Schlagwort: wechselmodell

Väterrechte statt Kindeswohl – das 2. Zukunftsgespräch im Familienministerium macht Politik für Väter

Als Familienministerin Barley vor einigen Wochen zum ersten Zukunftsgespräch einlud, schlugen die Wellen hoch, lud sie doch vor allem Väterrechtler und Stiefmütter (!) ein, allerdings niemanden von den Mütterinitiativen – trotz entsprechender Anfragen. Nach der Kritik an ihrer parteilichen Zusammenarbeit mit den Väterrechtlern beeilte sich Barley in einem Interview, zu erklären, dass das „Wechselmodell“ per Zwang mit ihr nicht zu machen sei, relativierte diese Aussage aber in den vergangenen Wochen immer wieder.

Nun stand am vergangenen Mittwoch das zweite Zukunftsgespräch an und diesmal waren, wenn auch auf den letzten Drücker, Mütterinitiativen eingeladen, wenn diese auch nur zwei Tage Zeit hatten, sich einen Babysitter und ein überteuertes Bahnticket zu besorgen. Der Termin war wichtig, für viele Alleinerziehende ist die Frage, wer wie das Familienministerium nach der Wahl gestaltet, wahlentscheidend. Die FDP als möglicher Juniorpartner der CDU macht bereits seit Wochen klar, dass sie das Wechselmodell per Zwang wollen und ihr Klientel unter den Vätern sehen.

Zu diesem 2. Zukunftsgespräch im Familienministerium fanden sich ein: Zwei VertreterInnen von „Mein Papa kommt“, ein Vertreter vom „Bundesforum Männer“, zwei Vertreter vom „Väterzentrum Berlin“, drei Vertreter vom „Väteraufbruch für Kinder“ – durch die Bank eindeutige Väterrechtler, denen es vor allem um die Rechte der Väter geht, eher weniger um Kindeswohl und konstruktive Lösungen.

Weiterlesen

Die hässliche Welt der Väterrechtler

Wir Störenfriedas sind Hassmails und Beschimpfungen, Unterlassungsklagen und anderen Blödsinn durch Freier, Zuhälter, Transaktivisten und andere Frauenhasser gewohnt. Was uns aber in den letzten Wochen wirklich verwundert hat, dass die Gruppe mit dem nachhaltendsten Frauenhass die der Väterrechtler ist, die uns auf allen Kanälen regelrecht nachstellt und selbst vor massiven Beschimpfungen und Bedrohungen nicht zurückschreckt. Für uns war das Grund genug, sich einmal anzuschauen, wer diese Väter eigentlich sind und woher sie den Anspruch nehmen, anderen ihren Hass und ihr verqueres Weltbild überzustülpen.

Väterrechtler organisieren sich in Facebookgruppen und Vereinen und sind oft parallel in Parteien und anderen Verbänden aktiv. 2006 wurde geschätzt, dass rund 8000 Männer (und Frauen) in diesen Zusammenhängen aktiv sind, die Zahl kann sich bis heute gut verdoppelt haben. Es gibt viele Überschneidungen mit der Männerrechtsbewegung und den Maskulisten. Zu den großen Vereinen gehört der Väterrechtsaufbruch für Kinder, dem nach eigenen Angaben rund 3000 Mitglieder angehören, die öffentliche Facebookgruppe “Väter ohne Rechte” zählt mehr als 7000 Mitglieder und entstand aus dem österreichischen Verein gleichen Namens. Der Verein hat laut eigenen Angaben ebenfalls rund 3000 Mitglieder.

Wer sich in den offenen Gruppen der Väterrechtler umblickt, entdeckt eine skurrile bis gefährliche Mischung aus verletztem Stolz, Narzissmus, Verschwörungstheorien, Frauenhass und rechtem Gedankengut. Die Kinder werden auffallend oft als “mein Fleisch und Blut” bezeichnet, es geht gegen Flüchtlinge und vor allem gegen Frauen. Diese sind “Huren und Gebärmaschinen”. Wir dokumentieren hier unter anderem eine Auswahl anonymisierter Kommentare.

Weiterlesen

Wechselmodell für alle – wie Väterrechtler die Bundestagswahl kapern

Es ist kein Geheimnis, dass Väterrechtler besser vernetzt sind als Mütter. Der Grund liegt auf der Hand: Sie haben Ressourcen und Zeit, die Müttern fehlen. Nur so sind die Ereignisse der letzten Tage zu erklären, die auf ein völliges Versagen der Politik schließen und das Schlimmste für Mütter und Kinder befürchten lassen.

Aber der Reihe nach: Am vergangenen Donnerstag entschied die Justizministerkonferenz der Länder, den gesetzlichen Regelungsbedarf für das Wechselmodell zu prüfen. Wechselmodell bedeutet, dass Kinder getrennter Eltern nicht länger vorrangig von einem Elternteil, meistens der Mutter, betreut werden, sondern zwischen den Haushalten der Eltern wechseln. Das Wechselmodell ist so etwas wie der heilige Gral der Väterrechtsbewegung – nicht etwa, weil sie alle so schrecklich gerne Zeit mit ihren Kindern verbringen, sondern weil es bedeutet, dass sie das Leben ihrer Ex-Partnerinnen gehörig durcheinander wirbeln können und außerdem auch keinen Unterhalt mehr bezahlen müssen. Kein Wunder also, dass der Europarat 2015 mit seiner Resolution 2079 nicht nur das Wechselmodell für alle Länder Europas empfahl, sondern dieses auch gleich in eine Resolution “gegen die Diskriminierung von Vätern” packte. „Gleichberechtigte und geteilte elterliche Verantwortung: Die Rolle der Väter“ ist der Titel der Resolution. Ein Schelm, der dabei Böses denkt – um die Kinder ging es dabei wohl ja nicht, sonst würden sie im Titel erwähnt.

Weiterlesen