Schlagwort: marilyn monroe

“Ich hasse es ein Ding zu sein”

Marilyn Monroe

By Milton H. Greene [Public domain], via Wikimedia Commons

Norma Jeane Baker wurde am 1. Juni 1926 in Los Angeles geboren. Es gibt wohl kaum jemanden, der/die den Weltstar Marilyn Monroe nicht kennt. Als Sexsymbol ging sie in die Geschichte ein, und als solches gilt sie bis heute.

Sehr selten spielt jedoch ihre traurige Lebensgeschichte eine Rolle. Dabei waren ihre Drogen-, Alkohol- und psychischen Probleme durchaus bekannt. Norma litt unter Depressionen, Schlaflosigkeit, Unsicherheit und der Unfähigkeit anderen zu vertrauen. Viele, die sie kannten, hatten das Gefühl sich in ihrer Gegenwart auf dünnem Eis zu bewegen – sehr schnell konnte ihre Laune umschlagen.

Normas Mutter, Gladys, litt unter Schizophrenie und verbrachte viele Jahre ihres Lebens in psychiatrischen Krankenhäusern. Dies führte dazu, dass Norma bei diversen Pflegefamilien und in insgesamt elf Kinderheimen aufwuchs.

Im Heim wurde sie weiderholt, beginnend von ihrem achten Lebensjahr,  hauptsächlich von einem Mann (vermutlich George Atkinson) über einen längeren Zeitraum hinweg sexueller Gewalt ausgesetzt. Als sie davon berichtete (man sagt u.a. ihrer Mutter), glaubte man ihr nicht – der Klassiker –  und es wurde ihr erwidert, der Täter sei ein “guter Christ” und seine Mietzahlungen an das Heim seien sehr wichtig. Ihre Mutter habe sie auch als “Schlampe” bezeichnet.

Norma musste mehrfach das Heim wechseln, weil sie unterschiedlichen sexuellen Belästigungen ausgesetzt war. Sie musste gehen – nicht die Täter. Wie muss dies als Botschaft auf ein Kind wirken?

Im Jahr 1942 heiratete sie, im Alter von 16 Jahren, den fünf Jahre älteren James Dougherty. Die Ehe scheiterte und wurde nur vier Jahre später wieder geschieden. Später folgten weitere Ehen.

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“Wahnsinnsfrauen” – Psychische Krankheit als Mittel zur Diskriminierung von Frauen, die sich der gesellschaftlich vorgesehenen Rolle verwehren

Johanna von Kastilien

Master of the Joseph Sequence (fl. circa 1470-1500) [Public domain], via Wikimedia Commons

Die wundervolle Luise F. Pusch hat gemeinsam mit Sibylle Duda Anfang der 1990er Jahre einen dreiteiligen Band herausgegeben, der unter dem Titel “Wahnsinnsfrauen” den Zusammenhang zwischen psychiatrischer und psychischer Erkrankung und dem Frausein herausgearbeitet. “Wahnsinn” kann ein Unterdrückungsmittel sein und zugleich ein Fluchtort aus der Enge der gesellschaftlichen Rollen. Das Attribut “hysterisch” zeugt bis heute von diesem Diskriminierungspotenzial, das darauf abzielt, Frauen und ihr Verhalten für das Patriarchat zu entwaffnen. Und auch psychische Gesundheit ist nach dem männlichen Ideal ausgerichtet:

Auch heute noch und bisher nicht ausdrücklich revidiert, arbeiten Psychiatrie und Psychotherapie mit dem Leitbild einer psychisch gesunden, erwachsenen Persönlichkeit, das nach dem Leitbild des Mannes, wie es das gängige Geschlechterstereotyp vorgibt, ausgerichtet ist. Demnach gibt es keine psychisch gesunde erwachsene Frau, sie gilt nur dann als normal, wenn sie sich unauffällig unterordnet, möglichst nicht die Begrenzungen ihrer weiblichen Rolle durchbricht. [1]

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