Schlagwort: pornographie

Andrea Dworkin: Widerstand

Andrea Dworkin

By Open Media Ltd. (Uploaded by Open Media Ltd. (AnOpenMedium)) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Auszüge aus einer Rede, gehalten am 8. April 1987 an der New York University Law School, veröffentlicht im Sammelband “The Sexual Liberals and The Attack on Feminism“, herausgegeben von Dorchen Leidholdt und Janice G. Raymond im Jahr 1990. Vollständiger Text „Resistance, Andrea Dworkin“ (auf englisch) auf radfem.org.

Es hat sich wirklich so angefühlt, dass die Pornographen gewinnen würden. Und was so eigenartig dabei ist, ist, dass sie zum ersten Mal Angst haben. Und sie haben allen Grund dazu, denn wir haben ihr Geschäft gestört. Sie haben niemals geglaubt, dass wir das könnten. Sie sind die Kaiser des Profits und der Schmerzen. Sie sind unantastbar.

Ganz am Anfang, als die Frauenbewegung damit anfing die Pornoindustrie ins Visier zu nehmen, haben die Leute gesagt: „Es ist sinnlos. Es ist hoffnungslos. Gegen die kommt man nicht an. Es gibt’s nichts was wir ausrichten können.“ Ihre Macht schien so  unermesslich, weil ihr Geld unermesslich ist. Die Tatsache, dass die Medien ihnen gehören, machte sie zu einem respekteinflößenden Feind. Wir hatten nicht viel …

Wir nahmen unsere ziemlich zerlumpten kleinen Schilder und marschierten 10.000 Meilen im Kreis. Wir waren müde und tot und besiegt, und wir sagten „Wir erreichen nichts.“ Und am nächsten Tag gingen wir wieder raus, und marschierten weitere 10.000 Meilen, irgendwo in einem anderen Kreis. Überall in diesem Land, in den Städten und Dörfern, überall, waren Frauen Aktivistinnen gegen die Pornographie.

Die Medien haben davon niemals etwas berichtet. Eine ganze Menge von Leuten hat sich nicht dafür interessiert. Aber Feminismus lebte … und wir benutzten Pornographie um uns ein sehr anspruchsvolles, neues Verständnis von der Realität der sexuellen Gewalt anzueignen: Wie die verschiedenen Formen zusammenhängen um uns weh zu tun, uns unten zu halten und uns in Gebrauchsgegenstände zu verwandeln.

In Minneapolis haben wir ein Gesetz entwickelt, und plötzlich verstanden die Pornographen, dass wir ihnen ihr Geld nehmen wollten. Diese merkwürdigen kleinen Frauen liefen nicht mehr nur noch im Kreis und machten sich selbst schwindelig, sondern wir dachten tatsächlich, dass wir in diesen Gerichtssaal gehen und sagen würden: „Wir schlachten eure Sparschweine, wir nehmen euer ganzen Geld und verwenden es für Frauen. Genau das werden wir machen.“

Ihre Reaktion … war spektakulär. Und sie war nicht spektakulär weil sie dachten, dass dieses Gesetz nicht funktionieren würde. Ihr Ärger, ihre Feindseligkeit, ihre Frustration, ihre Aggression, kamen zustande, weil sie uns ernst nahmen, als eine politische Präsenz, die ihnen schaden kann.

Und, schrecklicherweise, genau in dem Moment, verlor die Frauenbewegung den Boden unter ihren Füßen. Alle wurden zu Feiglingen und rannten. Wir versuchen ihnen das nicht zu sagen. …

Aber die Wahrheit ist, dass der Wille sie zu besiegen aus der Mode gekommen ist, denn sie zu zerstören sei schlecht, denn sie zu zerstören sei Zensur. Und wenn der kleine Bob Guccione sagen will, was er sagen will – auch wenn er Frauenkörper braucht um das zu sagen – dann sei das Land ärmer an Ideen, an politischer Freiheit – unserer politische Freiheit, so sagt man uns. …

Und der Horror ist, dass Frauen dem auf den Leim gegangen sind, dass Frauen dem Glauben schenken, dass Frauen eingeschüchtert wurden, dass Frauen zum Schweigen gebracht wurden, mit der Verteidigung des First Amendment [erster Artikel der US-amerikanischen Verfassung], welcher nicht mal für uns gilt. …

Ich glaube, dass es in diesem System nicht überraschend ist, dass Frauen gelernt haben die Machtlosigkeit zu erotisieren. Es ist eine Tragödie, aber es ist keine Überraschung. …

Ich weiß nicht, warum wir nicht denken, dass wir ein Recht auf Existenz haben, einfach nur zu existieren. Die Pornographen können sich sicher fühlen, wenn sie die Straße entlang laufen. Ich weiß nicht, warum die Läden, die Pornographie verkaufen, sich Tag für Tag sicher fühlen können. Ich fühle mich nicht sicher, aber die schon. Die sorgen sich um nichts und niemanden. Wir könnten so viel tun, aber wir tun nichts.

Deshalb bitte ich euch, bitte ich euch inständig, um einen konsistenten und militanten Aktivismus gegen jene Institutionen und Systeme der Ausbeutung, die Frauen Leid zufügen. Ich bitte euch in der Pornographie, die primäre Institution, die das tut, zu sehen. Aber wo auch immer ihr euch einbringen wollte, euer Herz, euren Geist und eure Körper im Kampf für die Befreiung der Frau einsetzen wollt, müsst ihr anderen davon erzählen, müsst ihr es anderen zeigen. Ihr könnt das nicht in eurem Kopf behalten und ein gutes Herz beweisen. Ihr müsst  den Willen dazu haben ein wenig heroisch zu sein, und den Gegenwind zu ertragen, der kommen wird wenn ihr das seid, und die Bestrafungen akzeptieren – ihr werdet so oder so dafür bestraft eine Frau zu sein, euch wird so oder so Leid zugefügt werden.

Der Unterschied ist, dass wenn ihr politisch aktiv werdet, dann werden sie euren Namen lernen, wie viele von euch wissen. Und dann werden sie sagen: „Schnapp sie dir. Nimm sie. Schnapp dir die da.  Stell sie sicher.“ Sie schreiben deinen Namen auf. Sie verstehen. Sie haben eine Liste von Prioritäten. Und wenn sie deinen Namen kennen, dann stehst du ganz oben auf dieser Liste, und nicht an deren Ende. Und damit riskierst du was, denn du wirst mehr bestraft als andere.

Ich bitte euch, dass wir nicht vergessen, was wir in den letzten 15 Jahren gewonnen haben, einen Versuch sexuelle Gewalt zu verstehen, einen Versuch zu verstehen, wie sexuelle Gewalt in dieser Gesellschaft zur Norm wird, jeden Versuch, den wir unternommen haben jene Leute zu bekämpfen, die uns ganz bewusst Leid zufügen wollen. Darüber gibt es keine Unklarheit. Sie lügen darüber nicht. Sie wollen einfach nur nicht, dass ihr euch darüber Gedanken macht, oder etwas dagegen tut, oder denkt ihr könntet etwas dagegen tun.

Wir haben gewaltige Fortschritte gemacht. Wenn es keine Frauenbewegung gibt – keinen echten, politischen, organisierten Widerstand, aktiv und militant – dann werden wir keine weiteren Fortschritte machen. … Ich bitte euch darum euren Kampf neu zu beleben, gegen Frauenhass, gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen – und nicht ein Teil der Frauenbewegung zu sein, die als Schutzschild dient für all die sexuellen Praktiken, die Frauen ganz klar Leid zufügen.

Evelina Giobbe: Den liberalen Lügen über Prostitution entgegentreten

Evelina Giobbe - Foto: Privat

Auszüge aus einem Text, veröffentlicht im Sammelband “The Sexual Liberals and The Attack on Feminism“, herausgegeben von Dorchen Leidholdt und Janice G. Raymond im Jahr 1990. Vollständiger Text „Confronting the Liberal Lies About Prostitution“ (auf englisch) auf radfem.org

WHISPER  (Women Hurt In Systems Of Prostitution Engaged In Revolt) ist eine nationale Organisation von Frauen, die die Sexindustrie überlebt haben. … Wir haben dieses Akronym gewählt, weil Frauen im System der Prostitution untereinander über den Zwang, die Erniedrigung, die sexuellen Misshandlungen und die Gewalt auf denen die Prostitution gründet, flüstern, während die Mythen über die Prostitution in der Pornographie und den Mainstream-Medien geradezu herausgeschrien werden – und das von selbsternannten „ExpertInnen“. Diese Mythologie (…) wird illustriert durch die Ideologie der Sexualliberalen, die fälschlicherweise behaupten, dass Prostitution eine Wahl sei; dass Prostitution der Inbegriff der sexuellen Befreiung der Frau sei; dass die Prostituierten die sexuellen und ökonomischen Bedingungen ihrer Interaktionen mit Freiern bestimmen würden; dass Zuhälter/Prostituierte für beide Seiten förderliche soziale und Wirtschaftsbeziehungen seien, in die Frauen sich freiwillig begeben würden … .

Die Sexualliberalen haben drei wesentliche Argumente entwickelt, die die zentrale Rolle von Zuhältern bei der Rekrutierung von Mädchen und Frauen in die so genannte freiwillige Prostitution wegerklären sollen: „Der Zuhälter als Manager“; „Der Zuhälter als stigmatisierte Minderheit“; „Der Zuhälter als Liebhaber und Freund“.  Alle drei Modelle machte sich Priscilla Alexander  [die niemals selbst in der Prostitution war] von der NTFP (National Task Force on Prostitution) und COYOTE (Cast Off Your Old Tired Ethics) zu eigen, ebenso  Arlene Carmen und Howard Moody, die dies von der Kanzel der Judson Memorial Church predigten und in ihrem Buch „Working Women: The Subterranean World of Street Prostitution“ (1985) vertraten. Da deren kollektiven Ansichten repräsentativ für die Förderung von und Entschuldigung für die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Frauen in der Pornographie und Pornographie sind, möchte ich mich damit befassen.

… Zunächst müssen wir uns den Mythos anschauen, nach dem Prostitution einfach ein Job wie jeder andere sei. Wenn es nach den Sexualliberalen geht, dann ist „Prostitution eine traditionelle weibliche Beschäftigung, die alltäglich auftritt und bei der biologisches Verlangen und ökonomische Bedürfnisse sich treffen“. Genauso doppelzüngig empfehlen sie uns es als „Akt, der in erster Linie persönlich und intim ist“ zu sehen und gleichzeitig „eine der letzte Bastionen des kleinen, selbstständigen, wirtschaftsliberalen Kapitalismus“ (Carmen / Moody, 1985). Die Tatsache, dass Prostitution die Objektifizierung des weiblichen Körpers, der auf dem Markt verkauft wird, voraussetzt, entzieht sie dem persönlichen Bereich. Vielmehr haben Überlebende den Akt der Prostitution als „ekelhaft“, „missbräuchlich“ und „wie Vergewaltigung“ beschrieben, und erklärt, dass sie lernen mussten ihren Geist von ihren Körpern abzutrennen oder Drogen und Alkohol konsumieren mussten, um ihre physischen und emotionalen Schmerzen zu  betäuben (WHISPER 1988). Dementsprechend wäre es richtiger Prostitution als zudringlich, ungewollt und oftmals offen gewalttätigen Sex zu sehen, den Frauen aushalten, statt es als „persönlichen und intimen Akt“ zu betrachten.

…Die Sexualliberalen (…) ignorieren, dass Prostitutionsüberlebende wiederholt gesagt haben (…), dass sie Prostitution nicht als Beruf betrachten. (…) Außerdem berücksichtigt diese Analyse nicht die soziale Funktion der Prostitution: das Recht auf bedingungslosen sexuellen Zugriff auf Frauen und Mädchen auf alle Männer auszuweiten, zusätzlich zu den Privilegien, die Ehemänner und Väter innerhalb der Institution der Ehe genießen. Diese Dynamiken werden von den Frauen, die im System der Prostitution benutzt werden verstanden, (…) so äußerte eine Überlebende (…) : „Ich habe gedacht, dass Frauen auf dieser Erde seien um das sexuelle Vergnügen der Männer sicherzustellen, im Tausch gegen ein Dach über dem Kopf und Essen in deinem Magen.“

Manche Sexualliberalen rechtfertigen Prostitution als eine altruistische Kreation von Women of Color:  „Prostitution ist schwarzen Frauen nicht fremd“, schreiben Carmen und Moody. „In den 1920er und 1930er Jahren gab es in jeder südlichen Stadt einen Rotlichtbezirk gegenüber dem schwarzen Ghetto, in dem junge weiße Jungs ihre Männlichkeit mit Hilfe einer „Zwei-Dollar-Hure“ entdeckten. (…) Prostituierte (…) haben Weiße und Schwarze lange vor der Bürgerrechtsbewegung integriert“ Erstaunlicherweise betrachten Carmen und Moody den Kauf und Verkauf von „schwarzen“ Frauen durch weiße Männer und ihre Söhne als Vorhut der Aufhebung der Rassentrennung. (…)

Eine WoC, die Prostitution überlebt hat, dazu:

„Sie haben [in der Stahlindustrie von Indiana] Männer angestellt. Alle Männer bekamen Jobs in den Stahlfabriken dort; jedoch nur wenige Frauen. Du musstest wirklich süss sein oder jemanden kennen, also gab es keine Jobs auf dem Feld, keine Jobs in den Büros, es sei denn du kanntest jemanden; aber es gab jede Menge Jobs für dich in den Stripclubs, als Tänzerin oder in den Restaurants und Bars vor den Fabriken, für wenn die Jungs reinkamen.“

Rassistische Stereotype von WoC in der Pornographie und rassistische Politiken, die pornographische Buchläden, Peep Shows, Oben-Ohne-Bars und Prostitution in die armen Nachbarschaften der Schwarzen und ethnischen Minderheiten legen, erschaffen eine Umgebung, in der WoC besonders verletzlich sind. (…)

Die Rolle des Rassismus bei der Rekrutierung von Frauen in das System der Prostitution und als Hindernis für ihr Entkommen daraus, ist komplex und facettenreich. …

„Prostitution beinhaltet eine Gleichung von Sex und Macht“, sagt COYOTE. Aber statt die Macht der Zuhälter und Freier über Frauen, die in der Prostitution benutzt werden, halten anzuerkennen, behauptet COYOTE ein gegensätzliches Arrangement: „Für die Frau / Prostituierte, besteht die Macht  in der Möglichkeit ihre Bedingungen für Sexualität zu bestimmen, sowie eine Bezahlung für ihre Zeit und Fähigkeiten zu verlangen“ (Priscilla Alexander) Den Feminismus grob entstellend,  behaupten Carmen und Moody: „In einer Gesellschaft, in der Frauen an der Schwelle zur Gleichheit mit Männern stehen, und den Sex nicht nur zu genießen beginnen, sondern auch entscheiden wann und mit wem sie ihn haben, wird die Prostituierte die Verkörperung der Freiheit, die bisher nur eine Fantasie war“. Sie erweitern ihre Unterstützung des männlichen sexuellen Imperativs zum Maß der sexuellen Freiheit von Frauen jedoch, wenn sie die vordergründige Funktion der Prostituierten beschreiben als „(…) sich für Bezahlung der sexuellen Fantasien unserer Brüder, Väter und Söhne ergeben“. (…)

Tatsächlich wird die Ausbeutung durch Zuhälter von Alexander umdefiniert in eine „Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehung, in der mehrere Prostituierte einen Teil oder ihre ganzen Einnahmen einem Dritten übergeben“. (…)

In einem Versuch Stroh in Gold zu verwandeln, spinnen die Sexualliberalen sich eine Argumentation zur Verteidigung der Prostitution, die auf falschen Annahmen und regelrechten Lügen beruht. Sie behaupten Prostitution sei sowohl eine Manifestation der sexuellen Freiheit der Frauen und von Geschlechtergleichheit. Sie behaupten Frauen würden Prostitution als Beruf wählen. Sie behaupten, dass Frauen sowohl die sexuellen als auch die finanziellen Interaktionen zwischen sich und den Freiern bestimmen würden. Sie behaupten Zuhälter seien kleine Geschäftsführer, die man durch Gewerkschaftsverhandlungen zur Verantwortung ziehen kann und sollte.

Bei der Auswertung der Daten, die im WHISPER Oral History Projekt gesammelt wurden, haben sich kulturell unterstützte Taktiken von Macht und Kontrolle herausgestellt, die die Rekrutierung oder den Zwang von Frauen und Kindern in die Prostitution befördern und effektiv ihren Ausstieg verhindern. These Taktiken beinhalten sexuelle Gewalt im Kindesalter, Vergewaltigung, häusliche Gewalt,  Mangel an Bildung, Diskriminierung am Arbeitsplatz, Armut, Rassismus, Klassismus, Sexismus, Heterosexismus und ungleiche Durchsetzung des Gesetzes. Dieselben Taktiken werden von einzelnen Männern verwendet um Frauen in missbräuchlichen Beziehungen außerhalb der Prostitution zu halten.

90% der Frauen, die am Oral History Projekt von WHISPER teilnahmen berichteten von einem ungeheuren Maß an erlebter physischer und sexueller Gewalt in ihrer Kindheit. 90% waren in ihren Familien geschlagen worden. 74% haben zwischen ihrem 3. und 14. Lebensjahr sexuelle Gewalt erfahren. In dieser Gruppe haben 57% wiederholt sexuelle Gewalt über einen Zeitraum von fünf Jahren erfahren. 43% wurden von zwei oder drei Tätern viktimisiert; 93% wurden von einem Familienmitglied sexueller Gewalt ausgesetzt. Zusätzlich wurden 50% aus dieser Gruppe von einem Nicht-Familienmitglied sexueller Gewalt ausgesetzt.  (…)

Carmen und Moody versuchen die Zuhälter freizusprechen, indem sie ein pseudo-psychologisches Profil dieser Männer erstellen. Was wirklich wichtig sei, schreiben sie, sei „das Selbstbild dieses Mannes, die Art und Weise wie er sich selbst wahrnimmt in seiner Beziehung zur Prostituierten. (…) Er sieht sich nicht als Sklavenhalter von Frauen; Er sieht sich eher als ein Geschäftsmann. (…) Er führt einen kleinen Betrieb.“ Und wenn wir weiterlesen, dann lernen wir, dass in diesem Betrieb „er sich normalerweise entscheidet die Frauen eher mit Sach- und Dienstleistungen zu bezahlen, statt mit Geld.“  Dies ist äquivalent dazu eine Analyse von sexueller Gewalt zu konstruieren, indem man den Sexualstraftäter fragt wie er sich selbst in Relation zu seinem Opfer sieht: Er wird sich selbst nicht als Vergewaltiger sehen, sondern er wird sich eher als ein Liebhaber betrachten.

Carmen und Moody schreiben über den Blick der Gesellschaft auf den Zuhälter: „Der Zuhälter als eine Kategorie Mensch erleidet das gleiche Schicksal wie andere Mitglieder von devianten und Minderheits-Subkulturen.“ (…) Sie fahren fort mit dem was sie als die wahre Erniedrigung durch die Sklaverei empfinden: „Weiße Meister haben schwarze Männer sozial kastriert, indem sie ihnen nicht erlaubten einem eigenen Haushalt vorzustehen, und ihnen den Zugriff auf weiße Frauen verwehrt haben.“ Für Carmen und Moody ist die zeitgenössische Zuhälterei durch schwarze Männer eine Korrektur einer historischen Ungerechtigkeit: „Der schwarze Zuhälter hat die Geschichte umgekehrt“, erklären sie. „Er dominiert schwarze und weiße Frauen [und hat] so den weißen Mann erniedrigt, indem er ihn dafür zahlen lässt für das, was weiße Frauen dem schwarzen Mann freigiebig geben.“

Das rassistische Paradigma (…) lenkt die Aufmerksamkeit von dem organisierten Handel mit Frauen durch weiße Geschäftsmänner in Amerika – den Bordellbetreibern in Nevada; Betreibern von Massagesalons und Escort-Services in den ganzen Vereinigten Staaten; Besitzern und Geschäftsführern von Bars, Nachtclubs und „Tanzstudios“, in denen Prostitution gefördert wird; Betreibern von „Mail Order Bride“-Agenturen; von organisierten, kriminellen Netzwerken, die im geheimen Einverständnis mit amerikanischen GI`s betrügerisch asiatische Frauen in dieses Land handeln und sie in Massagesalons einsperren; von den Pornographen und den Betreibern der „Peep Shows“ und „Live Sex Shows“; und von den linken, selbsternannten Revolutionären, die ihre weiblichen Genossinnen in den 1960er und 1970er Jahren „rausgeworfen“ haben. (…)

Die Familie dient als Übungslager für die Prostitution. Es ist im Interesse der Sexualliberalen, die meisten von ihnen Ehemänner und/oder Väter, diese Institution intakt zu halten. Sie schützen sie durch die Erzwingung von Gesetzen der Privatsphäre, die den Mann vorm Eingriff in seine absolute Autorität zu Hause schützen – ebenso wie diese Gesetze ihr Recht schützen Frauen durch die Pornographie öffentlich zu handeln.

In einem Versuch den Männern jegliche Verantwortung für den Handel mit Frauen abzusprechen, argumentieren Carmen und Moody, dass es „ein Mythos [ist], dass der Zuhälter der vorrangige Grund ist warum Frauen sich in diesem Leben befinden.“ Sie behaupten für die Prostituierten zu sprechen, wenn sie sagen: „(…) die Frauen wählen sehr viel häufiger als nicht den Mann mit dem sie sein wollen und dem sie ihr Geld geben) …. )Frauen verlassen den einen Zuhälter für einen anderen.“ (…) Alexander geht so weit, dass sie behauptet, dass „junge Mädchen (Ausreißerinnen) vorsätzlich in die großen Städte gehen um Zuhälter zu finden….“. (…)

Carmen und Moody beschreiben den Zuhälter als gütig. Sie schreiben: „Der Zuhälter spielt eine vielfältige Rolle (…) in Bezug auf seine Frauen: (…) als Vater, der seine eigensinnige Tochter erzieht … [als] Bruder … [als] Liebhaber. Die vielleicht wichtigste Rolle ist vermutlich, die (…) wenn er den Ehemann mimt:“ Sie behaupten: „Er ist begehrenswert, weil sie glaubt, dass er ein guter Versorger ist, der ihr die Dinge gibt, die sie braucht (…) und das was sie begehrt (…)  und er ihr das ultimative Geschenk machen wird – und sie sei Kind gebären lässt.“ Sie schieben die Schuld auf die Frauen, wenn sie sagen: „In der Subkultur der Prostitution ist der Mann immer noch der König auf einem Berg, während die Frau eine unterwürfige Dienerin ist, wenngleich auch zum größten Teil eine willige.“

Was Carmen und Moody hier beschreiben ist die traditionelle, patriarchale Familie, und indem sie das getan haben, haben sie unbewusst die Wahrheit über Prostitution entlarvt. Prostitution wird zu Hause gelehrt, sozial validiert durch die sexualliberale Ideologie und sowohl durch die Kirche und den Staat durchgesetzt. Das sind sozusagen die männlichen Hierarchien sowohl der konservativen Rechten und der liberalen Linken die hier zusammenwirken und Frauen Prostitution lehren und sie darin halten: die Rechte, indem sie fordert, dass Frauen sozial und sexuell dem  einen Mann in der Ehe untergeordnet sein sollen, und die Linke, indem sie fordert, dass Frauen sozial und sexuell allen Männern durch die Prostitution und die Pornographie untergeordnet sein sollen. Das gemeinsame Ziel ist es ihre Macht zu erhalten Frauen zu besitzen und zu kontrollieren, sowohl in der privaten als auch der öffentlichen Sphäre.

Prostitution ist nicht wie irgendetwas anderes. Vielmehr ist alles andere wie Prostitution, denn sie ist das Modell für die Lage der Frau. Die Trennlinie zwischen der Ehefrau und der Prostituierten – Madonna und Hure – verschwimmt zunehmend, beginnend mit den Versuchen der Frauen sich selbst aus dieser Doppelmoral zu befreien, die enttäuscht wurden durch die Übernahme und Forcierung der „Playboy Philosophie“ durch die liberale Linke.  Dies resultierte in der Ersetzung der Doppelmoral durch einen einzigen männlichen Standard, in dem sexuelle Befreiung ein Synonym für die männliche, sexuelle Objektifizierung von und den bedingungslosen sexuellen Zugriff auf Frauen wurde. Mit dem Eindringen der pornographischen Kabelprogramme und Videokassetten ins eigene Heim wird die „gute Ehefrau“ zunehmend gleichgesetzt mit der „guten Hure“, da immer mehr Frauen gedrängt werden die Szenen aus der Pornographie nachzuahmen. In diesem Kontext wird die Ehefrau bedrängt, verführt und/oder gezwungen die Rolle der Prostituierten zu übernehmen, während der Ehemann die Rolle des Freiers einnimmt. Wettbewerbe von Pornographen, wie Hustler (…) und High Society (…) haben zu einer starken Zunahme von Heim-Pornos geführt. In dieser Situation wird die Frau dazu verpflichtet sich in die Rolle der „Pornoqueen“ zu versetzen, während der Ehemann die Rolle des Pornographen übernimmt. Die Zunahme der „Swinger-Magazine“ und „Frauentausch-Clubs“ ermöglicht Männern sich gleichzeitig in die Rolle des Freiers und Zuhälters zu begeben, indem sie für die Benutzung der Partnerin des einen Mannes zahlen, und im Austausch ihre Ehefrau verfügbar für andere machen.  Die letzte Barriere der Trennung der Rolle von Ehefrau und Prostituierten wird eingerissen, wenn Männer sexuelle Begegnungen mit Prostituierten, die ihre Ehefrauen mit einbeziehen, arrangieren. Eine Prostitutionsüberlebende beschreibt die Dynamiken einer solchen Erfahrung:

„Viele Männer haben es genossen mich mit ihren Ehefrauen als dritte Person einzubringen. Normalerweise endete das damit, dass wir einen Porno anschauten und er dann sagen würde: „Ok, ich möchte, dass du das jetzt mit meiner Frau machst.“ Bei diesen Begebenheiten habe ich die Frau als Opfer empfunden, und dass meine Aufgabe darin bestand ihr weh zu tun. Ich habe ein echtes Machtspiel gespürt, bei dem der Mann seiner Frau offensichtlich sagte: „Wenn du das nicht machst, dann werde ich dich verlassen.“  Da gab es viele Zwischentöne, die für Manipulation und Zwang sprachen.“

Auf jede dieser Weisen symbolisiert Prostitution den Wert der Frauen in der Gesellschaft. Sie ist paradigmatisch für die soziale, sexuelle und ökonomische Unterordnung insofern, dass ihr Status die Basis ist, an dem der Wert aller Frauen gemessen ist, und auf den alle Frauen reduziert werden können. Die Bezahlung, die ein Mann bezahlt um die am meisten verachteten Frauen – Prostituierte – zu schädigen  – setzt den Standard nach dem er die Frauen unter seiner Kontrolle behandeln kann – seine Frau und seine Töchter. (…)

Die Rolle der Prostituierten wird Frauen individuell und als Klasse beigebracht durch die soziale Sanktionierung von kommerzieller sexueller Ausbeutung von Frauen durch Pornographen, die unseren Status zweiter Klasse aufrecht erhält und dennoch von den Sexualliberalen als Befreiung der Frau  angepriesen wird. Die vom Oral History Projekt erhobenen Daten widersprechen dem Argument der Sexualliberalen, dass Pornographie eine harmlose Fantasie sei oder sexuell befreiende Unterhaltung, sondern legen stattdessen nahe, dass Pornographie ein wichtiger Faktor ist in Bezug auf die Gewöhnung von Frauen an die Prostitution. 52% der interviewten Frauen enthüllten, dass Pornographie eine bedeutende Rolle dabei spielte ihnen beizubringen was von ihnen als Prostituierte erwartet würde. 30% gaben an, dass ihre Zuhälter sie regelmäßig pornographischem Material aussetzten um ihnen eine Akzeptanz der dargestellten Praktiken zu indoktrinieren. Eine Überlebende erklärte:

„Er hat Pornographie benutzt um mir Rollenbilder vorzugeben … Er sagte Dinge wie „Ich möchte, dass du so aussiehst“.

Vervollständigt wird die Angelegenheit durch die Benutzung von Pornographie durch Freier. 80% der Überlebenden berichteten, dass ihre Kunden ihnen Pornographie gezeigt haben um die sexuellen Aktivitäten zu illustrieren, die ihnen vorschwebten, inklusive Sadomasochismus, Bondage, Analverkehr, Urin und Kot, die Entfernung von Schambehaarung für die Illusion der Pubertät. Diese Information passt zu der Aussage von Prostitutionsüberlebenden in öffentlichen Anhörungen und vor Kommisionen:

„Pornographie war unser Lehrbuch. Wir haben die Tricks des Gewerbes gelernt, in dem Männer uns Pornographie ausgesetzt haben und uns dazu bringen wollten nachzuahmen was wir sahen. Wir können gar nicht genug betonen was für einen großen Einfluss das hatte.“

53% der Interviewten berichteten, dass  ihre Kunden pornographische Bilder schossen, zusätzlich zu den sexuellen Aktivitäten….

Wir, die Frauen von WHISPER, sind der Brutalität der patriarchalen Familie entkommen, nur um uns selbst den Zuhältern, Kupplern und Vermittlern auf Gedeih und Verderb ausgesetzt zu sehen, die eine Milliarden-Dollar-Industrie geschaffen haben, um zu verkaufen, was uns unsere Väter und Ehemänner ursprünglich von uns gestohlen haben. Wir sind hier um die Lüge über Prostitution zu entlarven, dass Prostitution die Antwort auf die soziale, sexuelle und ökonomische Unterordnung der Frau sei. Prostitution ist KEIN „Beruf“.

„Wenn ich auf mein Leben blicke, dann denke ich wie ich in diese Welt kam, als Kind, und erwartete gefüttert zu werden, angezogen zu werden, beschützt zu werden und mit Respekt und Güte behandelt zu werden, wie jedes andere menschliche Wesen … Ich glaube nicht, dass ich mit dem Wunsch auf diese Welt gekommen bin, eine Prostituierte zu sein. Ich denke, das ist etwas, was mir von den Dynamiken der Gesellschaft auferlegt wurde. Etwas, dass mir beigebracht wurde.“

Prostitution ist kein „Verbrechen ohne Opfer“

„Prostitution ist Gewalt gegen Frauen … es ist die schlimmste Form von Gewalt gegen Frauen, denn du wirst von den Freiern misshandelt, von den Zuhältern, und von der Polizei. Die gesamte Gesellschaft kehrt dir den Rücken zu.“

Prostitution ist ein Verbrechen, dass Frauen von Männern angetan wird (…). Es ist nicht weniger als die Kommerzialisierung der sexuellen Gewalt und Ungleichheit, die Frauen in der traditionellen Familie erleiden, und sie kann auch nichts anderes sein.

„Die Gesetze werden von Männern gemacht und Männer wollen Frauen in der Prostitution halten, weil sie sie kontrollieren wollen, also ist das, was Prostitution ändern könnte, sie nicht zu legalisieren, sondern sie zu beenden und zu stoppen, und ich glaube nicht, dass Männer dies tun wollen. Ich denke Frauen müssen das tun.“

Der Abbau der Institution der Prostitution ist die anspruchsvollste Aufgabe für den zeitgenössischen Feminismus.

 

Andrea Dworkin: Rechter und linker Frauenhass

Andrea Dworkin

By Open Media Ltd. (Uploaded by Open Media Ltd. (AnOpenMedium)) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Auszüge aus einer Rede, gehalten am 8. April 1987 an der New York University Law School, veröffentlicht im Sammelband “The Sexual Liberals and The Attack on Feminism“, herausgegeben von Dorchen Leidholdt und Janice G. Raymond im Jahr 1990. Vollständiger Text „Woman-Hating Right and Left, Andrea Dworkin“ (auf englisch) auf radfem.org.

Es ist lange her, dass wir zusammengekommen sind, um zu sagen, was wir meinen, was Feminismus ist und warum der Kampf für die Freiheit der Frau so bedeutsam für uns ist, dass wir ihm unser ganzes Leben widmen: nicht drei Stunden am Samstagnachmittag; nicht ein gelegentlicher Brief hier und da; nicht ein empörtes „Oh mein Gott, das meinst du nicht wirklich!“. Wir denken tatsächlich nicht, dass unsere Leben trivial sind. Stellt euch das vor. Und wir denken nicht, dass die Verbrechen, die an uns begangen werden, unbedeutend und klein sind. Das bedeutet, dass wir einen phänomenalen Fortschritt darin gemacht haben zu verstehen, dass wir menschliche Wesen sind, die Rechte haben; dass niemand uns diese Rechte nehmen darf; dass wir geschädigt werden durch eine systematischen Unterordnung von Frauen und dadurch, dass wir systematisch sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Wir haben uns politisch organisiert um zurückzuschlagen und die Gesellschaft, in der wir leben, von Grund auf zu verändern.

Ich denke, als Feministinnen schauen wir auf eine Art und Weise auf Probleme, die andere Menschen nicht zu verstehen scheinen. Um Namen zu nennen, die Rechten und die Linken scheinen nicht zu verstehen, was wir Feministinnen zu tun versuchen. Wir versuchen eine Geschlechterhierarchie zu zerstören, eine Rassenhierarchie (race hierarchy), eine ökonomische Hierarchie, in der Frauen geschädigt werden, entmachtet sind und in der die Gesellschaft eine Brutalität an uns zelebriert und uns die körperliche Integrität und unsere Würde verweigert.

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Catharine MacKinnon: Liberalismus und der Tod des Feminismus

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Auszüge aus einer Rede, gehalten am 8. April 1987 an der New York University Law School, veröffentlicht im Sammelband “The Sexual Liberals and The Attack on Feminism“, herausgegeben von Dorchen Leidholdt und Janice G. Raymond im Jahr 1990. Vollständiger Text „Liberalism and the Death of Feminism, Catharine A. MacKinnon“ (auf englisch) auf radfem.org.

Es gab eine Frauenbewegung, die sozialbasierte Taten, wie Vergewaltigung als männliche Gewalt gegen Frauen kritisierte, und als eine Form von sexuellem Terrorismus.  Sie kritisierte Krieg als männliche Ejakulation. … Wenn diese Bewegung Vergewaltigung kritisierte, dann meinte sie Vergewaltiger und die Ansicht, die Vergewaltigung als Sex betrachtete. Wenn sie Prostitution kritisierte, dann meinte sie die Zuhälter und Freier und die Ansicht, dass Frauen geboren seien um Sex zu verkaufen. Wenn sie Inzest kritisierte, dann meinte sie die, die uns das antaten, und die Ansicht, die unsere  Verletzlichkeit und unser erzwungenes Schweigen sexy fand. Wenn sie Körperverletzung kritisierte, dann meinte sie die Schläger, und die Ansicht, dass Gewalt die Intensität der Liebe ausdrücke. Niemand dachte, dass diese Praktiken zu kritisieren, in irgendeiner Weise jemals ihre Opfer meinte.

Die Bewegung kritisierte auch heilige Konzepte vom Standpunkt der materiellen Existenz der Frauen aus, also unserer Realität, Konzepte wie das der „Choice“ zum Beispiel. Es war eine Bewegung, die wusste, dass wenn die materiellen Bedingungen 99% unserer Optionen vorherbestimmten, es nicht sinnvoll ist für das übrige Prozent von „Wahl“ zu sprechen. Diese Bewegung übernahm Konzepte wie „Choice“ nicht. Denn sie wusste, dass wenn Zwang ein normalisierter Teil von Sex ist, wenn ein Nein als ein Ja betrachtet wird, wenn Angst und Verzweiflung Duldung produzieren und Duldung dann Konsens meint, dass Konsens kein bedeutungsvolles Konzept ist. …

Sie kritisierte auch das Konzept der Freiheit, insbesondere der sexuellen Freiheit, und entpackte und demaskierte dieses als ein Cover für die Freiheit zu misshandeln. Wenn Menschen mit Macht ihre Unterdrückung  von Frauen als Freiheit verteidigten, dann wusste die Bewegung um den Thrill der Macht, den sie damit verteidigen. Diese Bewegung war kritisch gegenüber der Freiheit zu unterdrücken, und keine Bewegung, die Frauen erzählte wir seien frei, wenn wir mehr von dieser Unterdrückung bekämen. …

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Shelley Lubben: Pornographie – Die größte Illusion der Welt

Shelley Lubben war einst ein bekannter Pornostar in den USA, bevor sie zu den Ersten gehörte, die laut auf die Gewalt in der Pornoszene hinwiesen. Ihre „Pink Cross Foundation“ hilft ehemaligen Pornostars und Prostituierten, die Sexindustrie zu verlassen. Mit „Pornographie – Die größte Illusion der Welt“ ist ihre Biografie nun beim Ruhland Verlag auf Deutsch erschienen.

Shelley Lubben lässt sich den Mund nicht verbieten. Laut und vehement kritisiert wieder und wieder, was die Sexindustrie den Menschen und insbesondere den Frauen antut. Dafür wird sie verleumdet, beschimpft und bedroht, doch für sie ist ihr Glaube ihr Kraftspender. „Jesus hat mich gerettet“, schreibt sie immer wieder in ihrem Buch. Der Glaube an Gott und ihre tiefe Religiosität sind der rote Faden, der sich durch ihr Buch zieht. Das mag für viele Nichtgläubige befremdlich sein, doch wer das Buch liest, erkennt schnell, dass sie ohne ihren Glauben nicht überlebt hätte.

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#Ausnahmslos ALLE Opfer sexueller Gewalt benennen – #Frauenfrieden jetzt!

Mehr als 400 Unterzeichnerinnen haben heute eine Initiative unter dem Hashtag #Ausnahmslos und einen entsprechenden Aufruf gestartet. Wir begrüßen, dass drei Jahre nach #Aufschrei – endlich – eine längst überfällige, breite Diskussion über alltägliche sexuelle Gewalt in Deutschland,  und über den oft verschwiegenen Zusammenhang mit Sexismus, stattfindet. Jede Aktion, die sexuelle Gewalt zum Thema macht ist wichtig und verdient unsere Anerkennung.  Sexismus mündet in sexuelle Gewalt – wer diese vermeiden will, muss auch Sexismus deutlich kritisieren.

Trotzdem geht uns der Aufruf nicht weit genug. Wer das Übel nicht an der Wurzel packt, betreibt am Ende nur Schadensbegrenzung. Eine notwendige  grundsätzliche gesellschaftliche Veränderung wird auf diesem Wege nicht erreicht.  Das große Ausmaß sexueller und körperlicher Gewalt gegenüber Frauen zeigt uns, dass politische Ziele noch deutlicher sein müssen.

Wir möchten deshalb noch weitergehen und forden Frieden, Freiheit und das Recht auf körperliche und mentale Unversehrtheit  für alle Frauen. Sexuelle Gewalt begegnet uns nicht nur im Alltag, auf öffentlichen Plätzen wie in #Köln in der Silvesternacht, sondern sie ist auch institutionalisiert in Porno und Prostitution. Solange wir hier noch Ausnahmen machen, kann es keinen Frauenfrieden geben. Es darf nicht das Ziel sein, dass die Gesellschaft eine Gruppe Frauen für Männer zur Verfügung stellt, an denen all die Taten legal begangen werden dürfen, um auf diese Weise das Gros der übrigen Frauen zu schützen.

Es gehts um’s Ganze: Der Kampf um Rechte für Frauen muss ein Kampf mit Blick auf das große Ganze sein. Gewalt gegen Frauen ist kein „Ausrutscher“, sondern hat System. Frauen werden als Waren verdinglicht und entmenschlicht, sowohl in sexistischer Werbung, im Pornorap, aber auch gezielt in Porno und Prostitution. Diese überall sichtbare Entmenschlichung von Frauen schafft das gesellschaftliche Klima, in dem Sexismus und sexuelle Gewalt weiter gedeihen.  Wer gegen sexuelle Gewalt eintritt, darf davor nicht die Augen verschließen. Patriarchale Unterdrückung ist Realität und diese gilt es in all ihren Facetten zu enttarnen und zu überwinden.

„Niemand ist frei, während andere unterdrückt sind“: Der Kampf um die Rechte der Frauen muss das Gesamtwohl ALLER Frauen in den Fokus stellen. Es dürfen keine Ausnahmen gemacht werden, die einzig und allein männlicher Freiheit und Machtausübung dienen. Ein Kampf nur für individuelle Freiheiten der Privilegierten reicht nicht.

Konkret für die Themen Sexismus und (sexuelle) Gewalt gegen Frauen bedeutet das:

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