Schlagwort: online-dating

Polyamorie – Befreiung oder Patriarchat in neuen Kleidern?

Wenn man sich aktuell auf Datingplattformen umsieht, bekommt man schnell den Eindruck, dass monogame Beziehungen ganz schön old school sind. Viele ab Mitte 20 bezeichnen sich selbst als “polyamorös”, also als Menschen, die ohne Eifersucht und Besitzdenken Beziehungen mit mehreren Partnern eingehen. Das Konzept der Polyamorie erfährt bereits seit einigen Jahren viel Aufwind, ganz neu ist es nicht. Schon in den 68ern galt: “Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment”. Von dieser Haltung gibt es eine direkte und sexistische Kontinuität zum aktuellen Polyamorie-Trend.

Von der freien Liebe, die gar keine ist

Die Idee, neue Beziehungs- und Liebesformen, also “freie Liebe” auszuprobieren, gibt es nicht erst seit der Hippie-Zeit, auch in den freiheitsliebenden 1920er Jahren fanden sich erste Ansätze dazu. Besonders in linken und linksliberalen Zusammenhängen gibt es Anhänger von neuen Beziehungsformen. Die bürgerliche Ehe wird als Zwangskonstrukt verstanden, das der Entfaltung des Individuums und der Liebe entgegensteht. Wahrlich wird kaum jemand bestreiten, dass eine Ehe früher wenig mit Liebe, aber viel mit Besitz, Bürgerlichkeit und vor allem patriarchaler Ordnung zu tun hatte. Auch heute noch begünstigt ein Trauschein vor allem jene Lebensmodelle, die euphemistisch “traditionell” genannt werden, in Wirklichkeit aber vor allem den Männern dienen: Klassische Versorgerehe, sie bleibt daheim und kümmert sich um Haushalt und Kinder und wenn er sie nach ein paar Jahren gegen ein jüngeres Modell austauscht, hat sie Pech gehabt.

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Dickpics schicken ist wie Blumen schenken – jede Frau freut sich drüber

Dickpics, anscheinend die neuen Selfies unserer Generation, zu schicken scheint als Mann in Zeiten von Tinder, Lovoo und wie sie alle heißen fast schon als normal zu gelten. Ist ja „nur“ ein Penis, oder? Oder nicht?

Das bizarrste an der ganzen Sache – und gleichzeitig auch das traurigste – ist doch, dass ich gezwungenermaßen irgendwie, ja doch zwangläufig, davon ausgehen muss, dass die Menschen, die ungefragt, ungebeten, ohne Aufforderung ein Bild ihres Gemächts schicken, nicht die kompetentesten, intelligentesten, geschweige denn respektvollsten Menschen sind. Ein Bild ihres Geschlechtsteils, auf das sie scheinbar unsagbar stolz sind und es wie eine Trophäe rumzeigen müssen. Kurze Anmerkung, es ist ein Penis und den haben ziemlich viele Männer auf dieser Welt – ja es tut mir leid, du bist nicht einzigartig, nur weil du einen Penis hast und verdienst dafür keine besondere Aufmerksamkeit. Den Höhepunkt erreicht diese mir suspekte Situation dann in der zu häufig daraufhin folgenden Frage, die die Person, dessen Geschlechtsteil ich nun gezwungenermaßen betrachten musste, mir stellt: „Und, wie gefällt er dir?“

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Psychopath, Narzisst oder einfach Arschgesicht? Dating-App und Feminismus – geht das?

Zugegebenermaßen: Aus Langeweile und auch unter etwas Einsamkeit leidend hat die
Autorin beschlossen auch einmal eine Dating-App auszuprobieren und diese Erfahrungen festzuhalten. Doch mehr noch: Da sie nicht glauben will, dort ihre „große Liebe“ zu finden, beschließt sie, sich als Sozialarbeiterin eines Frauenhauses auszugeben – wie genau reagieren Männer, wenn sie mit solch einem medial kaum beachteten Thema konfrontiert werden? Stellen sie Fragen oder möchten sie von Erlebnissen hören? Und auch eine weitere persönlichere Idee bringt die Autorin zur Dating-App Lovoo: Als ehemalige Betroffene von Gewalt will sie die App dieses Mal nutzen, um sich bewusst gegen Anzüglichkeiten und Grenzüberschreitungen im Netz abzugrenzen. Dies hat eine Vorgeschichte: Ihre erste Anmeldung bei Lovoo liegt wenige Monate zurück und hatte sie erschrocken zurückgelassen: Penisbilder und eine Anfrage, ob sie sich vorstellen könne, als Prostituierte zu arbeiten, waren das Ergebnis. Wie der zweiter Anlauf der Autorin, der immerhin zwei Wochen lang geht, verläuft, lesen Sie im Folgenden.

Wie funktioniert Lovoo?

Vermutlich wie jede andere Dating-App. Da ich aber kein Smartphone Betriebssystem besitze, welches die Lovoo-App unterstützt, nutze ich diese über den Rechner. Es geht relativ simpel, immerhin sind Lovoo oder andere Apps ja eher für schnelle Bekanntschaften gedacht. Wohnort, Alter, das Aussehen und natürlich ein oder mehrere Fotos und schon kann der „Spaß“ losgehen. Hobbies werden nicht abgefragt – ist für die Lovoo-Macher wohl nicht notwendig, um ins Gespräch zu kommen. Erst wenn ein Foto hochgeladen ist, kann das sogenannte Match-Spiel begonnen werden. Einige Grunddaten des Mannes sowie sein Profilfoto werden dann angezeigt. Wischt man nach links, will man den anderen nicht kennen lernen, rechts wischen heißt „ja“ und sollte der Gegenüber das gleiche bei der Autorin machen, kann man sich kontaktieren. Aber es gibt auch die Möglichkeit sich erst mal anzuschauen, wer denn überhaupt aus der angegebenen Region kommt – auch hier ist eine Auflistung, man sieht nur das Profilbild sowie Name, Alter und Wohnort.

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Digitales Dating – Liebe und Sex in Zeiten des Internets

Buchcover: Digitales Dating

Georg Seeßlen: Digitales Dating - Liebe und Sex in Zeiten des Internets, Bertz + Fischer, 2015

In der vergangenen Woche beschäftigten wir uns bereits anhand eines Erfahrungsberichtes mit dem Thema Online-Dating. Passend dazu ist in der Reihe “Sexual Politics” des Bertz + Fischer Verlages der Band “Digitales Dating – Liebe und Sex in Zeiten des Internets” des Autors Georg Seßlen erschienen. Nie war es leichter, mit anderen in Kontakt zu treten, doch nie gab es mehr Singlehaushalte, gab es mehr Alleinstehende auf der Suche, gab es mehr Profit bei den Einsamen zu holen, das bezeugen die schiere Anzahl an Plattformen und Diensten zur Partnersuche. Das Online-Dating hat so seine Tücken – auf die Georg Seßlen in kluger und zuweilen amüsanter Weise eingeht.
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Online-Dating – Flirtform der Gegenwart oder Schlachtfeld der Geschlechter? Ein Erfahrungsbericht

"You looked hotter online"

Cali4beach via Flickr, [CC BY 2.0]

Ich arbeite viel. Zu viel. Ich bin nicht mehr so jung, dass ich von Party zu Party fliege und dort einen aufregenden Mann nach dem anderen treffe. Vielleicht sind auch die Partys und die Männer jenseits der 30 einfach nicht mehr so aufregend. In den letzten Jahren haben fast alle meine Freundinnen geheiratet, Kinder bekommen oder leben zumindest in festen Beziehungen. Nur ich nicht. Nicht, dass ich das so wollte, es hat sich einfach so ergeben. Da war immer gerade dieses oder jenes Projekt, das wichtiger war und die Beziehungen, die ich hatte, krankten an faulen Kompromissen, die ich, je älter ich wurde, immer weniger bereit war auszuhalten.  Traf ich immer die falschen Männer? Mag sein. Die Sorte treusorgender Familienvater war mir immer ein wenig unheimlich. Machte ich Fehler in Beziehungen? Sicher. Ich bin sehr eingefahren in dem, wie ich meine Entscheidungen treffe. Eine Partnerschaft bedeutet für mich nicht, das aufzugeben. Warum? Ich will mit niemandem zusammen wohnen, ich will niemandem erklären müssen, wofür ich mein Geld ausgebe oder wie ich meine Zeit verbringe.

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