Triggerwarnung – Frauenkörper!

Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen bei uns regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der oder aller Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Ein Rant in drei kurzen Kapiteln.

Warnung: Frauenrechte sind Menschenrechte. Und sie sind FRAUENRECHTE. Transrechte sind Menschenrechte. Sind sie. Sie sind nur keine FRAUENRECHTE.

Anlass:

Während Facebook-Gründer und Besitzer Mark Zuckerberg in den USA verkündet, dass auch Holocaust-Leugnende das Recht haben müssen, ihre Meinung auf Facebook zu verbreiten (1) und sich deswegen weigert, entsprechende Postings zu löschen (was in Deutschland und Österreich allerdings gemacht werden muss), gibt es mal wieder kein Problem, Facebook-Algorithmen so zu programmieren, dass sie feministische, lesbische und frauenorientierte und aus diesem Blickwinkel heraus transaktivismuskritische Seiten oder sogar einzelne, auf „Freunde“ gestellte Posts, blockieren (2). Die Begründung ist diesmal meistens „Spam“, naja, klingt ja auch besser als das Bemühen der „Community Standards“ wie letztes Jahr im Juni (3).

Ein paar Belegbilder hier:

Kapitel 1 – Kurzfassung

Frauen und Lesben haben das Recht, sich selber so zu definieren, wie sie das für richtig halten und daraus ihre Aktionen zu entwickeln. Auch dann, wenn sie so etwas Ungeheuerliches wie den weiblichen (igittt, Achtung, Gefahr!!!) Körper ansprechen. Dass das Erwähnen des weiblichen Körpers spätestens seit der Urbanisierung ganze Zivilisationen triggert, ist keine Neuigkeit, ganze Religionen sind darauf aufgebaut. Liebe Leute: Das muss als Schutz nun wirklich reichen.

Kapitel 2 – Ausführung

Achja , wie oben: Triggerwarnung!! Es geht um Frauen. Doppelte Triggerwarnung, Achtung, Vorsicht, ganz schrecklich! Es geht um ihre Körper.

Und noch einmal Achtung, ein „Spoiler“ – ich verrate jetzt das Ende der Geschichte. Frauen und ihre Körper verschwinden nicht, nur weil sie nicht mehr erwähnt werden dürfen oder weil jegliche Bezeichnung unserer Körper als weiblich oder “Frau” weggetrollt werden soll oder wird. Natürlich kann eine neue Sprachregelung durchgesetzt werden, die uns erst einmal wieder in den sprachlosen Raum drängt, außerhalb der “symbolischen Ordnung”, das ewig “Andere” und Mysteriöse und blaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah …. bis wir wieder Wörter gefunden haben, bis wir wieder sichtbar sind, bis wir uns da herauskämpfen und bis wir dann wieder kolonisiert werden, weil “das Andere” dann doch so spannend ist und so anziehend, weil es dominiert werden soll, weil es zurückblicken könnte und weil es dann angeeignet werden soll – obwohl das nicht möglich ist – ein langweiliges (oder ggf. auch punktuell sehr spannendes) da capo der sich wiederholenden patriarchalen Dramen von Ausgrenzung und dominierender Aneignung (4).

Natürlich kann die Bedeutung des Begriffs Frau auf eine persönliche Befindlichkeit reduziert werden, in seiner politischen Bedeutung dann auf die gleiche Ebene gestellt werden wie die Frage, ob ich Rhabarber mag (ich mag ihn nicht…). Natürlich kann die Bedeutung verschoben werden, weg von jeglichem Bezug auf Körper und hin zu “individueller Definition” oder “Gefühl” – aber es wird nichts nützen. Der Körper bleibt nämlich. Es bedeutet allerdings ein paar Jahrzehnte ohne irgendeine mögliche feministische Arbeit. Es bedeutet die Beseitigung von Analysekategorien.
Natürlich kann statt Frau der Begriff “Uterus-Mensch” genommen werden, wir reden nicht von Frauen oder Mädchen, sondern von “Menstruierenden”, und sicher kann auch sonst in bisherige Sprache eingegriffen werden. Einfach dreimal „Judith Butler“ sagen.

Natürlich kann ganz korrekterweise darauf hingewiesen werden, dass Sprache doch sowieso patriarchal ist und wir die bisherigen Wörter doch auch nicht bestimmt haben.

Aber – Frauen, wir, haben jahrzehntelang, jahrhundertelang darum gekämpft, sich, uns, die Begriffe anzueignen und sie mit definieren zu können. Sie haben seit dem 19. Jahrhundert, als in Europa das Nicht-Erwähnen aller Aspekte dieses Körpers samt Wissen zu Schwangerschaft, Geburt, Sex wohl seinen Höhepunkt erreichte, für Aufklärung gekämpft und zusammen mit Männern haben wir wenigstens einen einigermaßen ordentlichen Aufklärungsunterricht durchgesetzt, damit Kinder und Jugendliche wenigstens irgend etwas wissen und erfahren.

Das soll jetzt alles verschwinden.

Über Organe darf noch geredet werden, aber ohne Begriffe, die die sozialen Folgen der Organe sichtbar machen könnten. Begriffe wie “männlich”, “weiblich” benennen, sie zeigen die sozialen Folgen, machen sie analysierbar. Sie stellen sie doch nicht her, und damit verschwinden auch die Folgen nicht mit den Begriffen. So naiv war auch Derrida nicht, so naiv kann doch 2018 niemand mehr sein.

Mit diesem aggressiven Aktivismus, der weit über die Sicherung der Rechte einzelner Transmenschen hinausgeht, und der deswegen so populär ist, werden die ältesten Träume und Wünsche des Patriarchats wieder umgesetzt:
Frauen daran hindern, zu sich und ihren Körpern irgendein eigenes, möglichst unkolonisiertes Verhältnis zu entwickeln.

Frauen daran hindern, eine Kontinuität und einen Zusammenhang in ihrem Leben und mit anderen Mädchen, Frauen und alten Frauen zu empfinden und aufzubauen. “Menstruierende” – das bedeutet, weibliche Kinder und Frauen nach der Menopause haben nichts miteinander und nicht mit Frauen zu tun – hier gibt es keine Kontinuität, keine Gemeinsamkeit, keine Kohärenz, es sind dann drei verschiedene Zustände, die über die für Männer und patriarchale Herrschaftsformen interessante Nachkommensbeschaffung über den verachteten Körper der “Frau” betrachtet und definiert werden.

Frauen daran hindern, über ihre Körper zu verfügen – praktisch, rechtlich, sozial, diskursiv, weil sie ihn nicht einmal selbst benennen dürfen: Altes Ziel und alte Herrschaftstechnik im Patriarchat. Mit diesem Aktivismus auf einer neuen Stufe.
Frauen daran hindern, sich als soziale oder irgendeine zusammenhängende Gruppe zu sehen: Altes Ziel und alte Herrschaftstechnik im Patriarchat.
Frauen in der Immanenz gefangen zu halten, im ewigen “nur jetzt gerade” – ohne ihnen, uns, zu gestatten, diese Immanenz irgendwie zu gestalten und zu formulieren – ohne Kohärenz zu vorher, nachher, ohne Bezug zu irgendeiner Chance auf Bedeutungszuweisung durch sie selber, ohne Chance auf Transzendenz und ohne eine Immanenz jenseits männlicher Benutzung: Altes Ziel und alte Herrschaftstechnik im Patriarchat.

Lest halt Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht. Ganz. Auch die komplizierteren Teile.
Und deswegen regt es mich so auf. Es geht nicht darum, dass Trans* sich persönlich definieren, wie sie wollen, dass sie bei Arbeit, Job, Wohnungssuche die gleichen Rechte haben sollen wie alle – das sollen sie. Es geht nicht darum, dass Queer, Trans, Feministinnen, Humanisten, Umweltschützende… nicht viele gleiche politischen Ziele haben können und haben oder nicht zusammen irgendwo auftreten können, gerade zu einer Zeit, in der die AfD und Pegida marschieren, die CSU übernimmt, was sie kriegen kann, die FDP als Burschenschafts-AfD das alles unterstützt: Wir können. Es geht auch nicht darum, dass es sinnvoll ist, wenn sich immer wieder viele verschiedene Menschen irgendwo treffen. Ist es.

Es geht darum, wer hier mit welchen politischen Folgen das Recht hat, zu definieren, was eine Frau ist und ob diejenigen in der bisherigen Definition da mitreden können.
Und noch einmal Achtung, Spoiler – ich verrate auch hier das Ende: Herrschaftstechniken im Patriarchat brauchen und wollen Rechte Transsexueller oder Transgender langfristig nicht die Bohne. Die meisten sind ja ohnehin aus Fortpflanzungszusammenhängen herausgenommen, die ebenfalls patriarchal dominierte Medizin sorgt gerne dafür und die wenigen Transmänner, die im Internet für’s Gebären oder Stillen gefeiert werden (während Transfrauen für Erfolge in Karriere und Sport gefeiert werden …. merkt ihr was? Nee, Transaktivist*_in_*en merken da nix), bringen kein System aus dem Takt. Im Rahmen patriarchaler Herrschaftstechniken werden diese Rechte und Anliegen nur benutzt, um Frauen unter den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen des globalen Westens und globalen Nordens des frühen 21. Jahrhunderts erneut abdrängen zu können, um das alte Spiel der Appropriation, der Abdrängung und der Dominanz, ausgerichtet an den emotionalen und wirtschaftlichen Bedürfnissen der bisher herrschenden Kaste von Männern weiter zu spielen.

Wenn diese Gruppe an privilegierten Männern Frauen mal wieder diskursiv beseitigt hat, wird sie Trans* genauso niedertrampeln, wie sie es gerade mit uns tun. Ihr werdet als nächstes aufgelöst, glaubt es mir. Wenn dann jeder weiße privilegierte Sohn als “genderqueer” herumläuft, bis er zum Jobinterview muss – spätestens dann sollte es auffallen. Es fällt ja jetzt schon auf. Das ist die Zukunft des Queer im ungestörten Patriarchat, nicht ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit mit Liebe und Harmonie und glücklichen Einhörnern, die auf glitzernden Regenbögen tanzen, jetzt da diese ekligen Frauen (also diese TERFs) beseitigt sind. So wird das nicht ausgehen, nicht für die Trans* und nicht für die Frauen, die das noch denken.
Aber der Wunsch, der Bonus, Frauen erst mal wieder so richtig eins auf die Schnauze gegeben zu haben, ist es sehr vielen offenbar wert.

Die Zukunft der Frauen, die im Moment als genderqueerfluide Non-Binäre demi-ACE pansexuelle, oder als „oszillierende“ zwischen den Definitionen oder als anderweitig gehorsame Frauen diesen Aktivismus unterstützen, die sich an diesem aggressiven Aktivismus beteiligen, aus welchen Gründen auch immer, sieht auch nicht besser aus. Was denkt ihr denn, gegen wen sich der Hass aggressiver Trans, seien es diejenigen, die sich vom weiblichen Körper wegdistanzieren oder diejenigen, die ihn zu übernehmen suchen, dann richtet? Sicher gibt es auch unaggressive Transfrauen, paternalistische Transmänner, und sicher sind die Motive, Empfindungen usw. sehr unterschiedlich. Sichtbar ist zur Zeit jedoch ein Fetischisieren, eine Übernahme von Frauenkörpern und ein Transaktivismus, der sich über Zugang zu allen Frauenräumen, Festlegen der Sprache und ein Verleumden und Zensieren von Feministinnen definiert.

Also – wenn die TERFs, die „transexclusionary radial feminists“, die „transphoben“ Feministinnen alle weg sind, wenn wir nicht mehr als Schiff zwischen euch und diesem Aktivismus segeln und euch dadurch schützen, weil wir die Breitseiten abkriegen und ihre eure politische Zuverlässigkeit dadurch dokumentiert, dass ihr mitfeuert – gegen wen wird sich der Hass auf Frauen und damit ist gemeint auf ihre Körper dann wohl richten? So brav könnt ihr gar nicht sein, ggf. auch so „gender non-conforming“ könnt ihr gar nicht sein. Das interessiert die so wenig, wie es den Rest der Gesellschaft interessiert, deren Diskriminierungen gegen uns wegen unserer Körper durchgesetzt werden.

Es nützt nichts. Solange es eine Gruppe von Menschen gibt, in denen neue Menschen entstehen, wird der Hass nur aufhören, wenn Leute sich mit diesem Hass wirklich auseinander setzen. Frauen lassen sich genauso wenig verdrängen wie der Tod.
Dea mea. Das alles wurde in den 90ern schon analysiert, erforscht und diskutiert. Und dann traf Big Business auf Butler, und das war’s.
We are so fucked.

Kapitel 3 – Warum uns das alle angeht. Und dass dieses Silencing, dieses Zerstören der freien Rede schon längst läuft.

Mehr noch, grundlegender, tiefer: Frauen, wir, haben jahrhundertelang darum gekämpft, die Körper von Frauen sichtbar zu machen und besprechen zu dürfen. Wir haben jahrhundertelang darum gekämpft, unsere Körper wahrnehmen und lieben zu dürfen und lieben _zu können_, wir haben jahrhundertelang um Respekt vor diesem Körper gekämpft und tun es immer noch und müssen es täglich tun – von Aktionen und politischer Arbeit gegen Belästigung und Vergewaltigung, gegen das Benutzen und Demütigen von uns, von unseren Schwestern und auch unseren Körpern in Pornographie, in Prostitution, dem Versuch uns oder andere Frauen zu Gebärmaschinen zu machen, sei es über Abtreibungsverbote oder über das Fordern der „Leih-“ also „Mietmutterschaft“, in sexistischer Werbung, über die Normierung und Bewertung unserer Körper durch irgendwelche Schönheitsideale – viele einzelne dieser Ziele werden ja sogar im sog. „liberalen Feminismus“ angegangen, sogar da ist irgendein Bewusstsein, eine Ahnung über die Brutalität uns gegenüber im Patriarchat (oder nennt es hegemoniale Männlichkeit oder sonst etwas) vorhanden.

Es geht dabei nicht nur um Schutz, Abwehr von Verbrechen. Es geht auch darum, unsere Körper wirklich bewohnen, wahrnehmen und lieben zu können – und dafür auch zu benennen. Und dies in Begriffen, die eine überindividuelle Bedeutung haben, es geht darum, uns an andere mit diesen Körpern anbinden und an ihnen orientieren zu können; an alle Frauen vor und nach uns, und uns darüber in diesen Kämpfen verorten zu können. Es ist wie jeder wichtige politische Kampf auch ein körperlicher und ein spiritueller Kampf dahingehend, wie diese Körper wahrgenommen und benannt werden dürfen, nicht ausschließlich ein juristischer.

Frauen, wir, haben jahrhundertelang und bis heute und immer wieder darum gekämpft, über unsere Körper bestimmen zu können, um das eigentliche, das angeborene und unveräußerliche Recht der körperlichen Unversehrtheit und das ebenso unveräußerliche Menschenrecht, zu Männern „Nein“ zu sagen und ihnen diesen Körper sogar zu entziehen, und das autonom und nicht durch Unterstellen in andere männliche Systeme wie Religionen. Jeder Milimeter in diesem in tausend Unterthemen aufgesplitterten Recht war und ist ein unglaublicher Kampf. Angefangen damit, Vergewaltigung nicht als Schändung männlichen Eigentums zu sehen, sondern als Verbrechen gegen die Autonomie und das Über-sich-selber-Verfügen von Frauen, eine Definition, die bis heute, und heute gerade wieder neu auch hier wieder unter Druck steht, wenn wir darauf bestehen müssen, dass die Verweigerung von Autonomie einer Frau und das Benutzen dieser Frau samt dem aus der Missachtung dieser Frau gezogenem sexuellen Lustgewinn tatsächlich ein Verbrechen ist und kein „Erleben“ (5).

Das Recht, zu Männern „Nein“ zu sagen, nicht nur punktuell und individuell, sondern kategorisch, steht hinter dem Verbot der Vergewaltigung auch in der Ehe, es bedeutet das Durchdenken heteronormativer Vorgaben, und vor allem endlich den klaren Blick auf Porno und auf Prostitution. Es bedeutet eine Haltung, in der klipp und klar feststeht, dass Sex nur dann und nur so stattfindet, wie es der Frau passt. Ohne Kompromisse. Oder gar nicht.
Transaktivismus will das besetzen, Frauen rausdrängen, alles dies für sich übernehmen und natürlich auch eigene Körper so definieren oder sich davon wegdefinieren, wie persönlich gewünscht. Dies ist nachvollziebar, aber trotzdem ein Konflikt, der eben nicht auflösbar ist. In diesen Aspekten gestehe ich den Trans* eben das zu, was sie mir zugestehen: Leben in Sicherheit, diskriminierungsfreier Zugang zu Bildung, Gesundheitssystemen, Jobs, Wohnung, das Recht sich selber individuell zu nennen, wie gewünscht – es reicht ihnen nicht, und es reicht mir nicht. Es geht um die Frage einer politisch tragfähigen Definition von „Frau“ und um die Frage unserer Körper darin. Hier liegt ein politischer Konflikt vor, der nicht aufzulösen ist. Zusätzlich ist noch festzuhalten, dass ich Trans* keine eigenen Räume streitig mache, viele im Transaktivismus mir meine schon. Mit denen, die das nicht tun, und mit denen, die bereit sind, den Konflikt auf genau diese Punkte reduziert zu betrachten, ist eine Zusammenarbeit in vielen Bereichen möglich. Mit den anderen nicht.

Es sieht nicht gut aus im Moment. Zu viele ohne Ahnung quaken in die Debatten, richten Schaden an, übernehmen keinerlei Verantwortung für die Ergebnisse und verschwinden dann ohne diese übernehmen zu müssen. Eine gegenseitige Anerkennung entlang dieser Linien war vielleicht irgendwann einmal möglich, dies aber nicht in einem Klima, in dem Anliegen des Transaktivismus zu gut in einen frauenpolitischen Backlash bei gleichzeitiger Neuausrichtung des Geschlechterverhältnisses unter neoliberalen Vorzeichen fallen. Frauenhassern, und das sind alle, die vom Patriarchat profitieren und dessen Dividende abgreifen, passt dieser Aktivismus prima ins Konzept. Sie nutzen dabei alle, die Frauenhass verinnerlicht haben, alle die aus Opportunismus brav sein wollen oder ihre Naivität schützen und daher lieber die Augen verschließen, die Ohren verstopfen, das Gehirn verkleistern und sich auf prêt-à-penser samt prêt-á-babbler beschränken. Mit einer wuchtigen Portion aller derer dazu, die immer schon zuschlagen wollten, die immer schon den ganzen lauten Frauen, alten Frauen, selbstbewussten Frauen sagen wollten, wo es lang geht, daran jedoch wegen pseudo-linker oder farbanstrich-grüner oder dekorativ-anarchistischer Zusammenhänge und deren Versatzstücke gehindert waren. Frauen mal so richtig eins auf die Schnauze geben, einfach ein paar Worte wie TERF oder SWERF hinwerfen und aus feiger Machterhaltung und Gewalt wird eine heroische progressive Tat!

Hier könnten wir Marx lesen und alle Denkenden, Schreibenden, die den historischen Materialismus weiter gedacht und weiter ausdifferenziert haben. Es ist nun wirklich nicht überraschend, dass eine radikal gedachte Liberalisierung mit ebenso gedachter Individualisierung, die aus den ökonomischen Entwicklungen und Entscheidugnen vor allem der USA und dann dem Raubrittertum des neu aufgelegten Manchesterkaptialismus stammt, zu Zeiten der Globalisierung auch für das Geschlechterverhältnis einen neuen Überbau sucht – einen, der zu dieser Liberalisierung passt und der nicht zugeben muss, dass Körper, Entstehung von anderen Körpern, sprich Schwangerschaft und Gebären, auch Begehren und eben vor allem Tod und Sterblichkeit „Grundparameter“ – sagen wir einfach: Tatsachen – menschlicher Existenz sind, die einfach nicht wegdiskutiert, sondern nur mit erheblichen Aufwand uminterpretiert und verdrängt werden können beziehungsweise müssen, damit die jeweilige Zivilisation funktioniert und die jeweilige Arbeits- und Wirtschaftsordnung akzeptiert wird.

Wie wird das durchgesetzt?

Dadurch, dass Facebook-Algorithmen so programmiert werden und funktionieren wie eingangs angesprochen: Sperrungen des Wortes Dyke letztes Jahr, den Sperrungen heute.
Dadurch, wie mit Frauen umgegangen wird, die Körper und Sprache in irgendeiner Weise auf sich beziehen und sich in beidem – ihrem Körper und ihrer Sprache behaupten wollen.

Dadurch, dass eine „Kunst“-Ausstellung wie die der „Degenderettes“ in San Francisco offenbar kein Problem ist und offen zur Schau gestellte Waffen und Gewaltandrohungen gegen Frauen unter dem Label „antifa art“ laufen, während Michfest – obwohl dort Trans zugelassen waren – zertrollt werden konnte, dadurch, dass Frauen, Forscherinnen, die einem männlich geprägten und sehr vordergründigen Blick auf Menschheitsgeschichte und auf Frauen samt Körpern darin andere Interpretationen entgegensetzen, von genau solchen Veranstaltungen weggedrängt werden, in denen es genau darum geht. (6)

Dadurch, dass Frauen, die Frauenkörper feiern wollen, ohne gleichzeitig Männer, männliche Organe, männliche Sprachvorgaben zur Beruhigung und zum „containment“, zu Einhegung mitzuliefern – ebenfalls abgedrängt werden.
Dadurch, dass Lesben, die als Lesben in Dyke-Marches oder CSD-Paraden mitmarschieren und Schilder tragen, die ihre Körper thematisieren, zu Boden gestoßen und getreten werden, auch wenn sie über 60 sind – siehe den diesjährigen San Francisco Dyke March.

Dadurch, dass eine offene politische Debatte über diese Themen nicht statt finden soll. In Deutschland geht es einfach – außer TERF (trans-exclusionary radical feminist) und SWERF (sex-worker exclusionary radical feminist, vermutlich gibt es bald SERF – surrogate exclusionary radical feminist) werden noch die üblichen Texte zu verklemmt, frigide und konservativ in die Kommentarspalten oder Artikel gestzt, und wenn das nichts nützt, gilt einfach die Weigerung, irgendeine Kritik als etwas anderes anzuerkennen als ein Unterfangen von Rechts außen. Eine billige Art, Konsens herzustellen – ein gemeinsamer Feind, und jede, die anders Luft holt als die „gute“, „offene“ Gruppe muss ja dann zu denen gehören. Mit Verleumdungen hat diese selbsternannte progressive Truppe nicht so die Probleme.

Die Beispiele sind inzwischen endlos und ich kann nur bitten, sie selber zu googeln:

Julie Bindel – deplatforming.
Janice Raymond – deplatforming.
Heather Brunskell-Evans – deplatforming. Aus der Women’s Party UK, nach geäußerten Bedenken gegenüber dem „transing“ – also der Übernahme einer Transidentität samt Zulassen medizinischer Eingriffe bei Kindern oder Jugendlichen.
Megan Murphy, feminist current – deplatforming. Zerstören beruflicher Perspektiven.
Michfest – zerstört. Am besten lest ihr dazu dieses Statement. Ihr könnt ja dann überprüfen, ob die Aussagen stimmen. Sie stimmen – und dann bitte mit den Verleumdungen und Verhetzungen der aggressiven Transaktivist*_in_*en kontrastrieren. Gratulation: Die haben einen feministischen, frauenorientierten, transinklusiven Raum zerstört. Anerkennung an alle LGBTQ+ Seiten, die die Fairness hatten, das Statement zu veröffentlichen. Lisa Vogel „Michfest responds: We have a few demands of our own“ https://pridesource.com/article/67561-2/
Vulva cupcakes – transphob!
Lady*fest Mainz – Ausstellung von Bildern von Vulvas als weiblich nur möglich, wenn dazwischen ein Penis hängt, der auch weiblich ist – denn das macht ja Vulvas erst wertvoll und nachdenkenswert! Wow, öfter’s mal was neues, kann ich dazu nur sagen.
Dianic Witches, Zsuzsanna Budapest, PantheaCon 2011, 2012 – für diejenigen, die sich in diesem Bereich auskennen oder tummeln oder das wollen. Spießrutenlaufen für Frauen/ Dianic Witches, die in einem Zelt ihr Treffen und ihre Rituale feiern wollten. Was die Möglichkeit, nackt zu sein einschließt, wenn welche das wollen – und die dabei keine Transfrauen haben wollten und keine selbst-identifizierten Frauen. Auf einem Neoheiden/Neo Pagan-Treffen, bei dem alles andere allen Trans* offen stand.
Max Dashu – Suppressed Histories Archives – und der letzte Sturm dazu mit Modern Witches Confluence. Starhawk will vermitteln. Mal sehen. Modern Witches Confluence regt sich über Frauen auf, die sich über ihren Körper definieren und den als weiblich bezeichnen, dies und Unterschiede und Konflikte anzusprechen gilt als „transphob“, ihre Hexenvorstellung ist ein Bild aus der Verfilmung von Arthur Millers „Hexenjagd“ aus dem Jahr 1957 aus Frankreich/DDR mit Input von Jean-Paul Sartre und sie haben die Venus von Willendorf als Bild für sich auf ihrer Webseite. Finde die Fehler. Die könnten eine feministische Erdung wirklich brauchen.
Nina Paley – aus ihrer eigenen Filmvorführung weggetrollt, weil ihre Darstellung der Göttinnen und ihr Bezug auf sie bereits als triggernd gilt. Hier ihr Statement, hier ihre Webseite. Die wunderschönen tanzenden Göttingen sind von ihr. Webseite: http://blog.ninapaley.com . Ihr Statement dazu ist absolut lesenswert und trifft wohl die Entwicklung der meisten Feministinnen und Lesben, die inwischen transkritisch sind und sich immer mehr gegen Transaktivismus stellen: Wir haben mal sehr nett und offen angefangen. Erst als wir gemerkt haben, dass es egal ist, wie sehr wir zu Entgegenkommen und Inklusion bereit sind, dass dieser Aktivismus erst aufhört, wenn wir weg sind, wurden wir transkritsch. http://blog.ninapaley.com/2018/02/07/gender_colonialism/
Tanzende Göttinnen: https://vimeo.com/253135841

Es geht hier nicht darum, ob ich oder wir oder jede Feministin jeder Interpretation oder jeder Aussage zu vorgeschichtlichen Göttinnen, zu Hexen, zu Körper, zu Mutterschaft, zu Feminismus zustimme, zustimmen, oder nicht. Ich stimme oft nicht zu – und ich hatte und habe dazu meine eigenen Rants. Es geht darum, wer sich hier das Recht anmaßen kann, diesen Frauen ihre Äußerungen zu verbieten, es ihnen zu verbieten, sich darin zu _be-haupten_.
Sich Behaupten – ihrem Körper ein Haupt zu geben, ihr Haupt (oh … ich wünschte es wäre häufiger das der Medusa, der Gorgonen!) zu geben, sich in ihren Behauptungen in einem feindseligen Feld zu behaupten, darin zu kämpfen. Ganz abgesehen davon, dass ich oder wir oder jede all diese Punkte, denen wir vielleicht nicht zustimmen, gar nicht besprechen können oder dürfen, wenn all diese Frauen und ihre Räume, ihre Publikationen, ihre Sprache unterdrückt und bis zur Unsichtbarkeit zensiert werden.

Anmerkungen und Links:

(1)
Ein paar Links zu Facebook, Holocaust-Leugnung und Mark Zuckerberg. Eine Aufklärung darüber, wie gefährlich es ist, das einfach unter „Meinungsfreiheit“ zur verrechnen, ist hoffentlich nicht nötig. Stichworte: Verschwörungstheorien, die über soziale Netzwerke in einer Form verbreitet werden können, die es früher nicht gab, Blasen – bubbles – echo chambers, Klimawandelleugner und steigende Mitgliedszahlen der Flat Earth Society und der Kreationisten – wenn wir nicht wollen, dass Holocaustleugnung die nächste „Alternative Wahrheit“ oder „es gibt halt immer zwei Sichtweisen“ wird, muss hier anders eingegriffen werden als bei Honks, die denken, dass Australien nur eine clevere Inszenierung mit bezahlten Schauspielenden irgendwo in Südamerika ist. Auch wenn Zuckerberg allen Ernstes zu denken scheint, dass Holocaust-Leugende das nicht mit Absicht machen, sondern sich nur irren. Mhm.

Der Spiegel: „Weiß dieser Mann wirklich, was in der Welt vor sich geht“?
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-und-die-holocaust-leugnung-mark-zuckerberg-in-der-kritik-a-1219268.html

FAZ: „Anzeigen!“ Facebook und Holocaust-Leugner
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/mark-zuckerberg-und-die-holocaust-leugner-15699337.html

Die Zeit: „Mark Zuckerberg will Holocaustleugnungen nicht löschen.“
https://www.zeit.de/digital/2018-07/soziales-netzwerk-mark-zuckerberg-facebook-holocaust-leugnung

Süddeutsche Zeitung: Was hinter Mark Zuckerbergs Aussage zur Holocaustleugnung steckt“
https://www.sueddeutsche.de/digital/facebook-zuckerberg-holocaustleugnung-1.4061389

MDR: „Zuckerberg sieht Holocaustleugnung von Meinungsfreiheit gedeckt“
https://www.mdr.de/nachrichten/politik/ausland/zuckerberg-posts-holocaust-nicht-loeschen-100.html

The Guardian: „Mark Zuckerberg’s remarks on holocaust denial ‘irresponsible’
https://www.theguardian.com/technology/2018/jul/19/mark-zuckerberg-holocaust-denial-facebook-remarks-offensive

News.com.au: „Holocaust Denial: Facebook CEO Mark Zuckerberg says ‘unintentional’ offensive behaviour is acceptable“
https://www.news.com.au/technology/online/social/holocaust-denial-facebook-ceo-zuckerberg-says-unintentional-offensive-behaviour-is-acceptable/news-story/c30856635f1c44e5fb9c9e035e7265fa

Cnet: „Mark Zuckerberg Clarifies Holocaust Deniers Comment After Backlash“
https://www.cnet.com/news/mark-zuckerberg-clarifies-holocaust-deniers-comment-after-backlash/

Allgemeiner Artikel dazu von der New York Times: „What Stays on Facebook and What Goes? The Social Network Can Not Answer“

Auszug: „Later, the social network argued that banning organizations that repeatedly peddle misinformation would be “contrary to the basic principles of free speech.”
Antwort: Ha ha ha ha ha ha ha – Not. Verarsch bitte jemand anderen. Das gilt ja nun ganz klar so nicht für Frauen oder Lesben. Oder falsch – doch, es gilt! Women and lesbians who DON’T peddle misinformation will of course be banned.
Nun – wir wissen ja, dass es in den USA zur Zeit Probleme bei der Platzierung eines No/ not bei politischen Statements gibt.

https://www.nytimes.com/2018/07/19/technology/facebook-misinformation.html

(2)
Statements der betroffenen Seiten bzw. der gelöschte Link. Bei WPUK (Women’s Place UK) wurde die Sperre dann aufgehoben.

Women’s Place UK: „Social Media Attacks on WPUK“
https://womansplaceuk.org/social-media-attacks-on-wpuk/

Lesbian Voices: „Resisting Cistopia: Women and Lesbians are speaking up“
https://lesbianvoices.wordpress.com/2018/07/18/resisting-cistopia-women-and-lesbians-are-speaking-up/

(3)
Die Störenfriedas: „Facebook und das D-Wort …“
https://diestoerenfriedas.de/facebook-und-das-d-wort/

(4) Leseempfehlungen, die nicht bedeuten, dass die Aussagen dieser PhilosophInnen oder PsychologInnen übernommen werden sollen. Sie beschreiben die „Konzeptualisierung“ oder Wahrnehmung des „Weiblichen“ zu einer bestimmten – der jetzigen Zeit. Eine Auseinandersetzung lohnt sich, egal, ob die Überlegungen am Schluss als zutreffend gesehen werden oder nicht. Als deskriptive Angelegenheit, also eine wenn auch sehr abstrakte Beschreibung der Zustände, finde ich sie hilfreich – so wie z.B. Sigmund Freud einfach ein wichtiger Denker unserer Zeit ist, egal ob seine Analysen für einzelne zutreffen und absolut unabhängig davon, ob oder inwiefern es eine gute Idee ist, seine Analysen oder Interpretationen von Zeichen, Symbolen, Metapher, Metonymie etc. unmittelbar umzusetzen ….. :

Jacques Lacan – Schriften zur „symbolischen Ordnung“, zum „Imaginären“ zum „Spiegelstadium“

Hélène Cixous – Texte zum „weiblichen Schreiben“

Julie Kristeva – Texte zu der Art, wie Sprache, Worte in unsere Körper eingreifen

Luce Irigaray – Das Geschlecht, das (k)eines ist.
Dazu, wie „weiblich“ oder „Frauen“ zur Stabilisierung einer männlichen, Männer privilegierenden oder stabilisierenden Ordnung immer wieder neu marginalisiert werden, bis Männer sich dann alles, was sie erst an Frauen ausgelagert haben, wieder aneignen wollen, das dann neu (und als männlich oder nicht-weiblich) definieren und dann andere Dinge auslagern.

Elisabeth Bronfen – Over Her Dead Body: Death, Feminitiy and the Aesthetic, Deutsch: Nur über ihre Leiche: Tod, Weiblichkeit und Ästhetik. (Habilitationsschrift)

Aber auch Betty Friedan, The Feminine Mystique und Marilyn French und Kate Millet ….. die viele dieser Ansätze haben, auch wenn sie die in den 70ern anders ausgedrückt haben. Monique Wittig, für ihren Versuch, eine absolut universale Definition von Frauen zu finden, die nicht in Bezug oder als Opposition zum Begriff oder überhaupt zum Mann gedacht ist.

Auch Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter und Judith Butler, Körper von Gewicht zu lesen, schadet gar nicht. Besonders, wenn sie dann mit den anderen hier und im Verlauf des Artikels genannten Texten verglichen wird. Und Jacques Derrida zur Dekonstruktion, um zu wissen, was mit den Texten gemacht werden sollte …..

(5)
Beispiele für die Verharmlosung von Vergewaltigungen können sehr schnell und einfach gegooglet werden, es reicht „Witz“ einzugeben. Auch die üblichen Maskulistenseiten diskutieren das gerne – „Wieviel Gleichberechtigung Verträgt Das Land“, „Wikimannia“ oder wie sie sonst heißen, sowie die Texte sogenannter Pick-Up Artists. Google, das Wort Vergewaltigung dazutun und dann die Kommentare lesen.

Im feministischen Bereich haben sich hier Antje Schrupp und Mithu Sanyal besonders hervorgetan:

Antje Schrupp auf ihrem Blog „Aus Liebe zur Unterwerfung Freiheit“: „Vergewaltigungskurse im Feminismus“ – eine Aufrechnung bzw. ein Vergleich zwischen Vergewaltigung und Finger abhacken…..
https://antjeschrupp.com/2016/09/28/vergewaltigungsdiskurse-im-feminismus/

Hier die Mythenfeste Sanyals und Texte dazu:

taz: Mithu Sanyal „Du Opfer“
http://www.taz.de/!5379541/

taz: Simone Schmollack „Wer vergewaltigt wurde, ist ein Opfer“
http://www.taz.de/!5382143/

Kritische Stellungnahmen:

Luise Pusch (Sprachwissenschaftlerin): „Vergewaltigung als Erlebnis?“
http://www.fembio.org/biographie.php/frau/comments/vergewaltigung-als-erlebnis/

Die Störenfriedas: Manu Schon „Willkommen im Patriarchat: Sonderpreis für Vergewaltigungsdiskurs“
https://diestoerenfriedas.de/tag/mithu-sanyal/

Die Störenfriedas: Mira Siegel „Von Opfern, Tätern und Erlebenden: Liebe Mithu“
https://diestoerenfriedas.de/von-opfern-taetern-und-erlebenden-liebe-mithu/

(6)
Zu der Ausstellung in San Francisco zwei kritische Aritkel:

Deep Green Resistance https://dgrnewsservice.org/civilization/patriarchy/male-violence/library-hosts-transgender-art-weapons-kill-feminists/

und GenderTrender
https://gendertrender.wordpress.com/2018/04/27/san-francisco-public-library-hosts-transgender-art-exhibit-featuring-weapons-intended-to-kill-feminists/

Diejenigen, denen diese Seiten nicht „neutral“ genug sind, sollen erklären, wie sie die Ausstellungsgegenstände und die jegliche Tatsachen verzerrenden Texte dazu wegdiskutieren wollen und wie „Neutralität“ angesichts dieser Gewalt aussehen soll. (Merke: T-Shirts großen roten Flecken, die Blut darstellen sollen samt der Aufschrift „I punch TERFS“, getragen von Personen mit Baseballschlägern, werden von Lesben oder Frauen nicht dann abgelehnt, wenn sie von Transfrauen getragen werden, sondern grundsätzlich. )

Zu Michfest – das lässt sich alles googlen, hier das Statement der Veranstalterinnen, dass ich wirklich empfehle. Die hier gemachten Aussagen stimmen nämlich, und die können dann mit den Verleumdungen verglichen werden, was einen Überblick über das Ausmaß der Hetze gegen Frauen, und bei dieser Sparte des Transaktivismus vor allem Lesben liefert. Anerkennung an alle LGBTQ+ Seiten, die die Fairness hatten, das Statement zu veröffentlichen.
Lisa Vogel „Michfest responds: We have a few demands of our own“
https://pridesource.com/article/67561-2/

4 Kommentare

  1. Endlich! Dieser rant war/ist überfällig! Vielen Dank für die Ausdifferenzierung, die Recherchen und die horrende Arbeit dies schriftlich festzuhalten.

  2. Claudia HB

    Danke für diesen wichtigen Text – und danke für das Forum, das ihn veröffentlicht. Jetzt, nachdem es praktisch keine Lesbenräume mehr gibt, ist es endlich möglich zu benennen, dass die “vielgeschlechtliche” queere Invasion nichts als Männergewalt in neuem Gewand ist. Die Lesben von heute sind in der gleichen Situation wie Heteras in den 1970iger Jahren: die Selbstdefinition (als frauenlesbenbezogen lebende Frauen) ist nicht gestattet; der Rückzug vom Mann: nicht gestattet (“Transphobie”, Ausgrenzung); sexuelle Selbstbestimmung nicht gestattet (“cotton ceiling”, Lesbe gilt als üble Unterdrückerin, wenn sie Sexualität mit Penisträgern verweigert); Männer eignen sich die Früchte weiblicher Arbeit an (all die über Jahrzehnte aufgebauten Frauen- und Lesbenprojekte, die keine mehr sind); Männer geben uns ihre Definition der Wirklichkeit vor und verkleistern unsere Wahrnehmung (es ist erschreckend, wie viele Lesben nicht mal merken, wenn sie es mit Menschen zu tun haben, die als Jungen geboren sind); und es gibt keine wichtigeren Themen als die “Diskriminierung” der männlichen “Lesben”. Und natürlich gibt es Diffamierungen, Gewalt und Gewaltdrohungen gegen uns, die wir uns nicht unterordnen.
    Männer leben von Frauenenergie. Das Schlimmste, was wir ihnen antun können, ist alle Energien von ihnen abzuziehen. Als Feministin und lesbische Separatistin seit Jahrzehnten kenne ich männliche Beschimpfungsmuster. Sie zwingen uns zumindest verbal in Beziehung zu ihnen, ob wie früher als “frigide Männerhasserin” oder jetzt als “transphob” bzw. “TERF”. Es gibt so vieles, was ich in meinem Nahbereich nicht haben möchte, z.B. Koi-Karpfen. Bin ich deshalb gleich „koi-phob“?
    Aber nach 20 Jahren “Silencing”, Verstummen und Verdummen, gibt es wieder Hoffnung, wir melden uns wieder zu Wort und die jungen Lesben träumen wieder von männerfreiem Leben. Was mich befremdet: ich soll mich jetzt als “Radikalfeministin” bezeichnen, weil mein Feminismus ausschließlich (geborene) Frauen meint, und ich soll mich als “Radikallesbe” bezeichnen, weil ich mich ausschließlich auf als Mädchen bezogene Lesben beziehen will. Ohne “Radikal-” bezeichnen die Begriffe inzwischen alle 736 Geschlechter. Wäre schön, wenn wir uns die (Selbst-)Definitionsmacht noch zu meinen Lebzeiten zurückholen könnten!
    Wir sind wieder sichtbar und wir bleiben laut!

  3. Sehr gut recherchiert und geschrieben. Danke. All das deckt sich mit meinen Erfahrungen, in der realen und in der virtuellen Welt. So ist es ein Leichtes, aus einer feministischen Gruppe zu fliegen, wenn frau nach Quellen zur Behauptung fragt, dass “TERFS” Trans* killen. Allein das Nachfragen wird als transphob bezeichnet, obgleich solch eine Behauptung absurd ist. Aus einer Gruppe geschmissen zu werden ist natürlich das ultimate silencing. Aber anyway.

    Beispielhaft ist auch der Shitstorm, der aus der transqueeren Ecke nach dem Women’s March damals zur Inthronisation von Trump kam, natürlich wegen den Pussy Hats, da ja nicht jede Transfrau bzw. eine, die sich als feminin betrachtet, spontan oder längerfristig, eine solche hat, also Vagina und nicht Mütze. Als rassistisch wurden diese zudem diffamiert, da sie ja i.d.R. pink waren, obgleich ich mich an die schwarze Version von Madonna erinnern kann, doch ob hier die Farbe nicht anarchistisch gemeint war, habe ich nicht recherchiert. Sei es drum. Das diese Mützen allein eine Antwort auf Trumps “grab by the pussy” Statement waren, wird hierbei grandios ignoriert. D.h. es war lediglich ein gezieltes Protestmittel und kein Identifikationssymbol. Das geht dann schon mal gerne unter, solange mann Frau dissen kann.

    Aber auch bei reinen Frauenparties habe ich schon vor Jahren erlebt, dass immer mehr Männer im Lederrock zutritt haben möchten. Ich habe das nie verstanden und es ist noch einmal ein Unterschied zu denen, die alles tun, ihren Körper ihrer inneren Identität anzugleichen, doch seit dem viele das Geschlecht am liebsten abschaffen möchten und jeder sich mal spontan feminin fühlen kann und dann aber auch die Akzeptanz für sich beansprucht, in geschützten Frauenräumen aufgenommen zu werden, ist dies alles aus den Fugen geraten. Das Merkwürdige ist eh, dass sie von fließenden gendern sprechen, alles nicht mehr so definiert ist, aber letztlich wollen doch alle in Frauenräume vorstoßen. Sie erwarten Akzeptanz sind aber nicht bereit, uns zu akzeptieren.

  4. Renate Klein

    Das ist ein ganz brillianter Artikel. Ich wuenschte mir er waere auf Englisch, da bei uns die Diskussion oft nicht so differenziert ist. Fraurn und vor allem Lesben leben in sehr gefaehrlichrn Zeiten… und muessen uns wehren.

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