Unsere Frage der Woche: Typisch weiblich, typisch männlich?

Die Frage ist fast so alt, wie der Feminismus selbst: Gibt es Eigenschaften im Wesen von Frauen und Männern, die “typisch” weiblich oder männlich sind? Werden wir mit diesen Eigenschaften geboren – oder erlernen wir sie? Das ist der alte Streit zwischen Essentialismus und Existenzialismus – letzteren vertrat zum Beispiel Simone de Beauvoir vehement: Was wir sind und wie wir uns verhalten, das erlernen wir nur durch unsere Sozialisation, wir kommen nicht mit diesen Eigenschaften auf die Welt. Essentialistische Feministinnen gehen davon aus, dass es sehr wohl Unterschiede im Wesen von Mann und Frau gibt – dass Frauen zum Beispiel sehr viel friedfertiger sind, auf einen Erhalt des Lebens und der Natur ausgerichtet sind und deshalb über Einsichten verfügen, die Männern abgehen. Die Kritik daran ist: Wenn wir wirklich mit angeborenen Unterschieden in unserem Wesen auf die Welt kommen, wie können wir dann eine Gleichbehandlung, eine Gleichberechtigung fordern? Deshalb stellen wir diese Woche die Frage an unsere LeserInnen: Gibt es unterschiedliche “Wesen” der Frauen und Männer und worin begründen sie sich?

4 Kommentare

  1. Andrea Link

    Ich glaube, dass vor allem wir Frauen uns gar nicht wirklich entwickeln dürfen, so wie wir sind. Ich glaube ich war als Kind so lange ein glücklicher Mensch, ohne darüber nachzudenken, wie ich bin, bis ich das erste mal mir anhören musste “Das tut ein Mädchen nicht” aber nie eine wirklich einsichtige Antwort erhalten habe warum. Als Frauen werden wir in erster Linie erzogen, gefügig brav und nett zu sein, aber nicht weil wir so sind, sondern weil man will dass wir so sind. Damit sind wir gut zu händeln. Bei mir kann ich nicht feststellen, dass ich eine angeborene Liebe zu Hausarbeiten oder anderen Care-Arbeiten habe. Mir haben andere Dinge eigentlich schon immer mehr Freude gemacht. Auch das Muttersein ist nicht mein einziges Lebensglück. Warum sollte es dies auch sein, von keinem Vater wird verlangt, dass er sich in erster Linie als Vater definiert. Doch von Frauen wird erwartet, dass sie sich in erster Linie sich Familie wünschen und ihre Identität dabei finden. Die Medienlandschaft stellt dies immer so dar, dass man vor allem, wenn man jung und unerfahren ist, denkt, darin müsste man sein Glück finden. Persönlich glaube ich aber, dass es enorm schwierig ist, zu sagen, was typisch männlich und weiblich ist und ob es so etwas wirklich gibt, denn wir wachsen ja sein Jahren in Kulturen auf, die vorschreiben, was männlich und weiblich zu sein hat. Und jeder, der diesesm Schemata nicht entspricht, oder nicht entsprechen möchte, weil es ihm damit gar nicht gut geht, der wird schon für irre erklärt. Was mich persönlich am allermeisten nervt, bei den essentialstischen Theorien, dass der Frau nur eine passive Rolle zugestanden wird. Die Begründungen dafür sind in meinen Augen abstrud und stammen meist aus sprirituellen oder religiösen Philosophien. Für mich ist das eigentliche eine Entmündigung, die zu einer Entwertung und Abhängigkeit führt. Im Grunde hindert man Frauen eigentlich daran erwachsen zu werden. Vor allem wird das weibliche auf der Welt nur im Zusammenhang mit Menschen betrachtet. Es gibt aber noch viel mehr weibliche Wesen, und die verhalten sich ganz anders, als es von der Menschenfrau erwartet wird.
    Allerding erlebe ich, dass des Essentialismus im Augenblick wieder stark im kommen ist und viele sich davon inspieriert fühlen. Nicht nur Frauen, auch Männer, denn da wird ihnen ja endlich mal erzählt, wie sie ein Mann werden und ein richtiger Mann, was immer man darunter versteht, zu sein hat. Dass sie die Macht haben und Frauen ihren Regeln folgen sollen.
    Natürlich gibt es die körperlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen, aber dass diese sind in meinen Augen kein Grund, dass der Mann auf- und die Frau entwertet werden kann. Sie nur noch eine passive Rolle in diesem Leben zu spielen hat. Ich persönlich kann mit dem Essentialismus nicht viel anfangen. Vor allem, das Urwesen kann ja gar nicht mehr betrachtet werden, sondern es wird ja das Verhalten betrachtet, das in einer Kultur, in der wir erzogen werden, herrscht. Ich persönlich glaube, dass wir uns anders verhalten würden, wenn wir uns anders entwickeln dürften. Die Erwartungshaltung einer Gesellschaft hat großen Einfluss darauf wie wir uns verhalten. Und da der Mensch auch ein Bedürfnis nach Anerkennung hat, wird er sich häufig so verhalten, dass er anerkannt wird, auch wenn er sich nicht wirklich wohl damit fühlt.

  2. Körperlich gesehen unterscheiden sich Männer und Frauen. Angefangen beim Hormonhaushalt über die eigentliche Körperstruktur, den Genitalien bis hin zu Muskel, Knochen, Fett (im Sinne von Muskelauf- und Abbau bzw. Masse; Knochengewicht etc und dem nötigen Fettanteil (Frauen benötigen mehr als Männer). Auch psychisch unterscheiden sich die Männer von den Frauen (Stimmungen durch Hormonhaushalt sowie etliche Einflüsse durch die Umwelt; sprich die Umwelt reagiert auf Jungen anders als auf Mädchen. Es GIBT Unterschiede und ich finde, man sollte sie nicht leugnen oder einen Vorteil/Nachteil daraus ziehen. Für mich geht es bei der Gleichberechtigung viel weniger darum, dass es gleich viele Politikerinnen wie Politiker gibt (sprich Frauenquotenregelung). Es geht mir viel mehr darum, dass zu machen, das mir Spaß macht ohne benachteiligt zu sein. Ich möchte zornig sein, ohne das irgendwer sagt: ” Die hat ihre Tage!”. Ich möchte, dass man explizit solche “Unterschiede” anerkennt und mit ihnen normal umgeht, ohne sie gleich als “Spinnerei der Frau” abzutun. (Nur so als Beispiel). Aber im “Wesen” von Frau und Mann gibt es bestimmt keine Unterschiede. Wir sind alles Individuen und ich möchte als solches wahrgenommen werden, dass ist für mich Gleichberechtigung.

  3. Ich will nicht behaupten, dass ich die Wahrheit erkannt habe, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die biologischen Unterschiede von Mann und Frau nicht auch ihre Entsprechung in der Psyche haben, wenngleich ich auch denke, dass die meisten geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen antrainiert sind. Jedenfalls die, die nicht direkt mit der Biologie zutun haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.