Über Männer und Schrott #menaretrash

von Anneli Borchert

Derzeit geht der Hashtag #menaretrash viral, und wie wir uns alle denken können, stößt er – nicht nur bei Männern – auf wenig Gegenliebe. Die Reaktionen reichen von „so redet man aber nicht über Menschen“ über „das schadet dem Feminismus“ bis hin zu offenen Vergewaltigungsandrohungen oder Ausführungen darüber, dass es kein Wunder sei, wenn Männer gewalttätig werden würden, Männer seien nur dann aggressiv, wenn sie frustriert seien, und dieser Hashtag sei sehr frustrierend.

Unabhängig davon, ob man glaubt, dass ein Hashtag etwas verändern kann, sind folgende Dinge zu sagen:

Die so plakativ zur Schau gestellte Betroffenheit darüber, als Schrott bezeichnet zu werden, ist eine Farce. Männer tun wer weiß wie verletzt, empören sich, fühlen sich getroffen.

Warum?

Weil Frauen sie für ihr Verhalten anzählen.

Frauen werden gedemütigt, ausgebeutet, verstümmelt, versklavt, geschlagen, eingesperrt, belästigt, vergewaltigt, objektifiziert, ermordet. Täglich, stündlich, minütlich. Sekündlich. Weltweit.

Und warum?

Weil Männer ihnen das antun.

Männer demütigen, beuten aus, verstümmeln, versklaven, schlagen, sperren ein, belästigen, vergewaltigen, objektifizieren und ermorden Frauen. Täglich, stündlich, minütlich. Sekündlich. Weltweit.

Wenn das mal kein schrottiges Verhalten ist.

Dabei haben Männer komischerweise kein Problem damit, dieses Verhalten auszuüben. Das Problem erscheint erst dann auf der Bildfläche, wenn irgendeine sagt, wie es ist. Aber auch dann ist ihr Verhalten nicht das Problem, nur, dass gesagt wird, dass es ein Problem gibt. Aber „du machst damit dasselbe wie die Täter, du begibst dich auf dasselbe Niveau“ zieht nicht. Männer dafür, dass sie Frauen unterdrücken, als Schrott zu bezeichnen, ist nicht dasselbe, wie Frauen zu unterdrücken. Männer dafür, dass sie vergewaltigen, als Schrott zu bezeichnen, ist nicht dasselbe, wie zu vergewaltigen.

Ich sehe Männer via #menaretrash auch nicht diskutieren, wie scheisse sie all die Vergewaltigungen, Morde und so weiter finden. Ich sehe nur Mimimimi darüber, dass jemand ausspricht, dass es sie gibt.

Aber wieso sollte die „Verletzung“, die Männer empfinden, wenn sie #menaretrash lesen, wieder das Bier von Frauen sein?

Unsere Sicherheit ist wichtiger als eure Gefühle.

Wenn euch stört, dass ihr als Trash, als Schrott wahrgenommen werdet, dann wendet euch doch bitte an eure Geschlechtsgenossen und hindert sie daran, sich weiter wie Schrott zu verhalten. Und am besten reflektiert ihr gleich auch mal euer eigenes Verhalten gegenüber Frauen. Schaden kanns nicht. Oder gibt es etwa einen unter euch, der noch nie gegrabscht hat, sich noch nie via Porno einen darauf runtergeholt hat, dass eine Frau vergewaltigt wird, noch nie einen sexistischen Witz gemacht hat, über eine betrunkene Frau drübergerutscht ist, weggeschaut hat, wenn eine belästigt wurde, eine vergewaltigte Frau beschämt hat? Nein? Noch nie gemacht? Vorbildlich. Aber nicht sehr glaubhaft.

Das nächste ist, dass von Frauen noch immer erwartet wird, nett zu sein. Selbst wenn wir als, wenn man so will, Genderklasse von einer anderen Genderklasse (Männern) unterdrückt werden, Gewalt erleiden usw., sollen wir, wenn wir schon meinen, ansprechen zu müssen, dass es so ist, bitte trotzdem nett sein.

Aber Fakt ist: Vergewaltigungen und Morde sind auch nicht nett.

Frauen wird vorgeworfen, mit #menaretrash den „Frieden“ zwischen den Geschlechtern zu stören, aber ich frage mich, welcher Frieden? Es gibt keinen Frieden zwischen Männern und Frauen. Hier herrscht Krieg – und Frauen haben ihn nicht begonnen, und sie stehen auch nicht auf der Täterseite.

Es wird behauptet, der Hashtag sei dem „Gespräch zwischen den Geschlechtern“ nicht förderlich, aber was soll das für eine Ebene sein? Erstens ist die Gewalt, die von Männer täglich ausgeübt wird, kein verdammtes Gesprächsangebot (und ihre Benennungen uns gegenüber auch nicht: Fotze, Schlampe…), und zweitens, ich glaube nicht daran, dass Männer so dumm sind, dass sie in all den Jahrtausenden der von ihnen ausgeübten Gewalt einfach nur noch nicht begriffen hätten, wie scheisse sie sich verhalten. Es geht nicht darum, dass Männer das nur noch nicht kapiert haben und dass es die Aufgabe von Frauen ist, ihnen immer und immer wieder zu erklären, in einem netten Gespräch und wenn möglich, in Ich-Botschaften und ohne Anschuldigungen, Männern begreiflich zu machen, dass ihr Verhalten ein Problem ist. Ich halte Männer nicht für so bescheuert. Männer wissen, dass ihr Verhalten scheisse ist. Wenn sie es trotzdem an den Tag legen, dann, weil sie es wollen. Warum sollten wir zu Männern, die uns als strukturell und individuell Gewalt antun, nett sein? Warum sollten wir von Männern, die uns strukturell und individuell Gewalt antun, Verständnis erhoffen? Warum sollten wir Männer, die uns strukturell und individuell Gewalt antun, um Besserung bitten?

Und scheisse nochmal, warum sollten wir überhaupt friedlich sein?

Feminismus ist nicht friedlich. Feminismus der sanft ist und nachgiebig und der keinem wehtut, ist kein Feminismus. Feminismus, der Männern nicht wehtut ist für die Tonne. Feminismus, der von Männern definiert wird, bringts einfach nicht.

Es geht hier nicht darum, dass wir mit Männern ins Gespräch darüber kommen wollen, wie wir die Wohnzimmerwand streichen, das hier ist kein Stuhlkreis, in dem wir unsere Gefühle schildern, das hier ist keine Diskussionsrunde, in der Kompromisse geschlossen werden.

Feminismus ist kein Kompromiss.

Menschenrechte für Frauen sind kein Kompromiss.

Und unser Recht darauf, nicht ermordet, nicht vergewaltigt, nicht unterdrückt zu werden, steht hier keinesfalls zur Debatte.

Wenn jetzt hier Männer ankommen und meinen, sie könnten mit Feminismus nichts mehr anfangen, weil sie so verletzt von dem Hashtag seien, dann kann ich nur sagen: ihr wart eh nie viele, wenn es darum geht, sich gegen Gewalt an Frauen auszusprechen, warten wir immer vergeblich auf euch. Bleibt halt auf der Täterseite, es scheint euch da gut zu gefallen, am Ende habt ihr eh nur auf einen Anlass gewartet, euch nicht engagieren zu müssen, euer Verhalten nicht ändern zu müssen, eure Geschlechtsgenossen nicht auf die von ihnen fabrizierte Scheisse anzusprechen.

Wenn ihr jetzt kommt mit „es braucht aber eine Solidarität zwischen allen Geschlechtern, und das hier ist keine“, dann sage ich euch: ihr habt bisher auch keine gezeigt, und wir Frauen haben nicht kollektiv das Stockholmsyndrom, dass wir denen, die uns schlagen, prostituieren, ermorden, missbrauchen gegenüber auch noch solidarisch sind. Forget it.

Leider sind wir auf einer Entwicklungsstufe, in der es geradezu umstürzlerisch, utopisch und undenkbar erscheint, für Frauen die volle Palette an Menschenrechten zu fordern. Das ist armselig genug.

Aber die Frage ist die: was ist, wenn uns Frauen scheissegal ist, was Männer davon halten, DASS und WIE wir für unsere Rechte kämpfen?

Was ist, wenn uns plötzlich egal wäre, ob wir nett rüberkommen? Und friedlich? Und bitte nicht mit zu vielen Forderungen, damit sich die Herren der Schöpfung nicht überfordert fühlen?

Ich für meinen Teil kann nur sagen, ist mir egal, was ihr von mir denkt.

Ist mir egal, ob ihr mich nett findet.

Ist mir egal, ob ihr denkt, ich sei aggressiv.

Ist mir egal, ob ihr denkt, ich sei „menschenverachtend“.

Ist mir egal, ob mein Feminismus euch genehm ist. Fakt ist nämlich, er soll es gar nicht sein.

Ja, Männer sind Schrott! Darüber könnt ihr weiter rumheulen und mimimimi, aber die Taschentücher zu eurem Geflenne sticken und reichen wir euch nicht mehr – wir haben genug damit zu tun, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.

 

(c) Anneli Borchert

 

 

12 Kommentare

  1. Martina Ross

    Super, ich habe es auch satt, mich gegenüber Männern zu rechtfertigen oder ihnen mich als Frau zu erklären.
    Ich brauche meine Kraft für meinen femenistischen Weg und ich bin nicht allein!

  2. Hallo! Ein sehr gut geschriebener Artikel, dem ich vollkommen zustimmen mag. Das scheinheilige Verhalten der meisten Männer ist menschenverachtend. Sie deswegen als Schrott zu bezeichnen ist daher vollkommen legitim und längst an der Zeit. Wer weiß, vielleicht landen sie tatsächlich auf dem Schrottplatz der Geschichte…

  3. Katharina Meyer

    Ich würde gerne mehr tun. Bisher bin ich nur online bei Facebook aktiv. Ich wohne in München und würde gerne was im Real Life machen. Inspiriert von “Dietland” (natürlich ohne Morde).

  4. Schon seltsam wie sensitiv und einfühlsam Männer mit sich selbst umgehen. Einfühlsame Schneeflöckchen,….mit sich selbst und ihrem eigenen Schei..-verhalten. Gegenüber Frauen gilt das natürlich nicht. Da kann Mann dann endlich “die Sau raus lassen”. Frauen sind “die Indianer” der Welt, oder die letzte Sklavenkolonie, ganz wie einem beliebt. Auch DIE durften den täglichen Horror ja nicht benennen, unter Mordandrohung. Ich weiss nicht, ob Männer wirklich Trash sind. Ihr Verhalten gegenüber Frauen ist es auf jeden Fall. Ja, Männer haben keine Probleme,….. sie machen sie nur; täglich, stündlich, minütlich, sekündlich, für FRAUEN.

  5. Sehr gut geschrieben! Aggressiv, fordernd, ehrlich, direkt.
    Auch ich bin es leid, gefragt zu werden, ob ich PMS oder meine Tage habe, wenn ich es wage, den Mund aufzumachen und mich über die Ungerechtigkeit der unterschiedlichen Bezahlung (Baubranche- extrem hohe Differenzen, für Frauen kaum Aufstiegsmöglichkeiten, für Mütter GAR KEINE!), der sexistischen Ansprache meiner Person (Püppi, Süße, Schnucki- nein, ich bin kein Kuscheltier und keine Barbie und bin nicht für eure optische Unterhaltung zuständig) oder der Herabwürdigung meiner Intelligenz (Kann sie das denn? Ja, verdammt, kann sie! „Sie“ hat nämlich sogar das Abitur und 2 abgeschlossene Hochschulstudien bewältigt- übrigens mehr, als man von 85% der Herren hier behaupten kann!) und meines Geschlechts ( Kannst du mal Kaffee kochen, Geschirrspüler ausräumen- nein, verdammt, wenn du was haben willst, sorge selbst dafür!) zu beschweren!

    Danke! Also ja, Männer sind Schrott! Ich gehe noch weiter: Kein Mann könnte jemals irgendwas ohne mindestens eine Frau erledigen/ erreichen/ schaffen. Männer sind nicht nur Schrott- sie sind schlichtweg unfähig!

  6. Wer sich wie Abschaum benimmt darf sich nicht wundern wenn er auch so genannt wird. Ganz klar. Worte sind und bleiben verdammt mächtig. Es ist alles irgendwie wieder das leidige “what about the men/not all men” mimimi. Ich lasse sowas schon seit Jahren links liegen.

    Ich Frage mich allerdings schon was die ganzen Hashtags und überhaupt der Aufruhr in den sozialen Medien bringt. Ich habe mich vor kurzem zum ersten Mal bei FB angemeldet (und rasch wieder abgemeldet) und auch wenn es schön war zu sehen, dass andere Frauen doch noch das tatsächliche Wohl von Frauen am Herzen haben, so fehlt mir der tatsächliche Schritt in bzw. Bezug zur Offline Welt. Quasi “da draussen” wo all die schrecklichen Dinge geschehen. Darüber zu berichten und sich auszutauschen ist ein wichtiger Schritt, aber er ändert nichts.

  7. sternenfrau

    hallo, das tut meiner seele gut, das eine das mal so richtig beim
    namen nennt. ich habe such die schnauze voll von all der gealt, von
    diesem SCXHROTTHAUFEN: und von frauen die immer noch
    disen unterstützen. danke für die klaren worte

  8. Tatsachen / Fakten :
    Männergewalt ist die grösste humanitäre Krise.
    Männergewalt ist ein Männerproblem, das Männer lösen müssen.
    Mit Männern reden hat noch nie diese “Probleme” gelöst.
    Jeden Tag versucht ein Noch- oder Ex-Mann in D eine Frau zu töten – jeden 3ten Tag tötet er eine Frau.
    Der hashtag #menaretrash kam 2016 von Frauen in Südafrika, um auf #rapeculture und #domesticviolence aufmerksam zu machen.
    .
    StGB §218 und §219 #MaleViolence
    .
    Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad.
    .
    #WombxxLiberation

  9. danke Anneli <3
    @Dee – naja wenn mehr Frauen Zeit/Musse hätten, sich u.a. mittels Twitter und web zu informieren, jahrzehntelange Zwangs-Sozialisation bei sich selbst zu erkennen und dann frauensolidarisch zu werden.
    "Radikal" von Symptomen zu den Ursachen.
    Kann mich an sog. Frauen-Projektehäuser i.d. 1980er Jahren erinnern (ja leider nur in grösseren/grossen Städten). Die haben/brauchen wir (TM) nicht mehr weil … und neoliberal-kapitalistischer Pseudo-"Feminismus".

    Ich bin ja für einen Frauen-Generalstreik (Island, 1970er !), einfach mal um endlich auch diese grosse Bezahlkluft, euphemistisch gender paygap, in D wegzukriegen.
    Und §218.
    Und #pinktax.
    Und …
    Und diese alles überwältigende Mehrheit der Frauen, die einfach nur dieses Männer-status-quo-System tragen und erhalten.
    #menRscum

  10. Maria Schmidt

    Ja, ich stimme allem zu, und es ist gut und leider viel zu selten, Radikales wie hier endlich ohne Kompromisse formuliert, zu lesen. Jetzt möchte ich die Frauen massenweise auf der Straße und überall außerhalb des Internets treffen, die nicht immer wieder bereit sind, das privilegierte Geschlecht zu ent-schuld(ig)en mit dem völlig absurden Einwand “Aber Frauen sind doch auch nicht besser etc…” und Feminismus zu verunstalten und Feminstinnen den Boden unter den Füßen wegzuziehen!
    Doch, Frauen sind das mit himmelweitem Abstand friedlichere Geschlecht! Ja, es herrscht überall auf der Welt männlicher Krieg gegen alle und alles (Natur, Tiere, Welt und All eingeschossen!), was Weiblich und/oder “schwächer”, also dem Patriarchat ausgeliefert ist, erobert und beherrscht werden kann.
    Frauenrechte sind mehr als Menschenrechte! Lebensrecht und Lebenslust sind universell und nicht auf DEN Menschen beschränkt! Wann kapieren die das endlich? NIE! (Würden ja möglicherweise einige Vorteile, Privilegien und viel Macht verlieren…)
    Maria

  11. Natürlich passiert viel Scheiße in der Welt…
    Aber was nützt einem das,jetzt alle Männer zu den Schuldigen zu machen?Da macht man doch prinzipiell genauso das Gleiche wie bestimmte Männer.Das ist dasselbe in grün.
    “Der da ist aber schuld”…”Nein,gar nicht…sondern der da”.Erinnert mich an Kleinkinder im Sandkasten.Wie lange wollt Ihr das noch mitmachen?
    Das heißt nicht,dass man sich alles bieten lassen soll.Im Gegenteil…
    Aber diese ständige Suche nach irgendwelchen Schuldigen,weil man sich scheiße fühlt (auch ohne die “bösen anderen”) bringt einem wirklich überhaupt gar nichts.Nur noch mehr Leid!

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