Schlagwort: pornografie

Pornos sind Hassrede: Warum wir nicht länger wegschauen dürfen!

Vor kurzem hat Pornhub seine Statistiken für das Jahr 2016 veröffentlicht. 23 Milliarden Besucher hatte die Seite im vergangengen Jahr, 91 Milliarden Videos wurden angeschaut. Deutschland liegt mit seiner Nutzerdichte nur noch auf Platz 7, was zunächst erfreulich klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als blanker Hohn gegenüber den Opfern sexueller Gewalt: Auf Platz 1 der am häufigsten gesuchten “Pornostars” (so nennt es Pornhub selbst) liegt Gina-Lisa Lohfink, die im vergangenen Jahr erst einen Prozess gegen zwei Männer verlor, die sie gegen ihren Willen beim Sex filmten und das Video hochluden. Gina-Lisa Lohfink zeigte die Männer wegen Vergewaltigung an, die beiden wurden nicht nur freigesprochen, sondern Gina-Lisa Lohfink wurde parallel dazu in einem demütigenden Prozess zu einer hohen Strafanzahlung wegen einer Falschbeschuldigung verurteilt.

Zu den weltweit am häufigsten gesuchten Suchbegriffen gehören “Teen” – also Filme, in denen die Darstellerinnen absichtlich auf ein minderjähriges Aussehen getrimmt werden, “Step Sister”, in dem inzestuöser bis erzwungener Sex unter Geschwistern dargestellt wird, sowie “Japanese” und “Ebony”. Die beiden letzten Kategorien zeigen DarstellerInnen entlang ihrer Hautfarbe an, japanische Frauen gelten als besonders unterwürfig, schwarze Frauen als “wild” und werden dementsprechend “rau” behandelt. Alles beim Alten also in der Pornowelt: Sie ist rassistisch und verharmlost sexuelle Gewalt. Die Kritik daran ist nicht neu.

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Im Westen nichts Neues – Kriegsschauplatz Frauenkörper

We don't need no patriarchal education.

Public DomainChristopher Dombres

Erinnert ihr euch noch an das Sommerloch vom letzten Jahr? Damals ging es um das “Hotpants-Verbot an deutschen Schulen” – alle diskutierten mit und regten sich auf. Jetzt, ein Jahr später, geht es wieder um Frauenkörper und was sie tragen – diesmal um die Burka und den Burkini. “Gesicht zeigen ist Teil unserer Kultur”, hört man da von offizieller Seite und wundert sich, warum das offensichtlich nur für Frauen gilt, nicht aber für Polizisten auf Demonstrationen. In allen Kommentarspalten, auf Facebook und in den Zeitungen selbst geht es nun hoch her, von “westlichen Werten” ist die Rede und von gewollter Provokation, als vorgestern eine Frau im Burkini von französischen Polizisten am Strand dazu gezwungen wurde, Kleidung abzulegen, vor ihrem weinenden Kind. Parallel dazu wird Gina-Lisa Lohfink zu 20.000 Euro Strafe wegen Falschbeschuldigung verurteilt. Die Richterin erklärte, in dem Video, das übrigens von den Tätern selbst als “Vergewaltigungsvideo von Gina-Lisa Lohfink” kurz nach der Tat Journalisten angeboten wurde, wirke es, als “würde sie [Gina-Lisa Lohfink] posen” und außerdem “verhöhne” sie “echte Vergewaltigungsopfer”. Genau zum richtigen Zeitpunkt veröffentlicht Mithu Sanyal, Kulturwissenschaftlerin und Feministin, ihr Buch “Vergewaltigung – Aspekte eines Verbrechens”, nachdem kurz zuvor schon Alice Schwarzers Buch “Der Schock” über die Silvesternacht die Bestsellerlisten gestürmt hat. Im Zusammenhang mit Gina-Lisas Fall und den Ereignissen der Silvesternacht wurde das Sexualstrafrecht überarbeitet – “Nein” soll demnach ab sofort auch wirklich “Nein” heißen. Nur auf den ersten Blick stehen diese Ereignisse und die Reaktionen darauf in keinem Zusammenhang, tritt man einen Schritt zurück und unterzieht sie einer radikalfeministischen Analyse, so wird schnell deutlich, dass wir gerade Zeuge einer Entwicklung werden, die Grundlegendes über die Stellung von Frauen in westlichen Gesellschaften aufzeigt.

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Wie Pornos meine Familie zerstören

Lichtreklame: Broken Heart

By Christine Zenino from Chicago, US (broken heart...Uploaded by russavia) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Ich weiß nicht mehr genau, wann sich mein Blick verändert hat. Seit wann ich mich in der geschützten, liebevollen Welt von Eltern, Kindergarten und Sportverein wie eine Außenseiterin fühle, wann Pornos angefangen haben, mein Leben und das meiner Familie dauerhaft zu verändern, wann mir klar wurde, dass Pornos im Begriff sind, mich und meine Familie zu zerstören. Ich weiß, womit es angefangen hat. Mitte August sah ich ausgerechnet auf RTL II die Doku “Liebe und Sex im Pornozeitalter”. Obwohl meine Kinder noch nicht in dem Alter sind, sich für Pornos zu interessieren, ließ mich der Gedanke nicht mehr los, dass mein Sohn, der immerhin auch schon acht ist, bald in Kontakt mit Hardcore-Pornografie kommen könnte. Zu Weihnachten hat er von uns einen Tablet-PC geschenkt bekommen. Er benutzt ihn vor allem, um zu lesen oder Spiele zu spielen, aber prinzipiell kann er damit auch ins Internet, denn die “Kinderschutzsoftware” ist so schlecht, dass er innerhalb von wenigen Tagen wusste, wie er sie umgehen konnte. Ich beschloss, mit ihm zu sprechen. Ihm zu erklären, dass er ohne mich weder ins Internet gehen noch auf die Youtube-App klicken darf. Dass das gefährlich sei, erklärte ich – ohne im sagen zu können, was die Gefahr daran eigentlich ist.  Ich machte den Selbstversuch und gab “Porno” in die beliebteste Suchmaschine ein. Auf der ersten Seiten fand ich von nackten Frauen bis zu Bildern mit doppelten Penetrationen, spermaverschmierten Frauengesichtern und gewalttätigen Sexdarstellungen alles. Von “Analhuren” las ich da und von kleinen Mädchen, die Sex mit ihrem Vater hatten – alles gespielt, natürlich! Ich war geschockt. Mir wurde klar, dass ich keine Ahnung davon hatte, was Pornografie ist. Pornos waren für mich die soften Filmchen, die man früher sogar im Nachtprogramm sehen konnte oder ein paar schlecht gemachte Männermagazine. Lächerlich im besten Fall. Aber nicht diese gewaltvolle, frauenverachtende Flut an extremen Bildern. Das also sollte für meinen Sohn der erste Kontakt mit dem Thema Sex sein?  Wie nur sollte ich es schaffen, ihn vor diesen Bildern zu beschützen, ihm den Raum zu sichern, den er brauchen würde, um seine eigene Sexualität zu entdecken, unbeeinflusst von den überall lauernden Werbemaschen der Pornoindustrie, die ihn in einen frauenhassenden, einsamen Mann verwandeln wollten, der am liebsten allein vor seinem PC masturbierte?
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Pornos sorgen für Sexualstraftaten

Chickita's Sex Paradijs - Sex Shop Amsterdam

By Ricardo Martins from Gent, Belgium (Chickita's Sex Paradijs) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Im Zusammenhang mit Pornos ist immer wieder die Rede davon, dass sie für eine sexuell befreitere Gesellschaft stehen. Porno ist gleich Fortschritt, je lockerer wir mit dem Thema umgehen, umso befreiter sind wir. Dass gerade Pornos die klischeehaften Rollenverteilungen immer wieder inszenieren ist nur ein Aspekt, der darauf hinweist, dass es mit dem Befreiungspotenzial für Frauen beim Porno nicht so weit her ist. Über die explizit gewalttätigen Aspekte haben wir auf den Störenfriedas immer wieder geschrieben. Dennoch wird ebenso wie bei Prostitution gerne behauptet, Pornos würden, durch “Druckabbau” Sexualstraftaten verhindern. Das wollten wir genauer wissen. Bei unseren Recherchen sind wir über eine Abschlussarbeit von Dominik Birner “Pornografie und Sexualstraftaten – was wissen wir über die Zusammenhänge?” im Studienfach Jura gestoßen, die den Zusammenhang von Pornos und Sexualstraftaten explizit aufzeigt.

Dabei ist zunächst interessant, wie der Gesetzgeber “einfache” und “harte” Pornografie unterscheidet: Laut §184a des StGB ist harte Pornografie solche, die Gewaltdarstellungen, Folter oder zum Beispiel Sex mit Tieren zum Inhalt hat. Ihre Verbreitung ist verboten, weil der Gesetzgeber einen “Nachahmungseffekt” befürchtet.

Bereits in den 1970er Jahren wurden die Auswirkungen der gerade erst legalisierten Pornografie in mehreren Ländern untersucht, und die Studie kam zu dem Ergebnis, dass es eine erhöhte Anzeigebereitschaft bei Sexualstraftaten gab, die Zahl der Straftaten aber vermutlich nicht angestiegen sei.

Anfang der 1980er gaben 33 Prozent der befragten männlichen Pornokonsumenten aus Deutschland an, sich an Vergewaltigungsdarstellungen im Porno zu erregen, allerdings würde das bei Männern, die nicht über eine bestimmte “Prädisposition” verfügen, keine Sexualstraftaten zur Folge haben. Anders ist es bei Kinderpornografie: Hier führt der Konsum zu mehr Straftaten.

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Lila statt Rosa: Was an Pinkstinks nicht reicht

Fight Sexism - Streetart

by Steffi Reichert via Flickr, [CC BY-NC-ND 2.0]

Ich habe keinen Bock mehr auf sexistische Werbung, keinen Bock mehr auf die Degradierung von Frauen zum sexuellen Objekt, ich habe keinen Bock mehr auf nackte Brüste, die für Technik oder irgendwas werben müssen, was so nichts mit Brüsten zu tun hat und auch wenn ich die Knochenmarkspenderdatei total gut und wichtig finde: Ich habe keinen Bock darauf, dass die mit einem offenen lasziven Frauenmund wirbt. Als das Ü-Ei plötzlich in Rosa zu haben war, speziell für Mädchen versteht sich, wurde ich wütend aufgrund der Feststellung, dass der Sexismus sich jetzt schon in dieses bis dato total “ungegenderte” Spielzeug eingefressen hatte. Ich bin dafür, dass Kinder mit Lego, Puppen, Playmobil, Sand und Dreck spielen, dass sie auf Bäume klettern, Fußball spielen, Flick-Flacks auf Schwebebalken machen, backen oder Explosionen mit Chemiebaukästen machen. Also quasi alles für alle. Egal jetzt ob Junge oder Mädchen.

Und genau so stelle ich mir ein mediales Abbild vor. So in meiner Traumwelt nach der feministischen Revolution.

Pinkstinks fand ich deswegen cool. Und ich fand es bewundernswert, wie schnell und enthusiastisch diese Kampagne aufgezogen wurde und zur Organisation wurde. Ich fand es gut und wichtig, dass endlich ein gewichtiges Organ wächst, was diesem ganzen sexistischen Werbeapparat einen Strich durch die – im wahrsten Sinne des Wortes – Rechnung macht.

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“Kulturelle Amnesie”: Was wir nicht wissen dürfen, damit sexuelle Ausbeutung funktioniert

Schema des Faserverlaufes im menschlichen Gehirn und Rückenmark

By Christoph Theodor Aeby [Public domain], via Wikimedia Commons

This information [harms of prostitution, pornography and trafficking] has to be culturally, psychologically, and legally denied because to know it would interfere with the business of sexual exploitation.

Diese Fakten [die Schäden, die Prostitution, Pornografie und Menschenhandel anrichten] müssen kulturell, psychologisch und rechtlich geleugnet werden, denn das Wissen darüber würde das Geschäft mit der sexuellen Ausbeutung stören.

Die Leugnung, Verdrängung, Bagatellisierung und das Ausradieren der offensichtlichen Gewalt und Brutalität, mit der (kommerzielle) sexuelle Ausbeutung verhaftet ist, macht mich in Diskussionen zum Thema Prostitution oft sprach- und ratlos. Wie kann es passieren, ein System wie Prostitution noch zu befürworten, obwohl – so meine ich – gewusst wird, welchen maßlosen “menschlichen Schaden” es anrichtet?

Melissa Farley1 geht in einem Artikel, der 2006 im Yale Journal of Law and Feminism unter dem Titel: “Prostitution, Trafficking, and Cultural Amnesia: What We Must Not Know in Order To Keep the Business of Sexual Exploitation Running Smoothly2 erschien, der Fragestellung nach, warum es – so sinngemäß zusammengefasst – für das Funktionieren der Sex-Industrie wichtig ist, die Gewalt im Kontext (kommerzieller) sexueller Ausbeutung zu leugnen und auszublenden.

In diesem Beitrag stelle ich die Kernaussagen dieses Artikels heraus.

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“Voll Porno” – warum echte Kerle “Nein” sagen

Buchcover: "Voll Porno!" - Warum echte Kerle "nein" sagen.

Christoph Pahl: "Voll Porno!" - Warum echte Kerle "nein" sagen., Francke, 2010

Männer und Pornos – das gehört doch zusammen, oder? “Alle Männer schauen Pornos” belehrte mich vor kurzem erst wieder ein männlicher Freund. “Die, die behaupten, es nicht zu tun, lügen.” Aha. Da ist sie wieder, diese geheimnisvolle Sexwelt der Männer,  von der wir Frauen keine Ahnung haben. Außer wir sind Prostituierte oder PornodarstellerInnen. Christoph Pahl hat mit “Voll Porno – warum echt Kerle “Nein” sagen”  ein sehr persönliches Buch über seinen eigenen Pornokonsum und seine Erfahrungen damit geschrieben, in dem er aufgrund seiner Arbeit mit Jugendlichen zu dem Schluss kommt, wie sehr Pornos Heranwachsende verändern und was Pornos mit unserem Frauen- und Menschenbild machen  – aber das alles hat mit “echten Kerlen” nichts zu tun.

In der Einleitung schreibt er:

Das ist ganz bewusst ein Buch für “echte Kerle”. Dieses Buch ist für die Würde von Männern und Frauen, für guten Sex, für Männer, die Verantwortung übernehmen, für heile Familien und Beziehungen. Und weil ich für das alles bin, bin ich gegen Pornos.

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Wir nehmen den Genossen die “Nutten” weg

Hannover, Rotlichtviertel am Steintor

By Kamillo Kluth from Hannover, D (tabledance) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

In den vergangenen Monaten war eine erstaunliche Entwicklung zu beobachten. Die Linke, traditionell pro Frau und pro Gleichberechtigung, zumindest, wenn es darum geht, es sich auf die Fahnen zu schreiben, voller „Awareness-Strukturen“ und sonstigem Blödsinn, Anti-Sexismus und lauter Quoten, brach in einen wilden Streit darüber aus, ob Prostitution denn nun zu verbieten sei oder nicht und dieser Streit übertrug sich zugleich auch auf den Bereich der Pornografie.

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Über das Wesen des Porno

Peep show, Porn Cinema

By Gates of Ale (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Porno, was heißt das eigentlich? Das Wort Pornografie setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen, aus „Pornä“, dem Wort für Hure und „Graphie“, der Darstellung, also der Hurendarstellung. Bereits an dieser Stelle muss über den Zusammenhang von Prostitution und Pornografie gar nicht erst weiter diskutiert werden. Doch tatsächlich geht es in diesem Text darum, das Wesen des Pornos, seine Funktion und seine Zusammenhänge und seine vielfältigen Deutungen zu durchdringen, um, so die zunächst mal nur als Hypothese im Raum stehende Formulierung zu belegen, dass er Frauen erniedrigt und zu Objekten macht und eine Institution des Patriarchats ist, die es abzuschaffen gilt, wollen wir in einer wahrhaft gleichberechtigten Gesellschaft leben.

Die Behauptung, Pornografie sei ein Mittel der sexuellen Befreiung der Frau und nicht ihrer Versklavung ist so alt wie die Debatte um Pornografie selbst.

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