Schlagwort: nationalismus

Der böse fremde Mann

GI Joe Soldier

GI Joe Soldier by Cerebral Pizza via Flickr [CC BY 2.0]

Kaum schaltet man den Fernseher im Moment an, oder liest irgendwo in irgendwelchen Medien Kommentare, glaubt man die größte Bedrohung deutscher Frauen und Kinder ist der geflüchtete muslimische Mann., der bald raubend und mordend durchs Land ziehen wird. Auf einer Bürgerversammlung vor kurzem, ich konnte es fast nicht glauben, wurde Sorge über Frauen ausgesprochen, die alleine mit Hunden durch den Wald gehen in der Nähe einer Unterkunft für geflüchtete Menschen. Die ständig auflauernden Exhibitionisten (kein Witz) im Wald waren vergessen.

Lange ist es her, da waren nicht die männlichen „Flüchtlinge“ Thema, sondern die amerikanischen Soldaten. Einer Gruppe, der besondere Nähe zur „Leitkultur“ nachgesagt wird. Der weiße GI, der amerikanische Soldat, war sozusagen der Inbegriff des westlichen Mannes.

Merkwürdigerweise wiederholen sich die Dinge auf befremdliche Art und Weise.

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Frauenrechte und Nationalismus – von neuen Allianzen und alten Widersprüchen

Sexism Abounds

Ianqui Doodle via Flickr, [CC BY-NC-ND 2.0]

Am vergangenen Wochenende gab es keine Talkshow, in der nicht in irgendeiner Form sehr aufgeregt darüber diskutiert wurde, wie man denn nun mit all diesen muslimischen Männern umgehen soll, die hier nach Deutschland als Flüchtlinge kommen. Von „Werten“ wird gesprochen, die auch gleich noch in Gefahr sind. Da ist Julia Klöckner, CDU-Vize, die „hunderte E-Mails“ von Menschen aus Deutschland bekam, die mit muslimischen Männern ähnliches erlebt haben wie sie. Die Empörung ist so groß, alle sind in Sorge, und zwar vor allem um die „deutsche“ Frau. In dieser Debatte zeigt sich eine unerwartbare Allianz und ein alter Widerspruch: Plötzlich ist Nationalismus – und auch latenter Rassismus – im Feminismus wieder schwer angesagt und auf einmal sorgen sich Christdemokraten mit verdienten Frauenrechtlerinnen Seite an Seite um den Feminismus. Huch. Jemand, der vor etwa neun Monaten, vor dem Beginn der sogenannten „Flüchtlingskrise“ ins Koma gefallen wäre würde das alles vorkommen wie ein Scherz. Ist es aber nicht.

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Einzelfälle oder rassistischer Normalzustand? – Deutschland und die WM

"Rassismus führt zum Verlust Ihres Mitgefühls."

Dierk Schäfer via Flickr [CC BY 2.0]

Bereits letzte Woche haben wir auf besorgniserregende Trends im Zusammenhang mit der Fussball-WM hingewiesen, nämlich im Zuge des 7:1 Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen die Seleção (brasilianische Elf). Von „Blitzkrieg“ war die Rede, oder „Vergewaltigung“. Inzwischen gibt es auch den „passenden“ Merchandise dazu (siehe Foto).

Jede*r, der oder die auf rassistische oder nationalistische Ausfälle hinweist, wird von den Fussballfans, die sich den Spass am Sieg der „eigenen“ Mannschaft nicht vermiesen lassen wollen, daraufhin belehrt, dass es sich um „Einzelfälle“ handeln würde und es Spinner schließlich überall gibt. Die Mehrheit sei aber nicht so.

Ein Blick auf Twitter zeigt: Diese „einzelnen Aussetzer“ gab es auch wieder zu Hauf im zeitlichen Zusammenhang mit dem Finalspiel. Bereits im Vorfeld heizte eine unappetitliche Werbekampagne von REWE die Stimmung gegen Argentinien an und veröffentlichte u.a. ein Video bei dem ein argentinisches Steak durch den Fleischwolf gedreht wird. Die Vorfälle während und um das Match herum wurde unter #mobwatch und #schlandunverkrampft gesammelt. Ob „Sieg Heil“-Rufe oder Gesänge, die den „Endsieg“ bejubeln oder konstatieren „wir sind wieder wer“, ob Angriffe und Beschimpfungen gegen Argentinien-Fans oder Überfälle auf linke Kneipen und Projekte: bundesweit wurden solche Zwischenfälle gesammelt. Leider in der Regel wieder von den „üblichen Verdächtigen“, wie zum Beispiel Netz gegen Nazis – in den Mainstreammedien hofft man auf eine kritische Auseinandersetzung leider meistens vergebens. So zum Beispiel bei der Zeit, die bereits kritisch unter die Lupe nahm, was beim Spiel der deutschen Nationalelf gegen Ghana so in den sozialen Netzwerken abging. (Beispiel: „Hoffentlich sterben paar Schwarze mitten auf dem Spielfeld an AIDS“)

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#BRAGER – Ein Spiel als „Vergewaltigung“, „Blitzkrieg“ und „Holocaust“ auf Twitter

Brazil and Croatia match at the FIFA World Cup (2014-06-12; fans)

By copa2014.gov.br (Brazil beat Croatia in World Cup opening match) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Das gestrige Spiel von Deutschland gegen Brasilien wird in den Medien bereits als „historische Demütigung“, als Spiel, das in die Geschichte eingehen wird, gefeiert. 7:1 gewannen die Deutschen gegen die sonst so übermächtigen Favoriten aus Brasilien. Die Fans tobten, in Deutschland waren die Straßen wie leergefegt, unterbrochen wurde die Stille nur aus den nicht abbrechenden Begeisterungsschreien der deutschen Wohnzimmer und den Public Viewing Arenen. Auch in den Sozialen Netzwerken war dies zu spüren, allen voran bei Twitter unter BRAGER (die Zusammensetzung aus Brasilien und Germany), das Hashtag, unter dem sich so ziemlich jeder zu Wort meldete. Viele Kommentare waren witzig, andere einfach nur voller Begeisterung. Andere benutzten, um ihrer nationalistischen und sexistischen Gesinnung passend zum Spiel Ausdruck zu verleihen, so oft die Hashtags #Blitzkrieg #Holocaust und #Vergewaltigung, dass diese gemeinsam mit BRAGER die bundesweiten Twittertrends anführten.

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