Schlagwort: vergewaltigung

Wie Kachelmannanwalt Schwenn Opferverbände verunglimpft und Opfer zu Tätern macht

CC 3.0, Frank C. Müller, Wikimedia Commons https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Kachelmann-Urteil-Schwenn3.jpg

Auf einer Fachtagung für angehende JuristInnen in Halle hat Johann Schwenn, bekannt als Kachelmanns Anwalt in dessen Prozess bzgl. Vergewaltigung, offensichtlich eine Agenda verfolgt: es wurde der Eindruck erweckt, es gäbe hauptsächlich Falschaussagen bei Vergewaltigungsanzeigen und massenweise Männer würden Opfer von Frauen, die ihnen eine Vergewaltigung anhängten. Opferverbände seien „zwielichtige Vereine“, „des Teufels“ und von „Vulgärfeministinnen“ geleitet, Posttraumatische Belastungsstörung seien nicht existent, ein „interessegeleitetes Modekonstrukt“, PolizistInnen und RichterInnen könnten ja „glauben wem sie wollen“ und ließen sich von Krokodilstränen der aussagenden Frauen in ihrer Entscheidung beeinflussen. Die Menschenrechtsaktivistin Inge Bell und die AntiprostitutionsAktivistin Huschke Mau waren dabei und wehren sich jetzt mit einer Beschwerde an die Rechtsanwaltskammer.

 

 

Hanseatische Rechtsanwaltskammer

Valentinskamp 88

20355 Hamburg                                                                   31. Mai 2017

 

Offener Brief:

Beschwerde über Herrn RA Johann Schwenn wegen übler Nachrede

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Vom 5. bis 7. Mai 2017 fand in Halle die Konferenz „Sex & Recht“ statt, organisiert von ELSA Halle e.V. (European Law Students Association). Diese Konferenz näherte sich dem Themenfeld Sexualstrafrecht, Sexualisierte Kriegsgewalt und Menschenhandel. Die Organisatoren hatten dazu Expertinnen und Experten eingeladen, die zu und mit dem studentischen Publikum sprechen sollten.

Ich selbst war als Expertin zu Menschenhandel eingeladen, Frau Huschke Mau als Expertin zu Prostitution – und Herr RA Johann Schwenn, bekannt durch  seine Strafverteidigung von Herrn Jörg Kachelmann, als Experte zum Thema „Strafverfolgung von Sexualdelikten“.

Ich wende mich – gemeinsam mit Frau Huschke Mau – an Sie mit einer Beschwerde über Herrn RA Johann Schwenn.

Vorab dieses: Frau Mau und ich hätten uns und dem studentischen Publikum einen sachlichen Fachvortrag gewünscht. Statt dessen erlebten wir einen von persönlicher Meinung gefärbten Vortrag voller Abwertung und Zynismus. Einen angeblichen Fachvortrag, in dem Herr RA Schwenn nicht zwischen Fakten und seiner Meinung differenzierte – und ganz bewusst in polemischer Rhetorik den Eindruck entstehen ließ, es gebe bei der Strafverfolgung von Sexualdelikten in den weitaus meisten Fällen Falschbeschuldigungen.

Männer (in Herrn Schwenns Vortrag fast durchwegs als „Unschuldige“ oder „Opfer“ bezeichnet) würden von Frauen (fast durchwegs als „vermeintliche Opfer“ bezeichnet) durch Falschbeschuldigungen der Strafverfolgung ausgesetzt. Der Fall Herbert Becker (2004 von seiner Tochter des Sexuellen Missbrauchs beschuldigt, später als Justizopfer rehabilitiert) stehe hier „stellvertretend für sehr viele im Sexuellen Missbrauch“.

Dazu kämen „massenweise unfähige und unprofessionelle Polizeibeamte“ – für sie ginge „Opferschutz vor Wahrheitsfindung“ – und „zu patientennahe Sachverständige“: „Der Traumatherapeut ist ein strategischer Partner der Nebenklägerin. Nicht der Wahrheit, sondern der Patientin verpflichtet“.

Das langbekannte und in der Fachwelt unumstrittene PTBS (Post-Traumatisches Belastungs-Syndrom) sei lediglich ein „interessensgesteuertes Modekonstrukt“, ein „weitverbreiteter Versuch, psychologische Phänomene zu missdeuten“.

Auch dass das Borderline-Syndrom eine Traumafolgestörung ist, negierte Herr Schwenn entgegen aller psychologischer Erkenntnisse. Ebenso wie er die Existenz des Frozen state (Totstellreflex/ Schockstarre) leugnete.

Herr Schwenn sprach weiterhin durchwegs von „unseriösen Opferanwälten“ und erweckte beim Publikum den Eindruck, dass schlichtweg alle Opferanwälte unseriös seien. Polizei, Staatsanwälte und Rechtsmediziner seien auch alle „unkritisch“ und agierten „nach dem Motto ‚Tränen lügen nicht‘, einem Schlager aus den 70er Jahren“, wie er süffisant anmerkte.

Es blieb allerdings nicht bei dieser tendenziösen, manipulativen, schwarzen Rhetorik.

Herr Schwenn nannte in seiner als Fachvortrag angekündigten Polemik ganz explizit die Fachberatungsstellen Zartbitter e.V. und Wildwasser – renommierte Hilfsorganisationen und Anlaufstellen für Betroffene von sexueller Gewalt – und bezeichnete sie als „zwielichtige Opfer-Vereine“, „vulgär-feministisch geprägte Vereine“ und „voller Sünden“. Wörtlich sagte er weiterhin: „Solche Vereine sind des Teufels“.

Spätestens diese üble Nachrede ist ein absolutes No-Go. Es ist ein Werturteil und ehrenrührig.

Bitte gehen Sie dem nach!

Juristen tragen Verantwortung – auch und gerade prominente Strafverteidiger wie Herr Schwenn. Und umso mehr, wenn sie vor dem juristischen Nachwuchs sprechen.

Das Publikum auf der Konferenz „Sex & Recht“ bestand ausschließlich aus sehr jungen Jura-Studierenden, die sich natürlich von einem mittlerweile recht bekannten Strafverteidiger beeindrucken ließen. Sie dürften kaum in der Lage gewesen sein, die Behauptungen Herrn Schwenns auf einem juristischen Spezialgebiet kritisch zu hinterfragen. Und sie taten es auch nicht.

Sie glaubten ihm einfach.

Lediglich Frau Huschke Mau und ich erhoben unsere Stimme zu Fragen und Kommentaren. Und zwar nicht, um RA Schwenn „eines Besseren zu belehren“, sondern damit die jungen, wissbegierigen Studierenden sensibel werden für den Unterschied zwischen tendenziöser Meinungsmanipulation und profunder, sachlicher Wissensvermittlung.

Herr Johann Schwenn las seinen Vortrag weitgehend ab. Meine mehrfachen Nachfragen bei ihm und den Konferenzveranstaltern, mir das Manuskript zur Verfügung zu stellen, blieben bislang unbeantwortet.

Wir bitten Sie nun um Prüfung unserer Beschwerde, ob Herr RA Schwenn gegen Berufsrecht verstoßen hat.

Mit bestem Gruß

Inge Bell und Huschke Mau

Ein Teil von mir

Tear, Träne

By NessaLand (tear) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Ein Gastbeitrag von Laura Hertzog

Als ich ihn 2011 kennen gelernt habe, habe ich geglaubt das alles wäre ein Traum. Ich war 16 Jahre alt und hatte im Sommer gerade mit dem Abitur angefangen. Mittlerweile war es Winter, genau genommen Januar. Auf einer Disco wurden wir einander vorgestellt und es war sofort ein Draht da. Wir haben uns öfter wieder getroffen und am 12. Februar waren wir schließlich ein Paar. Ob ich wirklich verliebt war, oder ob ich nur in das Gefühl verliebt war, dass er mich scheinbar mochte… Ich weiß es nicht!

Ich weiß nur, dass er mir nach einem halben Jahr die rosarote Brille nicht einfach abgenommen hat, sie wurde mir mit einem Ruck und ohne Vorwarnung vom Kopf gerissen. Die darauffolgenden zweieinhalb Jahre hätte ich mir getrost sparen können. Streit, Wut, ständige Auseinandersetzungen, nie enden wollende Diskussionen, eine Menge Tränen meinerseits und diese Aggression. Diese schiere Kraft, die dieser 190cm Kerl hatte. Es war mehr als nur einmal verdammt knapp an meinem Gesicht vorbei.
Das Loch in der Rehgipswand seiner alten Wohnung erzählt nur eine unzähliger Geschichten, in denen er sich gerade noch zusammen reißen konnte, nicht mich, sondern einen Gegenstand zu schlagen.

Davon ab, dass unsere Beziehung in etwa funktionierte wie ein Blinker. Alle Nase lang trennte er sich von mir und kam dann wenige Tage oder Stunden später wieder zurück.
In der Zwischenzeit hatte ich mein Abitur in der Tasche und begann ein duales Studium. Unbewusst reizte ich ihn damit nur noch mehr, da ich so eine Karriere hinlegte, während er „einfach nur Krankenpfleger“ war – wie er es immer nannte. Er wollte doch so gerne auch mal Abi machen und hätte am liebsten gestern angefangen zu studieren.
Meines Wissens hat er es bis heute nicht gemacht, nicht weil er zu doof wäre, ihm fehlt der Mut einen solchen Schritt zu gehen!

In der Uni und auf der Arbeit habe ich dann gelernt, dass es ja noch andere Menschen neben ihm gibt, die mich nett finden. Ich begann mich viel zu unterhalten und das eben auch mal über Themen, die ich spannend fand! Da waren Leute, die meine Musik mochten. Er hat sie gehasst, wir haben fast nur gehört, was er mochte.
Am 1. März war es soweit! Ich konnte die ganze Nacht nicht einschlafen, habe mich rumgewälzt und gegrübelt, bis ich mich entschlossen hatte, mich von ihm zu trennen. Kaum war dieser Gedanke zu Ende gedacht, bin ich eingeschlafen wie ein Baby.
Am nächsten Tag kam er zu mir und wir führten eine dieser stereotypischen Trennungsgespräche, in denen er nicht einsehen wollte, dass ich es so meine, wenn ich Schluss mache!
Ähnlich wütend wie schon hunderte Male zuvor verließ er mein zu Hause, nur dass er nie mehr wieder kommen würde.

Bis Mitte Juni herrschte absolute Funkstille… bis wir uns auf einem Dorffest wieder über den Weg liefen. Er war äußerst nett zu mir, entschuldigte sich sogar für alle Lügen, die er über mich verbreitet hatte und wir unterhielten uns, über eine Stunde, sehr nett miteinander. In den darauffolgenden Wochen trafen wir uns mehrere Male, um einen Kaffee gemeinsam zu trinken. Immer kam ich mit dem Auto meiner Eltern zum Treffpunkt (sehr bekannte Fast Food Kette) und immer waren es sehr angenehme Abende, an denen wir uns über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft austauschten.

An jenem Abend hatten wir uns wieder einmal kurzfristig per Whatsapp verabredet, doch ich konnte das Auto meiner Eltern nicht haben, da sie selbst weg wollten. Nachdem ich ihn darüber informiert hatte, schlug er vor, er könnte mich ja gerne abholen.

Ich muss dazu kurz etwas einwerfen. Ich bin totaler Bauchmensch. Mein Bauch hat immer Recht. Nur will mein Kopf das nicht einsehen. Ich stehe vor einer Entscheidung und mein Bauch sagt sofort Ja oder eben Nein. Und dann mischt mein Kopf sich ein… er will immer erst mal noch in Ruhe über alles nachdenken, die Situation abwägen etc. Und am Ende kommt er in einem Großteil der Fälle immer auf dieselbe Schlussfolgerung, wie der Bauch sie vor Minuten, Stunden oder Tagen schon gezogen hatte. Auf meinen Bauch ist Verlass!

Ich las die Nachricht mit seinem Vorschlag und sofort schrie mein Bauch laut, ich sollte das bloß nicht machen. „Was ist denn mit dem los?“ meldete sich sofort der Kopf. „Also bitte, ihr trefft Euch ja nicht das erste Mal auf einen Kaffee und er war doch immer total nett, jetzt stell Dich mal nicht so an.“ Die Schlussfolgerung meines Kopfes klang für mich in diesem Moment vollkommen logisch. Ich befahl meinem Bauch Ruhe zu geben und wenige Stunden später stieg ich in den Wagen meines Ex-Freundes.

Mein Bauch spürte sofort, dass da etwas nicht stimmte. Irgendwas war anders. Ständig redete er über unsere Beziehung und lobte sie in den höchsten Tönen. Er erklärte mir den ganzen Abend, was er alles daran vermisse und dass er gerne nur für einen Abend alles wieder aufleben lassen würde. Mein Bauch schimpfte erneut, mein Kopf sagte wieder: „Mach Dich nicht verrückt, ist doch schön, wenn er endlich auch mal die positiven Seiten der Beziehung sieht.“

Und dann wollte er mir seine Wohnung zeigen…
Was er zunächst auch tat, bis wir im Türrahmen seines Schlafzimmers standen.
„Nur noch einen Kuss, einen allerletzten Kuss möchte ich!“ waren seine Worte, doch ehe ich auch nur irgendeine Antwort formulieren konnte, hatte er sein Vorhaben schon in die Tat umgesetzt. Jedes Mal, wenn er seine Lippen ganz kurz von meinen löste, sagte ich „Nein!“ oder „Wir sollten das nicht machen!“ Er presste mich ganz fest gegen den Türrahmen und ich wusste nicht mehr was ich tun sollte.

Wenige Minuten später hatte er mich schon auf sein Bett geschmissen und sich auf mich gestürzt. Ich murmelte immer wieder „Nein!“ Mit jedem Kleidungsstück, um das er mich erleichterte, sagte ich „Lass das!“ Er fasste mich an, genau wie früher immer und es fühlte sich so falsch an. Knappe 100 Kilogramm, verteilt auf 1,90m Mann lagen dort auf mir. Er war forsch, nicht gewalttätig, aber grob. Mit seinen großen Händen kannte er wie immer nur zwei Stellen an meinem Körper, meine Brüste und meinen Schritt. Er knetete meine Brüste so fest, dass ich stöhnen musste vor Schmerz, für ihn wohl ein Signal von Lust, denn kurz darauf…

Vor Angst war ich so angespannt, dass es unwahrscheinlich wehtat. Jeden Millimeter, den er sich nun bewegte löste Hass, Angst und Schmerzen in mir aus. Ich resignierte, nachdem ich gefühlte 100 Mal laut und deutlich „Nein“ gesagt hatte, wusste ich nicht mehr, was ich machen sollte. Ich hörte auf mich aufzubäumen und lies es über mich ergehen. Wenn Du jetzt still hältst, geht es ganz schnell, dachte ich.

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich es „über mich ergehen“ lassen habe. Waren es nur wenige Minuten? Es fühlte sich an, wie Stunden, bis endlich, plötzlich seine Wohnungstür aufsprang (direkt gegenüber von der Schlafzimmertür, die nicht geschlossen war!) und seine Nachbarin dort stand und direkt auf uns drauf schaute.

Er sprang erschrocken von mir runter, lachte laut und als ihr erster Schock überwunden war, drehte sie sich auf dem Absatz um und verließ kichernd die Wohnung. Ich hatte mich nicht einen Millimeter gerührt, als er mich ansah, sich das Kondom abstreifte und mich grinsend beäugte. „Schade, dass wir das nicht zu Ende führen konnten!“ Mit diesen Worten griff er nach seinen Klamotten und begann sich anzuziehen.

Noch immer gelähmt, weil ich einfach schier überfordert mit dieser gesamten Situation war, starrte ich ihn an. „Ich bringe Dich jetzt besser nach Hause!“ sagte er, beugte sich zu mir und küsste mich noch einmal. Sofort spannten sich wieder alle Muskeln meines Körpers an. „Bitte nicht!“ schrie es in mir und er löste sich wieder von mir und verließ den Raum. Ich konnte hören, wie er sich in der Küche eine Zigarette anzündete, als schließlich auch ich aufstand und mich anzog.

Ohne weitere Vorkommnisse fuhr er mich nach Hause. Wir redeten nicht mehr viel. Als ich ausstieg wünschte er mir, mit einem widerlichen Grinsen auf dem Gesicht, eine gute Nacht und süße Träume, am besten vom heutigen Abend. Ich versuchte den Kloß in meinem Hals herunter zu schlucken und krächzte: „Gute Nacht!“ ehe ich die Haustür hinein und geradewegs ins Badezimmer ging.

Ich ging sofort duschen, schmiss alle Klamotten, die ich trug in die schmutzige Wäsche. Ich fühlte mich so dreckig. Als wäre ich mir selbst fremdgegangen und müsste nun alle Spuren beseitigen, damit ich nichts davon erfuhr.

Es klappte, zumindest eine Zeit lang. Ich begann zwei Monate später eine neue Beziehung, die bis heute anhält und wirklich wundervoll ist! Es dauerte zwei Jahre, bis ich verstand was passiert war. Beim Verkehr mit meinem neuen Partner, nach bereits zwei Jahren Beziehung hatte ich das erste Mal einen Flashback. Er lag auf mir, war zärtlich und liebevoll wie immer und plötzlich… ich schrie, ich weinte, ich hatte solche Angst vor ihm, stand kurz vorm Hyperventilieren.

Wie immer reagierte er wunderbar! Er löste sich sofort von mir, nahm mich in den Arm und lie mich einfach weinen und schreien. Er streichelte mich und sagte mir immer wieder, dass er bei mir sei und mich beschützen würde, dass alles gut sei, dass er mich liebe.

Mit diesem Flashback ging ich zu meinem Therapeuten, der mich zu diesem Zeitpunkt bereits etwa 6 Wochen durch meine Depression begleitete. Nachdem wir uns einige Stunden ausführlich über das geschehene und „ihn“ unterhalten hatten, sagte er die wohl wichtigsten Worte, die jemals einer im Zuge dieses Abends zu mir gesagt hat. „Warum habe ich mich nicht gewehrt? Wie konnte ich so dumm sein und es einfach über mich ergehen lassen? Warum habe ich es nicht wenigstens versucht?“ Er lächelte mich verständnisvoll an und legte seinen Kopf leicht zur Seite. „Ich kenne ihn nicht, aber ich kann ihnen sagen, so wie sie ihn beschrieben haben, hat ihr Unterbewusstsein an diesem Abend genau die richtige Entscheidung getroffen. Sie haben sich nicht gewehrt, weil es alles nur schlimmer gemacht hätte. Er wäre gewalttätig geworden. Er hätte nicht aufgehört!“

Heute, zweieinhalb Jahre später, kann ich darüber reden, ich kann es aufschreiben, ich kann „damit umgehen“. Er wollte mir einfach nach über einem Jahr Trennung beweisen, dass er mich immer noch im Griff hat. Sein Ego hat es nicht verkraftet, dass ich ihn verlassen und damit so bloß gestellt habe.

Damals wie heute habe ich nicht angezeigt. Wie auch? Er war schlau genug ein Kondom zu benutzen und da er nicht gewalttätig war, hatte ich keinerlei Hämatome oder ähnliches vorzuweisen. Aber das ist es nicht, was mich stört. Er wird seine Rechnung bezahlen, dafür werden Karma, Schicksal, Gott oder wie man es auch immer nennen mag schon sorgen. Was mich stört ist nicht die Tat als solche, oder die Bilder, nein!

Mich stört die Tatsache, dass es ein Teil meines Lebens ist und er es entschieden hat, dass ich keinerlei Einfluss darauf hatte. Ich werde es in fünfzig Jahren noch mit mir herum tragen müssen, egal wie präsent die Bilder dann noch sind, ich hatte keinen Anteil an seiner Entscheidung.

Und wieder einmal ist es bestätigt, dass es in den seltensten Fällen „der fremde Besoffene hinterm Busch“ ist, sondern in den meisten Fällen leider jemand, der einem nahe steht. Jemand den ich geliebt habe, mit dem ich drei Jahre meines Lebens verbracht habe und dem ich vertraut habe…

Von Opfern, Tätern und Erlebenden: Liebe Mithu

CC0 Public Domain

Liebe Mithu,

als dein Buch „Vergewaltigung“ erschien, las ich erst die Leseproben und dann das ganze Buch. Viele deiner Aussagen fand ich in ihrer akademischen Distanz zynisch, aber angesichts des aktuellen Trends im gesellschaftlich konformen Feminismus, der alles zu einer individuellen Erfahrung und Einstellungssache macht, eben auch nicht weiter verwunderlich. Als dann aber eine Zeitung nach der anderen und schließlich sogar der Deutschlandfunk nicht nur das Buch, sondern auch deine Vorschläge bei der taz belobten und als Wendepunkt in der Debatte zu Vergewaltigung beschrieben, war mir und vielen anderen klar, dass wir handeln müssen.

Du stehst in der Öffentlichkeit. Du wirst als Expertin zum Thema Vergewaltigung eingeladen und verdienst Geld an dieser Debatte. Du hast also zumindest eine moralische Verantwortung, der du, nicht nur meiner Einschätzung nach, nicht nachkommst, wenn du nicht mehr von Opfern und Tätern sprechen möchtest und anzweifelst, die meisten Täter sexueller Gewalt seien männlich. Natürlich kann man ganz viel dekonstruieren und von anderen Seiten beleuchten und genau das machen Kulturwissenschaftler auch. Wenn dann aber vor lauter Dekonstruktion am Ende nur das persönliche Erlebnis übrig bleibt und die gesellschaftlichen Strukturen völlig verschwinden, dann kann man das vielleicht im Zusammenhang mit einem Drogentrip machen, nicht aber bei einem Verbrechen, das jede dritte Frau in Europa betrifft, und dessen Täter so gut wie immer straffrei ausgehen.

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Pornos sind Hassrede: Warum wir nicht länger wegschauen dürfen!

Vor kurzem hat Pornhub seine Statistiken für das Jahr 2016 veröffentlicht. 23 Milliarden Besucher hatte die Seite im vergangengen Jahr, 91 Milliarden Videos wurden angeschaut. Deutschland liegt mit seiner Nutzerdichte nur noch auf Platz 7, was zunächst erfreulich klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als blanker Hohn gegenüber den Opfern sexueller Gewalt: Auf Platz 1 der am häufigsten gesuchten „Pornostars“ (so nennt es Pornhub selbst) liegt Gina-Lisa Lohfink, die im vergangenen Jahr erst einen Prozess gegen zwei Männer verlor, die sie gegen ihren Willen beim Sex filmten und das Video hochluden. Gina-Lisa Lohfink zeigte die Männer wegen Vergewaltigung an, die beiden wurden nicht nur freigesprochen, sondern Gina-Lisa Lohfink wurde parallel dazu in einem demütigenden Prozess zu einer hohen Strafanzahlung wegen einer Falschbeschuldigung verurteilt.

Zu den weltweit am häufigsten gesuchten Suchbegriffen gehören „Teen“ – also Filme, in denen die Darstellerinnen absichtlich auf ein minderjähriges Aussehen getrimmt werden, „Step Sister“, in dem inzestuöser bis erzwungener Sex unter Geschwistern dargestellt wird, sowie „Japanese“ und „Ebony“. Die beiden letzten Kategorien zeigen DarstellerInnen entlang ihrer Hautfarbe an, japanische Frauen gelten als besonders unterwürfig, schwarze Frauen als „wild“ und werden dementsprechend „rau“ behandelt. Alles beim Alten also in der Pornowelt: Sie ist rassistisch und verharmlost sexuelle Gewalt. Die Kritik daran ist nicht neu.

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Komm, wir spielen unsichtbar sein – Wie Opfer sexueller Gewalt wegdekonstruiert werden

Frau am Fenster

Rising Damp: Disappear, Flickr, CC BY SA 2.0

Es gibt Gründe, warum ich mich an der Uni nicht wohlfühle. Ich meine jetzt gerade mal nicht die klassistischen Strukturen da, die mich jedes Mal wieder spüren lassen, dass Uni nichts für welche wie mich ist. Konkret meine ich, dass sich an der Uni eine Haltung breitgemacht hat, in der die Art des Sprechens über Dinge plötzlich wichtiger ist als die Analyse derselben. Immer wieder sitze ich im Seminar und werde berichtigt. Vor allem drei Einwände tauchen immer wieder auf:

  1. „Wenn du sagst, dass Frauen unterdrückt werden, zementierst du diese Realität ja, du machst damit das Gleiche wie die Unterdrücker!“
  2. „Du kannst nicht den undifferenzierten Begriff „Patriarchat“ verwenden. Es werden nicht nur Frauen unterdrückt!“
  3. „Die Bezeichnung „Opfer“ solltest du nicht verwenden, die ist stigmatisierend.“

Ich verlasse diese Veranstaltungen jedes Mal mit einem Gehirnbrei, den ich nicht auseinanderklamüsert kriege. Und frage mich: verlassen Menschen, die sowas sagen, eigentlich jemals die Universität? Kamen sie überhaupt schonmal mit der Realität in Kontakt? Wo zur Hölle kaufen sie ein? Im gesafespaceten Laden irgendwo in einer genderbefreiten Bubble?

Diese Denke des liberalen Feminismus verursacht mir Unbehagen. Warum sie so problematisch ist, lässt sich gut an Hand zweier Interviews, die die Kulturwissenschaftlerin Mithu Melanie Sanyal der Süddeutschen gegeben hat, zeigen.

http://www.sueddeutsche.de/leben/rape-culture-wir-entmuendigen-vergewaltigte-frauen-1.3183107

Das Interview, welches unter der Überschrift „Wir entmündigen vergewaltigte Frauen“ abgedruckt wurde, wird eingeleitet mit:

„Frauen sind Opfer, Männer Triebtäter: Wenn es um Vergewaltigungen geht, kommen überholte Geschlechterbilder hoch. Die Autorin Mithu Sanyal ergründet, warum.“

Man könnte jetzt denken: Diese „überholten“ Geschlechterbilder kommen deswegen hoch, wenn man an Vergewaltigungen denkt, weil sie die Realität sind. Man könnte denken, dass diese Geschlechterbilder, wenn es um Vergewaltigungen geht, vielleicht nicht überholt sind, was ja hieße: die Bezeichnung bzw. die Assoziation, die diese Bezeichnung hervorruft, hinkt der Realität hinterher. Sondern dass sie zutreffen. Kurzer Faktencheck zum Thema Vergewaltigungen: Fast jede 7. Frau in Deutschland wurde schon einmal vergewaltigt. Dunkelfeld nicht mit eingeschlossen, denn nur 15% dieser Frauen gehen zur Polizei. Überholte Geschlechterbilder? Wirklich?

Erläutert werden soll laut Fragestellung in diesem Interview, warum über Vergewaltigung so „emotional und undifferenziert“ gesprochen wird wie bei keinem anderen Verbrechen. Zudem soll die Frage: „Wie kann man Vergewaltigungen verhindern?“ geklärt werden.

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Deutsche Verhältnisse: Das Kartoffelpatriarchat

End Patriarchy

istolethetv via Flickr, [CC BY 2.0]

Es sind gute Zeiten für das Kartoffelpatriarchat, jene deutsche Form der Misogynie, die so viel subtiler und deshalb unangreifbarer funktioniert als der rohe Frauenhass, der andernorts auf der Welt zu beobachten ist. Der Deutsche betrachtet offen zur Schau getragenen Frauenhass als „primitiv“, er hält es lieber mit einer stillen, weiter entwickelten Form der Frauenverachtung, die er hinter allerlei Gesetzen und Bekenntnissen verbirgt, bei Bedarf sogar spöttisch sezieren kann, nie aber aufgibt.

In Jonathan Franzens aktuellem Buch „Unschuld“ geht es, wie der Titel vermuten lässt, um Schuld und Unschuld und um Moralität und auch um Deutschland. Schon relativ am Anfang lässt Franzen eine seiner Figuren, eine Deutsche, folgenden Satz sagen: „Momentan ist es in Deutschland mit Männern und Frauen ziemlich schlimm.“ Dieser Satz wird bestätigt durch viele andere Nebensätze und Aufgaben, die erahnen lassen, dass Jonathan Franzen Deutschland nicht nur als Land von Pünktlichkeit, Teilung und toller Technik sieht, sondern auch als Land einer ganz besonderen Art von Misogynie, einer, die nur schwer greifbar ist und doch allgegenwärtig, die alles durchtränkt und doch unsichtbar bleibt, geleugnet und zugleich überall angewendet.

Rezensenten hielten dem Buch Frauenfeindlichkeit vor, wie immer bei Kunst und Literatur ist das wohl Interpretationssache, ich las viel mehr eine sehr gelungene Überspitzung der Tatsache, dass der Frauenhass alle gesellschaftlichen Befreiungsschläge überlebt, sich in jede Utopie einschleicht und durch das Internet nicht verringert, sondern gar katalysiert wird, was seine Ursache darin hat, dass er nie grundsätzlich reflektiert, sondern immer nur ein wenig kaschiert wird. Überall. Aber vor allem in Deutschland. Wir sind Weltmeister darin, Frauen in jovialer Altherrenmentalität auf ihre Plätze zu verweisen und ihnen entweder einzureden, es gäbe keine Unterdrückung ihres Geschlechts oder aber, wenn es sie gäbe, so seien sie selbst daran Schuld. Diese Art der Deutungsgewalt macht uns einmal mehr zu Vorbildern, wenn es darum geht, den alten Frauenhass in ein jüngst neu eingeläutetes Zeitalter zu transportieren: In der postfaktischen Gesellschaft zählt die Realität, ob beobachtet oder subjektiv empfunden, nicht mehr, sondern nur noch ihre Interpretation. Macht definiert sich über Deutungsmacht und Deutungsmacht ist die Macht des Patriarchats der Zukunft.

Diskriminierung effizient nutzen: Deutsche machen es vor

Wer in den letzten Tagen auf Facebook unterwegs war, der bekam ihn angezeigt, den Spot der Antidiskriminierungsstelle, mit dem sie das 10jährige Bestehen des Antidiskriminierungsgesetzes feiert. Darin werden „sexistische“ Stellenangebote vorgelesen, die es jetzt nicht mehr gibt, etwa die Suche nach einer „Haushaltsperle“ oder einer „Abwaschfrau“. Der ganze Spot soll vermitteln, wie viel sich doch in den letzten Jahren getan hat, vorgestern gab es auch einen großen Festakt zum Antidiskriminierungsgesetz, bei dem natürlich auch Heiko Maaß nicht fehlen durfte. Alles super im Gleichberechtigungsland Deutschland? Schluss mit sexistischer Werbung, Diskriminierung am Arbeitsplatz und überhaupt dem ganzen Frauen-Unrechts-Gedöns? Sicherlich war der Festakt ein Beispiel an Selbstbeweihräucherung der alten (und jungen) Herren und Herrschenden im Land und gleich wurde auch von einer „Führungsrolle“ Deutschlands für „Grundrechte und Gleichbehandlung in Europa“ gefaselt. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen – einmal mehr, hm?
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Im Westen nichts Neues – Kriegsschauplatz Frauenkörper

We don't need no patriarchal education.

Public DomainChristopher Dombres

Erinnert ihr euch noch an das Sommerloch vom letzten Jahr? Damals ging es um das „Hotpants-Verbot an deutschen Schulen“ – alle diskutierten mit und regten sich auf. Jetzt, ein Jahr später, geht es wieder um Frauenkörper und was sie tragen – diesmal um die Burka und den Burkini. „Gesicht zeigen ist Teil unserer Kultur“, hört man da von offizieller Seite und wundert sich, warum das offensichtlich nur für Frauen gilt, nicht aber für Polizisten auf Demonstrationen. In allen Kommentarspalten, auf Facebook und in den Zeitungen selbst geht es nun hoch her, von „westlichen Werten“ ist die Rede und von gewollter Provokation, als vorgestern eine Frau im Burkini von französischen Polizisten am Strand dazu gezwungen wurde, Kleidung abzulegen, vor ihrem weinenden Kind. Parallel dazu wird Gina-Lisa Lohfink zu 20.000 Euro Strafe wegen Falschbeschuldigung verurteilt. Die Richterin erklärte, in dem Video, das übrigens von den Tätern selbst als „Vergewaltigungsvideo von Gina-Lisa Lohfink“ kurz nach der Tat Journalisten angeboten wurde, wirke es, als „würde sie [Gina-Lisa Lohfink] posen“ und außerdem „verhöhne“ sie „echte Vergewaltigungsopfer“. Genau zum richtigen Zeitpunkt veröffentlicht Mithu Sanyal, Kulturwissenschaftlerin und Feministin, ihr Buch „Vergewaltigung – Aspekte eines Verbrechens“, nachdem kurz zuvor schon Alice Schwarzers Buch „Der Schock“ über die Silvesternacht die Bestsellerlisten gestürmt hat. Im Zusammenhang mit Gina-Lisas Fall und den Ereignissen der Silvesternacht wurde das Sexualstrafrecht überarbeitet – „Nein“ soll demnach ab sofort auch wirklich „Nein“ heißen. Nur auf den ersten Blick stehen diese Ereignisse und die Reaktionen darauf in keinem Zusammenhang, tritt man einen Schritt zurück und unterzieht sie einer radikalfeministischen Analyse, so wird schnell deutlich, dass wir gerade Zeuge einer Entwicklung werden, die Grundlegendes über die Stellung von Frauen in westlichen Gesellschaften aufzeigt.

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Der Fall Gina-Lisa – Eine historische Chance für ein neues Sexualstrafrecht? #TeamGinaLisa

Frauen-Demo in Island

Frauen Islands - Quelle: FatGirlfoodsquad

Bereits seit 2012 kämpft Claudia D. gegen den Vorwurf der Falschbeschuldigung: Der ehemalige Fernseh-Wettermoderator Jörg Kachelmann, der aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde, versucht auf diesem Wege, alles daran zu setzen, ihre Glaubwürdigkeit zu diskreditieren. Der nächste Prozesstag im Schadensersatzprozess vor dem Landgericht Frankfurt findet im Juli statt. Die Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt verfolgt den Fall von Beginn an, eine Übersicht der bisherigen Ereignisse ist auf deren Blog zu finden.

Der Fall Gina-Lisa ist also kein Einzelfall. Zu der Scham und der Angst, eine Tat sexueller Gewalt anzuzeigen, da „einem eh nicht geglaubt wird“, kommt für viele Betroffene nun die Last dazu, eine Tat eindeutig beweisen können zu müssen, weil sonst droht, selbst eine Verurteilung zu kassieren. Verfahren, in denen die Betroffenen im Übrigen wieder und wieder drangsaliert und retraumatisiert werden. Jahre, in denen man nicht mit dem schrecklichen Geschehen (so gut es geht) abschließen kann – Jahre die der Verarbeitung eines traumatisierenden Erlebnisses im Wege stehen.

Deutschland und das Sexualstrafrecht

Deutschland hat eine durchschnittliche Verurteilungsquote bei sexueller Gewalt von rund 8%. Wenn man die Vielzahl der erst gar nicht angezeigten Fälle (siehe auch #ichhabnichtangezeigt) hinzuzieht, dann muss man konstatieren, dass sexuelle Gewalt ein nahezu strafloses Verbrechen ist.

Im Mai 2011 verabschiedete der Europarat die so genannte Istanbul-Konvention, nach denen die Staaten offensiv gegen jegliche Form von Gewalt gegen Frauen vorzugehen haben. Dazu gehört auch eine konsequente Strafverfolgung der Täter. Jene Initiativen, die sich für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt einsetzen, halten eine Reform des Sexualstrafrechts für dringend erforderlich. Deutschland hat die Konvention bis heute nur unterschrieben, aber nicht ratifiziert. Der zuständige Minister, Bundesjustizminister Heiko Maas, sah bis Ende 2015 „keinen Handlungsbedarf“.

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Sexroboter: Nicht Segen, sondern Fluch

Auge

Public Domain

Seit einiger Zeit liest man immer mehr Artikel über die Entwicklung von so genannten „Sexrobotern“.  Es handelt sich dabei quasi um eine Weiterentwicklung der bekannten „Gummipuppe“. Statt nur in Plastik und Silikon zu ejakulieren soll das Objekt der Begierde zukünftig über „Künstliche Intelligenz“ verfügen: Der Roboter soll aus den „Erfahrungen lernen“, dadurch die „individuelle Partnerschaft optimieren“ und damit seine „Fähigkeiten perfektionieren“.

Im November 2015 fand eine „Conference on Love and Sex with Robots“ in Malaysia mit TeilnehmerInnen aus aller Welt statt.

Sexroboter sind (genau wie „Gummipuppen“) Objekte in Form von (fast ausschließlich) Kindern oder Frauen, die als Ersatz für echte, menschliche Partnerinnen oder prostituierte Personen dienen sollen.

Manche sehen in solchen Entwicklungen eine Möglichkeit Vergewaltigungen zu verhindern, oder durch „kindliche“ Roboter Pädokriminellen eine Möglichkeit zur „Triebabfuhr“ an die Hand zu geben. Die gut schlecht bekannte Ventiltheorie. Sie wird unter anderem von Ronald Arkin, einem Professor des Georgia Institute of Technology, vertreten. Er möchte „mit Kinder-Robotern Pädophilie therapieren“ möchte.

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Der Teufel feiert Karneval: Die neue Täter-Opfer-Umkehr

The Shadow of Justice

"The Shadow of Justice" by Jack via Flickr, [CC BY-NC-ND 2.0]

In Köln gibt es ein Sprichwort. Es heißt: „Wenn es regnet und die Sonne scheint, dann feiert der Teufel Karneval“. Wer die Medienberichte der vergangenen beiden Wochen zum Thema sexuelle Gewalt verfolgt hat, der könnte sich in einem eben solchen teuflischen Karneval wähnen, so widersprüchlich waren die Meldungen und Forderungen. Da sind auf der einen Seite die Ereignisse der Kölner Silvesternacht, in deren Folge auf einmal Heiko Maas (Justizminister) die lange verwehrte Neuregelung des Vergewaltigungsparagrafen zur Chefsache macht. Auch sexuelle Belästigung soll nun, da nicht mehr weiße, deutsche Männer grabschen, sondern fremde, „nordafrikanische“, endlich strafbar werden. Die Talkshows, Feuilletons und Meinungsseiten überschlugen sich zu dem Thema, ein neues Hashtag unter #ausnahmslos wurde erfunden. Sexuelle Gewalt, so sind sich alle von den Netz- und Printfeministinnen bis zur CDU und Pegida einig, soll nun endlich, endlich konsequent bestraft werden. So weit so gut, so unterstützenswert, wenn da nicht diese rassistische Komponente wäre, die bei vielen Forderungen durchschimmert und sich in den überall aus den Boden schießenden „Bürgerwehren“ kulminiert.

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