Schlagwort: sexismus

Polyamorie – Befreiung oder Patriarchat in neuen Kleidern?

Wenn man sich aktuell auf Datingplattformen umsieht, bekommt man schnell den Eindruck, dass monogame Beziehungen ganz schön old school sind. Viele ab Mitte 20 bezeichnen sich selbst als “polyamorös”, also als Menschen, die ohne Eifersucht und Besitzdenken Beziehungen mit mehreren Partnern eingehen. Das Konzept der Polyamorie erfährt bereits seit einigen Jahren viel Aufwind, ganz neu ist es nicht. Schon in den 68ern galt: “Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment”. Von dieser Haltung gibt es eine direkte und sexistische Kontinuität zum aktuellen Polyamorie-Trend.

Von der freien Liebe, die gar keine ist

Die Idee, neue Beziehungs- und Liebesformen, also “freie Liebe” auszuprobieren, gibt es nicht erst seit der Hippie-Zeit, auch in den freiheitsliebenden 1920er Jahren fanden sich erste Ansätze dazu. Besonders in linken und linksliberalen Zusammenhängen gibt es Anhänger von neuen Beziehungsformen. Die bürgerliche Ehe wird als Zwangskonstrukt verstanden, das der Entfaltung des Individuums und der Liebe entgegensteht. Wahrlich wird kaum jemand bestreiten, dass eine Ehe früher wenig mit Liebe, aber viel mit Besitz, Bürgerlichkeit und vor allem patriarchaler Ordnung zu tun hatte. Auch heute noch begünstigt ein Trauschein vor allem jene Lebensmodelle, die euphemistisch “traditionell” genannt werden, in Wirklichkeit aber vor allem den Männern dienen: Klassische Versorgerehe, sie bleibt daheim und kümmert sich um Haushalt und Kinder und wenn er sie nach ein paar Jahren gegen ein jüngeres Modell austauscht, hat sie Pech gehabt.

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Die Freiheit meiner Tochter oder: Religion hat an Schulen nichts verloren!

Meine Tochter hat lange Haare. Sie weigert sich, sie zu kämmen und meistens sehen sie aus wie eine Mischung aus Vogelnest und Dreadlocks, auch die vielen süßen, bunten Spangen, die ich ihr immer in das Haar stecken möchte, lehnt sie ab, genauso wie geflochtene Zöpfe. Sie will ihr Haar lang und wild.
»Wenn ich mich drehe, fliegen meine Haare im Kreis«, sagt sie und dreht sich, bis mir schwindelig wird. Ich erinnere mich daran, dass ich das als Kind auch getan habe und lasse sie. Ab und zu schneide ich ihr Kaugummi oder anderes Zeug aus den Haaren und überrede sie, sie mit gutem Shampoo zu waschen. Es sind ihre Haare, es ist ihr Kopf.
Seit ein paar Tagen diskutiert Deutschland ein Kopftuchverbot an Schulen und Kindergärten. In Österreich ist ein entsprechendes Gesetz geplant. Viele Argumente werden ausgetauscht. Die Gegner sagen, das Verbot würde einseitig Musliminnen diskriminieren, es sei populistisch und ausländerfeindlich. Rassistisch. Andere argumentieren mit Freiheit und Frauenrechten und dem Schutz der Kinder. Ein paar besonders Schlaue verweisen auf die Frühsexualisierung junger Mädchen und Kinder in unserer Kultur. Terre des Femmes fordert das Kopftuchverbot an Schulen schon lange.

Freiheit von religiöser Symbolik muss für alle gelten

In einem säkularen Land hat Religion an der Schule nichts verloren. Die Realität sieht anders aus. Religionsunterricht kann zwar durch Ethik ersetzt werden, faktisch fehlt es aber an Grundschulen an Ethiklehrern und deshalb haben die Kinder dann oft beaufsichtigte Bewegung. Religion aber wiederum darf nur von Fachlehrern unterrichtet werden und deshalb hat beispielsweise meine Tochter gerade mal wieder ihre Klassenlehrerin um einige Schulstunden weniger, weil die nämlich in anderen Klassen Religion unterrichten muss. Religion ist überall. Als meine große Tochter nicht mit zum Einschulungsgottesdienst ging, musste sie ihrer Klassenlehrerin (auch Religionslehrerin) komische Fragen beantworten. Ich selbst habe mich ab der dritten Klasse geweigert, in Religionsunterricht zu gehen und musste deshalb samt meiner Mutter zum Schulrektor. Unsere Schulen sind also kein religionsfreier Raum. Wenn wir das Kopftuchverbot fordern, dann nur, wenn wir die Schulen wirklich und konsequent von jeder religiösen Symbolik und Indoktrinierung befreien und Religion endlich wirklich zur Privatsache machen. Genau danach sieht es aber aktuell nicht aus – wir diskutieren über das Kopftuchverbot, nicht aber über eine echte Abschaffung von Religion an Schulen. Das macht die Debatte heuchlerisch und auch ziemlich verlogen. Also alles lassen, wie es ist? Auch weil es schwer vorstellbar ist, dass der deutsche Staat jüdischen Kindern etwa das Tragen der Kippa verbietet?

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Dickpics schicken ist wie Blumen schenken – jede Frau freut sich drüber

Dickpics, anscheinend die neuen Selfies unserer Generation, zu schicken scheint als Mann in Zeiten von Tinder, Lovoo und wie sie alle heißen fast schon als normal zu gelten. Ist ja „nur“ ein Penis, oder? Oder nicht?

Das bizarrste an der ganzen Sache – und gleichzeitig auch das traurigste – ist doch, dass ich gezwungenermaßen irgendwie, ja doch zwangläufig, davon ausgehen muss, dass die Menschen, die ungefragt, ungebeten, ohne Aufforderung ein Bild ihres Gemächts schicken, nicht die kompetentesten, intelligentesten, geschweige denn respektvollsten Menschen sind. Ein Bild ihres Geschlechtsteils, auf das sie scheinbar unsagbar stolz sind und es wie eine Trophäe rumzeigen müssen. Kurze Anmerkung, es ist ein Penis und den haben ziemlich viele Männer auf dieser Welt – ja es tut mir leid, du bist nicht einzigartig, nur weil du einen Penis hast und verdienst dafür keine besondere Aufmerksamkeit. Den Höhepunkt erreicht diese mir suspekte Situation dann in der zu häufig daraufhin folgenden Frage, die die Person, dessen Geschlechtsteil ich nun gezwungenermaßen betrachten musste, mir stellt: „Und, wie gefällt er dir?“

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Patriarchale Verhältnisse benachteiligen Frauen systematisch am Arbeitsmarkt

Alfred T. Palmer [Public domain], via Wikimedia Commons

Dieser Artikel erschien zunächst bei der Huffington Post Deutschland

Wenn wir darüber sprechen, warum Frauen sich auch im 21. Jahrhundert noch überwiegend in einer prekären Situation wiederfinden, dann kommen wir nicht umhin uns mit dem Arbeitsbegriff auseinanderzusetzen, die historische Entwicklung zu betrachten und uns die Dynamiken im Feld der Ökonomie anzuschauen.

Frauenarbeit – Männerarbeit

Die Trennung der Arbeitswelt in einen öffentlichen Bereich (des Mannes) und den häuslichen Bereich (der Frau) wird traditionell als “natürlich” angesehen, ohne dabei zu berücksichtigen, dass sich diese Arbeitsteilung erst mit der patriachalen Ordnung entwickelt hat.

In ihr werden Frauen definiert über ihre reproduktiven Funktionen, also über die Produktion von Babies.

Um den “Vorrang der Vaterschaft” (künstlich) herzustellen, muss nach dem französischen Soziologen Bourdieu die “wirkliche Arbeit der Frau beim Gebären” verschleiert werden. Die gleiche Gesellschaft, die häusliche Arbeit als “wichtigste Stütze der Gesellschaft” glorifiziert, wertet sie als “Frauenarbeit” ab.

So werden häusliche Tätigkeiten bei der Berechnung des Bruttoinlandsproduktes unsichtbar gemacht. “Hausfrauen” gelten hier als “Nichtproduzierende”, “inaktiv” und “unbeschäftigt”.

Zusammen mit der häufiger von Frauen abgeleisteten ehrenamtlichen Tätigkeit, würde das jeweilige BIP bei Berücksichtigung all dieser Tätigkeiten um 40% steigen.

Studien zeigen deutlich, dass weltweit Frauen mehr arbeiten als Männer – und dass die Beteiligung an der Lohnarbeit zu kaum oder keiner Reduzierung ihrer häuslichen Tätigkeiten geführt hat: Frauen tragen weiterhin die hauptsächliche Sorge für die Erziehung von Kindern und Pflege von Älteren.

Nicht zuletzt ermöglicht die häusliche Arbeit von Frauen oft erst den beruflichen Erfolg des Mannes – hierher rührt das bekannte Sprichwort “Hinter jedem Mann, steht eine starke Frau, die ihm den Rücken frei hält”.

Der Umstand jedoch, dass die häusliche Arbeit von Frauen kein Geld-Äquivalent hat, trägt auch in den Augen der Frauen selbst zu ihrer Abwertung bei. “Nur” Hausfrau und Mutter zu sein ist bis heute gleichbedeutend damit, “nichts aus seinem Leben zu machen” und “unproduktiv” zu sein.

Bourdieu weist die geläufige Betrachtung nur der produktiven Tätigkeiten als Arbeit als “ethnozentrisch” und historische Erfindung zurück. Arbeit, so sagt er, sei eigentlich definiert als “Ausübung einer gesellschaftlichen Funktion, die man als “allumfassend” oder undifferenziert bezeichnen kann, und die auch Tätigkeiten einschließt, die nicht durch Geld sanktioniert werden.”.

Die geschlechtliche Arbeitsteilung sei objektiv strukturiert in den Gegensatz männlich, öffentlich, diskontinuierlich und außergewöhnlich versus weiblich, privat bzw. verborgen, kontinuierlich und gewöhnlich.

Die Radikalfeministin Andrea Dworkin benannte in ihrem Aufsatz “Sexual Economics” die maßgeblichen Mechanismen, die den untergeordneten Status der Frau auf dem Arbeitsmarkt aufrecht erhalten und die 1998 auch von Bourdieu in seinem soziologischen Spätwerk “Die Männliche Herrschaft” bestätigt wurden.

Frauen erhalten geringere Löhne als Männer, für die gleiche Arbeit

Die unbereinigte Lohnlücke, die sich aus der unterschiedlichen Anerkennung verschiedener Berufe, unterschiedlichen Eingruppierungen oder Teilzeittätigkeit ergibt, liegt derzeit in Deutschland bei 22 Prozent. Aber auch aus dem Vergleich der Entgelte von Frauen und Männern mit gleichen Merkmalen (Ausbildung, Bildungsabschluss, Berufserfahrung) ergibt sich ein so genannter “unerklärter Rest”.

Frauen werden systematisch von Arbeit ausgeschlossen, die durch hohen Status, konkrete Macht und hohe finanzielle Anerkennung gekennzeichnet ist.

So weist der aktuell neu gewählte Deutsche Bundestag mit 30,7% einen nach wie vor sehr niedrigen (und von einem Rückgang gekennzeichneten) Frauenanteil auf. Bei Frauen in Führungspositionen liegt Deutschland mit 35% im europäischen Vergleich weit hinten.

In jedem sozialen Feld sind Frauen in der Feldhierarchie unten

Frauen üben die niedersten Tätigkeiten in einer Gesellschaft aus, egal was darunter jeweils verstanden wird. So sind Männer eher Ärzte, Rechtsanwälte oder haben eine Vollprofessur inne, Frauen sind eher Krankenschwestern, Rechtsanwaltsgehilfinnen oder wissenschaftliche Hilfskräfte.

Bourdieu weist darauf hin, dass sich die Lage der Frauen zwar sichtbar verändert hat, zum einen durch einen erweiterten Zugang zu Hochschulbildung und damit zu bezahlter Arbeit und der öffentlichen Sphäre, zum anderen durch eine gewachsene Distanz zu den häuslichen Tätigkeiten und Reproduktionsfunktionen durch eine verbreitetere Nutzung von Verhütungsmitteln, kürzere Unterbrechungen der Berufstätigkeit, eine steigende Scheidungs- und eine sinkende Heiratsrate.

Dennoch stellt er fest, dass die relativen Positionen unverändert geblieben sind: Bei gleichen Voraussetzungen nehmen Frauen stets die weniger günstigen Positionen ein und ihre Zugangschancen sind umso geringer, je seltener und gefragter eine Position ist.

Wenn Frauen in größerer Zahl in ein Arbeitsfeld strömen, wird dieses Feld feminisiert und damit an Prestige abgewertet

Stellen Frauen die Mehrheit in einem Feld, nimmt dieses den niedrigen Status der Frau an. Treten Männer in ein Feld ein, dann bringen sie Prestige hinein. Demnach wird eine Tätigkeit dadurch zu einer qualifizierten Tätigkeit, dass Männer sie ausüben.

So wurde der Arztberuf in der ehemaligen Sowjetunion überwiegend von Frauen ausgeübt, die gegenüber den Männern in Handwerksberufen schlechter bezahlt wurden.

Falls sich jemals schon einmal gefragt hat, warum kochen zwar gemeinhin als weibliche Tätigkeit gilt, jedoch die meisten Sterneköche männlich sind: Gesellschaftlich kann sich ein Mann, nach Bourdieu, zu bestimmten, sozial als geringwertig qualifizierten Tätigkeiten nicht herablassen.

Indem er bislang als weiblich geltende Tätigkeiten jedoch an sich reißt und außerhalb der Privatsphäre erfüllt, kann er diese bei Frauen “qualitätslosen” Tätigkeiten aufwerten und zu Ruhm verhelfen .

Auf diese Weise wird die Unterordnung der Frau gegenüber dem Mann endlos fortgesetzt, auch dann wenn Frauen Lohnarbeiten und unabhängig davon, welche Arbeit Frauen machen.

Quoten sind nicht die Lösung für das Problem

Der moderne Staat selbst reproduziert die männlich-weiblich Dichotomie in seiner Struktur, Bourdieu nennt es die “paternalistische und protektive rechte Hand” (die nehmende) und die “sozial orientierte linke Hand” (die gebende).

Da Frauen durch ihre Prekarisierung stärker auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, und neoliberale Kürzungen immer zuerst auf den Sozialstaat angewandt werden, sind Frauen immer stärker von Austeritätsmaßnahmen betroffen.

Der liberalfeministischen Ansatz, nach dem der Staat durch eine paritätische Beteiligung von Frauen zu deren kollektiver Befreiung beitragen können, ist ein Trugschluss: Eine Parität in politischen Instanzen kommt vorrangig jenen Frauen zugute, die aus denselben Regionen des sozialen Raumes (Klasse, Ethnie, …) stammen wie die Männer, die gegenwärtig die herrschenden Positionen einnehmen.

Eine amerikanische Soziologin und Feministin fasste dies zuletzt so zusammen:

“Indem ein paar (zumeist weiße) Frauen in den Club gelassen werden, hat das Patriarchat eine Abstreitklausel gegen das Argument der zweiten Welle des Feminismus, dass Frauen als Klasse unterdrückt sind eingeführt.

Systeme der Unterdrückung sind jedoch flexibel genug um ein paar Mitglieder der untergeordneten Gruppen zu absorbieren; sie ziehen sogar ihre Stärke aus der Illusion der Neutralität, die durch diese Ausnahmen generiert wird.

Eine Sheryl Sandberg bei Facebook oder eine Nancy Pelosi in der Regierung ändern jedoch nicht die strukturelle Realität des Patriarchats.”

Es lässt sich empirisch feststellen, dass hohe Positionen bei Frauen, also beruflicher Erfolg, in aller Regel in “Misserfolg” im häuslichen Bereich resultieren: Höheren Scheidungsraten, Kinderlosigkeit oder späte Elternschaft, etc.

Auch umgekehrt ist ein Erfolg im privaten Bereich oft nur mit Misserfolg im beruflichen Bereich realisierbar, zum Beispiel durch eine Teilzeitbeschäftigung, die Frau als Konkurrentin der Männer ausschließt.

Immer häufiger wird heutzutage die Zwei-Job-Belastung von Frauen auch auf Kosten anderer Frauen gelöst:

Das berufliche Vorwärtskommen beruht entweder auf der Abhängigkeit von Familienangehörigen, beispielsweise bei der der Kinderbetreuung, auf der Verlagerung häuslicher Tätigkeiten in den Verantwortungsbereich des Staates (wo die Linie der “Frauenarbeit” in Unterricht, Pflege und Dienstleistung fortgeführt wird) – oder in der Bezahlung osteuropäischer Arbeitsmigrantinnen, wodurch Frauen zu Komplizinnen der Ausbeutung von Frauen aus anderen Ländern werden.

Pierre Bourdieu und Radikalfeministinnen sind sich einig: Die patriarchalen Strukturen werden sich reproduzieren, solange sie bestehen.

Aufzulösen ist die Benachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt, wie in jedem anderen sozialen Feld deshalb nur, durch die Ablösung der patriachalen Strukturen, die den Sexismus, Klassismus und Rassismus unauflösbar in sich tragen.

Celestine Ware: Schwarzer Feminismus

Woman Power Emblem Red

Public Domain

Cel(l)estine Ware war eine schwarze radikalfeminsitische Aktivistin, Autorin (z.B. von “Woman Power: The Movement for Women’s Liberation”)und eine der Gründerinnen der New York Radical Feminists. Bei dem nachfolgenden Artikel handelt es sich um Auszüge eines Textes aus der Anthologie Radical Feminism, herausgegeben von Anne Koedt, Ellen Levine, Anita Rapone. Der vollständige Text kann hier gelesen werden.

Die Ablehnung von schwarzen Frauen durch schwarze Männer ist ein Phänomen, welches sich am besten durch den Hass der schwarzen Männer auf das Schwarzsein und durch das Bedürfnis zu dominieren, welches den männlich-weiblichen Beziehungen zugrunde liegt, erklären lässt. Als solche, ist diese Ablehnung eine exzellente Untersuchung für Feministinnen. … Die Reaktion der schwarzen Männer ist der Vorläufer dessen, dem sich alle Feministinnen gegenüber sehen werden, wenn sie an Stärke gewinnen. Sobald Frauen anfangen Positionen der Gleichheit mit Männern anzunehmen, wird ihnen bösartige Gewalt entgegen schlagen, genau wie die, die gerade von schwarzen Frauen ertragen wird. Sie werden auch feststellen, dass Männer sie zugunsten von „feminineren“ Frauen ablehnen werden. […]

Wenn es einer schwarzen Frau gelungen ist, was selten der Fall war, eine prominente Position zu erkämpfen, wurde ihr das bitterlich krumm genommen von den schwarzen Männern. [… ] Dennoch hat die Geschichte schwarze Frauen unabhängiger als die meisten amerikanischen Frauen gemacht. Da sie nicht vom schwarzen Mann abhängig sein konnten in Bezug auf ihre finanzielle Absicherung oder ihren Schutz, haben sie keine Angewohnheit zur Unterordnung unter die männliche Autorität erworben.  Aufgrund dieses Versagens eine  Unterwürfigkeit zum Mann zu entwickeln, werden schwarze Frauen sowohl von schwarzen Männern aus der Unter- als auch Mittelschicht herabgesetzt. Der schwarze Mittelschichts-Mann, wie Mr. Hernton, betrachtet die schwarze Frau als dominant und kastrierend:

„Wiederholt wurde ich Zeuge davon wie Negro Frauen ihre weißen Ehemänner regelrecht dominiert haben. […] In allen außer ein paar wenigen schwarze Frau – weißer Mann – Beziehungen ist es der Mann der sich anpassen muss […]“  […]

Der Unterschichts-Schwarze sieht schwarze Frauen als Bitches an. Der Wohlfahrtsstaat hat die arme Frau ökonomisch unabhängig von den Männern, die in ihr Leben kommen und gehen und auf die sie sich nicht verlassen konnte, gemacht. Arme schwarze Männer beklagen sich darüber, dass ihnen gesagt wird „Verpiss dich! Und komm nicht wieder, bevor du nicht einen Job hast!“ Es gibt einen Antagonismus zwischen schwarzen Männer und Frauen, vor allem in den ärmeren Segmenten der Community. Die Frauen verachten die Männer dafür, dass diese nicht in der Lage sind Arbeit zu finden und für ihre Familien zu sorgen, oder dass sie ihr Geld beim Glücksspiel verzocken oder an andere Frauen oder für Alkohol verschleudern. Die Männer fluchen über die Frauen, weil die nicht feminin sind und Trost spenden.

Der Fehler, den sowohl SoziologInnen als auch die schwarzen Männer machen, ist die Annahme, dass diese Frauen es gewählt haben Kopf ihrer Familien zu werden. Sie wurden standardmäßig zu Haushaltsvorständen – weil sie die einzigen in ihren Familien sind, die Verantwortung zeigen. […]

Es ist der Druck der Armut und des Lebens im Slum, die die schwarze Familien zerreiben  und die Rolle des Mannes als Vater und Beschützer zerstören. Es ist dieser Druck, nicht die schwazrne Frauen, die Männer mit Selbstvertrauen zu Helden des Ghettos machen. In Harlem, in Watts, in Hough, gewinnt der angebetete Mann das Spiel: er kleidet sich schrill, hat eine Reihe von Freundinnen und keinen richtigen Job. Er kommt mit einem bisschen von diesem und einem bisschen von jenem über die Runden. Für den armen Mann bedeutet die traditionelle Rolle des Haushaltsvorstands keine Vergrößerung des Egos. Ökonomischer und sozialer Rassismus zwingen ihn in dieser Rolle inadäquat zu sein.  Deshalb wurde die schwarze Bitch kreiert, um den Schwindler zu rechtfertigen.

Fletcher Knebel zufolge war es Abbey Lincoln, die erstmalig den aktuellen (noch unorganisierten) Unmut schwarzer Frauen verbalisierte […]: „Wir sind die Frauen, deren Nase „zu groß“ ist, deren Mund „zu groß und vorlaut“ ist, deren Hinterteil „zu groß und breit“ ist, deren Füße „zu groß und platt“ sind, deren Gesichter „zu schwarz und glänzend“ sind, die einfach für jeden verdammt noch mal „zu“ sind.“ Sie bezog sich dabei auf Sapphire, die Amazone in der Vorstellung schwarzer Männer. […].

Kürzlich sagte ein schwarzer Lehrer: „Für den schwarzen Mann ist die schwarze Frau zu sehr wie seine Mutter. Er empfindet sie als dominant, rechthaberisch, als eine Frau, die den Laden schmeißt. Er möchte jedoch eine begehrenswerte, einfache Sexkumpanin, und die findet er in der weißen Frau.“ Was wird passieren, wenn diese begehrenswerte weiße Puppe zur Realität wird? Vielleicht wird sie zurückgewiesen für eine unbeschwerte Orientalin? […]

Angst und Furcht lassen den schwarzen Mann die „böse“ schwarze Frau konstruieren. Derzeit hat die „schwarze Bitch“ ziemlich wenig mit der tatsächlichen schwarzen Frau zu tun […]. Die Zitate legen nahe, dass die Männer die da reden kaum ernsthaften Kontakt zu irgendwelchen Frauen haben. […] Ich vermute, dass die schwarze Literatur zunehmend aus giftigen Angriffen auf die böse schwarze Mutter bestehen wird, wenn schwarze Männer zunehmend Machtpositionen übernehmen.

Feminist Fight Club – wie man in einer sexistischen Arbeitsumgebung überlebt

“Feminist Fight Club” von Jessica Bennett erschien bereits 2016, ist aber definitiv mein liebstes feministisches Buch für 2017. Die preisgekrönte Journalistin Jessica Bennett (Newsweek, New York Times) hat ein unterhaltsames wie bitterernstes Buch herausgegeben, in dem es um Sexismus am Arbeitsplatz geht. Nein, nicht den, mit den tatschenden Chefs. Den gibt es immer seltener. Dafür immer häufiger den “subtilen Sexismus”. Den, der für eine Einzelne gar nicht so schlimm ist, in der Summe aber verheerend.

Mit viel Humor und Scharfsinn beschreibt sie, auf welche Art von Männern man im Berufsleben so stößt – und wie man mit ihnen umgeht. Da gibt es die “Manterrupters” – die Kerle, die einen ständig unterbrechen. Oder die “Bropropriator” – die Typen, die sich deine Arbeit aneignen und für ihre ausgeben. Der “Himinator” glaubt, ständig anderen zu erklären, was du eigentlich sagen wolltest – und der “Menstruhater” fragt dich bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit, ob du so zickig bist, weil du deine Tage hast.

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Der Irrtum des Anti-Verhüllungsgebots

Niqab

In Österreich haben SPÖ und ÖVP in Einklang mit dem europäischen Gerichtshof entschieden, dass in der Öffentlichkeit ein Vollverschleierungsverbot bzw. ein „Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz“ gilt. Sprich, Niqab und Burkas, die das Gesicht verstecken, sind ab sofort verboten und werden mit Geldstrafen von 150,- Euro geahndet. Vor Allem Beamte am Flughafen sollen in hohem Maße zum Einsatz kommen und das neue Gesetz „mit Fingerspitzengefühl“ durchsetzen. Es sind allerdings nicht nur Burkas, sondern auch andere Sichthindernisse, wie Atemschutzmasken (ohne medizinischen Grund), Maskierungen o.ä. (außer zur Faschingszeit) untersagt. In Saudi-Arabien wurde daraufhin eine Reisewarnung für Österreich ausgesprochen.

Nun gut. Da könnte frau im ersten Moment denken: „Toll, Österreich tut was für die Befreiung der Frau!“ Denken wir einen Schritt weiter, wird klar, nein. Das ist genau das Gegenteil. Wir müssen uns nicht darüber streiten, dass eine Vollverschleierung antifeministisch ist. Aber wenn wirklich etwas FÜR Frauen getan werden soll, dann bitte doch nicht, indem man einigen von uns ein weiteres Verbot auferlegt!

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Von Playboy-Hasen und Stepfordfrauen: Frauen im Fernsehen “You play the girl”

Carina Chocano ist Filmkritikerin und ihr gerade auf Englisch erschienenes Buch “You play the girl: On Playboy Bunnies, Stepford Wives, Train Wrecks & other mixed messages” betrachtet, welche medialen Bilder von Frauen uns immer wieder begegnen. Geboren in den 1960er Jahren arbeitet sie sich von ihrer Kindheit bis in die Gegenwart, betrachtet die Disney-Filme neu mit ihrer heranwachsenden Tochter und erinnert sich an die Playboy-Sammlung ihres Großvaters. Carina Chocano geht es um das Bild von Frausein, das uns Kinofilme und Magazine vermitteln und in dem Frauen häufig nur in ihrer patriarchal idealisierten Form vorkommen; eine Kontinuität, die sich bis in die zeitgenössischen Filme findet, in denen Frauen in erster Linie dazu da sind, dem Helden eines Films bei seiner Mission zu helfen, schön, zurückhaltend, ohne eigene Ziele, sorgend, begehrenswert, aber ohne eigenes Begehren.

“The girl does not act, though – she behaves. She has no cause but a plight. She doesn’t want anything, she is wanted. She doesn’t self-actualize but aids the hero in selfactualization.”

Mit großem analytischen Geschick zeigt sie auf, wie das Narrativ in den Filmen aktuellen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen folgt und Frauen stets auf die Rolle vorbereitet, die von ihnen erwartet wird. Um die Träume, Wünsche, Sehnsüchte der Frauen geht es dabei nie. Kaum ein Mädchen der 70er und 80er Jahre wuchs ohne “Die bezaubernde Jeannie” auf – doch wer ist diese Jeannie, diese lustige, süße, hilflose Traumfrau, die den Major “Meister” nennt und der immer wieder all ihre chaotischen Manöver korrigieren muss, weil ihr das Verständnis für die Welt fehlt, in der er lebt? Sie gehorcht ihm auf das Wort. Noch immer gilt Pretty Woman als einer der romantischsten Filme aller Zeiten – und ist doch patriarchal bis auf das Blut. Sie, die Gefallene, wird in die Prostitution getrieben und dann vom reichen, charmanten Richard Gere gerettet. Nicht nur wird Prostitution romantisiert, der Mann als Freier wird auch noch zum Prinz erklärt, und wer jetzt glaubt, all das sei ja lange her, sei kurz an den Hype um “50 Shades of Grey” erinnert. Pretty Woman wurde zur Blaupause des romantischen Films bis in die Gegenwart. Nicht viel besser sind die Romantikkomödien ab den 2000er Jahren, die sich um die Panik drehen, keinen Mann mehr abzubekommen, denn das ist doch das Wichtigste, das Einzige, um das sich so ein Frauenleben dreht, lustig und unterhaltsam verpackt, aber mit einer ernsten Mahnung.

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Bello Figo-Frauenhass als Antifaschismus

http://www.publicdomainpictures.net/view-image.php?image=160754&picture=sonnenbrille-reflexion-der-sommer

Und wieder feiert die Linke einen frauenhassenden Sack als die neue antifaschistische Waffe, dieses Mal in Italien.                                                                                                                   Bello Figo Gu, geboren als Paul Yeboah, und in der Vergangenheit als Gucci Boy bekannt, wurde 1993 in Accra, Ghana, geboren.                                                                                     2016 und 2017 wurde er mehrfach bedroht, insbesondere von Rassisten und extremen Rechten.Konzerte wurde deshalb in Brescia, Borgo Virgillio, und Rom, unter anderem, gestrichen. Seine Musikvideos auf YouTube hatten Millionen gesehen und sein neuer Song, „ Non pago affitto“, (Ich zahle keine Miete), wurde 10 Millionen Mal geklickt. Er bedient sich in diesem Song Antieinwandererklischees, und netten Sachen wie..“ Ich brauche eine weiße Pussy, denn am Morgen wache ich immer mit harten Schwanz auf. Viele weißen Fotzen werden gefickt, sie setzt sich auf mein Gesicht, als wenn sie sich auf den Stuhl setzt“…oder in einem anderen Song…“Alle meine Muschis, wo seit ihr…Sie führen meinen Schwanz ein wie Zigaretten, alle meine Fotzen…“(in Figa).

Gefeiert wird er auch von der Süddeutschen SZ, er bringt angeblich die Rechten zur Weißglut, aber wird von der Linken als intellektueller Rapstar betrachtet. Er zeige sozusagen den Rechten den Spiegel, indem er sie mit ihren eigenen Parolen konfrontiert. Soziologen und Politologen beschäftigen sich mittlerweile in Italien mit dem Phänomen Bello Figo. Er sieht sich wohl als Antifaschist und wird als solcher gefeiert. Die Zeitung Il Tirreno, Livorno schreibt….“Er sollte die Scham aller Flüchtlinge sein….mit einem halben Gehirn…“Über Sex und Essen sang er wohl in seiner Anfangszeit auch schon, sehr einfache Texte. Vermutlich gehörte dann diese Verachtung gegenüber Frauen schon von Anfang an zum Repertoire und wurde nicht durch das Thema „Immigration“ nur politisch aufbereitet. Zum Thema Immigration kam er erst vor einem Jahr. Natürlich sind seine Texte humoristisch und die Feminazis verstehen wieder Mal keinen Spaß, denn intellektueller Humor ist so einfach nicht ihre Sache. Das verstehen können nur linke, antifaschistische Männer. Oder vielleicht wird man, sollte man schwanzlutschende Fotze nicht so humoristisch finden, gleich als rechts bezeichnet, nur weil die Rechte, werauchimmer sich dazu zählt, aus anderen Gründen die Texte wenig lustig finden.                                             Zeitungen, die ihn eher feiern, zitieren natürlichen in der Regel die frauenverachtenden Textzeilen nicht. Eventuell wird noch in einem Nebensatz erwähnt, dass Bello Figo sexistisch sei, und die Rechte sich deshalb aufregt. Wer interessiert sich hier auch dafür, dass sich Frauen vielleicht auch aufregen können. Bei weißen Fotzen hört bei mir der Spaß einfach auf.Rolling Stone bezeichnete ihn 2016 als den am meisten polarisierenden Künstler Italiens. Ich kann nur sagen, wow, Frauen als Fotze (unter anderem) zu bezeichnen ist wirklich polarisierend und politisch brisant. Das ist eine Auszeichnung und Publicity wert.

Ich spüre wieder Abscheu vor der Scheinheiligkeit angeblicher Antifaschisten und sogenannter Linker.

http://iltirreno.gelocal.it/livorno/cronaca/2017/01/27/news/arriva-bello-figo-il-rapper-della-discordia-e-sul-web-corrono-subito-le-offese-razziste-1.14780779?refresh_ce

http://www.huffingtonpost.it/2017/01/15/bello-figo-minacce-rapper_n_14180538.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/bello-figo-yeah-ich-mach-nicht-den-fabrikarbeiter-1.3369900?reduced=true

„Mütter unerwünscht“ Christina Mundlos

Mütter unerwünscht, Tectum Verlag

Mütter sind unerwünscht bei der Arbeit in Deutschland, genau das beweist Christina Mundlos in ihrem neuen Buch. Mobbing, Sexismus, und Diskriminierung am Arbeitsplatz gegenüber Müttern, und gegenüber Frauen, die noch jung genug sind um Kinder bekommen zu können, sind das alltägliche Geschäft in Deutschland.Die Strategien der Arbeitgeber, ob gezielt oder auf Vorurteilen basierend, sind vielfältig und nicht immer gleich erkennbar, aber sie alle haben das Ziel, Frauen aus dem Arbeitsmarkt zu drängen. Nicht Frauen sind verantwortlich für die sehr niedrige weibliche Erwerbstätigkeitsquote in Deutschland, sondern die Ursache sind Mobbing und Diskriminierung.

Wie auch in ihrem Buch “Trauma unter der Geburt“ und „Regretting Motherhood“ arbeitet Christina Mundlos mit Erfahrungsberichten von betroffenen Frauen. 25 Frauen unterschiedlicher Berufe und Hintergründe schildern eindringlich, was ihnen gemeinsam ist, nämlich der Versuch von Arbeitgebern sie aus dem Beruf zu drängen. Individuelle Erfahrungen bezüglich Mobbing und Diskriminierung im Kontext von Schwangerschaft und der Rolle als Mutter bei der Arbeit kann als purer Zufall oder persönliche Schwächen abgetan werden, aber die überwältigende Anzahl der Berichte mit genau diesen Erfahrungen kann nicht mehr abgetan werden. Das Private wird sozusagen zum Politischen, denn wenn es so viele Frauen betrifft, dann kann es sich nur um ein strukturelles, gesellschaftliches Problem handeln.

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