Schlagwort: Rhetorik

Schopenhauer für Feministinnen oder: Wie man Antifeministen rhetorisch besiegt

Feminismus im Alltag spielt sich häufig im Netz ab. Dort gibt es Diskussionen, die immer auch vor einer bestimmten Öffentlichkeit geführt werden, mal ganz öffentlich, mal vor einer Fanbase oder einer Gruppe. Feministinnen suchen solche Diskussionen manchmal, weil es wichtig ist, zu widersprechen, wenn Frauenhass relativiert oder sogar akzeptiert und gefördert wird, oft werden sie aber auch in solche Diskussionen gezwungen, weil es vielen Menschen – nicht nur Männern – große Freude bereitet, die Beweisführung zu versuchen, wie sehr der Feminismus falsch liegt, oder, wenn er nicht falsch liegt, alles ganz falsch angeht. Auf der Sachebene kann Mann gegen Feminismus wenig vorbringen, also wird entweder mit erfundenen oder nicht belegbaren Zahlen argumentiert – oder eben der sogenannten Schwarzen Rhetorik, die nur noch scheinbar auf der Sachebene diskutiert.

Neben der Sache geht es also ganz oft nur darum, wer die bessere Rhetorik an den Tag legt, also seine Argumente gut vorträgt, die der anderen entkräftet und manchmal auch schlicht schlagfertiger ist. Wozu das alles, kann man sich fragen. Überzeugte Maskulisten oder Antifeministen wird man damit kaum überzeugt bekommen. Das stimmt. Aber hier kommt ein weiterer wichtiger Punkt der Diskussionen online in das Spiel: Die Öffentlichkeit der anderen Mitleser. Andere, abweichende Meinungen anzubieten, ist zentral, wenn es darum geht, über bestimmte Zusammenhänge wie etwa die Auswirkungen der Prostitution aufzuzeigen. Mit dem “Recht haben” (Prostitution ist Ausbeutung und institutionalisierter Frauenhass) ist aber noch nichts über das “Recht behalten” gesagt.

Auch derjenige, der objektiv Recht hat, kann trotzdem eine Diskussion verlieren, das wusste schon Arthur Schopenhauer, als er 1830 “Die Kunst Recht zu behalten verfasste” – bis heute ein Standardwerk zur Rhetorik – insbesondere der sogenannten “Schwarzen Rhetorik”. Arthur Schopenhauer gehört sicher nicht zur Standardlektüre von Feministinnen. Ein ganzes Buch – “Über die Weiber” schrieb er einst darüber, warum Frauen eigentlich nur zur Kinderaufzucht oder der Haushaltspflege taugen. Was er über Frauen zu sagen hat, ist bestenfalls Ausdruck einer verängstigten Männerseele oder schlicht Frauenhass. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die wir von Schopenhauer lernen können – insbesondere wie man sich gegenüber schmutziger verbaler Kriegsführung anderer wehren kann. Die besten Rhetoriker der Geschichte waren, das wundert nicht, oft auch glühende Frauenhasser (Aristoteles, Augustinus, Schopenhauer, Nietzsche, die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen).

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“Kulturelle Amnesie”: Was wir nicht wissen dürfen, damit sexuelle Ausbeutung funktioniert

Schema des Faserverlaufes im menschlichen Gehirn und Rückenmark

By Christoph Theodor Aeby [Public domain], via Wikimedia Commons

This information [harms of prostitution, pornography and trafficking] has to be culturally, psychologically, and legally denied because to know it would interfere with the business of sexual exploitation.

Diese Fakten [die Schäden, die Prostitution, Pornografie und Menschenhandel anrichten] müssen kulturell, psychologisch und rechtlich geleugnet werden, denn das Wissen darüber würde das Geschäft mit der sexuellen Ausbeutung stören.

Die Leugnung, Verdrängung, Bagatellisierung und das Ausradieren der offensichtlichen Gewalt und Brutalität, mit der (kommerzielle) sexuelle Ausbeutung verhaftet ist, macht mich in Diskussionen zum Thema Prostitution oft sprach- und ratlos. Wie kann es passieren, ein System wie Prostitution noch zu befürworten, obwohl – so meine ich – gewusst wird, welchen maßlosen “menschlichen Schaden” es anrichtet?

Melissa Farley1 geht in einem Artikel, der 2006 im Yale Journal of Law and Feminism unter dem Titel: “Prostitution, Trafficking, and Cultural Amnesia: What We Must Not Know in Order To Keep the Business of Sexual Exploitation Running Smoothly2 erschien, der Fragestellung nach, warum es – so sinngemäß zusammengefasst – für das Funktionieren der Sex-Industrie wichtig ist, die Gewalt im Kontext (kommerzieller) sexueller Ausbeutung zu leugnen und auszublenden.

In diesem Beitrag stelle ich die Kernaussagen dieses Artikels heraus.

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