Schlagwort: weltfrauentag

Warum wir radikalen Feminismus brauchen

CC 0 Public Domain

Es ist Tag 1 nach dem Frauentag 2017 und die Bilanz fällt vernichtend aus. Allerorten wurde an Frauenkämpfe gedacht, die Frauen selbst aber waren auffällig unsichtbar. Die Frau des kanadischen Premierministers fand, der Frauentag sei eine tolle Gelegenheit, die Männer hochleben zu lassen, die taz brachte es fertig, eine komplette Titelseite zum Thema Frauentag ohne das Wort “Frauen” zu bringen, die Frankfurter Rundschau veröffentlichte heute einen Artikel, in dem es hieß “Menschsein bedeutet schwanger werden zu können. Menschsein bedeutet vergewaltigt werden zu können” und auch ansonsten blieb es wie jedes Jahr bei den üblichen Lippenbekenntnissen und Nelken zum Frauentag. Ausnahme waren einige mutige Abolitionistinnen weltweit, die es – gegen erheblichen Widerstand – schafften, die Themen Prostitutions- und Pornokritik als feministische Themen zu verteidigen und in das öffentliche Bewusstsein zu bringen. Das Feministische Netzwerk, das sich als großes Bündnis Deutschlands zum Frauentag positioniert hatte, verwehrte es ohne Erklärung der einzigen feministischen Partei DIE FRAUEN Deutschlands, Teil des Bündnisses zu werden, hatte aber bei den Vertretern der Prostitutionslobby keinerlei Schwierigkeiten, diese aufzulisten. Was ist los im Feminismus, den doch alle gerade so dringend brauchen?

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#Sisterhood: Zeichen der Solidarität am #Frauentag

Pakak Sarkar (CC BY 2.0) https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Kaum ein Tag ist für die Frauenbewegung so symbolträchtig wie der 8. März. Der Weltfrauentag ist der Tag, an dem Frauen, Feministinnen und die, die sie in ihren Kämpfen unterstützen, zusammen kommen, demonstrieren, feiern und an die zurückliegenden und die zukünftigen Kämpfe denken. Weltweit macht gerade die Idee eines internationalen Frauenstreiks zum 8. März von sich reden, zu dem sich verschiedene Bündnisse bereits positioniert haben. Überall auf der Welt, auch in Deutschland gibt es Lesungen, Demos, Kundgebungen.

Es ist leicht zu sagen, der 8. März sei eine Art “Feiertag” für den Feminismus. Den Feminismus gibt es nämlich gar nicht, schon seit jeher ist der Feminismus gespalten, früher in bürgerliche und proletarische, heute in radikale und liberale Feministinnen. Häufig ist Feminismus gekennzeichnet von heftigen, inneren Debatten, in denen es um Diskurshoheit, um Öffentlichkeit und auch um ganz eigene Interessen geht.

Wir möchten den 8. März als Anlass nehmen, ein altes, feministisches Konzept – Sisterhood – wiederzubeleben und statt der ständigen Konflikte die Gemeinsamkeiten betonen: Den Kampf um Frauenrechte, um Freiheit und Sicherheit für alle Frauen auf dieser Welt.

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Mein weiblicher Körper, das Schlachtfeld

Der 8. März rückt immer näher, und allerorten ist vom “Frauenkampftag” die Rede. Das Wort “Kampf” lässt etwas in mir anklingen. Gegen wen habe ich gekämpft, bevor ich für den Feminismus zu kämpfen begann? Ich kämpfte gegen mich selbst, gegen meinen Körper. Dieser Kampf wurde pathologisiert, als verrückt erklärt, ich wurde eine Ausgestoßene ob der Narben, die ich mir selbst zufügte, die andere mir zufügten, die von mir erwartet wurden, damit ich mich überhaupt Frau nennen durfte, bis ich eines Tages auf dem Bücherflohmarkt vor meiner Universität ein kleines Suhrkamp Buch fand, orange, und ganz zerfleddert, “Frau und Natur” war der Titel, geschrieben von Susann Griffin 1978 und ich begann in diesem Buch zu lesen und konnte nicht mehr aufhören, darin zu lesen, weil ich darin erkannte, dass das, was ich tat, das Schneiden, Verbrennen, Verstümmeln, Hassen, das Schminken, Bleichen, Zupfen, Quälen, nicht nur mich betraf, sondern dass diese Haltung zum Frausein selbst dazu gehört, es ist die stumme Sprache unserer Unterdrückung, unser Körper ist zugleich der sichtbare Ausdruck unserer Unterdrückung, die wir nicht in Worte fassen können, weil sie uns die Worte nicht lehren, weil wir sie selbst finden müssen, unter dicken Schichten neuen Frauenhasses vergraben, und weil wir statt die zu hassen, die uns unterdrücken, lernen, uns selbst zu hassen. Ich will von ihnen erzählen, von diesen Spuren des eigenen und des fremden Hasses auf meinem Körper und will diese Geschichte beispielhaft für so viele andere Frauen, der Gegenwart, der Vergangenheit und der Zukunft erzählen, die ähnliches, wenn nicht gleiches erleben. Der Hass auf unsere Körper muss nicht so extreme Formen annehmen wie meiner, um als solcher sichtbar zu sein. Irgendwo, irgendwie hassen wir Frauen uns alle ein wenig:

“In our culture, not one part of a woman’s body is left untouched, unaltered. No feature or extremity is spared the art, or pain, of improvement. Hair is dyed, lacquered, straightened, permanented; eyebrows are plucked, penciled, dyed; eyes are lined, mascaraed, shadowed; lashes are curled or false – from head to toe, every feature of a woman’s face, every section of her body, is subject to modification, alteration.” (Andrea Dworkin: Woman Hating, 1974, S. 112)

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Weder Nelken noch Glückwünsche! Der Weltfrauentag als Feigenblatt für das Patriarchat

End Patriarchy

istolethetv via Flickr, [CC BY 2.0]

“Alles Gute zum Frauentag” brüllt mir mein pornoschauender Nachbar heute Morgen zu, der sonst allzu gerne behauptet, Frauen könnten nicht einparken. Dass er selbst seit Jahren keinen Führerschein mehr besitzt, sorgt nicht dafür, dass er sich sein hämisches Grinsen spart. “Nur am 08. März: Exklusives Angebot für Frauen” – mit solchen E-Mails wird mein Postfach bereits seit zwei Wochen bombardiert. Der sexistische Misthaufen der LINKEN wird es sich auch dieses Jahr nicht nehmen lassen, Nelken an arglose Frauen zu verteilen, anstatt sich um das zutiefst misogyne Verhalten seiner Mitgliedern und Abgeordnete zu kümmern. Die taz macht eine Sonderausgabe zum Frauentag – und lässt Dominas von ihrem tollen Job berichten sowie zum “Hure spielen” einladen, während die beschlossene und zutiefst lächerliche Frauenquote von 30 Prozent für viele den Untergang des Abendlandes einläutet. Mein Chef verteilte jedes Jahr am Frauentag gelbe Rosen an die weiblichen Beschäftigten, hielt es aber weder für nötig, ihnen die gleichen Gehälter wie den männlichen Mitarbeitern zu zahlen, noch sie in Führungspositionen zu berufen.

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