Schlagwort: Prostitution

Das „F*ck you!“ der taz an Frauen

Mittelfinger

Crosspost Abolition 2014

Anlass: Berichterstattung und Kommentar in der taz zur Trennung von Terre des Femmes Deutschland und Terre des Femmes Schweiz (1).

Bei Themen wie Flüchtlingen, vielen sozialen Themen und der AfD ist die taz gut und eine notwendige Stimme in der Presselandschaft.

Bei Frauen allerdings nicht.

Zu Feminismus und besonders bei kontroversen Themen wie Prostitution oder Verschleierung sehen wir fast ausschließlich eine einseitige, uninformierte und diffamierende Berichterstattung, auch wenn es ein paar Ausnahmen gibt.

Es geht hier nicht um andere Meinungen und noch nicht einmal nur darum, wie diese Meinungen vertreten werden, und zwar in einer Art und Weise, in der ich das auch auf unserer, der abolitionistischen Seite nicht sehen möchte und bei der wir versuchen, einzugreifen. Diese grottenschlechte Art der Berichterstattung gibt es auch da, wo ich zufällig inhaltlich zustimme. Es kann nicht sein, dass sich im Bereich der Gender Studies, in den Kommunikationswissenschaften oder im Journalismus nur Frauen bewegen, die nach dem zu Urteilen, was sie uns zeigen, so wenig wissen und so wenig zu irgendeiner inhaltlichen Auseinandersetzung bereit sind, wie wir das seit Jahren bei der taz sehen, Redaktionswechsel unbeschadet: Ohne Differenzierung, ohne Recherchewillen oder vielleicht -fähigkeit, mit nichts als vorgefertigten Sprüchen und im Zweifelsfall der Nazikarte. Derart oberflächlich arbeitende Journalistinnen auszusuchen ist auch ein Kommentar dazu, wie unwichtig einer Zeitung diese Themen sind, und zeigt, dass es der taz absolut genügt, wenn regelmäßig ein paar rein assoziative Satzreihen zur Bedienung des Status Quo erscheinen. Wenn es mal einen einigermaßen guten Artikel gibt, ist er häufig genug von einem Mann.

Die taz erinnert darin an die Regierungen Kohls (Kabinett V) und Merkels mit Familienministerinnen wie Claudia Nolte oder Kristina Schröder, als Merkel die Stimmung im Land und den Antifeminismus einer bestimmten Gruppe eher jüngerer Frauen falsch interpretiert hatte, weil sie nicht bemerkt hatte, dass Antifeminismus heute anders läuft …. Frauen ohne Erfahrung und ohne wirkliches Interesse am Thema, denen gleich mal mehr als die Hälfte des Etats weggekürzt werden konnte und die nicht einen wesentlichen oder neuen Beitrag zum Thema brachten. Weiterlesen

Sex Industry Kills- vom inneren Sterben

Ein Gastbeitrag von Cat

Eigentlich hatte sie nicht auffallen wollen. Zumindest nicht direkt. Deshalb hatte sie sich ja auch für das Pünktchen-Kleid und die flachen Sandalen entschieden. Nur war es nun mal nicht möglich, auf die große, tiefschwarze Sonnenbrille zu verzichten. Auch nicht auf die orangefarbene Perücke- obgleich sie damit die Blicke aller Veranstaltungsbesucher auf sich zog. Sich zu zeigen wäre zu riskant. Zu groß die Gefahr, erkannt zu werden.

Sie kannte das Empfinden irgendwie anders zu sein nur zu gut. Gesellschaft gab ihr immer schon das Gefühl, in ihr ein Fremdkörper zu sein. Aber heute war es anders, denn heute wollte sie genau darüber sprechen. Seit sie vor einem halben Jahr ihren Job an den Nagel gehängt hat, spürt sie eine merkbare Transformation; einen Übertritt in eine andere Welt. Schließlich geht es nicht um irgendeinen Job: Susan Müller war Prostituierte- und eigentlich heißt sie ganz anders.

Während sie spricht, klingt sie gelassen. Auch dann, wenn sie erzählt, wie sie mit Anfang zwanzig damit begann, sich zu verkaufen oder wenn sie sich daran erinnert, wie sie bei ihrem ersten Freier an einen gewalttätigen Sadisten geraten war.

„Bevor man einsteigt sollte man sich vorstellen können mit jedem zweiten Mann, der einem auf der Straße begegnet, zu schlafen.“ Eine erste Voraussetzung, der nur Wenige standhalten können.

Dabei fiel ihr der Einstieg leichter als gedacht: Job verloren. Lahme Ämter. Hungrige Kinder.

Dass sie sich gerade für diesen, nicht etwa für einen Job in der Gastronomie, im Verkauf oder für eine Putzstelle entschieden hat, kann sie heute anders reflektieren als damals. Schon als Kind hatte Susan sexuelle Gewalt erfahren. Sexualität, so sagt sie, sei für sie auf dieser Grundlage nichts wert gewesen und konnte also verdinglicht werden. Ein blutiger roter Faden, der sich, wie sie später erfahren sollte, durch die Biographien vieler Kolleginnen zieht. Einer Studie des Familienministeriums zufolge erlebten etwa 52 Prozent der Prostituierten körperliche Gewalt in der Kindheit. Rund 43 Prozent wurden Opfer sexuellen Missbrauchs- von den Dunkelziffern ganz zu schweigen.

Dass sich eine derart große Anzahl an Gewaltopfern für diesen Beruf entscheidet, erklärt Traumaexpertin Dr. Ingeborg Kraus damit dass Menschen, die  körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren haben, ähnliche Überlebensmechanismen ausbilden wie Kriegsopfer- so auch in der Prostitution. Die Arbeit fungiere demnach als Ort der Reinszenierung von Traumata- diesmal aber im Rahmen eines vermeintlich kontrollierten Aktes, gesteuert von der traumatisierten Person. „Wenn der Freier weg ist hast du immer das Gefühl, etwas Schlimmes überlebt zu haben. Es gibt dir diesen Kick, den man bei einem Unfall erlebt. Viele haben das Bedürfnis, sich danach mit dem Bargeld zu belohnen. Ich kenne keine Frau, die aus dem Zimmer kommt und sagt „Das war jetzt schön.“ Es war immer bestenfalls „ok“- und zwar dann, wenn der Mann möglichst schleunigst wieder gegangen ist.“ Hört man Susan zu, wird sehr schnell deutlich, wie problematisch die von Kraus beobachtete Reinszenierung tatsächlich ist.

Das Milieu ist ein Zufluchtsort für all jene, die von Kind an mit Traumata leben müssen. „Es gibt einem das Gefühl, in Ordnung zu sein“, obwohl etwas im Innersten gebrochen ist. Weil Alle um einen herum auf ihre ganz persönliche Weise gebrochen sind. „Das Leben fickt härter als jeder Freier“, zitiert Susan trocken- und spielt damit auf eine Line der Frankfurter Rapperin und Ex-Prostituierten „Schwesta Ewa“ an. Die habe trotz ihrer Vulgarität einen wahren Kern.

Das Milieu fange auf, reiche einem in der Personifikation des Zuhälters oder der Zuhälterin seine klebrige Hand, um steuerliche Registrierungen vorzunehmen, einzuweisen oder Ratschläge zu geben- etwa, wie unliebsame Praktiken am besten zu überstehen seien. Und dann kommt die Gewohnheit, die man sich einredet, obwohl es keine ist. Weil man sich in einen Zustand versetzt, an den sich niemand jemals gewöhnen kann.

Susan lehnt sich zurück, streicht ihren Rock glatt. „Das Beunruhigende ist ja, dass du die Männer nicht kennst. Ich hatte immer ein komisches Gefühl in der Magengrube. Du bekommst einen Namen, meinetwegen „Udo“, und der wartet dann hinter der Tür. Du machst die Tür auf und siehst sofort, dass du „Udo“ absolut unattraktiv findest. Trotzdem musst du ihm die folgenden Minuten vorspielen, er sei der tollste Mann der Welt.“ Ihn abzulehnen, gäbe Stress. „Wenn eine Frau dreimal nicht will, spricht sich das rum. Manchmal muss man den Laden dann mit Zwangszahlung entschädigen.“

Zwischen drei und sechs Mal in der Woche hatte sie gearbeitet. Meistens tagsüber. Das habe dem Geschäft aber keinen Abbruch getan: „Der Tag hat Platz für Ausreden. Wirklich Alle gehen in den Puff. Vom Polizisten, zum Gerichtsmediziner, dem Studenten bis hin zum Arbeitslosen. Am Nervigsten sind die Jungen- die sind so porno-verseucht.“ Obwohl sie es sarkastisch sagt, bietet das Thema keinen Raum, um darüber zu lachen.

In ihren fünf Jahren war Susan neben der Selbstständigkeit in verschiedenen Etablissements tätig. Dort konnten die Frauen gegenseitig aufeinander aufpassen, wenn es die Umstände erlaubten. Alleine war man dennoch. Alleine mit den Freiern- ob brutal, erträglich, schmierig oder pervers- und letztlich alleine mit sich selbst und seinen Erinnerungen. Finstere Geister, die viele der Kolleginnen mit verschiedensten Pharmaka in Form von Alkohol, Kokain oder Crystal Meth zu bändigen versuchten.

Susan nahm keine Drogen. Stattdessen eignete sie sich eine andere Strategie an, um taub zu werden. „Wenn ich mit dem Freier auf Zimmer war hab ich immer versucht, möglichst wenig zu fühlen. Der Job tötet dich. Weil du dich dauernd verbiegen, dich innerlich tot machen musst.“

Eine ihrer engeren Kolleginnen habe zwischen zehn und fünfzehn Kunden am Tag gehabt. Das habe sie ertragen, so glaubt Susan, weil sie längst tot war.

Um ihrem eigenen inneren Tod ins Auge zu blicken, brauchte sie einen Spiegel. Den lieferten die Texte der Aktivistin und ehemaligen Prostituierten Huschke Mau, die sich kritisch mit der Liberalisierung des Prostitutionsmarkts,  Gewalt wider Frauen im Gewerbe und Freiern als Tätern auseinandersetzten. Themen, die Susan zunächst ärgerten: „Zuerst hab ich die Texte als Affront, als Provokation gegen mich empfunden. Damals habe ich mir noch eingeredet, das sei ein toller Job.“ Heute erkennt sie die Mechanismen, die im Milieu dafür sorgten, dass ihre Illusion so lange aufrechterhalten blieb. Einer davon ist die Abgrenzung. So schaue der Escort auf das Bordell und das Bordell auf den Straßenstrich herab. Diese streng abgestufte Hierarchie, die Vergewisserung, nicht an unterster Stelle zu stehen, mache den Alltag erträglicher. Hinzu kämen die säuselnden Worte der Zuhälter, die freundlich ermahnten, dass man sich nicht anstellen solle, wenn es einem schlecht geht, weil ja eigentlich alles ganz normal sei.

Der Zuhälter von heute nennt sich übrigens „Buchhalter“. Kaffee schlürfend, die Glieder in einem schicken Anzug steckend inszeniert er sich in der Öffentlichkeit als nobler Gönner. Als Familienvater. Als Saubermann. Dass er Leichen im Keller hat, solche, die tot sind im Inneren, hindert ihn nicht daran, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen und das Klischee des auf dem Kiez auf und ab fahrenden Luden hinter sich zu lassen.

Das gesamte Milieu hat sich einem Wandel unterzogen. Rund 400.000 Prostituierte arbeiten laut öffentlicher Zahlen heute in Deutschland. Auch hier scheint die Dunkelziffer jedoch weitaus höher zu liegen. Eine Konkurrenzsituation, die Ausbeutern geradezu in die Hände spielt. Susans Diagnose ist bitter: „Die Rolex- und Benz-Zeiten sind längst vorbei. Vor der Liberalisierung hat man in der Branche sehr gut verdient. Die Männer haben nicht viel verlangt. Seit der Öffnung zum Osten hin werden die Freier perverser, haben immer extremere Forderungen. Durch Schleusung ist der Markt überschwemmt, die Preise sind im Keller.“ „Schleusung“, das meint die Masse an Frauen, die aus Ost- und Südost- nach Mitteleuropa verschleppt und prostituiert werden. Von hunderttausend Opfern geht man aus. Deutschland biete dafür den optimalen Humus, so Manfred Paulus. Er ist ehemaliger Polizeihauptkommissar und widmet sich der Untersuchung von Ursachen von Frauen- und Kinderhandel. Überhaupt die Möglichkeit der Verschleppung nach Deutschland zu bieten deute auf ein komplettes Versagen des deutschen Staates hin, was einerseits auf eine unzureichende Gesetzeslage zurückzuführen und andererseits einer fehlerhaften Philosophie und Sprache verschuldet sei.

Deutschland hat sich 2002 für das Legalisierungsprinzip im Umgang mit Prostitution entschieden. Das erkennt Sexarbeit als Form der Erwerbsarbeit an und regelt sie dementsprechend- etwa durch Kontrollen von Anmeldebescheinigungen und Hygienevorschriften.  Und ganz nebenbei verdient der Staat Milliarden im Jahr an deren Leid- für Manfred Paulus Ausdruck einer opferfeindlichen deutschen Politik. Für die Beamten sei es zum Beispiel nahezu unmöglich, während einer kurzen Kontrolle festzustellen, ob Zwangsarbeit vorliegt. „Außerdem fehlt da auch das Vertrauen. Wenn dir ein Kunde erzählt, dass er Polizist ist, vertraust du dich dem ja nicht an. Dann hat der am Ende noch deinen Klarnamen und weiß wo du wohnst.“, gibt Susan zu bedenken.

Mit der lückenhaften Gesetzeslage gehe auch ein sprachliches Problem einher. So wird die Arbeit der  Prostituierten im Gesetz als „freiwillig“ bezeichnet. Gespräche mit tausend Aussteigerinnen und Erkenntnisse der Kriminalpolizei ergaben jedoch, dass freiwillige Prostitution ein Mythos sei. Anzuschaffen hänge häufig mit Notsituationen oder dem Motiv von- besonders durch den Eingriff krimineller Banden- erzeugter Abhängigkeit und Schuldgefühle zusammen. Von Freiwilligkeit zu sprechen wäre eine Normalisierung sexueller Dienstleistungen. Das sei fatal und wird aus dem Ausland mit dem verächtlichen Beinamen „Deutschland- Puff Europas“ gestraft. Ist es Naivität? Sind es ökonomische Faktoren? Oder ist das organisierte Verbrechen bis in die Führungsspitzen vorgedrungen?

So oder so für Susan Müller Grund genug, um das Gewerbe hinter sich zu lassen.

„Es ist nicht so, dass eine Frau, die angeschafft hat, von einem Tag auf den anderen einfach am Fließband arbeiten kann. Prostitution ist enorm mit Scham besetzt. Man fühlt sich minderwertig, verliert sein gesamtes Selbstbewusstsein. Und dann sind die meisten Frauen traumatisiert. Man muss erst mal wieder im bürgerlichen Leben ankommen. Das macht ja was mit einem.“ Aus diesem Grund seien gute Ausstiegsprogramme wichtig.

Ihr eigener Ausstieg war ein echter Prozess. Die Texte von Huschke Mau hatten sich in Susans Kopf gebohrt, öffneten ihr nach und nach die Augen und machten die Arbeit unerträglich. Sie suchte sich einen kleinen Nebenjob als zweites Standbein und erklärte den Betreibern von ihrem Plan, aufzuhören. „Die ganze Hilfe, die dir anfangs zukommt, fällt sofort weg wenn du dich entschließt, das Milieu verlassen. Verrat ist die schlimmste Verfehlung- sie schadet dem Geschäft.“

Stattdessen fand Susan ein neues Milieu. Das der Ehemaligen. Mit dem von Huschke Mau gegründeten Netzwerk „Ella“, einer unabhängigen Interessensvertretung für Frauen aus der Prostitution, setzt sie  sich heute für einen abolitionistischen Kurs gegen Prostitution ein und macht sich damit stark für deren langfristige Abschaffung. Auf ihrer Website schreiben die Mitglieder von „Ella“: „Wir nehmen Prostitution als sexuelle Gewalt wahr und setzen uns dafür ein, dass dies anerkannt wird. Prostitution ist keine Dienstleistung und kein Beruf, sondern Ursache und Auswirkung eines ungerechten Geschlechterverhältnisses.“ Genau das sehen die Frauen in dem bereits in Schweden geltenden „Nordischen Modell“ verwirklicht. Dieses geht davon aus, dass der Freier als Exekutive von sexueller Gewalt bestraft werden muss. Zugleich soll die Frau entkriminalisiert und mithilfe von Ausstiegsprogrammen und Traumatherapie an die Hand genommen werden. Dieser Umgang würde, ähnlich wie in Schweden, eine Bewusstseinsveränderung bewirken. Nur so würde den Frauen geholfen. Die wahre Hilfe, die ihr den Austritt aus der Prostitution und den Eintritt in ein langsam verheilendes Leben erleichterte, will Susan Müller nun weitergeben. Wenn sie mit der tiefschwarzen Sonnenbrille, der orangefarbenen Perücke vor den Bürgern dieser Kleinstadt spricht-ruhig, aber vehement- dann hören ihr alle gebannt zu. Es ist eine Stimme, die lange unterdrückt wurde. Und eine Frau, die von ihrer Nahtoderfahrung berichtet. Denn sie hat sich innerlich Sterben gesehen- und wollte leben.

 

(c) Cat

Der Gentleman der Woche: Kolumnist Kai Klankert von der Saarbrücker Zeitung

Screenshot der Facebookseite der Saarbrücker Zeitung, 19.06.2018

Eine Antwort von Huschke Mau

Sorry, dass ich erst jetzt schreibe, Kai, obwohl der Shitstorm gegen Dich ja schon gestern Abend stattgefunden hat. Aber ich konnte mich echt nicht entscheiden, welche Überschrift ich wählen soll: „Hi Kai“ (ahahaha) oder „Kolumnist Kai Klankert kriegt Kloppe“ (jaaaaa, schlechte Alliterationen kann ich auch!!!).

Naja, egal, zum Thema. Du bist stellvertretender Leiter des Ressorts Sport bei der Saarbrückener Zeitung und hast in Deiner Kolumne der deutschen Nationalmannschaft empfohlen, es doch mal wie die Mexikaner zu machen: „Eine kleine Sex-Party wäre hilfreich“. Du begründest das wie folgt: „Joachim Löw könnte gerne auch noch kreativer werden. Eine kleine Sex-Party mit 30 Escort-Damen hat auch der mexikanischen Mannschaft nicht geschadet, wie wir eindrucksvoll feststellen mussten. Die Mexikaner waren befreit von jedem Druck, spritzig. Da müssen wir hinkommen. Und zwar schnell. Einen Fehlschuss gegen Schweden können wir uns nicht mehr erlauben.“

Dazu kann ich als ehemals prostituierte Frau Dir Folgendes sagen:

Erstens, mach Dir keine Sorgen, Kai. Das sind Fussballer. Die gehen sowieso in den Puff, denn sie gehören zu einer der größten Freiergruppe, die es gibt. Aber sie gehen erst nach dem Spiel – Du als Sportheini müsstest das wissen.

Zweitens, Du kommst doch aus Saarbrücken. Ihr seid doch DER Hotspot für Prostitution an der Grenze. Du lebst also mittendrin und weisst trotzdem noch nicht, das Prostitution Gewalt und frauenverachtend ist? Ach so, ich vergaß – eure Fussballvereine iim Saarland sind ja eh bissl durch – wie der SV Oberwürzbach, der sich vom Management einer Pornodarstellerin sponsorn lässt. Dieses Management hat mit dieser Frau unter anderem Filme gedreht die so nette Titel tragen wie „Inzest – Papa Dein Schwanz ist zu groß!“ Ich will jetzt nicht gemein sein, Kai, aber ich glaube, ihr in Saarbrücken habt zu oft einen Ball an den Kopf gekriegt.

Außerdem, das mit dem Fehlschuss gegen Schweden, den “wir” uns nicht mehr leisten können – in Schweden ist Prostitution als Gewalt gegen Frauen anerkannt, Freier werden bestraft dafür, dass sie gegen Geld eine Frau missbrauchen. Dort fliegen Typen, die in den Puff gehen, aus den Fussballmannschaften raus – zu Recht. Mit denen will dort nämlich keiner spielen.

Fair play geht echt anders. Fair play sollte nicht nur unter Männern stattfinden, fair play gilt auch gegenüber Frauen. Aber wenn man sich Deine Facebookseite so anschaut, wundert man sich nicht mehr: Du likest vor allem Frauenfussballseiten und –spielerinnen und bist in einer Gruppe, die „Trainer unter sich“ heisst. Das hat schon bissl was von Creep, weisst Du das?

Egal. Ich will nicht nur gemein sein und auf Dir rumhacken. Deswegen, zwei Dinge.

Erstens ein Lob dafür, dass Du Dir so Gedanken darum machst, wie man der schlandschen Mannschaft zum Sieg verhelfen könnte. Da alle Mittel Recht sind, würde ich vorschlagen, Du machst den Anfang und hältst, bis die 30 Escortdamen bei der deutschen Mannschaft angekommen sind, selber den Arsch hin. Dein Arsch ist nicht schlechter als unsere Ärsche, also nur Mut, Kai! Wir müssen schliesslich alle Opfer bringen, nicht nur die prostituierten Frauen, die Du hier als Mittel zum Zweck der Leistungssteigerung zur Benutzung freigegeben sehen willst – geh mit gutem Beispiel voran!

Und zweitens, soviel Einsatz muss belohnt werden: Deswegen nominiere ich Dich hiermit zum „GENTLEMAN DER WOCHE“.

Aber, das muss dazugesagt werden, dieser Titel gehört verteidigt. Ein weiterer Anwärter auf ihn ist die Redaktion der Saarbrücker Zeitung. Ich schätze, ihr müsst euch den Titel teilen.

Denn nachdem sich gestern Abend sehr viele Frauen auf eurer Facebookseite darüber beschwert haben, wie frauenverachtend sie euren Scheissvorschlag finden, und nachdem auch prostituierte Frauen wie z.B. von der Aktivistinnengruppe für Frauen aus der Prostitution “Netzwerk Ella” klargemacht haben, dass sie sich verletzt fühlen davon, dass der bezahlte Missbrauch, den sie durchlebt haben, hier zum Witz verkommt, hatte die Redaktion nichts anderes zu tun, als ihre gesamte LeserInnenschaft für ein bisschen begriffsstutzig zu erklären:

Ach soooo! Ein Wihitz! Ja, es war nachher immer ein Witz, nicht so gemeint, falsch verstanden oder Satire, ne? Dazu möchte ich folgendes sagen: „Was darf Satire? Alles.“ Das stammt von Tucholsky. (Den kennt ihr nich, ich weiß.) Und jetzt freut ihr euch deppich, ne? Zumindest bis ich euch sage, dass euer Scheisstext gar keine Satire war. Er erfüllt nämlich die Kriterien für diese Textart gar nicht. Das ist nicht nur ganz schlechter Stil, zu behaupten, die LeserInnenschaft sei einfach nur zu blöde, eine Satire zu kapieren, sondern es zeigt auch, dass ihr euer journalistisches Handwerk nicht versteht – aber wer solche Altherrenwitzschmierlappen für Kolumnisten hält, der weiß halt auch nicht, was eine Satire ist, ne?

Deswegen nochmal für euch: Satire tritt nie nach unten, sie tritt immer nach oben. Das, was ihr hier gemacht habt, war, euch in süffisanter Sprache über die sexuelle Benutzung von Frauen lustig zu machen, nicht aber über die Typen, die diesen Missbrauch ausüben. Das war keine Satire. Das war ein Schenkelkopfer unter Männern, unter Tätern, das war ein rape joke. Und die sind nicht witzig.

Naja, nun müsst ihr euch diesen „Gentleman der Woche“-Award leider teilen.

Aber seht es sportlich, auch ein halber Titel ist ein Titel.

Und während Kai hoffentlich unter vollem Einsatz jetzt seinen eigenen Arsch hinhält, damit die deutsche Mannschaft ihre Laune und Leistung steigern kann, spendet ihr, liebe Saarbrücker Zeitung, das Gehalt, das Kai für diese Schrottkolumne bekommen hätte, vielleicht besser an die, über die ihr euch so herrlich „spritzig“ (ahahaha! AHAHAHAHA) lustig gemacht habt, nämlich an traumatisierte prostituierte Frauen. Hier geht’s zu den Spendendaten für das Netzwerk Ella.

Bussi und Sport frei, ich wette, wir lesen uns! 🙂

Eure Huschke

Nationalismus, Trauma und Patriarchat

Bundesarchiv, Idealbild der deutschen Mutter aus: SS-Leitheft, Februar 1943, CC-BY-SA 3.0

Ein Gastbeitrag von Antje Holtzmann

Wir alle haben ein Bild vor Augen, wenn wir an Neonazis denken: Springerstiefel, Glatze, Thor Steinar oder Consdaple Kleidung, grölend mit einer Flasche Bier in der Hand. Wenn wir an Neonazis denken, denken wir in der Regel an einen weißen cis-Mann. Aber was ist mit den Frauen der Bewegung? Wie dürfen wir uns die Rolle der Frau der rechten Szene vorstellen und was sind Beweggründe, sich als Frau einer absolut misogynen Bewegung anzuschließen? Oder wie kommt es, dass Menschen dem Nationalismus verfallen, die gar nicht dumm genug sind, den haltlosen Argumenten dieser Ideologie glauben zu schenken?

Nach drei Jahren in der rechten Szene kann ich von meinen persönlichen Erfahrungen erzählen und glaube auch, eine neue Perspektive auf das Thema eröffnen zu können.Um Zusammenhänge besser aufzeigen zu können, muss ich erst einmal ein bisschen autobiographisch werden. Ich komme aus einer bayrischen Großstadt, wuchs ohne Vater bei einer psychisch kranken Mutter auf und kam dann zu Pflegeeltern. Die Zeit bei meiner Mutter war ich mit ihren Traumata konfrontiert und wurde auch selbst von Bekannten der Familie sexuell missbraucht. Ab meiner Pubertät erlebte ich immer wieder sexuelle Gewalt und begann dann mit 14 mit der Prostitution. Frauenhass war für mich sowohl Realität, als auch Normalität. Auch meine Mutter negierte jegliche Weiblichkeit. Sie schnitt mir seit meinem zweiten Lebensjahr die Haare kurz und wandelte meinen Vornamen in die männliche Variante um. Sie selbst gab sich auch Mühe, möglichst maskulin auszusehen.

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Die arme und die nicht arme Prostituierte

Listen

Ky via Flickr, (CC BY 2.0)

Hinweis: Der Artikel wurde zwischenzeitlich einmal offline genommen (aus Gründen), beim Wiederherstellungsprozess sind leider ein paar Kommentare verschütt gegangen, das bitten wir zu entschuldigen, gfs. dann einfach nochmal kommentieren.

Oder: Die Zwangsprostituierte und die “freiwillige” Prostituierte

Oder: What the fuck

Zwei Dinge kamen in Diskussionen um Prostitution neuerdings immer wieder auf.

  1. Es gehe nicht um die “weiße, freiwillige deutsche Prostituierte, die sich nebenbei ein Taschengeld verdient”, sondern um Zwangsprostituierte und Frauen, die sich aus Notlagen heraus prostituieren.
  2. Die Forderung, bis wir das Nordische Modell durchgesetzt hätten, müssten wir auf die straffe Umsetzung des ProstSchG pochen, denn dies sei wenigstens etwas und besser als nichts.

Dazu habe ich als ehemals prostituierte Frau Folgendes zu sagen:

Ich möchte Prostitution abschaffen.

Und will sie keiner einzigen Frau zumuten. Ich wiederhole: keiner.

Auch nicht der “Freiwilligen” oder der, die sagt, sie habe ein Recht dazu, sie wolle das so, auch nicht der weißen deutschen Studentin, die sich damit ihr Studium finanziert. Weil es keinen Unterschied macht.

„Ja, aber die weiße deutsche “freiwillige” Prostituierte …“

Ja, was aber?

Selbstverständlich respektiere ich die Frau, die das sagt und ihre “Entscheidung”. Aber ich spiele das damit verbundene Leid nicht herunter – auch wenn sie es gegenwärtig noch anders sieht. Ich weiß um die Umstände, die so eine „Entscheidung“ bedingen, es könnte sich – by the way – um Zwang handeln – ich sag’s ja nur.

Fangen wir ernsthaft diese Diskussion (wieder) an? Auszuklamüsieren, was nun Zwang ist und was nicht?

Wann habe ich angefangen zu pennen, um nicht mitzukriegen, dass wir uns ob der Basics immer noch nicht klar respektive einig sind?

So zu tun, als leite sich aus Parametern wie weiß, Sprachkenntnisse, deutsche Staatsangehörigkeit die Legitimation einer Zweispaltung ab, nämlich in arme ausgebeutete Zwangs-Prostituierte vs. „gut situierte“ (oder wie auch immer andere) Prostituierte, ist naiv, zynisch und entbehrt jeder feministischen und wissenschaftlichen Grundlage. Sie lässt Faktoren außen vor, die maßgeblich mitbedingen, ob wir prostituiert werden.

Wissen wir eigentlich auch schon längst – dachte ich.

Prostitution ist etwas, was keiner Frau zugemutet werden darf.

Sie muss weg.

Es gibt objektive Kriterien, die definieren, was sexuelle Ausbeutung ist. Prostitution ist sexuelle Ausbeutung. Durch eine Umdefinition, die im Grunde das Ende des Herunterbrechens auf die subjektive Ebene ist, nämlich: ich fühle mich nicht ausgebeutet (ich finde es empowernd, ich mache das gerne, etc.), wird die Ausbeutung nicht weniger Ausbeutung. Durch die Spaltung von außen in die, die zwangsprostituiert wird und die, die es „freiwillig tut“, wird die Ausbeutung auch nicht weniger Ausbeutung. So oder so: die Folgen für die Frau und nicht zuletzt für die Gesellschaft bleiben gravierend, ja katastrophal.

Prostitution schadet. Prostitution tötet. Prostitution macht den Körper und die Seele kaputt. Oft ein Leben lang.
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Niemand wurde gezwungen, ein Lächeln für bare Münze zu nehmen

Foto: Bitchflicks

Oralsex ist heute eine jener Sexpraktiken, die zum Standard gehören. Sexpraktiken finden ihren Einzug in das private Sexleben fast immer über die Sexindustrie: Das im Porno gesehene will nachpraktiziert werden, schlägt sich zunächst in der Prostitution in den Freierwünschen und –forderungen nieder, bis eine gesellschaftliche Normalisierung – bis hin zur Normierung – stattgefunden hat. Der Pornofilm, der die Verbreitung des Oralsex eingeleitet hat, war der Film „Deep Throat“. Mit einem Budget von nur 25.000 Euro abgedreht, brachte er den Produzenten bis heute mehrere Milliarden Dollar ein, und hinterließ die Hauptprotagonistin mit einem Schuldenberg.

Ein (liberal-)feministischer Blog bezeichnete die Hauptdarstellerin des Filmes, Linda Lovelace, vor einigen Jahren als „wichtige Akteurin des Blowjobs“ was zu einigem Widerspruch führte, da Linda Boreman, wie sie wirklich hieß, ein Vergewaltigungsopfer und eine zwangsprostituierte Frau war, und sich in den USA den (radikal-)feministischen Kämpfen gegen die Pornographie und die Industrie angeschlossen hatte. Die Kritik wurde erwidert mit der lapidaren Aussage: „„Sie [Linda] ist im Diskurs um das ganze Thema eine wichtige Akteurin. Auch als Betroffene verliert man den Status und die Kompetenz der Handelnden nicht.“

Anlässlich dieser Diskussion hatte ich mir damals vorgenommen, die beiden biographischen Bücher von Linda Boreman, die auch in deutscher Sprache unter den Titeln „Ich packe aus!“ und „Ich bin frei“ erschienen sind, irgendwann einmal zu lesen. Die (lange aufgeschobene) Lektüre hat mir noch einmal eines deutlich gemacht: Die Worte „Vergewaltigung“ und „Zwangsprostitution“ kommen ohne Hintergründe gefüllt fast schon harmlos da her. Sie sind in keinster Weise in der Lage, das unermessliche Leid, was Frauen in unserer Gesellschaft zugefügt wird, in Worte zu fassen und abzubilden. Dass Linda Boreman ihr Martyrium überlebt hat, grenzt für mich an ein Wunder. Der Umgang der Gesellschaft mit ihr ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit.

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Buch: Pornographie. Männer beherrschen Frauen (Andrea Dworkin)

„Pornographie“ wurde 1979 von der radikalfeministischen Vordenkerin und Soziologin Andrea Dworkin geschrieben und erschien 1987 in deutscher Sprache im Fischer Taschenbuch Verlag in der Reihe „Die Frau in der Gesellschaft“. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich halte dieses Buch für eines der klügsten, scharfsinnigsten und wichtigsten Bücher, die ich jemals gelesen habe. 38, bzw. 30 Jahre später müssen wir feststellen, dass unsere Gesellschaft heute eine andere sein könnte, hätte man Andrea seinerzeit zugehört und die notwendigen Konsequenzen aus den erkannten Fehlentwicklungen gezogen.

In ihrem Vorwort zur deutsche Ausgabe beschreibt Alice Schwarzer die neue Entwicklung wie folgt:

„Wie schon andere Feministinnen vor ihr, entlarvt auch Dworkin (die Feministin mit der linken Vergangenheit) die Rolle der Linken […] als besonders zynisch: Sie benutzt und erniedrigt die Frauen auch noch im Namen der (sexuellen) Freiheit. Ihre konservativen Väter genossen sexuelle Dienstleistungen noch hinter bigott verschlossenen Türen. Ihre Söhne stehen öffentlich dazu: Nutten-Look und Zuhälter-Attitüde beherrschen die Szene, die Mutter-Hure feiert ihre Wiederauferstehung in den Kultfilmen der Intelligenzia […], die Bukowskis bleiben WG-Bestseller, Peep-Shows und Puffs sind „geil““ (S. 11f)

Erst durch Andrea Dworkin (seinerzeit die Lektüre der Rede „Women Hating Left and Right“) habe ich, als linke Feministin, die sich gegen die Sexindustrie engagiert, verstanden, dass der Gegenwind, der einem aus den eigenen politischen Zusammenhängen entgegenschlägt kein Zufall oder eine deutsche Besonderheit ist, sondern, dass sehr viele Feministinnen vor mir / vor uns die gleichen bitteren Enttäuschungen machen mussten.

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Robert Jensen: The End of Patriarchy

Interessanterweise höre ich in regelmäßigen Abständen (und immer häufiger), dass meine Facebook-Posts oder radikalfeministischen Statements einen konkreten Nutzen durch Denkanstöße für männliche Freunde haben, bzw. sie – für sich ganz persönlich – mit „meinem Feminismus“ etwas anfangen können. Daran wurde ich immer wieder bei der Lektüre von Jensens „Das Ende des Patriarchats. Radikaler Feminismus für Männer“ erinnert.

Man könnte angesichts des Titels versucht sein zu glauben, dass der amerikanische Journalismus-Professor und „Culture Reframed“-Aktivist Robert Jensen hier ein „Ich erkläre euch mal den Feminismus“-Buch vorlegt hat – aber das ist weder sein Anspruch, noch sein Ziel. Vielmehr geht es ihm darum, aus seiner männlichen Position heraus, zu erläutern, warum radikaler Feminismus für ihn als Mann einen unschätzbaren Wert hat. Oder wie Autor Jeffrey Masson sagt: Es ist kein „Mansplaining“-Buch, sondern das Gegenteil davon: ein „Mann-hört-auf-Frauen“-Buch. Wer also tiefgreifende radikalfeministische Analysen lesen will, sollte nach wie vor (und sowieso) zu den Klassikern greifen.

Freimütig räumt Jensen im Vorwort ein, dass sich in ihm zunächst alles gegen die feministische Analyse gesträubt hat, dass jedoch irgendetwas in ihm wollte, dass er weiterliest – seine Hauptmotivation war geprägt von Eigennutz, der Suche nach einem Ausweg aus dem ständigen Wettkampf „ein Mann zu sein“. (S. 3) Jensen nutzt die feministische Theorie, um seine Erfahrungen in einer sexistischen Gesellschaft (den Vereinigten Staaten von Amerika) für sich erklärbar zu machen (S. 16). Er sieht seine Aufgabe als privilegiertes Mitglied der herrschenden Gruppe darin, die Ergebnisse seines Selbstreflektions-Prozesses öffentlich zur Diskussion zu stellen (S. 17).

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Lieb und teuer oder: Männer sind die wahren Opfer der Prostitution

In der vergangenen Woche gab es bereits einige Interviews mit der Autorin Ilan Stephani über ihr Buch “Lieb und teuer: Was ich im Puff über das Leben gelernt habe”. Die Autorin hat zwei Jahre lang in einem Bordell gearbeitet und schreibt aus dem Abstand mehrerer Jahre heraus über ihre Erlebnisse. Das Buch wurde in Zusammenarbeit mit der Autorin Theresa Bäuerlein verfasst, die bereits andere Bücher rund um das Thema Sex geschrieben hat. Genau das merkt man dem Buch dann auch an: Es liest sich wie eine professionell verfasste Euphemisierung der aktuellen Prostitutionsdebatte, die aber vor allem durch ein Werkzeug funktioniert: Mitleid mit den Männern. Die leiden nämlich am meisten unter der Prostitution. Mehr als alle Frauen, die sie ausüben.

Ilan Stephani war Studentin, als sie aus Neugierde in Berlin eine Veranstaltung von Hydra e.V. besuchte, bei der Nichtprostituierte mit Prostituierten frühstücken. Sie zeigt sich verwundert, weil die versammelten Prostituierten darüber diskutieren, wie sie ihre Kinder in die Waldorfschule geben. Ganz normale, deutsche Mittelschichtfrauen, hm? Wenn man nicht gleich so dick aufgetragen hätte, mit der Waldorfschule anzufangen, hätte diese Szene vielleicht Glaubwürdigkeit besessen, aber sie sorgte bei mir direkt für das erste Stirnrunzeln, das sich dann über das Buch hinweg noch vertieft.

Vorneweg: Ich möchte Stephani ihre Erfahrungen nicht absprechen. Und ich stimme in zwei entscheidenden Punkten mit ihr überein: Um Prostituierte zu werden, muss keine von uns sexuelle Gewalt erleben oder drogenabhängig oder Migrantin sein. Die ganz normale Sozialisierung als Frau ist die perfekte Vorbereitung auf das Leben als Prostituierte, den Dienst am Mann. Der zweite Punkt ist die Erkenntnis, dass Prostitution nicht nur uns Frauen schadet, sondern eben auch den Männern, die Sex als Dienstleistung und Frauen als Ware betrachten und damit eine kapitalisierte, entmenschlichte Form der Sexualität leben, die sie am Ende auch unzufrieden macht.

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Prostituiert euch!

By i_hate_sult (http://www.webcitation.org/5zQfwo653) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Eigentlich hab ich mir ja abgewöhnt jeden Pups aus dem Popfeminismus-Häppy-Sexwörk-Libfem-Queer-Prostitution-ist-Sexarbeit-s-Lager zu kommentieren, aber zwei brandaktuelle Artikel sind so dermaßen schräg, dass ich es mir nicht verkneifen kann.

Erst wurde mir ein Artikel, der beim STERN, bzw. NEON (Kernzielgruppe: „Menschen zwischen 20 und 35 Jahren mit hohem Bildungsstand und überdurchschnittlichem Einkommen“) veröffentlicht wurde, in die Facebook-Timeline gespült. Titel: „Warum du dich lieber an Huren statt an Barbies orientieren solltest. Du willst Dich schöner fühlen? Vergiss die klassischen Beautytipps und lerne von Prostituierten, erstelle Dir ein Profil bei einer Escort-Seite und übe Dominaposen.“

Zunächst einmal springt einem bereits in dieser Überschrift das Patriarchat mit nacktem Arsch ins Gesicht, wies doch bereits der Soziologe Pierre Bourdieu, bewusst anknüpfend an die brillanten Analysen der Radikalfeministinnen der 1970er Jahre, darauf hin, dass „Körper für andere (Männer) machen“ müssen, eines der zentralen Kennzeichen der „Männlichen Herrschaft“ ist. Und wieso sollen sich junge Frauen eigentlich zwischen „Huren“ und „Barbie“ entscheiden müssen?

Über die Autorin erfahren wir:

„Die Schriftstellerin Anna Basener hat für ihren Roman „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“ ein illegales Ruhrpott-Bordell erfunden. Sie hat dafür mit Prostituierten, Dominas und Bordellwirtschafterinnen gesprochen und gelernt, dass Moralisieren keinem hilft, am wenigsten den Sexarbeiterinnen.“

Besagte Autorin leitet in ihrem Text nach ihren Gesprächen mit ein paar prostituierten Frauen, die sich als Sexarbeiterinnen verstehen, aus deren individuellen Sichtweisen allgemeingültige Aussagen ab. Nun, that`s not exactly how Gesellschaftsanalyse works. Okay, vielleicht wollte sie auch nur einen (in ihren Augen) unterhaltsamen Text schreiben, aber ich will mal exemplarisch an ein paar Beispielen deutlich machen, warum hier was gründlich schief gelaufen ist.

„Marleen ist 26, Studentin und Hure. Sie hat in ihrer Jugend gelernt, dass sie zu dünn ist. Keine Kurven, wenig Busen, das ist nicht sexy, dachte sie bis sie angefangen hat anzuschaffen. Jetzt weiß sie, dass sie heiß ist. Umgekehrt gibt es aber auch dicke Prostituierte, deren Geschäftsmodell es ist, Männer zu befriedigen, die dünne Frauen geheiratet haben mutmaßlich aus Prestigegründen. Sie machen eine „Riesenmark“ damit, dass es gesellschaftsfähiger ist, auf Barbie-Blaupausen zu stehen, auch wenn man selbst lieber was zum Anfassen hätte.“

Gewagte These: Eigentlich sind es gar nicht die Frauen, die hier unterdrückt sind, sondern die armen Männer, die nicht zu ihren wahren Fetischen stehen dürfen (denn nichts anderes ist es, wenn man SexualpartnerInnen aufgrund von zum Beispiel optischen Vorlieben auswählt), sondern gesellschaftskonform ihre Ehefrauen auszuwählen haben? Huh? Nun ist es ja tatsächlich so, dass die Ehefrau oder Partnerin nicht selten als Statussymbol (in Bourdieus Worten „symbolisches Kapital“) fungiert, aber, dass die Bordelle jetzt überdurchschnittlich mit „dicken Prostituierten“ gefüllt sind, das entbehrt nun wirklich jeder Grundlage. Und was hier auch nicht erwähnt wird, ist, dass Freier sehr häufig auf Abwechslung stehen: Heute dick, morgen dünn, übermorgen ne „MILF“, nächste Woche mal ein „Teenie“ und auch in Bezug auf die ethnische Zugehörigkeit erweist Freier sich gerne als „welterfahren“ und „Kosmopolit“. Der Pro-Prostitutions-Verein Dona Carmen spricht diesbezüglich von „Völkerverständigung von unten“. Isses nich HERRlich?

Im Grund gar nicht so verkehrt ist das hier:

“Eine These: Weil Bordelle beweisen, dass den konventionellen Schönheitsidealen nicht zu trauen ist. Es sind Orte, an denen der Wert eines Körpers nicht von Hollywood, Fashionshows oder Werbung definiert wird, sondern vom Markt. Ob ein Angebot auch auf Nachfrage stößt, lässt sich schlicht und ergreifend am Preis ablesen.”

Da steckt empirisch belegbar sehr viel Richtiges drin. Nämlich: Dass es sich um einen Prostitutionsmarkt handelt, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt, und dass es Preisunterschiede gibt. Nur das mit den „konventionellen Schönheitsidealen“, die sich hier angeblich nicht wiederfinden, das stimmt so nicht, Frau Basener. Hätten sie mal in den sehr aufschlussreichen Artikel des Economist geschaut, dann hätten sie es besser gewusst.

Die haben nämlich Freierforen und sage und schreibe 190.000 Angebotsprofile aus 84 Städten und 12 Ländern im Zeitraum von 1999 bis 2014 ausgewertet in Bezuf auf die körperlichen Attribute der prostituierten Frauen, sowie die angebotenen Leistungen und Preise. – Diese Ökonomen! –  Die höchsten Preise sind mit dünnen Frauen mit sehr langen, blonden Haaren oder mit vollen Brüsten zu erzielen. Huch! Erkennbar blondierte Haare sind preismindernd, jedoch immer noch unter den „Premium“-Angeboten. Zwischen kleinen Brüsten und einem D-Cup liegen 40 Dollar Preisunterschied, weshalb eine Brustvergrößerung (die mit 3.700 Dollar Kosten beziffert wird) sich ökonomisch bereits nach 90 Stunden amortisiert. – Wie nüchtern die doch solche Zusammenhänge darstellen können!

Jetzt könnte man noch einwerfen: Aber Aussehen ist nicht alles! Denn preisgestaltend sind Studien zufolge ja auch die existentielle Not und der Freiwilligkeitsgrad derjenigen, die sich anbieten (müssen). Eine gehandelte Frau, eine aus rassistischen Gründen in der Hierarchie ganz unten stehenden Romni oder eine Drogenprostituierte, die ihren nächsten Schuss braucht, sind in der Regel „günstiger zu haben“, als beispielsweise die deutsche Hobbyprostituierte, deren Existenz grundsätzlich bereits anderweitig gesichert ist. Auch das abzuringende Leistungsspektrum ist bei den genannten Personengruppen, die unter besonders viel Druck stehen und auch jenen, deren persönliche Grenzen durch massive Gewalterfahrungen extrem verletzt wurden, sehr viel größer. Man könnte auch sagen „viel für wenig Geld“ ist einem großen Teil der Freier wichtiger als die Optik. Aber auf solche Zusammenhänge hinzuweisen wäre ja auch ein bisschen zu viel verlangt.

Weiter geht’s mit einem Pro-Tipp:

„Natürlich müsste man sich gar nicht darum scheren, irgendjemandem zu gefallen. Begehrt zu werden kann nicht der einzige Schlüssel zu einem besseren Verhältnis zum eigenen Aussehen sein. Eigentlich muss das von innen kommen, klar. Ist aber leichter gesagt als getan, denn: Wie kommt das Bewusstsein für die eigene Schönheit überhaupt erst in einen hinein? […]. Lernen wir also von den Huren. Was hilft, ist die Dominapose: Breitbeinig stehen, Hände in die Hüften, Kinn hochnehmen. Stärkt das Selbstwertgefühl und schreibt sich in den Körper. Kat Rix […] wollte eine geile Frau sein, also hat sie entschieden, dass sie eine ist. Das klingt einfacher, als es ist, und braucht Zeit. Aber was hilft, ist die Dominapose. [Die Dominas haben …] der Männerwelt schon vor Wonder Woman‘s Erfindung ihre Schönheit und Stärke entgegengeschleudert.“

Fhlks9a0aßd98sfd97(=D()S=(D(=  [<——- das sind die Tastenabdrücke, die ihr die nächsten Tage auf meiner Stirn bewundern könnt).  Ach, wisst ihr was, ich lass das einfach mal für sich sprechen….  (Ob ihr bewusst ist, dass sich das tatsächliche Machtverhältnis auch nicht rumdreht, wenn der Freier dafür bezahlt den devoten Part zu übernehmen – und dennoch genauestens und bis ins letzte Detail bestimmt was genau gemacht wird?)

Die Autorin endete damit den Leserinnen folgendes vorzuschlagen:

„Eine praktische Übung fürs Selbstwertgefühl: Erstell dir ein Profil auf einer Escort-Seite (oder auch komplett offline) und trag zusammen, warum du attraktiv bist so attraktiv, dass Sex mit dir Geld kostet. Nicht falsch verstehen: Ich spreche hier nur von einer Übung, nicht davon, das Profil wirklich hochzuladen oder anschaffen zu gehen. Es geht mir nicht um Berufsberatung, sondern um einen neuen Blick auf Schönheit. Es geht auch nicht um den tatsächlichen Preis, den du verlangen könntest, sondern um deinen Wert.“

Seufz. Das ist also die Botschaft an die jungen Frauen, die NEON lesen: Euer Wert bemisst sich in eurer Schönheit, und die Hoheit über diese zu befinden liegt bei euch selbst. Lassen wir mal den flapsigen Ton beiseite: Es ist doch einfach furchtbar, wie durchtränkt dieser gesamte Artikel, der am Ende mit diesem „praktischen Vorschlag“ gekrönt wird, mit den Vorstellungen der patriarchalen Unterordnung der Frau, deren Wert sich darin bemisst, wie schön, wie attraktiv, sie ist und schließlich, wie gut sie sich auf einem Markt verkaufen kann – sei es als tatsächlich prostituierte Frau mit materieller Entgeltung oder nur in dem hier angedachten symbolischen Sinn. Ich weiß nicht, aber das ist doch irgendwie unendlich traurig???

Der Titel des zweiten Textes, zu dem ich was sagen möchte, knüpft an dieser Stelle wunderbar an: Für „Huren sind wir alle“ bekommt das liberalfeministische Missy Magazine gerade mal wieder in der ihrigen Facebook-Kommentarspalte ordentlich die Hucke voll. Meines Erachtens völlig zu Recht.

Der Autor, „Christian Schmacht, geboren 1989, queerer Autor und Sexarbeiter, […] mag es […] sehr, das hart verdiente Geld für Luxusartikel auszugeben“, steigt ein mit der Schilderung einer „konsensualen Sexzene, die an Erfahrungen von sexualisierter Gewalt erinnern kann.“ Auf eine Zitierung meinerseits wird verzichtet, die Schlagworte Kehlenfick, Tränen, Würgereflex, Kotze, Gesichtsbesamung dürften reichen.

Irgendwie spricht es für sich selbst, wenn man angesichts von deutlichen Schilderungen von Gewalt und Erniedrigung extra darauf hinweisen muss, dass es sich um konsensuale Handlungen handelt. Das liegt daran, dass mit dem Konsens-Konzept auch die brutalsten Foltermethoden legitimiert werden können, denn „er/sie wollte es ja so“. Nicht hinterfragt wird dabei, woher diese Wünsche, diese Zustimmung überhaupt herrührt. Das alles führt, wie wir schon häufig erläutert haben, dazu, dass es keinen objektiven Gewaltbegriff mehr in Bezug auf die Sexualität gibt, obwohl ein Gewaltakt nun mal auch dann ein Gewaltakt bleibt, wenn er von demjenigen oder derjenigen, der/die ihn erfährt subjektiv nicht als Gewalt aufgefasst wird. Liberale Konfusionsarbeit at its best.

Die ehemalige Prostituierte Huschke Mau kommentiert dies richtigerweise wie folgt:

Echt schade, dass ihr anscheinend nicht wisst, was sexualisierte Gewalt ist. Denn ja, wenn mir jemand den Schwanz reinschiebt bis ich kotzen muss, obwohl das nicht abgesprochen war, dann IST das sexualisierte Gewalt und keine “konsensuale Sexszene” die an “sexualisierte Gewalt erinnern kann”. Ich als Exprostituierte danke trotzdem für den Artikel: Das Sexgeschäft wird in ihm realistisch dargestellt. Wenn auch, wie man bei euch nach diesem Artikel ja vermuten muss, unfreiwillig und nicht bewusst. Aber es wird klar, Freier sind grenzüberschreitende, gewaltausübende Täter. Danke dafür.“

Der Autor fährt fort:

Dann gehe ich mich waschen und lasse unterwegs das Kotzhandtuch verschwinden und denke daran, wie wir gerade erst diesen Song von SXTN gehört haben, Skyler und ich: „Hass Frau, du nichts, ich Mann. Blase, bis du kotzt, aber kotz auf meinen Schwanz.“ Sie haben die Stimme von Alice Schwarzer gesampelt, die sich in einer Talkshow über HipHop empört, und dazu rappen sie von Frauenhass. Das war gestern, als wir nachts über die Autobahn fuhren. Wir redeten über die Lyrics und waren uns einig, dass sie uns gefallen und dass wir Alice Schwarzer hassen und dass SXTN es schaffen, gleichzeitig Typen zu dissen und sich über Alice-Schwarzer-Feminismus lustig zu machen.“

Das ist Feminismus 2.0.: Frauenhass im allgemeinen (SXTN Lyrics) und Frauenhass im konkreten (Hass auf Alice Schwarzer) sind damit ganz offensichtlich problemlos kompatibel. Und klar: Das allseits beliebte Alice Schwarzer Bashing funktioniert in gewissen Kreisen sowieso IMMER. So ein durchschaubares fishing for sympathies. Warum echte Gesellschaftskritik üben, wenn einen die Herzen der Sexualliberalen auch schon für „Schlag die Alice“ zufliegen.

Und auch die Rapperin Sooke, die in gewissen Kreisen durch einen vermeintlich transphoben Songtext in Ungnade gefallen ist, bekommt nochmal eins mitgegeben:

„Die queere Rapperin Sookee hat einen Song gemacht über Sexarbeit auf ihrem neuen Album. Der Song heißt „Hurensohn“ und handelt vom Sohn einer Hure und davon, dass er ein richtig liebenswerter Bursche ist, der seine Mutter respektiert. Ich höre ihn mir manchmal an, weil er so unangenehm ist, wie auf einem entzündeten Pickel rumzudrücken, um den Schmerz zu spüren und den Eiter fließen zu sehen. Ich frage mich, warum Sookee nicht stattdessen über sich selbst schreibt. Darüber, warum sie selbst keine Sexarbeiterin ist (falls sie keine Sexarbeiterin ist), oder wie oft in ihrem Leben sie schon sexuelle Dienstleistungen gegen andere Vorzüge eingetauscht hat?“

Das klingt ein bisschen so, als solle sie sich – vermutlich eigentlich wir alle –  jetzt dafür rechtfertigen, dass /wenn sie/wir selbst keine „Sexarbeiterin“ / „Hure“ ist/sind. Denn eigentlich und überhaupt, wisst ihr:

„Sexuelle Dienstleistungen gegen Aufmerksamkeit ist ein bewährter Deal, dafür brauchen wir uns nicht zu schämen. Klar hat sie mehr verdient, ich auch, wir alle. Aber im Leben gibt es viele miese Deals.“

Eine Kommentatorin fasst trefflich zusammen: „Neoliberal as fuck, literally.“ Yup, genau das ist es! Forderungen, Vorschläge, Ideen dass und wie sich etwas in dieser Gesellschaft ändern kann sucht man hier vergebens. Stattdessen die übliche Leier, wir prostituieren uns eh ALLE, die einen so und die anderen so, aber „so ist das Leben“ und schön, dass wir mal drüber geredet haben und das wars? Ahjo.

Das Missy Magazine unterstreicht in der Kommentarspalte das Anliegen des Autors die Grenzen in Bezug auf die Gruppe von Menschen, die als Prostitutierte zu bezeichnen sind, auszuweiten:

„Der Text weist auf etwas hin, was sehr viele Sexarbeitsgegner*innen verkürzen beziehungsweise nicht mitdenken: Wo beginnt Sexarbeit eigentlich?“

Hätten die Missys vielleicht mal Radfem Klassiker wie „Pornographie“ von Andrea Dworkin gelesen, dann wüssten sie, dass diese von ihnen vertretene Sichtweise urpatriarchal ist. In der patriarchalen Lesart gibt es genau zwei Arten von Huren: 1) Die Ehe-Hure, die der Privatbesitz eines einzigen Mannes ist, und diesem sexuell zur Verfügung zu stehen hat (wir erinnern uns vielleicht daran, dass Vergewaltigung in der Ehe erst seit den späten 1990er Jahren ein Straftatbestand ist?) und 2) die Hure, die Allgemeinbesitz ist, und an der sich alle Männer erfreuen dürfen. Welche dieser beiden für uns vorgesehenen Rollen, die beide eine Seite der selben patriarchalen Medaille sind, uns genehm ist, das dürfen wir uns aussuchen, wenn es nicht für uns ausgesucht wird.

Also, was sollen wir in unserer Gesellschaftsanalyse denn bitte noch erweitern, liebe Missys? Die von euch konstatierte Verkürzung trifft doch vor allem auf euch selbst zu.

Aber dankbar können wir euch ja irgendwie schon sein für diesen Peak-Libfem-esken-Artikel, macht ruhig weiter so, denn wie einer bei euch so schön schreibt:

„Zumindest danke ich dafür, dass ich einen Text habe, mit dem ich unkompliziert vermitteln kann, weshalb ich keinen käuflichen Sex will.“