain

Nachfolgend haben wir eine Leseliste für euch zusammengestellt, die radikalfeministische Literatur beinhaltet, die in deutscher Sprache erschienen ist. Manches ist schon älter, und nur noch antiquarisch erhältlich. Hierbei kann man aber auch Glück haben und den ein oder anderen Titel bei ZVAB, Booklooker und Co oft schon für wenige Euro gebraucht bekommen…

Viel Spass bei der Lektüre! Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, weitere Hinweise werden gerne aufgenommen!

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Als Autorin unter Männern – wie ich einen Western schrieb

The Wild West

The Wild West” by Chris Bickham (CC BY 2.0)

Es war ein Zufall, der mich zur Westernliteratur brachte. In einem Seminar an der Uni las ich eine Quelle von zwei Mädchen im 18. Jahrhundert, die im Grenzland von Pennsylvania von Indianern entführt wurden und erst nach vier Jahren zurückkehrten. Mich faszinierte diese Geschichte sofort. Irgendwann beschloss ich, einen Roman darüber zu schreiben, er trägt den Titel “Der Ruf der Schildkröte – die Trommeln am Fluss”. Es geht in diesem Roman vorrangig um die beiden Mädchen, aber auch um Schlachten, Folter und jede Menge Militär. An einer Stelle gibt es eine Vergewaltigungsszene. Diese habe ich erfunden. Warum, weiß ich jetzt nicht mehr so genau. Vermutlich, weil so etwas meinem damaligen Gefühl nach einfach in einen historischen Roman gehört. Ich kenne die wenigsten Schinken, die nicht an irgendeiner Stelle so etwas einbringen. Erst heute, seit ich ein wenig feministisch geprägt bin, frage ich mich warum und komme zu dem traurigen Ergebnis, dass es dabei um eine Art sexuellen und potenziell frauenverachtenen Thrill geht, an dem sich einige der Leser erregen – und zwar leider Leser beiderlei Geschlechts. Das gilt auch für detaillierte Sexszenen, die sich in jedem Mittelalter-Roman finden. Als bestünde das Leben im Mittelalter nur aus Hexenwahn (nein, der gehört in die Frühe Neuzeit) und dazu gehörender sadistischer Folter an wehrlosen Frauen, schön detailliert beschrieben, herumreisenden Prostituierte und Orgien. Warum kommt Literatur nicht ohne diese Darstellung aus? Warum folgte auch ich diesem Ablauf?

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“Queremos flores” – Konzertlesung mit Gioconda Belli in Wiesbaden

Gioconda Belli

Gioconda Belli, by Jorge Mejía Peralta via Flickr, [ CC BY 2.0]

Am 20. Juni 2015 fand im Kulturforum Wiesbaden – anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Ocotal – Wiesbaden – die Konzertlesung mit Gioconda Belli und dem Grupo Sal Duo statt. Veranstalter war der Verein Nueva Nicaragua e. V. Gioconda Belli las an diesem Abend aus ihrer neuen Anthologie “Die Frau, die ich bin”, in der poetische Höhepunkte ihrer zuvor erschienenen Gedichtebände “Wenn du mich lieben willst”, “Feuerwerk in meinem Hafen”, “Feuer bin ich in der Ferne”, “Ich bin Sehnsucht, verkleidet als Frau” und “Davor, die Jugend” versammelt sind. Übersetzt wurde sie von Lutz Kliche, der auch einige ihrer Romane aus dem Spanischen ins Deutsche übertragen hat. Ich hatte das große Glück, an diesem Abend dabei zu sein: Es war ein eindrückliches, tief bewegendes und unvergessliches Erlebnis.

[…] Morgen vergesse ich die Angst,
fürchte nicht mehr die einsamen Strecken,
noch das Erwachen ohne Dach.
Ich verscheuche die Gespensterwolken,
den anschleichenden Tod,
gebe zu, dass ich glücklich bin,
ganz einfach glücklich.
Ich verliere die tiefe Angst vor dem Glück. [1]

Gioconda Belli Ein Rest der Angst / Esquinas del miedoaus dem nicaraguaischen Spanisch von Anneliese Schwarzer

Biografisches

Gioconda Belli wurde 1948 in Managua, Nicaragua geboren, mit 18 Jahren war sie verheiratet und widersetzte sich ihrem Ehemann, der ihr nicht gestatten wollte, in einer Werbeagentur zu arbeiten. Durch diese Arbeit kam sie in Kontakt mit der Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN), sie war zu dieser Zeit bereits Mutter einer 1-jährigen Tochter, und beteiligte sie sich ohne Wissen ihres Ehemannes am Widerstand gegen die damals herrschende Somoza-Diktatur.

Ihre ersten Liebesgedichte veröffentlichte sie in der Tageszeitung “La Prensa”, welche von der erzkatholischen Gesellschaft (und Regierung) Nicaraguas als Affront aufgefasst wurden und auch den Bruch mit ihrer Familie markierten.

1974 flüchete Gioconda Belli zuerst nach Mexiko und danach nach Costa Rica ins Exil. Sie kehrte im Jahr 1979 nach dem Sturz der Somoza-Diktatur durch die Sandinisten nach Nicaragua zurück. In ihrer Anthologie “Truenos y arco iris” (“Donner und Regenbogen”), erschienen 1982, behandelte sie die Zeit vor dem Sturz Somozas.

Nicaragua geriet später erneut in einen Bürgerkrieg, den sog. Contra-Krieg, der von den USA finanziert wurde. In der Folge legte Gioconda Belli ab 1986 ihre politischen Funktionen in der FLSM und im Innenministerium nieder und arbeitete fortan nur noch als Schriftstellerin. 1988 gelang ihr mit “La mujer habitada” (“Bewohnte Frau”) der internationale Durchbruch als Schriftstellerin.

Bei den Wahlen in Nicaragua im Jahr 1990 siegte das Bündnis der konservativen Opposition. Gioconda Belli zog sich daraufhin in die USA zurück und kritisierte wiederholt das Politikverständnis und die Selbstherrlichkeit der sandinistischen Führungsriegen. [2]

Seit 1990 lebt sie mit ihrer Familie wechselweise in Los Angeles/USA und Managua/Nicaragua. [3]

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