Schlagwort: pornos

Pornos, sexuelle Gewalt und der Kampf um Emanzipation

Sex Shop in Paris

By Ricardo Martins from Gent, Belgium (Pigalle) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Alice Schwarzer, Andrea Dworkin und Catharine McKinnon, sie alle haben auf die zerstörerische Wirkung von Pornografie hingewiesen. Aus ihrer feministischen Analyse heraus erkannten sie die Pornoindustrie als eine Maschinerie der Gewaltverherrlichung an Frauen. Pornos widersprechen in ihrer unzähligen Wiederholung der unterworfenen, gequälten Frau der Forderung nach Gleichberechtigung, nach Anerkennung, nach einem Ende von sexueller Gewalt und Belästigung, von Sexismus und Benachteiligung, denen Frauen nach wie vor ausgesetzt sind. Die Pornoindustrie ist mächtig, sie hat Verbündete in der Politik, bei den Zeitungen, sie bedient den alten Machismo ebenso wie sie einen neuen, jüngeren Machismo heranzieht. Tatsächlich ist die Pornoindustrie in nicht unerheblichem Maße daran schuld, dass im Bereich der Frauenrechte das Rad der Zeit rückwarts gedreht wird, anstatt vorwärts. Spätestens seit der 2. Welle der Frauenbewegung ist klar, dass sexuelle Gewalt keinen Platz in unserer Gesellschaft haben darf. Trotzdem ist sie fast 40 Jahre später immer noch ein Teil von ihr – sie wird sogar seltener bestraft als früher. Pornos zeigen Frauen als sexuell ständig verfügbare Objekte, die prinzipiell sogar darauf stehen, mit Gewalt genommen zu werden – und nie zuvor waren Pornos so gewalttätig, so frauenverachtend und so leicht verfügbar wie heute. Begleitet wird diese Entwicklung von dem Versuch, Pornos aus der “Schmuddelecke” zu holen und gesellschaftlich zu normalisieren – Jugendliche werden zum Sexting ermuntert, weil das doch irgendwie auch nur sexuelles Experimentieren 2.0 ist. Die Debatte wird auf einen überkommenen moralischen Diskurs verlegt, um die tatsächlichen Argumente der PornokritikerInnen nicht zur Kenntnis nehmen zu müssen. Die Kritik am Porno hat nichts mit moralischen Berührungsängsten zu tun – und im Pornozeitalter ist jedes sexuelle Experimentieren von Jugendlichen von der Pornoindustrie geprägt.

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Heute Abend auf RTL II: Doku “Liebe und Sex im Pornozeitalter”

Erotikk Sjokk

By Jaran Gjerland Stenstad Soldatnytt (originally posted to Flickr as Erotikk-sjokk) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

RTL II zeigt heute Abend ab 23:15 Uhr die australische Doku “Liebe und Sex im Pornozeitalter”, die abbildet, wie sehr die ständige Verfügbarkeit pornografischer Inhalte das Denken von Jugendlichen und ihre Einstellung zu Liebe, Sex und Beziehungen verändert.  Romantik? Gegenseitiges Entdecken? Fehlanzeige. Dafür “One-Night-Stands” im Vollrausch, in denen nachgespielt wird, was der Porno zeigt. Echte Intimität geht verloren – denn die wird auch in Pornos nicht gezeigt, genauso wenig wie echte Zärtlichkeit oder Respekt. Eine ganze Generation wächst mit der Sexualerziehung durch Pornos auf. Das hat Folgen, die wir heute noch gar nicht absehen können. Die Doku zeigt deutlich, dass Jugendliche eben nicht zwischen “Fiktion” im Porno und ihrem eigenen Verhalten unterscheiden, sondern dass es einen Zusammenhang gibt, zwischen den Pornos, die sie konsumieren und ihrer Einstellung zu Sex, Liebe, Partnerschaft – und dem Respekt vor Frauen.

Pornos machen traurig

Buchcover: Pornos machen traurig

Peter Redvoort: "Pornos machen traurig", Books on Demand, 2011

Peter Redvoort hat ein Buch geschrieben. “Pornos machen traurig” heißt es und es erzählt die Geschichte von einem ganz normalen Mann und seiner Auseinandersetzung mit dem Porno. Es ist eine selbstkritische, humorvolle und kluge Beschäftigung mit jenem Thema, das jeden unserer Lebensbereiche durchdrungen hat. Männer, fast alle, tauchen immer wieder in dieses Paralleluniversum des Pornos ein, sie sprechen aber nicht darüber, vor allem nicht mit ihren Frauen oder Töchtern. Er erzählt, wie gerne er seine Nachbarin vor der erotisierenden Wirkung der Miniröcke ihrer minderjährigen Töchter warnen möchte, weil da draußen eben lauter Männer mit Pornoblick sind, doch da gibt es “eine Sprachlosigkeit, über eine Erotik die in zunehmendem Maße allgegenwärtig ist.”

Ein wenig hilflos versucht er zu erklären, warum ganz normale Männer sich Pornos ansehen, in denen Frauen ohne jede Zärtlichkeit “durchgefickt” und benutzt werden.

Für manche ist die aggressive Porno-Welt wohl ein Ventil für eine Wut , die der Konkurrenzkampf der sexualisierten Medienwelt in uns ausgelöst hat: Alle erfolgreichen Männer scheinen “geile Weiber” zu haben, dicke Autos zu fahren  und mit einem braungebrannnten lachenden Gesicht durch das Leben zu fahren.

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