Schlagwort: weibliche Sexualität

Viva la Vagina – oder: Nichts Neues über da unten

Es gibt diese Bücher, die total gehypt werden, und wenn man sie dann liest, fragt man sich warum. Das Buch der beiden norwegischen Ärztinnen Nina Brochmann und Ellen Støkken Dahl “Viva la Vagina – alles über das weibliche Geschlecht” ist so ein Buch. In Norwegen ein Beststeller, wurde es nun in 30 Sprachen übersetzt und überall sehr lobend besprochen. Zwei Frauen, die anderen Frauen erklären, wie das mit der Vulva, der Vagina, dem G-Spot und dem Sex ist. Ich war wirklich neugierig. Immerhin sehen wir Frauen unsere Geschlechtsteile ja nicht und in der Tat: Es gibt viele Dinge, die wir nicht wissen. Deshalb: Toll, dass diese beiden Frauen das angehen – und der Erfolg gibt ihnen Recht. Offenbar ist das Bedürfnis von Frauen, mehr über ihre Vagina zu erfahren, auch im Jahr 2018 immer noch riesig.

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Anerkennung durch Sex?

Toilet Sign

By AIGA [Public domain], via Wikimedia Commons

Sexuelle Gewalt scheint ein zentraler Bestandteil meines Lebens zu sein/werden, obwohl ich selbst in meinem Leben nicht nennenswert solche erfahren habe. Zumindest wenn ich dies vergleiche mit so ziemlich fast allen Personen in meinem persönlichen Umfeld. Inzwischen glaube ich, dass die Dunkelziffer noch viel höher liegt als immer angenommen. Ich glaube nicht daran, dass es Zufall ist, dass ich fast nur Menschen kenne, die Schlimmes in der Vergangenheit erlebt haben.

Der Umgang mit sexueller Gewalt durch Betroffene ist sehr unterschiedlich: Die einen haben ein für alle Mal mit Männern gebrochen und wollen kein Exemplar dieser Spezies jemals wieder nahe an sich heran lassen. Andere fassen nur sehr schwer Vertrauen und führen (meistens extrem belastete) Beziehungen. Und einige bezeichnen sich selbst als absolut beziehungsgestört und verhalten sich mitunter auffallend promiskuitiv. Sicherlich gibt es auch andere Beispiele und sicherlich gibt es auch vieles dazwischen. Es geht hier weder um eine Kategorisierung, noch um eine Bewertung.

Promiskuität muss kein Hinweis auf erlebte sexuelle Gewalt sein, und sie ist auch nicht per se als problematisch zu bewerten oder gar – mit welcher Begründung auch immer – abzulehnen.

Mir fällt jedoch in verschiedenen Kontexten auf, dass einige Frauen (ob mit oder ohne Gewalterfahrung) versuchen, sich über ihre Sexualität Anerkennung von Männern zu verschaffen. Und da rede ich nicht nur von Interviews mit Sexarbeiterinnen* (verwendet als Eigenbezeichnung), in denen ich dies bereits mehrfach als Motiv für ihre Tätigkeit gelesen habe.

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Sexting: Alles nur Spaß??

Sexting

© Pro Juventute Aufklärungskampagne ‚Sexting’, via Flickr, CC BY 2.0

Dieser Tage wollen sie es aber wissen: Erst die Taz mit einem Sexting verherrlichenden Beitrag, dann auch die Medien-Informationskampagne medienbewusst.de – kinder. medien. kompetenz. Beides hat mich so aufgeregt, dass ich dazu mal was grundsätzliches loswerden muss.

Von “Sexting” spricht man wenn via soziale Netzwerke, E-Mail oder das Smartphone Nackt- oder Sexfotos ausgetauscht werden (Sex + Texting = Sexting). Betroffen sind insbesondere Jugendliche, es gibt wohl kaum eine Schule in der das Thema noch nicht aufgeschlagen ist, aber auch Erwachsene.

Die TAZ mockierte sich nun am 23. Juli über die “verklemmte amerikanische Gesellschaft” und schrieb:

Früher waren es Doktorspiele, provokantes Pimmelzeigen, erste Berührungen im Kino. Heute sind es intime Bilder und Videos, die via Smartphone verschickt werden. Es sind schlicht neue Möglichkeiten, sich erotisch auszutauschen. Solange alles einvernehmlich läuft, ein Mindestmaß an Vertrauen vorhanden ist, ist Sexting nicht zu verteufeln. Im Gegenteil. Lasst den Kindern ihren Spaß. Lasst sie sich in ihren stürmischen ersten Beziehungen gegenseitig mit Pornobildchen versorgen. Es ist völlig harmlos.
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Weibliche Sexualität – oder das Leben ist zu kurz für zufällige Orgasmen

Wir haben uns als Störenfriedas Gedanken darüber gemacht, warum bei all diesen Diskussionen um Porno, um Prostitution, um Rape Culture und um die Sprache dazu immer der männliche Blick auf Sexualität im Vordergrund steht und uns ist dabei bewusst geworden, dass wir selbst diesen Blick auch einnehmen, wenn wir dieses Verhalten kritisieren. Der Fokus liegt immer auf dem Mann. Aber was ist mit unserer Sexualität? Es gibt unterschiedliche Studien, die belegen, dass Frauen beim Verkehr mit ihren Partner keinen Orgasmus haben. Sie genössen aber das Gefühl der Nähe und hätten auch ein gewisses Gefühl der Erregung. Körperliche Ursachen für den ausbleibenden Orgasmus gibt es nicht. Bei der Selbstbefriedigung klappt es. Ich habe mit vielen meiner Freundinnen – meiner nichtfeministischen Freundinnen – gesprochen und tatsächlich – sie schlafen mit ihren Freunden, ohne je selbst einen Orgasmus zu haben. “Das ist mir nicht so wichtig”, sagen sie dann. Ich habe dann den Kopf schief gelegt und gefragt: “Hattest du denn jemals einen, dass du so etwas sagen kannst?” – denn ich kann einfach nicht begreifen, dass Frauen auf so einen elementaren Teil ihrer Sexualität einfach so verzichten, nur weil ihre Partner nicht in der Lage sind, auf die Bedürfnisse ihrer Freundinnen einzugehen. Ich habe mich in meinem Leben irgendwann entschieden, einen anderen Weg zu gehen. Mir war meine Lust nicht egal, ich habe sie nicht irgendeiner Partnerschaft untergeordnet, ich wollte das genau wissen, was mich anmacht und warum und ich habe so manche Ausflüge an bizarre Orte unternommen, um dann festzustellen, ob mir das gefiel oder nicht. Aber ich bin den Dingen auf den Grund gegangen, meiner eigenen Lust. Bin ich eigentlich lesbisch? Oder stehe ich nur auf bestimmte Frauen? Bin ich also bi? Aber eigentlich schlafe ich am liebsten mit Männern. Ich mag Dominanz – geht das als Feministin überhaupt und bin ich deswegen SMlerin? Alles Fragen, die zu klären waren – und ich habe sie geklärt für mich selbst und kann deshalb frei und unbefangen mit mir und meiner Sexualität umgehen. Aber der Weg dahin war steinig. Und oft auch ziemlich lustig.

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Gedanken über weibliche Sexualität

Femme, Frau, Sexualität

via Pixabay, Public Domain CC0

Ich bin kein Kind von Traurigkeit. Ich bin jetzt 34 und hatte bereits Sex mit mehr Männern als andere in ihrem Leben. Und dabei denke ich sicher nicht an jene, die ihr ganzes Sexualleben nur für DEN EINEN aufgespart haben. Lange und intensive Beziehungen wechselten sich ab mit Phasen exzessiver Promiskuität. Und dabei war ich immer mit mir im Reinen und habe immer mit offenen Karten gespielt. Ich habe mich ausprobiert und ich bereue nichts. Jede dieser Erfahrungen war es wert gemacht zu werden, auch wenn nicht alle aufregend und schön waren.

Und dennoch: Ich denke viel nach. Ich denke nach über eine Gesellschaft in der weibliche Sexualität nicht zu existieren scheint. Ich denke nach über eine Gesellschaft in der Männer wie Frauen zunehmend fremdbestimmt eine Sexualität leben, die nicht ihre eigene ist (und dies unter Umständen nicht mal merken). Ich denke nach über all die Menschen die der Möglichkeit beraubt wurden und werden ohne äußere Beeinflussung ihre eigene Sexualität zu entdecken.

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