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Das Geschrei der geprellten Väter – Väterrechtler unter sich

Father and Child

By Elvert Barnes from Hyattsville MD, USA (04.Hot8.Storm.SFLF.WDC.7jul06) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Am vergangenen Dienstag trat in der Sendung “Menschen bei Maischberger” Detlef Bräunig auf, Heldenfigur der deutschen Väterrechtlerszene, weil er sich durch den Umzug ins Ausland seinen Unterhaltspflichten entzog. Während er in der Sendung eher eine traurige Figur machte, wurde er anschließend auf Facebook von seinen Freunden gefeiert. Die Störenfriedas interviewten jüngst eine Bloggerin, die Bräunig erfolgreich verklagte, weil er Fotos und persönliche Daten von ihr veröffentlichte, als sie ihn und sein Auftreten im Internet kritisierte. Bräunig zeigt sich stolz auf sich, weil er, laut eigener Aussage in der Sendung, keinerlei elterlichen Gefühle für das eigene Kind, für das er keinen Unterhalt zahlt, habe. Dass besagtes Kind dies nun über das Fernsehen erfuhr und welche Verletzung das beinhaltete – darüber wollte in den Kommentaren kaum jemand schreiben. Stattdessen: Begeisterung und Beifall für Bräunig. Dabei zeigt sich: Den ach so engagierten Vätern geht es nicht um das so viel beschriene Kindeswohl, es geht um ihren Stolz, ihr Portemonaie und ihren Hass auf alle Frauen. Vermischt mit Verschwörungstheorien und Mahnwachenbegeisterung tummelten sich dort in über 400 Kommentaren alles, was es an Frauen- und Menschenfeindlichkeit zu lesen gibt. Man könnte die vor Hass triefenden Aussagen der enttäuschten Männer getrost ignorieren – wenn sie nicht seit Jahren erfolgreich dafür sorgen würden, dass Familiengerichte lieber von den “armen” Männern reden, anstatt von den Frauen. Sie nennen sich “Zahlväter”, fühlen sich geprellt. Die bösen, geldgierigen Frauen nehmen ihnen Kinder und Geld weg, wir leben laut ihrer Vorstellung in der Tyrannei des Feminismus. In dieser Debatte vermischen sich jedoch zwei Punkte: Das Sorgerecht und die Pflicht zu Unterhaltzahlungen. Beides wird von den Väterrechtlern gern in einen Topf geworfen – doch die Verpflichtung, Unterhalt zu zahlen, hat nichts mit dem Sorgerecht zu tun. Sie entsteht in dem Moment, in dem ein Mann ein Kind zeugt. Offensichtlich ist es für viele schwer, Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen. Sex ohne Kondom ist super – aber was danach passiert, ist Sache der Frau. Wenn das Kind in einer Beziehung entstanden ist, fordern viele Männer nach deren Ende das “Recht auf einen Neuanfang”, das ihnen durch die angeblich horrenden Unterhaltszahlungen verwehrt wird. Kinder als Wegwerfprodukte – aufziehen und unterhalten sollen sie dann wechselweise die Frauen oder der Staat. Mit “Väterrechten” hat das herzlich wenig zu tun.

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