Unser Gentleman der Woche: Gottfried Locher für seine Ansichten zu Prostitution

Hund mit Zigarette und Hut im Vintage-Stil

Jhayne (modfied) via Flickr, CC BY-NC-SA 2.0

Gottfried Locher ist der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK und äußert sich in seinem jüngsten Buch auch zu Prostitution. “Befriedigte Männer sind friedlichere Männer“, erklärt er, deshalb leisteten Prostituierte einen unverzichtbaren Dienst für die Gesellschaft. Würde der “Triebstau” zu groß, wäre die Gefahr von Vergewaltigungen viel größer. Für die Frauen selbst sei Prostitution zwar schädlich, aber immerhin mache es die Gesellschaft friedlicher. Die These vom “Triebstau” der Männer, die Prostitution als eine Art Abwasserkanal für ihre Triebe brauchen, stammt aus dem vorletzten Jahrhundert. Damals wurden Prostituierte ebenfalls stigmatisiert, aber für ihre Dienste an der Gesellschaft gnädig geduldet. Damit bestätigt Locher ein sexistisches Weltbild, in dem Männer aufgrund ihrer angeblich unkontrollierbaren Triebe ein Anrecht auf Befriedigung durch käuflichen Sex haben. Der Zusammenhang zwischen Prostitution und Vergewaltigung wurde hinreichend untersucht. Prostitution vermehrt sexuelle Gewalt und verringert sie nicht, da Prostituierte oft sogar mehrfach Opfer sexueller Gewalt werden und der Anspruch auf sexuelle Verfügbarkeit auch auf andere Frauen übertragen wird.

1 Kommentare

  1. Angelika Eberl

    Eigentlich mag ich Kolumnen wie „Gentleman der Woche“ oder „Pascha des Monats“ nicht so gerne.
    Aber hier möchte ich antworten, weil es sich um einen Mann der Kirche handelt, einen einflussreichen Vertreter einer monotheistischen Religion, die in ihren heiligen Schriften davon ausgeht, dass der Mensch göttlichen Ursprungs ist.
    Den Trieb hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Aber der Mensch und das sagen nicht nur die Religionen, hat ein Gewissen und die Fähigkeit zur Selbst-Reflektion. Er kann seine Handlungen nach ethischen Kriterien beurteilen und unterlassen, wenn sie gegen solche verstoßen. Das heißt, selbst wenn das sexuelle Verlangen noch so stark ist – der Mann kann es bezwingen, denn er ist Mensch und kein Tier. Eine Vergewaltigung ist nämlich immer auch eine Entscheidung, die ein Mann auch lassen könnte. Er stirbt nicht an seinem Verlangen – und wäre es noch so heftig.

    Ich finde es widersprüchlich, dass gerade monotheistische Religionen, die eine moralische Überlegenheit des Mannes behaupten oder lange Zeit behauptet haben, in Bezug auf seinen Sexualtrieb so großzügig gegenüber dem Mann sind, während sie die Frau als verhängnisvolle Verführerin brandmarkten und z. T. noch immer so ansehen.

    Wie dieser Kirchenmann argumentiert, fordert er indirekt oder nimmt zumindest in Kauf, dass ein Teil der Frauen als Prostituierte dem Sexualtrieb des Mannes „geopfert“ werden solle, damit die Gesellschaft „friedlich“ bleiben könne – ungeachtet der Tatsache, dass Prostitution verheerende Auswirkungen auf Leib, Seele und Geist der Frau hat und wohl auch – trotz aller Anstrengungen, immer ein stigmatisierter Beruf bleiben wird.
    Dem männlichen Trieb wird eine so hohe Wichtigkeit beigemessen, dass er die “Schädlichkeit”, die Prostitution für die Frauen hat, in Kauf nimmt. Das ist meiner Ansicht nach eines Mannes der Kirche unwürdig. Er müsste vielmehr an die Männer appellieren, sich ihre göttlichen Urprungs würdig zu erweisen und Sexualität zu veredeln und auf ein humaes Niveau anzuheben, statt sie egoistisch auszuleben.

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