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Robert Jensen: The End of Patriarchy

Interessanterweise höre ich in regelmäßigen Abständen (und immer häufiger), dass meine Facebook-Posts oder radikalfeministischen Statements einen konkreten Nutzen durch Denkanstöße für männliche Freunde haben, bzw. sie – für sich ganz persönlich – mit „meinem Feminismus“ etwas anfangen können. Daran wurde ich immer wieder bei der Lektüre von Jensens „Das Ende des Patriarchats. Radikaler Feminismus für Männer“ erinnert.

Man könnte angesichts des Titels versucht sein zu glauben, dass der amerikanische Journalismus-Professor und „Culture Reframed“-Aktivist Robert Jensen hier ein „Ich erkläre euch mal den Feminismus“-Buch vorlegt hat – aber das ist weder sein Anspruch, noch sein Ziel. Vielmehr geht es ihm darum, aus seiner männlichen Position heraus, zu erläutern, warum radikaler Feminismus für ihn als Mann einen unschätzbaren Wert hat. Oder wie Autor Jeffrey Masson sagt: Es ist kein „Mansplaining“-Buch, sondern das Gegenteil davon: ein „Mann-hört-auf-Frauen“-Buch. Wer also tiefgreifende radikalfeministische Analysen lesen will, sollte nach wie vor (und sowieso) zu den Klassikern greifen.

Freimütig räumt Jensen im Vorwort ein, dass sich in ihm zunächst alles gegen die feministische Analyse gesträubt hat, dass jedoch irgendetwas in ihm wollte, dass er weiterliest – seine Hauptmotivation war geprägt von Eigennutz, der Suche nach einem Ausweg aus dem ständigen Wettkampf „ein Mann zu sein“. (S. 3) Jensen nutzt die feministische Theorie, um seine Erfahrungen in einer sexistischen Gesellschaft (den Vereinigten Staaten von Amerika) für sich erklärbar zu machen (S. 16). Er sieht seine Aufgabe als privilegiertes Mitglied der herrschenden Gruppe darin, die Ergebnisse seines Selbstreflektions-Prozesses öffentlich zur Diskussion zu stellen (S. 17).

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Sexualerziehung durch die Sexindustrie? Keine gute Idee!

Pornos sind überall. Wir haben Foodporn und Bookporn und Porno Rap und überhaupt ist alles Porno. Das große Ziel der Sexindustrie, endlich im Mainstream anzukommen, ist fast erreicht. Pornos sind nichts Schmutziges mehr, im Gegenteil. Pornos sind cool. Wer die in in ihnen dargestellte Gewalt gegen Frauen, der immer weiter eskalierende Hass und die Gefahren anspricht, die die Sexindustrie mit sich bringt, gilt als prüde. In keiner Industrie ist die Selbstmordrate höher, sind eindeutiger Rassismus und sexistische Gewalt nicht nur geduldet, sondern sogar gewünscht und können “Produkte” nur durch massiven Drogenkonsum der Darsteller erstellt werden. In Pornos werden Frauen systematisch entmenschlicht, sie sind austauschbare Ressourcen, deren Gefühle und Körper nichts zählen.

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Shelley Lubben: Pornographie – Die größte Illusion der Welt

Shelley Lubben war einst ein bekannter Pornostar in den USA, bevor sie zu den Ersten gehörte, die laut auf die Gewalt in der Pornoszene hinwiesen. Ihre “Pink Cross Foundation” hilft ehemaligen Pornostars und Prostituierten, die Sexindustrie zu verlassen. Mit “Pornographie – Die größte Illusion der Welt” ist ihre Biografie nun beim Ruhland Verlag auf Deutsch erschienen.

Shelley Lubben lässt sich den Mund nicht verbieten. Laut und vehement kritisiert wieder und wieder, was die Sexindustrie den Menschen und insbesondere den Frauen antut. Dafür wird sie verleumdet, beschimpft und bedroht, doch für sie ist ihr Glaube ihr Kraftspender. “Jesus hat mich gerettet”, schreibt sie immer wieder in ihrem Buch. Der Glaube an Gott und ihre tiefe Religiosität sind der rote Faden, der sich durch ihr Buch zieht. Das mag für viele Nichtgläubige befremdlich sein, doch wer das Buch liest, erkennt schnell, dass sie ohne ihren Glauben nicht überlebt hätte.

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Wie geht feministisch lieben? Beziehungstipps für heterosexuelle Feministinnen

Feministisch lieben und dann auch noch heterosexuell sein – geht das? Lauscht frau der öffentlichen Debatte, scheinen sich Feminismus und heterosexuelles Liebesglück auszuschließen. Die Meinungen schwanken zwischen den Extremen ‘Wie der Feminismus die Liebe zerstört’ und ‘Feministisch lieben geht nur in lesbischer Beziehung’ und legen einvernehmlich nahe, dass es unmöglich sei, als Feministin eine glückliche Liebesbeziehung mit einem Mann zu führen. Auch die Suche in der umfangreichen Ratgeberliteratur offenbart nur eine bedrückende Leere auf dem Büchermarkt. Feministische Beziehungsratgeber für heterosexuelle Frauen sind so gut wie nicht existent.
Als eine derjenigen Frauen, die zu der bemitleidenswerten Spezies heterosexueller Feministinnen gehören, weil sie ihre Hände einfach nicht von Männern lassen und ihr Begehren auf Frauen ausrichten können, erlaube ich mir deshalb, hier zehn Beziehungs- und Überlebenstipps für feministische Heteras zu geben. Diese basieren vor allem auf meinen eigenen mittlerweile schon 25 Jahre währenden Beziehungserfahrungen. Wie sicher viele von euch habe ich einige echt miese Beziehungen mit Männern hinter mir. Dies war, als ich noch jung, schüchtern und unerfahren war, aber seitdem ich den Feminismus mit Anfang/Mitte 20 für mich entdeckt habe, wurde es zunehmend besser. Weil Feminismus für mich bedeutet, meine eigenen Interessen als Frau besser wahrzunehmen und auch gegenüber meinen Mitmenschen zu verteidigen. Erst meine Beschäftigung mit dem Feminismus führte dazu, dass die Beziehungen zunehmend besser wurden und auch die Liebe immer schöner.

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Drei Zimmer, Küche, Porno: Die neue Amateurpornografie

“Deutsche” Pornos, so sagt man, sind schon immer besonders authentisch und gerne auch mal richtig “versaut”, versaut im Sinne von Urin- und Fäkalspielen. Nach den USA ist Deutschland das Land, das die meisten Pornos produziert und konsumiert. Dabei hat die Pornobranche mehrere einschneidende Veränderungen erfahren. Anfang der 1970er Jahre war Pornografie in Deutschland noch verboten und wurde vor allem aus Dänemark eingeschmuggelt, erlaubt waren nur die “Sexfilme”, die wir auch als “Softpornos” kennen, wie zum Beispiel der Schulmädchenreport. 1973 wollte der Bundestag eigentlich verhindern, dass immer mehr Pornos unter der Hand gekauft werden und erlaubte die Vorführung in Pornokinos, wenn die Getränke mehr kosteten als der Film selbst, das Pornokino war geboren und wurde später abgelöst von der Videokassette, deren Untergang wiederum durch das Internet eingeläutet wurde. Längst wird der Markt in Deutschland heute nicht mehr von Produktionsfirmen und Pornostars bestimmt, sondern durch rund 50.000 Amateure, die ihre Videos auf Plattformen anbieten.

Der Journalist Philip Siegel beschäftigt sich bereits seit längerer Zeit mit dem Thema Porno. 2010 erschien von ihm “Porno. Reise in ein unbekanntes Land” und Anfang dieses Jahres “Drei Zimmer, Küche, Porno – warum immer mehr Menschen in die Sexbranche einsteigen”. Zunächst mal muss man Siegel zu Gute halten, dass er sich in der Pornowelt in Deutschland auskennt wie kein zweiter und umfangreich und nach journalistischen Standards recherchiert hat. Seine Recherchen haben nicht nur ihren Weg in das Buch gefunden, es gibt unter www.3zimmerporno.de jede Menge Videos, die er bei den Recherchen zu seinem Buch gedreht hat.

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Im feministischen Porno-Workshop

Public Domain, CC0, Pixabay

ein Gastbeitrag von Huschke Mau

Neulich war ich auf einem Workshop, der – so angekündigt – „feministischen Porno“ zum Inhalt hatte. Ich habe das für mich zum Anlass genommen zu schauen, wie Menschen, die bisher nicht mit feministischen Pornos in Kontakt gekommen sind, auf ihn reagieren.

Die Workshopleiterin war eine Mitarbeiterin der Berliner „Sexclusivitäten“, und hatte dort, wie sie erzählte, eine Ausbildung zur „sexpositiven Referentin“  erhalten. Die Teilnehmenden (Frauen-Männer-Verhältnis etwa 50-50) waren junge AkademikerInnen.

Vorgestellt wurde der „PorYes“-Award, der seit 2009 für Pornos, die bestimmte Kriterien erfüllen, verliehen wird. Die Referentin erklärte, es gehe darum, dem Mainstreamporno Alternativen entgegenzusetzen, „neue, andere Bilder“ zu machen und Geschlechterrollen aufzubrechen. Man verstehe sich komplementär zur PorNo-Bewegung, Zitat: „Alice Schwarzers Kritik am Mainstreamporno finden wir okay, aber wir wollen nicht verbieten, wir wollen andere Bilder machen.“ Denn wenn Pornographie verboten wäre, würde auch Frauen die Redefreiheit, das heisst, das Recht, ihre eigene Sexualität auszudrücken, genommen. „Sexpositiver Feminismus“ beruhe auf drei Grundlagen: der Annahme, dass die sexuelle Freiheit zur allgemeinen Freiheit gehöre, der Überzeugung, dass Gender gesellschaftlich produziert wird (dass wir also bestimmte Geschlechterrollen nicht biologisch begründen können, weil sie anerzogen werden) und der Konsens, das heisst, alle betroffenen Parteien müssen mit dem Akt einverstanden sein und dann habe auch keine dritte Partei und auch kein Staat sich mehr einzumischen.

Jetzt ist ja aber das Problem mit Porno nicht nur, dass der Mainstreamporno immer gewalttätiger wird (dazu werde ich mal einen eigenen Text schreiben), sondern auch, dass Pornographie bedeutet, dass Menschen gegen Geld Sex miteinander haben, den sie ohne Geld wahrscheinlich nicht hätten. Pornographie ist also Prostitution, nur halt mit Kamera dabei. Und es stellt sich die Frage, kann man Pornographie bejahen, wenn man Prostitution einmal als falsch erkannt hat?

Zwei Filmszenen wurden uns vorgespielt, eine heterosexuelle und eine „lesbische BDSM-Szene“ (Gegröle unter den Männern, schmierige Kommentare: klarer Favorit).

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Pornos sind Hassrede: Warum wir nicht länger wegschauen dürfen!

Vor kurzem hat Pornhub seine Statistiken für das Jahr 2016 veröffentlicht. 23 Milliarden Besucher hatte die Seite im vergangengen Jahr, 91 Milliarden Videos wurden angeschaut. Deutschland liegt mit seiner Nutzerdichte nur noch auf Platz 7, was zunächst erfreulich klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als blanker Hohn gegenüber den Opfern sexueller Gewalt: Auf Platz 1 der am häufigsten gesuchten “Pornostars” (so nennt es Pornhub selbst) liegt Gina-Lisa Lohfink, die im vergangenen Jahr erst einen Prozess gegen zwei Männer verlor, die sie gegen ihren Willen beim Sex filmten und das Video hochluden. Gina-Lisa Lohfink zeigte die Männer wegen Vergewaltigung an, die beiden wurden nicht nur freigesprochen, sondern Gina-Lisa Lohfink wurde parallel dazu in einem demütigenden Prozess zu einer hohen Strafanzahlung wegen einer Falschbeschuldigung verurteilt.

Zu den weltweit am häufigsten gesuchten Suchbegriffen gehören “Teen” – also Filme, in denen die Darstellerinnen absichtlich auf ein minderjähriges Aussehen getrimmt werden, “Step Sister”, in dem inzestuöser bis erzwungener Sex unter Geschwistern dargestellt wird, sowie “Japanese” und “Ebony”. Die beiden letzten Kategorien zeigen DarstellerInnen entlang ihrer Hautfarbe an, japanische Frauen gelten als besonders unterwürfig, schwarze Frauen als “wild” und werden dementsprechend “rau” behandelt. Alles beim Alten also in der Pornowelt: Sie ist rassistisch und verharmlost sexuelle Gewalt. Die Kritik daran ist nicht neu.

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Der Zuhälterstaat und die Sexindustrie – Kat Banyard: Pimp State

Buchcover "Pimp State" von Kate Banyard

Die Zahlen zur Sexindustrie sind erschreckend: 50 Prozent der Frauen landen bereits vor ihrem 18. Geburtstag in der Prostitution, über 50 Prozent werden von Freiern vergewaltigt und fast alle haben Missbrachserfahrungen und/oder sind drogenabhängig. Pornos werden immer gewalttätiger und extremer. Prostitution ist sexuelle Gewalt, Porno ist – und der Anteil steigt – zu großen Teilen gefilmte sexuelle Gewalt. Trotzdem wächst die Sexindustrie in jedem Jahr, verschleißt rücksichtslos tausende von jungen Frauen weltweit und erfreut sich einer zunehmenden “Akzeptanz” in der Mitte der Gesellschaft. Wie ist das möglich? Genau dieser Frage geht die britische Feministin und Wissenschaftlerin Kat Banyard in ihrem Buch “Pimp State: Sex, Money and the Future of Equality” nach, das bereits im Juni 2016 bei Faber & Faber erschien und leider bislang noch nicht in deutscher Übersetzung vorliegt. Trotzdem gilt es bereits jetzt als Status Quo Grundlagenwerk für alle, die sich mit den Zusammenhängen der Sexindustrie beschäftigen.

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Wie die Sexindustrie über Leichen geht – Sexindustry Kills

Jack The Ripper

See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Im September berichteten wir erstmals über ein spannendes Projekt, das Wiki “Sexindustry kills”, welches alle Fälle zu Morden, Mordversuchen und Verbrechen an Prostituierten zusammenträgt. Es ist eine Galerie des Schreckens. Mord und Vergewaltigung gehören zu den “Berufsrisiken” der Prostitution.

Seitdem hat sich viel getan: Das Wiki wurde auf einen eigenen Server umgezogen und wurde um eine Kategorie erweitert: die Pornoindustrie. Bis dato sind bereits mehr als 400 Personen aufgelistet, die in diesem Geschäftszweig der Sexindustrie tätig waren und nach dem immer gleichen Muster in jungen Jahren starben: durch Selbstmord, Mord, Drogen, Alkohol, Unfälle, Krankheiten. Die Recherchearbeit ist noch lange nicht zuende, hier wird noch ständig ergänzt, viele Stunden wurden bereits investiert – und die Aufarbeitung wird auch noch eine ganze Weile dauern, wie es von den Initatorinnen heißt.

Viele solcher Listen existieren bereits im Netz, Sexindustry kills versucht jedoch den Betroffenen ein Gesicht zu geben und ihre Geschichten zu erzählen.

Zwei solcher Geschichten wollen wir hier exemplarisch zusammenfassen:
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Warum Sex nicht einfach positiv ist

Sex in progress, do not disturb

By Nevit (Own work) [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Sexpositive Feministinnen erklären, in Abgrenzung zur radikalfeministischen Perspektive, Sex zu einem Mittel der persönlichen Befreiung. Jede Kritik an mit Sex verbundenen Institutionen, wie der Pornografie oder der Prostitution, sehen sie im Zusammenhang mit einer moralisch-konservativen Haltung, die Sex tabuisieren oder reglementieren will. Das führt mitunter zu seltsamen Auswüchsen. So erklärte die Mädchenmannschaft Linda Lovelace, die Darstellerin aus dem “Kultfilm” Deep Throat zu einer “Akteurin in der Geschichte des Blowjobs”. Linda Lovelace wurde zu den Pornodrehs gezwungen, sie wurde geschlagen und erniedrigt. Das hat sie selbst später immer wieder berichtet. Sie ist also keine Akteurin, sondern ein Opfer. Wenn Sexualität aber Opfer hervorbringt, dann kann sie nicht einfach harmlos oder schlicht “positiv” sein, deshalb wird Linda Lovelace lieber zu einer “Akteurin” erklärt als als Opfer benannt. Das ist das Problem, wenn eine Haltung zum Dogma wird. Betroffene sexueller Gewalt sind nach dieser Lesart also nur “Akteure” im Drama ihrer eigenen Vergewaltigung. Das ist eine Einstellung, die im Namen von sexpositiven Feminismus die Opfer sexueller Gewalt verhöhnt, in dem die ihnen geschehene Gewalt relativiert wird.

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