Unsere Frage der Woche: Was wünschen sich Überlebende sexueller Gewalt von der Gesellschaft?

Im Zuge der Debatte rund um den Opferbegriff haben uns sehr viele sehr bewegende Zuschriften erreicht. Viele davon drehten sich um den Umgang der Gesellschaft mit Frauen (und anderen), die Opfer einer Gewalttat geworden sind.

Wir würden deshalb gerne eure Meinung dazu hören, was ihr euch zum einen direkt nach der Tat von eurem näheren und/oder weiteren Umfeld gewünscht hättet – und was euch auch heute, wo die Tat vielleicht schon länger zurückliegt, wirklich helfen würde.

Bitte beachtet dabei, dass ihr auf unserem Blog auch anonym kommentieren könnt, wenn ihr das möchtet.

38 Kommentare

  1. Den Opfern glauben, gesellschaftliche Ausgrenzung der Täter statt sie weiter zu hofieren, endlich Zugang zu Traumatherapie-Angeboten ohne Begrenzung der Stundenanzahl.

  2. 1. Dass sich auch der Täter einem aussagepsychologischen Gutachten unterziehen muss (so wie scheinbar in den Niederlanden). Im Zweifel für den Angeklagten, schön und gut, aber wenn der Täter selbst nichts unternehmen muss, um seine Unschuld zu beweisen, sondern schweigen und sogar lügen darf, werden diese Zweifel wohl immer bestehen bleiben.
    2. Dass diesem False-Memory-Verein endlich mal eine ordentliche Studie entgegengesetzt wird, also dass irgend jemand dafür mal das Geld dafür locker macht.
    Schon gewusst: Menschen, die unter verdrängten Erinnerungen leiden, werden seit ca. Mitte des 19. Jahrhunderts (wissenschaftlich) beschrieben. Soldaten, die im 20. Jahrhundert aus verschiedenen Kriegen zurückkamen, berichteteten, dass sie sich teilweise erst 10 oder sogar 15 Jahre nach dem Krieg an ihre Kriegserlebnisse wiedererinnerten. Soweit mir bekannt ist, zweifelte niemand an, dass diese Erinnerungen auf echten, eigenen Erlebnissen beruhten. Das sogenannte “False Memory Syndrome” ist erst seit Mitte der 90er Jahre ein Begriff, als Opfer sexueller Gewalt, die meisten von ihnen Frauen, meines Wissens erstmals versuchten, gegen die Täter vorzugehen, auch wenn die Taten schon mehrere Jahre zurücklagen.

  3. Manu Schon

    Als Prozessbeobachterin und ehemalige Schöffin:
    Ich wünsche mir Gerichte, die spezielle Kammern haben für Sexualstraftaten. Kammern, in denen alle Beteiligten (StaatsanwältInnen, RichterInnen, …) besondere Schulungen haben und wissen was eine Traumatisierung ist und aufgeklärt sind über Vergewaltigungsmythen und diese nicht reproduzieren.

    Als Freundin:
    Eine Gesellschaft, die achtsamer mit Betroffenen umgeht, die Täter deutlich in die Schranken weist, alles dafür tut um Taten zu verhindern und jene, denen schlimme Dinge angetan wurden, mit der bestmöglichen Versorgung so gut es geht auffängt. Sprich: Die anerkennt, was Täter getan haben und wie die Gesellschaft dies durch Ignoranz immer und immer wieder zulässt.

    Als Überlebende emotionaler Gewalt:
    Mehr Sensibilität und Aufklärung über dieses Thema.

  4. Ignoriert weil männlich

    Das Opfer und Täter beiderlei Geschlechter gleichermaßen anerkannt, bzw. zur Rechenschaft gezogen werden. Das Politik und Gesellschaft Männer nicht immer nur in der Täter-Rolle darstellen und Buben das gleiche Bewusstsein zu körperlicher selbstwertschätzung und -Bestimmung vermitteln, ohne “das muss dir doch gefallen haben” und “Männer können keine Opfer sein”.

  5. Ich wünsche mir mehr Selbstreflexion darüber, wie unachtsam, unsensibel und ab/ausgrenzend die Gesellschaft und jedeR Einzelne mit Überlebenden umgeht oder reagiert, wenn die Überlebenden aktiv über die erlebte Gewalt reden wollen.
    Ich wünsche mir mehr Willen von jedem/jeder einzelnen, aus der rosaroten Plüschecke rauszukommen und sich auch mit den häßlichen Seiten unserer Familien und unserer Beziehungen zu beschäftigen.
    Es ist unerträglich mitanzusehen, wie sich um Überlebende in der Psychiatrie, die mit schweren Symptomen zu kämpfen haben, ein “leerer Raum” bildet, weil alle Angst haben, sich damit auseinander zusetzen. Es ist unerträglich, Angst haben zu müssen, dass man selbst in so einem leeren Raum sitzt, sobald man “es” anspricht.

  6. Dass man nicht als “beschädigte Ware” behandelt wird. Ein Expartner, der von meiner “Vorgeschichte” erfuhr, benutzte diese dazu, meine Reaktionen in bestimmten Situationen so zu interpretieren, dass ich halt kaputt wäre..und er perfekt und makellos, obwohl ich mit meiner Vergangenheit abgeschlossen hatte, und ein “normales” Sexualleben führen kann.
    Um es deutlich zu sagen: Rücksichtslosikkeit und Egoismus im Bett war “normal”, die Bitte um ein längeres Vorspiel und Stimulation der Klitoris war dann auf meinem “Problem” basierend, anstatt auf mangelnder Einfühlsamkeit seinerseits. Zum Glück war ich in der Lage, mich nicht von diesem Menschen beeinflussen zu lassen, und lebe in einer guten Partnerschaft – ich kann mir aber vorstellen, dass so etwas häufiger vorkommt.

  7. Ich hätte mir in Kindheit und Jugend gewünscht emanzipatorische Sexualpädagogik erleben zu dürfen, so dass ich im Jugendalter früher gemerkt hätte, dass ich jahrelang missbraucht werde.
    Naja und hilfreich wären Eltern, Lehrer*innen,Freund*innen die mich unterstützt hätten, bzw. Die Augen aufgemacht hätten

    Ich wünsche mir Sexualität zu thematisieren: Konsens, sexuelle Sprache! Außerdem in der (männlichen) Sozialisierung einfließen lassen was sexualisierte Gewalt ist und wie mensch kein*e Täter*in wird!

    Ich wünsche mir, dass sexualisierte Gewalt thematisiert werden darf, dass ich mich als Überlebende “outen” darf, ohne dass mir danach jegliche Lebenskompetenz abgesprochen wird.
    Ich möchte, dass wir miteinander reden und nicht übereinander!

    Außerdem wünsch ich mir mehr support für Überlebende: Begleitungen im Therapiedschungel, Frauenstationen in Psychatrien, mehr Traumatherapien…

    Und nicht zuletzt im Bezug auf die Debatte um den Opferbegriff: fragt mich wie ich mich bezeichnen mag!
    Jede*r Richter, Anwalt, Ärztin, Therapeut*in, Freundin, Ehemann kann doch fragen wie sich jede*r individuell bezeichnen mag!
    Ich bin kein Opfer. Ich musste es erleben, aber bezeichne mich nicht als Erlebende. Ich bin Betroffene und vorallem Überlebende!
    Aber das gilt erstmal nur für mich!

  8. Bri Lunzer-Rieder

    Zuallererst mal;

    EHRLICHKEIT.
    Im Zuhören. Mitfühlen. Be-Denken…was das Er-zählte wohl be-deutet…
    und zwar nicht *NUR* für der/die/das betroffenen/n Frau, Mann, Kind…!

    Und; wesentlich mehr Ernst-genommen-werden als jetzt üblich. Wo Dritte sich insgeheim -und verlogen- unsereins als *NUR*-Opfer als Steilvorlage für eigene sadomasochistische Phatasys nochmal missbraucht.
    um dann er-neut; TOTzuschweigen.
    Oder verärgert reagieren, wenn unsereins – o Wunder- oft so gar nicht ins angebl. Opferklischee reinpasst…

    Und; gesellschaftliche Wiedergutmachungen. Existentiell.

  9. Ich wünsche mir von der Gesellschaft, dass auch die Überlebenden nicht (offen) sexueller Kindesmisshandlung stärker ernst- und wahrgenommen werden. Ich wurde von einem sadistischen Täter über viele Jahre meiner Kindheit schwer misshandelt. Die abscheulichen Taten hatten, wie bei Sadisten üblich, zwar sexuelle Aspekte, waren aber eben keine klar definierten sexuellen Handlungen. Pech für mich, denn für mein “Opferprofil” gibt es keine Beratungsangebote, keine Hilfsfonds, keine Bundesbeauftragten, keine teilnahmsvollen Zeitschriftenartikel usw. Ich bin selbst bei den Ausgegrenzten ausgegrenzt.
    Ich freue mich sehr, dass wenigstens die Überlebenden sexueller Gewalt zumindest ansatzweise wahrgenommen werden. Es wäre mir jedoch wichtig zu begreifen, dass die Überlebenden nicht (offen) sexueller Kindesmisshandlung Ähnliches durchgemacht haben. Der sexuelle Missbrauch ebenso wie die physische Folter sind nur verschiedene Waffen derselben destruktiven Energie und sie haben dasselbe Ziel – die Zerstörung der körperlichen und seelischen Integrität des Kindes. Opfer nicht (offen) sexualisierter Gewalt aus Debatten und Bewältigungsangeboten auszugrenzen ist nicht sinnvoll.

    Viele Grüße

  10. überlebende C

    ich hätte mir gewünscht, anzeigen hätte einen sinn gehabt, es anzusprechen hätte nicht ausgrenzung bedeutet und rechtfertigen. heute seh ich, dass frauen manipoliert werden…sie sollen nicht mal merken, dass sie opfer sind. sie bekommen es antrainiert, in den pornos extremste gewalt fast ausschliesslich gegen frauen und alle konsumieren es. prostitution legal obwohl es nur vergewaltigung gegen geld ist und man genau weiss, wie schädlich es ist für die frauen. es macht mich krank auch noch überall die werbung ertragen zu müssen dafür. vergewaltungen bleiben straffrei fast immer. selbst das devote und entmenschlichende darsteller ständig von frauen …das alles schafft einen rahmen für die gewalt die soviele erleben müssen .

  11. ulric. regenechse

    • Dass die sexualisierte⇒sexuelle Gewalt als Gewalt gesehen, bezeichnet und ernst genommen wird – auch dann wenn ich mich nicht lebenslänglich als Opfer und|oder Überlebende*r sehen und bezeichnen (lassen) will.
    • Dass ich über die erlebte Gewalt sprechen, schreiben und schweigen kann ohne dass damit eine Wertung meiner Person verbunden wird (“Wertungsfreiheit”).
    • Dass meine Selbstbezeichnungen respektiert werden – und auch die aller anderen Betroffenen.
    • Dass etwas gegen die andauernde sexuelle Gewalt in dieser Gesellschaft getan wird.
    • Dass gewaltverursachende und -begünstigende gesamtgesellschaftliche Strukturen thematisiert und verändert werden.
    • Dass die gesellschaftliche Normalität von Machtverhältnissen und Über/Unterordnung als wesentliche Ursache von sexualisierter Gewalt benannt, infrage gestellt und abgebaut wird.
    • Dass die unterschiedlichen nicht voneinander trennbaren Machtverhältnisse, die sexuelle Gewalt verursachen, und die davon Betroffenen nicht gegeneinander ausgespielt werden und keine*r für die Interessen und Perspektiven anderer vereinnahmt und|oder unsichtbar gemacht wird.
    • Dass die Bedeutung von Macht und Überlegenheit und die Verantwortung der T_äter nicht verleugnet wird durch die Erklärung von sexualisierter Gewalt durch sexuelle Neigungen|Triebe.
    • Dass alle ihre eigene Verwicklung in die bestehenden Gewaltverhältnisse reflektieren und nach Kräften zu ihrem Abbau beitragen.
    … und selbstverständlich die Erfüllung aller noch nicht erfüllten Politischen Forderungen aus der Sicht von Menschen, denen sexuelle Gewalt in Kindheit oder Jugend angetan wurde vom Kongress “Aus unserer Sicht” 2010.

  12. Ich wünsche mir dass die Täter verurteilt werden, dass den Opfern geglaubt wird. Dass die Strafen, die das StGB ja eindeutig hergibt, auch angewandt werden. Mehr Hilfen für Opfer, mehr Begleitung. Es gibt Notfallseelsorger, die sogar bei Autounfällen gerufen werden, warum gibt es keine Notfalltherapeutinnen/Sozialarbeiterinnen/Psychatrieschwestern, die hinzugezogen werden, sobald ein Opfer sich bei der Polizei meldet? Ich wünsche mir mehr Aufklärung bei Kindergärtnerinnen, LehrerInnen und anderen Menschen, die mit Kindern arbeiten. Einerseits über Symptome sexueller Gewalt, andererseits über Rollenklischees und sexuelle Selbstbestimmung. Sie sollten Kinder zu empathischen, gewaltvermeidenden Menschen erziehen, nicht zu Männern und Frauen. Ich wünsche mir ein Ende der Kleinfamilie, ein Ende der unbeschränkten, auch wirtschaftlichen Macht, die Männer über Frauen und Kinder haben. Studien, die belegen dass es genauso, wie die Autorin es beschrieben hat, passiert, dass frau sich oft erst Jahre danach klar wird, was eigentlich mit ihr passiert ist. So vieles….

  13. Anonymous

    Mitleid und Verständnis, aber dieses dann bitte ernst gemeint. Und dass man mir glaubt! Mir gehen die Leute gegen den Strich, die plötzlich völlig erschrocken oder ergriffen tun und ebenso die Leute, die mich plötzlich anders behandeln, quasi in Watte packen. Und ganz schlimm die Menschen, die sagen “Der doch nicht, also jetzt hör aber auf, sowas würde ‘er’ niemals tun!”
    Die schönste Reaktion habe ich von meinem Vater erlebt. Er stellte sich nach einigen Tagen, die er wohl brauchte um das Erzählte zu verdauen, vor mich mit den Worten: “Es tut mir wirklich leid, dass Dir so etwas passiert ist. Ich liebe Dich!” und dann nahm er mich fest in den Arm.

  14. Gabypsilon

    Mich bedrückt das Unsichtbarsein und unser aller kollektives Wissen über sexuell motivierte Übergriffe, Vergewaltigungen und andere Formen von Gewalt, die nahezu jede Frau in ihrer Biografie aufweisen muss und die “statistisch” nirgendwo auftauchen – können, weil die Taten mehrheitlich aus bekannten Gründen nicht zur Anzeige gebracht werden. Wie bei der Prostitution fehlen uns Studien und verlässliche Zahlen dazu. Mir fällt auf, dass insbesondere Männer, die sich, warum auch immer, im Fahrwasser von Feministinnen aufhalten, mit fragwürdigen Statistiken, die die hohe Dunkelziffer nicht berücksichtigen, uns Frauen den Herrklärer machen. Behaupten, sie können durch die Zahlenwerke belegen, dass Gewalttaten, nicht nur an Frauen und Kindern begangen, rückläufig sind und nur wenige Männer, also Ausnahmen, prostituierte Frauen gegen Geld vergewaltigen. Ich wünsche mir eine deutsche Studie.

  15. @Anonym Du hast das sicher schon erkannt, aber ich sage es einfach nochmal: Die Schwere sexuellen Missbrauchs (oder sexuell gefärbten Missbrauchs) lässt sich finde ich nicht dadurch bestimmen, in welchem Maße die an einem Menschen vorgenommenen Handlungen einer in der Gesellschaft verbreiteten Definition von “sexuell” entsprechen, und von der Vorstellung, dass es auch innerhalb dieser “eindeutig sexuellen” Handlungen irgendwelche Abstufungen gäbe. Du schreibst, der Täter hat durch seine Handlungen seine sexuellen Triebe befriedigt. Dann ist es finde ich egal, ob diese Handlungen auch für Außenstehende ersichtlich sexuell waren. Ich finde, die Tatsache, dass der/die Täter/in sich auch durch solche Handlungen befriedigt, die “offensichtlich” nichts mit Sexualität zu tun haben, macht das ganze für die Betroffenen noch schwerer zu verarbeiten. Ich hatte auch mit einer Täterin zu tun, der einfach durch die Kontroll- und anderen Spielchen, die sie mit mir gespielt hat, “einer abgegangen ist”, im sexuellen Sinne, auch wenn sie dabei nicht an sich rumgespielt hat.
    Ich finde es erbärmlich, erschreckend und empörend, dass es in der Gesellschaft und selbst unter Betroffenen so eine Art “Opferhierarchie” zu geben scheint. Wer das und das erlebt hat, wurde “richtig” missbraucht, alle anderen nur so ein bisschen, jedenfalls nicht “richtig”. Das ist doch pervers. Ich durfte mir auch von einem Therapeuten (Vorsitzender eines bekannten Verbandes von Psychologen) anhören, dass dem Eindringen in die Scheide mit dem Penis ja schon noch mal eine besondere Bedeutung zukäme (es sei ein “tiefgreiferendes Erlebnis” als andere Formen, war seine Wortwahl; das ist aber schon 10 Jahre her, hat also mit der aktuellen “Erlebenden”-Diskussion nichts zu tun). Und alle anderen sind dann Opfer zweiter oder dritter Klasse oder was? Was ist das denn bitte für eine heteronormative Scheiße?
    Jedenfalls, wenn dich einer zur Befriedigung seiner wie auch immer gearteten sexuellen Bedürfnisse missbraucht, dann ist es sexueller Missbrauch. Basta.

  16. Bri Lunzer-Rieder

    Wünsche mir noch 1 Kleinigkeit;

    dass AUCH Frauen endlich fähig werden, sich untereinander ebenso effektiv und rasch zu verbünden, um ureigene Interessen wahrzunehmen…
    …wobei kluge Männer uns natürlich dabei unterstützen dürfen.

    Könnten `wir` das besser, wäre Vieles in der Gesellschaft längst anders…

  17. Bri Lunzer-Rieder

    auch DAS passt zum realen Wünschen;
    http://www.saratogawarhorse.com/

    …Pferde. Als Therapeuten.
    Tiere insgesamt sind oft geeignet, uns Überlebenden von sex. MB & Gewalt etc. zu helfen…

    weiss ich nur zu gut…
    Habe Extremes in Kindheit & Jugend (paarmal nur knapp) überlebt, AUCH mit Hilfe von Guppies im kl. Aquarium, zu Wellensittichen, Meerschweinchen, Katze, Hund bis jetzt Leben mit Pferden…
    Pferde sind sozial uns Menschen recht ähnlich im Verhalten.

    Also; Aufforderung an zuständige PolitikerInnen etc; GELD LOCKER MACHEN *AUCH* für solche Angebote; Therapien mit Pferd !

  18. Bri Lunzer-Rieder

    @ Juliane; wie wahr..
    Bei mir; war das Tun des Täters (Franz Wurst, nur mal googln) wegen des bei mir fehlenden Tat-Faktums dieses
    `das männl. Sex-Schwert in weibl. Scheide stecken`
    im eigenen Denken und Bewerten *auch* nicht als klarer sexueller Missbrauch abgespeichert. Sondern *nur* als extrem schräge und sehr ungute, *auch* tlw. schmerzhafte Form der körperlichen `Therapie`… die F. Wurst selbst meinen Eltern gegenüber als FÖRDERUNG verkaufte.
    ICH WAR NICHT KRANK ALS KIND !!!
    Im Gegenteil…
    Wobei sein verbrecherisches Tun aber vom Klagenfurter Jugendamt bezahlt wurde. Ich unter dessen Ägide stand…da *nur* unehelich.
    Ergo begriff ich mich selbst DESWEGEN eben nicht als; Opfer von sex. Missbrauch.
    Sondern *nur* als -deto ärgstens !- früheres kindliches Opfer von Gewalt im sog. Elternhaus. Beschrieb das *auch* so im Büchl, 1997/98.
    Dann kam 2002 der 8 monatige Prozess gegen diesen Arzt. (Mein Buch lag als Beweismittel auf)
    Ich beobachtete diesen Prozess fast vollständig. Machte Druck durch Anwesenheit (=Öffentlichkeit herstellen) und recherchierte selbst, sprach mit anderen Betroffenen…usw…er-fuhr Stories; unfassbar !!!!!!
    Im Prozess; lange mühsame Bewusstseinsbildungen bei allen Beteiligten; Geschworene (fast alle mit sozialen Berufen), Richter, Staatsanwalt, Anwälte, wir, diese AUCH Opfer/Zeugen…
    ALLE MUSSTEN DAZU LERNEN.
    Was ist schon `echter`Missbrauch, was -noch- nicht?
    WO diese Grenzziehungen sdetzen ?
    Etcetc…
    Kurz; bei mir und etlichen weiteren Opfer/Zeugen (meist Buben) hatte F. Wurst z. b. oft *AUCH* mit elektrischem Strom in den Unterbauch `gearbeitet`.
    Sich dann währenddessen hörbar, aber ausser Sichtweite, am Zucken des nackten kindlichen Körpers aufgegeilt…usw…was Kinder noch nicht einordnen, verstehen können, warum `der Herr Doktor plötzlich so stöhnt`.
    So.
    1 Folge davon wurde mir voriges Jahr rausoperiert; eine fast Männerkopf grosse Gebärmutter. Vorher NICHT diagnostiziert! Jahrzehntelang nicht. Bei mehrmaligen Untersuchungen…mit Ultraschall, händisch…da hiess es z. B. noch kurz vorher; ihr Uterus ist eh normal gross (ich wusste, das stimmte nicht !), und bei OP-Vorbereitungen dann in einem kl. öster. Krankenhaus vom Chefarzt persönlich hiess es abfällig, als ich über Symptome (Schmerzen, Bewegungsprobleme, Blutungen…ich bin 62) klagte; ach was, sie sind nur zu dick. Nehmens ab. Ihr Bauch ist definitiv zu gross. Sie kommen ja nicht mal mehr die Treppe hoch DESWEGEN.
    Nach der OP; Er-staunen. Kopfschütteln. Mitleid.
    Als ich dann aber sagte, WARUM meine Organe sooo gross sind, im Unterbauch…; Er-starren. Schweigen. Heimliches Kopfschütteln.
    Meine Rekonvaleszenz machte ich dann; zu Hause. Mit Krankenschwester-Freundin. Heftige Sache. Da die verdrängten Organe runter wanderten…oft ruckartig. Faszien verletzt waren. Schmerzen…ächz..
    Musste nochmal ins Krankenhaus rein. Wieder mal voll real ums ÜBERLEBEN kämpfen… nicht das 1. Mal in meinem Frauenleben.
    Aber; AUCH ich bin laut herkömmlicher Defintion für Viele kein `richtiges` MB-Opfer.
    Aha.
    Einmal griff mich eine junge Frau beim Treff von Betroffenen in Wien plötzlich sogar körperlich an; schlug zu (!), war voller Agression, beim Nachfragen sagte sie nur wütendst; weil `ich mich nicht wie ein MB-Opfer verhalte`
    (sondern sehr selbstsicher, AUCH mal dominant agiere)
    Aha.
    Ihr hier versteht, ja ?

  19. Anonymous

    Ich wünsche mir vor allem, ernst genommen zu werden… dass Leute, vor allem Frauen, die Möglichkeit zulassen, dass ich Recht haben könnte; und ich nicht immer nur hören muss, ich wäre durcheinander und würde übertreiben; dass sie ihre rosarote Brille ablege und die Möglichkeit zulassen dass so etwas auch in ihrer Bekanntschaft vorkommen kann (oder vll sogar bei ihnen selbst).

  20. Ich wünsche mir vor allem, ernst genommen zu werden… dass Leute, vor allem Frauen, die Möglichkeit zulassen, dass ich Recht haben könnte; und ich nicht immer nur hören muss, ich wäre durcheinander und würde übertreiben; dass sie ihre rosarote Brille ablege und die Möglichkeit zulassen dass so etwas auch in ihrer Bekanntschaft vorkommen kann (oder vll sogar bei ihnen selbst).

  21. Ich wünsche mir vor allem, ernst genommen zu werden… dass Leute, vor allem Frauen, die Möglichkeit zulassen, dass ich Recht haben könnte; und ich nicht immer nur hören muss, ich wäre durcheinander und würde übertreiben; dass sie ihre rosarote Brille ablegen und die Möglichkeit zulassen, dass so etwas auch in ihrer Bekanntschaft vorkommen kann (oder vll sogar bei ihnen selbst).

  22. Und es wäre auch schön, wenn Flashbacks und fehlende Erinnerungen als das ernst genommen werden würden, was sie sind… und man nicht als psychotisch bezeichnet werden würde.

  23. Mich prägte wohl am meisten, dass mir nicht geglaubt wurde. Ich ging zu vielen Menschen. Die Reaktionen waren immer gleich. Aber nicht bei euch. Nach aussen waren wir die Musterfamilie schlechthin.
    Es passte einfach nicht zum Bild, dass man von uns machte.

  24. S. Nitsche

    – Aufklärung, Rollenspiele und umfassende Information in den
    Schulen. Selbstverteidigung im Lehrplan.
    – umfassender Opferschutz von Anfang an.
    – Hilfetelefon/Begleitschutztelefon
    – Verschärftes Sexualstrafrecht mit angemessenem Strafmaß auch für – Jugendstraftat
    – Verbot von K.-o.-Tropfen und Straftatbestand bei Besitz derselbigen.
    – Traumatherapie nach Bedarf und ohne zeitliche Begrenzung
    – Gesellschaftliche Aufklärung
    – resozialisierende Täterarbeit mit besonders geschulten TherapeutInnen über das Strafmaß hinaus
    – Spezielle Schulung von allen PolizistInnen und grundsätzlich ausgebildete Polizistinnen im Fall der Anzeige.

  25. Unsichtbare

    Ich (45+) wünsche mir, dass nicht immer nach “meinen” Wünschen und was “ich” brauche gefragt wird. Was nützen all die Aufzählungen überall und das Beschreiben.
    Es ist bekannt was Notwendig wäre. Es geschieht nichts oder viel zu wenig. Ich denke an therapeutische, ambulante, stationäre, ärztliche, gesetzliche und gesellschaftliche Hilfen. Mindestens an Achtsamkeit in allen Bereichen.

    Ich wünsche mir (therapeutische) Hilfe / Begleitung, die Hilfreich ist, zu lebzeiten!

  26. Das sexuelle Gewalt auch als solche bezeichnet werden darf und muss.
    Das ich als Überlebende mit meiner Bezeichnung für die erlebte Gewalt ernst genommen werde und man mir nicht vorschreiben möchte wie ich mich und die erlebte sexuelle Gewalt zu benennnen habe. Das es unkomplizierter für Opfer wird Hilfen und Therapien zu bekommen. Das Anlaufstellen für Opfer ritualler Gewalt geschaffen werden. Das es in den Gerichten nicht immer wieder zu Retraumatisierungen der Opfer kommt. Das gerade bei jungen Kindern keine Aussage vor dem Täter vor Gericht nötig ist, sondern eine Videoaufzeichnung oder eine schriftliche Aussage ausreichen. Das sie Medien nicht immer wieder über das Leben der Täter, deren Psyche, … berichten und damit der Täter in den Mittelpunkt gerät. Das Opfern zugehört wird, sie aber nicht bemitleidet werden, da es zwar schrecklich ist, wenn jemand zum Opfer wurde, man den Menschen aber nicht nur darüber definieren sollte. Das Opfern geglaubt wird. Das sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Männer starker thamtisiert würde in der Gesellschaft. Dass es auch für Angehörige von Opfern unkomplizierte Hilfen gibt, da auch bei Ihnen oft eine Therapie von Nöten wäre. Das schon in Schulen mehr Präventivangebote geschaffen würden wie Selbstverteidungskurse oder auch Theaterprojekte wie “Mein Körper gehört mir” und beispielsweise in Biologie auch der Missbrauch zum Thema gemacht wird.

  27. @Juliane@Bri@alle

    Ich freue mich sehr über die Diskussion hier. (Meine Möglichkeiten, mich mit anderen Betroffenen auszutauschen, sind ziemlich begrenzt.)

    Ich denke, dass es bei dem Ignorieren von Gewaltopfern, dem Bagatellisieren von bestimmten Gewaltarten nicht nur um Täterschutzdenken, sondern auch um wirtschaftliche Interessen des Staates geht. Opfer von Gewalttaten haben in Deutschland, sofern das Verbrechen zu einer Schwerbehinderung geführt hat, einen gesetzlichen Anspruch auf Entschädigung – Opferrente, Ausgleichsrente und diverse andere Leistungen. Die kann u.U. sogar ziemlich üppig ausfallen. Diesen Anspruch durchzusetzen macht man den Betroffenen halt so schwer wie möglich.

    Viele Grüße

  28. @anonym Ein Bekannter von mir ist Jurist. Er sagte mir, dass die deutsche Staatsanwaltschaft für sich wirbt, indem sie stolz verkündet, dass es ihr gelingt, 95 Prozent aller Anzeigen gar nicht erst zum Gerichtsverfahren werden zu lassen. Ich habe persönlich nur gute Erfahrungen mit Polizei und Staatsanwaltschaft gemacht, es wurde mir immer vermittelt, dass man mir glaubt und mich ernst nimmt. Nur von der Gutachterin fühlte ich mich ziemlich in die Pfanne gehauen. “Ist sehr wahrscheinlich, dass es sich um Scheinerinnerungen handelt”, bei dem Teil, wo ich gesagt habe, dass ich es selbst für möglich halte, dass ich diese Situation aufgrund des zu Hause stattfindenen Missbrauchs vielleicht fehlinterpretiert habe (eine Sache im Krankenhaus, wo mir vielleicht/wahrscheinlich/eventuell ein Katheter gelegt wurde, obwohl es meines Wissens keine Operation gab, die einen solchen Eingriff nötig gemacht hätte, was ich genau so gesagt habe) wurde gleich gesagt, dass diese Szene in den Bereich der Fiktion zu verweisen sei. Dann hat sie geschrieben, ich hätte mich erst nach 10 Jahren wieder daran erinnert, was nicht stimmt. Weil eine langjährige Freundin des Täters meine Patentante ist, und sie mir immer ein positives Bild von ihm vermittelt hat, habe ich 10 Jahre lang immer gedacht, das kann doch gar nicht sein, dass jemand sowas macht, und erst als ich nicht mehr so häufig Kontakt zu ihr hatte, habe ich mich getraut, zu akzeptieren, dass diese Dinge doch passiert sind. Weil ich insgesamt 5 Jahre Therapie gemacht habe, wurde mir unterstellt, ich hätte mir das mit Hilfe meiner Therapeutinnen und Therapeuten autosuggeriert. Der Rest sei auf anderweitige sexuelle Erfahrungen zurückzuführen. Ich sei also eigentlich allgemein mit Sicherheit aussagefähig, nur was diese Sache angeht, eben nicht. Ach, ausgerechnet. Dann noch ein Caveat am Ende “soll natürlich nicht heißen, dass nicht auch ein wahrer Kern, um den sich dann Pseudoerinnerungen…, kann nicht mehr unterschieden werden”, also alles in allem, ein paar Phrasen aus irgendeiner Vorlage rauskopiert und ab mit dem Scheiß zur Staatsanwaltschaft. Aber die Gutachterin macht das ja schon so lange, die weiß genau was sie macht… Ja, sie weiß genau, wie sie mit möglichst wenig Aufwand zu möglichst viel Kohle kommt. Die Zeugin, der ich schon zum damaligen Zeitpunkt so gut es ging vom Missbrauch berichtet habe, wurde nicht vernommen. Meine Mutter macht das Maul nicht auf. Im Bescheid über die EInstellung des Verfahrens wurde als Ort des Geschehens die falsche Adresse angegeben. ich weiß nicht, ob die mir deswegen schon nicht geglaubt haben, die “richtige” Wohnung hatte nämlich eine Terrasse, die, die sie besichtigt/durchsucht haben, nicht, und der Blick durch die Terrassentür ist eben einer der “Eindrücke”, die sich dabei bei mir eingebrannt haben. Kripo meint, Widerspruch sei zwecklos.
    Also, bin ich jetzt offiziell auch Mitglied, ach nein Ohneglied, im Club der “fantasiebegabten hysterischen Weiber”. Dann geh ich mal meine Gebärmutter suchen.

  29. Mona Lisa

    Na gut, ich bin mir zwar nicht sicher, ob man meinen Kommentar stehen lässt (irgendwie scheine ich auf einer ominösen schwarzen Liste zu stehen), aber ich bin ja von Natur aus hartnäckig.
    ICH wünsche mir ein Land, indem Frauen und Mädchen zu jeder Tages- und Nachtzeit zu Fuß hingehen können wo sie wollen ohne dass sie auch nur im entferntesten daran denken müssten, dass ihnen Gewalt angetan werden könnte !
    ICH wünsche mir ein Land, indem der weibliche Körper nicht sexualisiert wird, mich nicht an jedem Zeitschriftenregal nur Frauen lasziv anlächeln oder in der obersten Etage weibliche nackte Körper zu Sexspielen einladen.
    ICH wünsche mir ein Land, indem Frauen und Mädchen als ein wertvoller, wenn nicht der wertvollere Teil unserer Gesellschaft anerkannt werden. Nicht weil es als Gesetz irgendwo stünde, sondern aus einer Selbstverständlichkeit heraus.
    ICH wünsche mir ein Land, indem es keine einzige Frau gibt, die aus welchen Gründen auch immer, ihren Körper zum Kauf anbietet.
    Und ICH wünsche mir für all unsere Frauen und Mädchen Männerfreie Zonen, in denen sie z.B. Stundenlang auf einer Wiese mit geschlossenen Augen liegen können ohne das eine Freundin währenddessen aufpasst oder sie sich alleine nicht getraut auch einfach mal einzuschlafen.

  30. Bri Lunzer-Rieder

    @ Mona Lisa ;
    😉 😉 😉
    *J*A*A* !!!!!
    Stimme Deiner Liste voll & ganz zu.

    Und Deine `schwarze Liste` kommt mir auch bekannt vor…immer wieder wo…. leider auch in sog. Femi-Kreisen !
    Siehe meine oftmalige Forderung nach der (inneren) Aufhebung dieses vermaledeiten TOTSCHWEIGENS.
    Das letztlich ALLEN massivst schadet. Weils u. A. verhindert, dass sog. `Widersprüche` diskutiert, bewusst bearbeitet, letztlich auch mal schlicht ausgehalten werden.
    Typisch dafür; diese BDSM Diskussion..

    @ anonym & Juliane;

    Danke für die Zustimmung hier !
    Das tut sooo guut…(wisst Ihr eh)

    Und; kleines Wortspiel dazugedacht;
    —-
    Also, bin ich jetzt offiziell auch Mitglied, ach nein Ohneglied, im Club der „fantasiebegabten hysterischen Weiber“. Dann geh ich mal meine Gebärmutter suchen.
    —-

    …wie wär`s mit dem Wort *MITKLITA* anstatt Mit`glied`?
    Verwende ich schon länger mal… `natürlich` zuerst eher scherzhaft. Aber ohne `Haft`.
    Sondern recht FREI…;-)
    Per kreativer Eigen-er…äh..; -SIEmächtigung !
    😉

    Passt scho als Gedankenspiel;
    macht Euch selbst mächtigER
    .
    (mächtigSIE, mächtigSIE)
    ggg

    viel ER-folg..äh, pardon, natürlich auch da;
    SIEfolg

    Wünscht allsieseits; ich.
    Inzwischen Gebärmutter-los.

    Bzgl. dieser Wunschliste; Mitlesenden -vorrangig solchen mit etwas Gestaltungsmacht im System- sollten sich da mal die inneren Hirnwindungen kringeln, auf WELCHEM NIEDRIGEN NIVEAU die reale EXISTENZ von unsereins oft dahinfühlt…;-(

    Betroffenen rate ich u. A.; schaffts Euch, so möglich, einen grossen, respekteinflössenden Hund an. Einen vierbeinigen. Dieses Tier verschafft Euch real mehr Sicherheit !

  31. @ Mona Lisa

    So ein Land gab es schon mal. Nannte sich DDR. War den Leuten aber auch wieder nicht recht.

  32. Schließe mich insbesondere den Äußerungen von Manu Schon, Sarah, überlebende C und Gabypsilon an. Und füge Nachfolgendes (wie an anderer Stelle zuvor schon geäußert) hinzu.

    Viel mehr Aufklärung über nach wie vor verbreitete Vergewaltigungsmythen.

    Verpflichtende Fortbildung für Exekutivorgane, dort tätige Personen wie bspw. ermittelnde PolizeibeamtInnen, Staatsanwälte, Richter. – Eigentlich vor allem auch, dass nur StaatsanwältInnen und RichterInnen hier urteilen dürfen/entscheidungsbefugt sind – auch wenn das keine “Garantie” ist, wie wir kürzlich wieder feststellen mussten (Lohfink).

    Denn gerade auch bei diesen Personen (Exekutive) sind Unkenntnis, fehlende, angemessene Kenntnis (auf aktuellem Wissensstand) und Vergewaltigungsmythen tatsächlich leider durchaus vorhanden und erheblich Einfluss nehmend … .
    Es scheitert die Verurteilung der Täter weniger am Gesetz (siehe 177) als an der Exekutive.

    Hier würde ich mir für anzeigende/angezeigt habende Frauen deutlich mehr Unterstützung wünschen – bspw. von Initiativen, Frauenberatungssstellen – noch immer ist es sehr schwer, eine Rechtsanwältin zu Rate ziehen/zu Hilfe holen zu können, wenn man nicht die finanziellen Mittel (schon für die Erstberatung) hat – und erforderlich sind definitiv entsprechend qualifizierte und erfahrene Anwältinnen.

    Deutlich mehr Aufklärung zu Persönlichkeitsmerkmalen/-strukturen von Tätern/Täterprofile – gerade in Bezug auf Beziehungsgewalt – solche Information könnte vorbeugen helfen!

    Schluss mit victim blaming! – Hierfür ist wiederum Aufklärung unabdingbar- bereits in Schulen übrigens.

    Gibt es eigentlich irgendein Forum oder eine Plattform von Frauen, die sexuelle Gewalt angezeigt haben – sind diese Frauen irgendwo vernetzt/im Austausch, gibt es hierfür ein (Internet-) Angebot?

    … Ich schrieb übrigens nicht (wie so von jemandem leider aber bereits missverstanden worden), es müssten Unschuldige verurteilt werden, ich schrieb: Es müsste der Fokus mehr auf Täterpersönlichkeitsprofile, gemeinsame Merkmale, Persönlichkeitsstruktur gelegt bzw. die Zusammenhänge zwischen bestimmten Persönlichkeitsstrukturen/-merkmalen und der Neigung zu (sexueller) Gewalt untersucht werden. Ich meine bspw., dass es einen Zusammenhang insbesondere bei narzistisch persönlichkeitsgestörten Menschen und auch sogen. autoritärem Charakter (siehe bei Erich Fromm nachlesbar) gibt. – Es interessiert mich, ob es hierzu bereits Forschung gab oder gibt – offenbar nicht. Das halte ich für fatal. Denn es sind die Täter den Frauen mehrheitlich bekannt, sie stehen miteinander häufig in einem Vertrauensverhältnis und eben dieses (!) macht alles Weitere überhaupt erst möglich … . Und ich denke schon, es könnte – wenigstens einigen – Frauen helfen, hier gewissermaßen vorgewarnt zu sein, wenn man Genaueres wüsste – siehe oben (Zusammenhänge …).

    Über Pornographie und Prostitution müssen wir uns nicht unterhalten – ganz klar sind beide Mittel zu Zweck – um patriarchalische Strukturen (rings um den Globus) zu zementieren, das Machverhältnis zu demonstrieren – aus männlicher Sicht. Natürlich müsste hier Etliches passieren, um dem entgegenzuwirken – insbesondere bereits zu Hause (elterliche Erziehung/Umgang mit Kindern, Väter als Vorbildfunktion …) und dann auch in Schulen. Allein: Dies findet kaum bis gar nicht statt.

    Wertschätzung – ja, eben hierum geht es ja. Zu oft wertschätzen aber gerade Männer und patriarchalisch geprägte Gesellschaften, Kulturen, Frauen gerade nicht (siehe u.a. auch wiederum Porno und Prostitution bzw. Freiertum/”Sex”-/Frauenkauf).

    Und ja, es ist verständlich, dass Geschädigte Abstand bekommen möchten, aber es kann auch eine Menge mit empowerment zu tun haben bzw. solches darstellen, wenn Frauen gerade offen/offensiv nach außen gehen – ich würde mir daher parallel zu “Ich habe nicht angezeigt” “Ich h a b e angezeigt!” wünschen.

    Denn dies könnte andere Frauen ggf. bestärken, ermutigen, selbst auch anzuzeigen und vor allem wäre es wichtig, dass die angezeigt habenden Frauen sich untereinander/miteinander austauschen, vernetzen, in Kontakt treten könnten – ich habe bisher nichts dergleichen finden können. Und halte das für eine eigentlich unverzeihliche Lücke.

    Nach wie vor finde ich erforderlich, dass es Studien und Information dazu gibt, welche und wieviele Anzeigen aus welchen Gründen jeweils zu Verurteilungen von Tätern führten und welche aus welchen Gründen nicht.
    Doch, ich bin mir ziemlich sicher, dass man das eruieren könnte, man will es allerdings nicht (jedenfalls es nicht öffentlich machen), um Frauen nicht abzuschrecken, Anzeige zu erstatten – denn wir wissen ja eigentlich durchaus bereits, dass im Grunde so ziemlich alle Anzeigen gegen sexuelle Gewalt innerhalb von Beziehungen so gut wie keine Aussicht auf “Erfolg”, d.h. auf Täterverurteilung haben – was bedeutet: Gerade da, wo sexuelle (und andere) Gewalt am häufigsten stattfindet, bleiben die Täter fast ausnahmslos unbehelligt.

    Ja: Das müsste sich dringend ändern – lassen. …

    Was die Resozialisierungsmöglichkeiten von Tätern anbetrifft, bin ich wenig optimistisch – es müsste hierfür ja ein erheblicher Gesellschaftsumbau stattfinden, d.h. das Frauenbild ungezählter Männer (in Deutschland wie auch global) müsste gravierend different sein bzw. werden vom aktuell nach wie vor doch gängig verbreiteten (siehe belegt durch all den stets gegenwärtigen Sexismus, durch Pornographie und “Sex”kauf/Freiertum, durch generell noch immer massiv verbreitete Misogynie).
    Und siehe eben, dass ich ziemlich überzeugt bin, dass Täter ein bestimmtes Persönlichkeitsprofil haben/aufweisen (eben bspw. narzisstisch persönlichkeitsgestört sind und einen autoritären Charakter “haben” bzw. ein solcher Typ sind – wie oben bereits erwähnt; autoritärer Charakter hier basierend auf der Definition von Erich Fromm verstanden).

  33. @Line, das stimmt so einfach nicht. Die DDR war ein Land, in dem über sexuelle Übergriffe jeglicher Art nicht oder nur hinter vorgehaltener Hand geredet wurde. Jeden Tag auf der Straße bin ich durch Spaliere von Bauarbeitern gegangen, die dir hinterhergepfiffen oder dämliche Bemerkungen gemacht haben. Ich habe es gehasst, normale Reaktionen der Frauen um mich herum: stell dich nicht so an/nicht so schlimm/sei froh dass du hübsch bist/zieh den langen dicken Pullover an… Eine Freundin von mir wurde im Hausflur direkt vor ihrer Wohnung fast vergewaltigt (ihre enge Jeans ging nicht runterzuziehen, Glück gehabt). Mutter-/Großmuttergeneration hing der “Triebtheorie” an: Männer sind nun mal so. Öffentliche Diskussionen gab es nicht. In unserem Viertel am Wald gab es wahrscheinlich mehrere Überfälle und auch Morde, aber es kamen immer nur Gerüchte auf, weil niemand wusste, was genau passiert war. Wenn alles totgeschwiegen wird, sieht es aus, als ob nichts passiert ist. Damit wirkte auch alles viel sicherer, als es in Wirklichkeit war. Häusliche Gewalt: Wurde nicht angezeigt. Familien, in denen häufig Gewalt vorkam, galten schnell als “asozial”, die Kinder kamen ruckzuck ins Heim (kam in meinem Viertel vor). Mein Großvater war hoher Funktionär, hat meine Großmutter geschlagen und sexuell bedrängt, meine Mutter rief die Polizei, die kam – es gab eine Ermahnung, wurde nicht weiter verfolgt. Diskutiert wurden solche Sachen höchstens inoffiziell in kleinen Frauenkreisen, dadurch gab es auch keine Besserung im öffentlichen Raum. Weibliche Jugendliche, die Probleme machten (weil sie in der Familie misshandelt, missbraucht, vernachlässigt worden waren) landeten ganz schnell in Werkhöfen und wurden im Hinblick auf ihre “sexuelle Verwahrlosung” in allen möglichen Hinsichten schlecht behandelt. Bei Prävention/Intervention von sexueller Gewalt war die DDR nun wirklich kein Vorbild.

  34. @vuk

    Bei Prävention/Intervention von/bei sexueller Gewalt war die DDR kein Vorbild, da hast du recht. Ich denke aber, dass das Versagen des Staates im Bereich Gewaltprävention seine Ursache nicht in dem Wunsch hatte, das klassische Herrschaftsverhältnis der Geschlechter fortzuführen. Es war eher die DDR-übliche idiotische Strategie der Realitätsverleugnung (Gewalt passt nicht zum sozialistische Menschenbild, also tun wir einfach so, als gäbe es in der DDR sowas nicht…).
    Dennoch: Von dem Verbot von Prostitution und Pornographie habe ich als Mädchen und junge Frau in Sachen Selbstwertschätzung sehr profitiert. Diese Arten der Demütigung von Frauen waren mir völlig unbekannt, ebenso wie die Vorstellung, dass Frauen nicht ebenso wie Männer berufstätig sein sollten. Ich hatte mich kürzlich mal mit ein paar Jugendfreundinnen drüber unterhalten, die empfanden es ähnlich.

    Viele Grüße!

  35. Ich wünschte mir, dass alles in Ordnung ist, ich merkte aber, es ist nicht so.
    Ich wünschte mir, sofort von dort weg zu kommen, aber dem war nicht so.
    Ich wollte wissen, warum ich nirgends mehr sein wollte, wo es Pflichten und Strafen gab, warum es mir Angst macht, doch ich verstand es nicht.
    Ich wünsche mir Orientierung, aber ich verliere diese immer mehr.
    Ich wollte all das haben, was andere glückliche, mutige, entspannte und lebhafte Kinder hatten, aber ich konnte es nicht herbeizaubern.
    Die Konfrontation mit weiblichen und männlichen Anzeichen sollten nicht mehr existieren – für mich nie wieder, aber auch die Konfrontation damit blieb mir nicht erspart. Egal bei welchem Lebewesen.
    Ich bin eine Seperierte.
    Früher durch die Täter, dann durch die Gemeinschaft und jetzt durch mich selbst.
    Alle reden von Teilhabe, doch wird man ständig abgewendet und erfährt immer wieder das selbe. Zu viel, zu anders, zu still, Narben am Körper, spricht nicht gut, weint zu viel, grenzt sich nicht gut ab, setzt sich nicht durch, hat zu viel Angst, braucht zu viel Ruhe, erträgt keine Veränderungen, hat kein Selbstbewusstsein, braucht zu viel Erholungszeiten…..ich könnte so weiter machen.
    Bin nicht zu gebrauchen. Nicht gesellschaftsfähig. Kann mich nicht schützen, breche daran zusammen. Kostet alle Kraft. Panik schaltet sich immer häufiger ein.
    Tatsächlich wünsche ich mir nichts sehnlicher, als endlich ein wohlwollenden Schutzraum, wo ich so sein darf wie ich einfach bin, wo ich das leben darf, was ich doch schon gut kann, wo ich die Hilfe bekomme, die ich brauche, ohne Besserwisserei von ach so klugen Therapeuten, die mich fragen was mir hilft und die dann bei der Antwort mit dem Kopf schütteln. Das wäre für mich eine Teilhabe. Die wissen nicht, was mich zu der Person gemacht hat, die ich heute bin. Ich habe nicht mal für alles Worte, für das, was ich erlebt habe. Ich wünsche mir ein NICHT festgefahrenes Hilfesystem. Nicht jeder Mensch braucht die gleiche Hilfe. Ein Mensch mit Bandscheibenvorfall braucht andere Hilfen als ein blinder Mensch mit schweren Verbrennungen. Genauso sollte man im psychischen Bereich schauen, doch kann ich es nicht erkennen. Heute habe ich Angst ambulante Betreuung anzunehmen, da ich mich scheinbar nicht verständlich mitteilen kann und es immer schief geht. Ich will keine Hilfe mehr, weil es zur Qual wurde. Doch meine Ärztin ist dagegen. Immer nur Kampf. Ich will nicht mehr kämpfen. Ich will nur leben, so wie ich es kann.
    Ich möchte keine Angst vor dem Untergang mehr haben müssen.

  36. Dass mir endlich geglaubt wird! Dass nicht mehr gesagt wird “Ach, dass war doch nichts, Andere hat es viel schlimmer getroffen”! Gerade von Psychologinnen, bei denen ich ungefähr 12-13 Jahre nach der Tat Hilfe gesucht habe, habe ich nur relativierende Aussagen gehört. Auf einer Trauma-Station, in die ich mich einweisen lassen wollte, wurde mir sogar von der Oberärztin ins Gesicht geknallt, dass ich ja überhaupt kein Trauma habe; was ich mich so anstelle; von so was kann gar keine Depression entstehen. Ach ja und das Beste war: “Ich kenne ja 12-Jährige, die hätten sich gewehrt.” (!!!!) Mir wurde also auch noch die Schuld gegeben.
    Zum Glück war ich nach mehrmonatiger Therapie gegen meine schwere Depression so gefestigt, dass ich das überlebt habe. Ich glaube dieser Frau war es scheiß egal, dass sich labilere Menschen vor den nächsten Zug geschmissen hätten. Traurig.

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