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Menstruation – die „heilige Wunde“

Wie können Frauen jeden Monat bluten und dennoch gesund sein? Dieses Mysterium war Männern schon früh ein Rätsel. Die Frau wurde als ein geheimnisvolles Wesen betrachtet. Blieb das Blut aus, gebar sie irgendwann ein Kind – dass Männer dabei eine Rolle spielten, erfuhr man in der Menschheitsgeschichte erst relativ spät. In allen patriarchalen Gesellschaften werden Frauen, meist aufgrund religiöser Bestimmungen, sobald sie ihre Mens haben, isoliert und von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen, sie gelten als unrein, dürfen keine Speisen berühren und ganzen Völkern Niederlagen im Krieg bringen. Aus dieser Ausgrenzung spricht die männliche Angst von der Frau und ihrem Körper, der so ganz anders funktioniert als der der Männer. In archaischen Gesellschaften galt das Menstruationsblut jedoch als heilig, mit ihm wurden Felder fruchtbar gemacht und starke Liebeszaubertränke entwickelt. Das Menstruationsblut galt als magisch. Auch in unserer, patriarchalen Gesellschaft, ist es ungeheim wichtig, dass die „Regel“ „diskret“ abläuft, das Menstruationsblut gilt als ekelerregend und von menstruierenden Frauen wird erwartet, dass niemand mitbekommt, was mit ihnen geschieht. Es ist vollkommen normal, dass männliche Partner in dieser Phase den Geschlechtsverkehr ablehnen und von den Frauen wird eine besondere Hygiene erwartet. Das führt dazu, dass Frauen ihre Menstruation als einen entfremdeten Prozess erleben, ihren Körper als etwas, der Ekelhaftes produziert, ohne dass sie darüber Kontrolle haben. Tatsächlich gibt es viele feministisch orientierte Zirkel, die dafür eintreten, dass sich Frauen wieder der Kraft dieses Prozesses bewusst werden. Die Menstruation macht uns zu Frauen, ihr Eintreten symbolisiert den Übergang vom Mädchen zur Frau, Menstruationsblut ist nichts Ekelerregendes, sondern etwas ganz Natürliches und von Frauen sexuelle Enthaltsamkeit zu erwarten während ihrer Mens drückt ihren Körpern gegenüber Geringschätzung aus. Sperma überall hinzuschmieren, sichtbar zu machen, zu trinken ist fast zu einem der bestimmenden Fetische unserer (Porno-)Kultur geworden, während das Menstruationsblut unsichtbar gemacht wird und damit ein wesentlicher Teil des Frauseins.
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