Schlagwort: toxische Männlichkeit

Radfem Basic Writings: Kathleen Barry und ihr Kampf gegen die sexuelle Versklavung von Frauen

Kathleen Barry ist eine amerikanische Feministin und Soziologin. Sie besitzt zwei Doktortitel und gehört zu den prominentesten Vertreterinnen der 2. Frauenbewegung. Bis heute engagiert sie sich gegen sexuelle und männliche Gewalt und die Ausbeutung von Frauen. Bekannt wurde sie 1979 mit ihrem Buch “Female Sexual Slavery” – Deutsche Ausgabe: “Sexuelle Versklavung von Frauen”, in dem sie den Zusammenhang von Vergewaltigungskultur, patriarchaler Gesetzgebung, sexueller Gewalt und Prostitution beschrieb. Das Buch wurde in sechs Sprachen übersetzt und gilt als Grundstein für eine neue, feministische Bewegung gegen Sexkauf und Ausbeutung in der Prostitution. In dem Buch zeigt Kathleen Barry auf, wie der Kampf Josephines Butlers und später die Diskussion um die “White Slavery”, die ihrem Ursprung nach feministische Bewegungen waren, von bürgerlichen Moralisten für politische Zwecke und gegen die Prostituierten instrumentalisiert wurden und deshalb scheiterten. In der auch von Frauen akzeptierten Spaltung in Hure und Heilige sah sie eine der wichtigsten Ursachen für die Toleranz von Sexkauf, gefolgt von der Bereitschaft, Gewalt und Elend in der Prostitution einfach zu übersehen und von Freiwilligkeit zu sprechen. Viele Diskussionslinien, die sich in der heutigen Debatte rund um Prostitution zeigen, analysierte und entlarvte sie bereits 1979.

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Heulender Wolf: über hohle Einigkeit und die linke Liebe zu verletzten Männern

Es gibt in Tim O’Briens „Was sie trugen“ / „The Things They carried“ eine Geschichte von einem Amerikaner, der mit 20 seinen Marschbefehl vom US Militär erhält, nachdem er aktiv gegen den Vietnam Krieg protestiert hat. Bevor er den Marschbefehl erhielt, so erinnert er sich später, war er dummerweise, mit einer Art überheblicher Arroganz, die er sich später nicht mehr vorstellen konnte, davon ausgegangen, dass die Probleme des Tötens und Sterbens nicht zu seinen persönlichen Angelegenheiten gehörten. Als er den Brief erhielt, fühlte er „eine Wut im Bauch“, die später zu schwelendem Selbstmitleid und dann zu Empfindungslosigkeit wurde.

Er beschreibt, dass er die Möglichkeit gehabt hätte, nach Kanada zu fliehen, in dem er von einem Fischerboot gesprungen und 20 Meter bis zur Küste geschwommen wäre. Er nahm die Möglichkeit nicht wahr. „Intellekt hatte sich gegen Gefühle gestellt“, sagte er später. „Worauf das hinauslief, dummerweise, war ein Gefühl der Schande. Heiße, dumme Schande. Er wollte nicht, dass seine Leute schlecht von ihm dachten.
In ihrer Bezugnahme auf die Geschichte in “Unmaking War Remaking Men“ schreibt Kathleen Barry zu der Entscheidung des Mannes, er habe „die Anforderungen der Männlichkeit über die seiner Menschlichkeit gestellt. Es ist eine Entscheidung, die dazu führte, dass er andere tötete und die ihn viele Jahre lang verfolgte.“

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