Unsere Frage der Woche: Ist die Unterdrückung der Frau eine Folge des Kapitalismus oder des Patriarchats?

Seit der ersten Welle der Frauenbewegung streiten Frauen darüber, was die Ursache der Unterdrückung der Frau ist. Sozialistische Feministinnen wie Clara Zetkin gehen davon aus, dass die Unterdrückung der Frau eine Folge der kapitalistischen Arbeitsteilung ist. In der Folge bedeutet das, dass wenn wir den Kapitalismus abschaffen, wir auch automatisch die Freiheit der Frau erhalten – das ist der berühmte “Nebenwiderspruch” der SozialistInnen: Der Hauptwiderspruch unserer Gesellschaft bleibt der Kapitalismus, wer ihn abschafft, löst damit auch die Unterdrückung der Frau. Dem widersprechen radikale Feministinnen: Die Unterdrückung der Frau hat ihren Ursprung im Patriarchat, in der Herrschaft von Männern über Frauen, die in der Geschichte von viel früher begann und sich auch im Kommunismus/Sozialismus nicht auflösen wird, solange nicht nach einer expliziten feministischen Analyse gehandelt wird. Ihre Einstellung wurde durch die Erfahrungen der Zweiten Frauenbewegung in den 60er und 70er Jahren bestätigt: Auch sozialistische (und linke) Männer unterdrücken Frauen, der Sozialismus ist, so lange er von Männern organisiert wird, genauso patriarchal wie der Kapitalismus. Wer von beiden hat Recht? Ist die Unterdrückung der Frau ein “Nebenwiderspruch” oder vielmehr Anlass einer eigenen Befreiung?

2 Kommentare

  1. Käsestulle

    “Ist die Unterdrückung der Frau ein “Nebenwiderspruch” oder vielmehr Anlass einer eigenen Befreiung?”

    Sie ist kein Nebenwiderspruch des Kapitalismus, sonden ein Widerspruch, der ungleichen und unfreien Gesellschaften innewohnt. Erst wenn diese überwunden sind, wird er sich auflösen lassen.

  2. Die Vorstellung der Kapitalismus wäre die Ursache der Unterdrückung der Frau, zeugt von mangelhaftem Geschichtsverständnis und reduziert die heutige ‘Unterdrückung der Frau’, besonders in der westlichen Gesellschaft auf eine Art Jammern auf hohem Niveau.
    Uns Frauen steckt noch immer die brutale und grausame Vergangenheit der Patriarchalität in den Zellen und der heutige Kapitalismus, als eine Stufe des Patriarchats führt die ‘Unterdrückung der Frau’ fröhlich weiter.
    Dieses Unterdrücktsein der Frau, kommt von Anbeginn in vielfältiger Gestalt daher uns ist ein unbedingter Aspekt der patriarchalen Strukturen.
    Wir leben mittlerweile in einer, sich anonym gebenden Großgesellschaft, die sich in mehren Jahrtausenden etabliert und verfestigt hat. Eine artgerechte Freiheit ist für beide Geschlechter in unserer derzeitige Gesellschaftskultur kaum möglich und auch absolut nicht vorgesehen.
    Die Frau ist über ihr Muttersein immer auch erpressbar. Und selbst die heute sanktionsfreie Ablehnung der Mutterschaft (gegenüber der vergangenen Jahrhunderten), schützt die Frau nicht vor Ungleichbehandlung und Abwertung. Die, der Patriarchose systemimmanente, Unterdrückung der Frau reicht zurück in die Anfänge der gewaltsam und ideologisch eingeführte „Vatergesellschaft“.
    Mögen sich inzwischen im Hinblick auf die Väter einige Akzente im gesellschaftlichen Kontext verschoben haben, so dass mehr denn je deutlich wird, wie sehr auch der Mann am Patriarchat leidet, bleibt der Status der Frau doch fast unverändert. Trotz der gelegentlichen Polarisierung Vater versus Mutter, nimmt der Mann nach wie vor eine exponierte Stellung ein, die ihm sozusagen von den ‘Vätern’ vererbt wurde und die daher kaum in Frage gestellt wird..

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