Unsere Frage der Woche: Wie stehen unsere LeserInnen zum Recht auf Abtreibung?

Abtreibungen sind in Deutschland verboten – doch nach § 218 und § 219 sind sie unter bestimmten Bedingungen erlaubt: Wenn in einer zugelassenen Beratungsstelle ein entsprechender Nachweis über eine Beratung erhalten wurde – diese Beratungsstellen haben allerdings den expliziten Auftrag, die Frau von anderen Alternativen zu überzeugen, dann eine Frist von drei Tagen verstrichen ist und die Schwangerschaft unter 12 Wochen andauert. Danach ist eine Abtreibung nur bei gesundheitlicher Gefährdung von Mutter und Kind, einer Behinderung des Kindes oder nach einer Vergewaltigung möglich. Dieser eingeschränkte Zugang zu Abtreibungen wurde von der 2. Welle des Feminismus hart erkämpft. Viele Feministinnen wünschen sich ein Recht auf Abtreibung – ein Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das eigene Leben. Väter können jederzeit aus einer Schwangerschaft aussteigen – Frauen opfern im Zweifelsfall ihr ganzes Leben – für ein Kind, das nicht geplant war. Ein Kind ist eine riesige Herausforderung – mit der die Mütter sowohl finanziell als auch in allen anderen Hinsichten allein gelassen werden. Frauen fordern, selbst darüber bestimmen zu können, ob sie ein Kind austragen – und sich das nicht durch Staat und Kirche vorschreiben zu lassen. In den USA und Europa sind allerdings konservative Kräfte auf dem Vormarsch, die das Gesetz verschärfen möchten – in Spanien hatten sie damit bereits Erfolg, bei uns fordert die AfD eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes, damit mehr deutsche Frauen Kinder bekommen.
Was sagen unsere LeserInnen dazu? Sollte es ein generelles Recht auf Abtreibung geben?

5 Kommentare

  1. Grundsätzlich halte ich die zur Zeit eingeräumte, beschränkte Möglichkeit für einen brauchbaren Kompromiss. Ich durfte oder musste von dieser Möglichkeit schon Gebrauch machen und in der obligatorischen Beratung hatte ich nicht im Geringsten den Eindruck, dass ich gehindert werden sollte, den Eingriff vorzunehmen. Ganz im Gegenteil: Gerade beim letzten Mal, als ich diese Beratung leider in Anspruch nehmen musste, handelte es sich um eine Art „Zwangsabtreibung“ – d.h. ich fühlte mich aus Gründen häuslicher Gewalt und einer krassen wirtschaftlichen Schieflage gezwungen, ein eigentlich gewünschtes Kind nicht austragen zu können. In diesem Fall habe ich begrüßt, dass es die Beratung gab und ich gemeinsam mit einer Psychologin darüber sprechen konnte. Das half bei der Entscheidung, die ich gegen meinen eigenen Willen forcierte.
    Das ist auch meine Befürchtung in der gesamten Diskussion. Warum nicht sollte es eine psychosoziale Instanz geben, die Frauen Hilfestellung bietet – bei einer Entscheidung, die, egal wie sie getroffen wird, ein Leben verändert. In anderen teilen der Welt werden Frauen zur Abtreibung gezwungen – auch hier bei uns können wirtschaftliche oder familiäre Zwänge quasi zu Zwangsabtreibungen führen. Damit Frauen die entscheidung für oder gegen ein Kind treffen können, ist ein Netzwerk der Beratung gut und richtig. Und ja: Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper steht über allem.
    Meine Empfehlung: Das jetzige System urteilsfrei auswerten und dann von diesem relativ entspannten Standpunkt über Änderungen nachdenken. Entkriminalisierung: ja. Selbstbestimmung vor Lebensrecht des Kindes: ja. Beratung: in jedem Fall, kosten- und wertungsfrei. Das jetzige Gesetz ist aus feministischer Hinsicht ungeschickt formuliert, der Schutz des Lebens zu hoch bewertet. Im Grundsatz steht uns aber das Recht zum Abbruch offen, und es wird keineswegs so strikt gehandhabt wie in feministischen Kreisen oft behauptet.

  2. Not the church, not the state, Women have to fate!

    Den Schwangerschaftsabbruch überhaupt im Strafgesetz zu erwähnen ist eine Unzumutbarkeit und resultiert alleine aus dem Verlangen des patriarchalen Staates nach möglichst vielen Soldaten und Müttern von Soldaten für das herrschende Regime. Heute will der westliche Staat vermutlich eher unbegrenzten Wachstum an Arbeitslosen, Steuerzahlerinnen (was wegen der Arbeitslosen schon nicht funktionieren kann) und generell eine möglichst hohe Überbevölkerungszahl. Die religiösen Zeloten und Frauenfeinde scheinen mir ein eher neueres Problem in dieser Frage zu sein.

    Es muss auf jeden Fall das Ziel erreicht werden, dass alleine die Frau über ihren eigenen Körper bestimmen darf. Ausnahmen sind selbstverständlich bei psychischen Problemen und daraus resultierender Selbstverstümmelung zu machen. Die würde aber keinesfalls je die Schwangerschaft betreffen, denn eine Frau zu zwingen einen Menschen zu schaffen ist ihr in einer psychisch labilen Situation sowohl physisch als auch psychisch gesundheitlich nachteilig.

    Das Verbot des Schwangerschaftsabbruchs muss also komplett aus dem Strafgesetzbuch entfernt werden! Da gibt es keine Kompromisse. Als positives Beispiel, wie dies gestaltet werden kann, muss man auf Canada verweisen. Es geht die Regierung schlicht nichts an, ob eine Frau ein Kind bekommen will oder nicht.

    Eine Frau zu zwingen ein ungewolltes Kind unter prekären Bedingungen aufwachsen zu lassen, ist nicht nur misogyn, sondern zeugt auch davon, dass es völlig an emotionaler Intelligenz und Mitgefühl mangelt.

  3. Noch etwas: Eine psychologische Beratung (von Beraterinnen, die keine Zeloten sind) sollte für jede Frau, die sich nicht sicher ist, möglich sein und natürlich, wie die Abtreibung selbst, von den Krankenkassen bezahlt werden.

  4. Ich finde, dass Abtreibung nicht strafbr sein darf, da es für die Frau schon Strafen genug ist, abzutreiben.Ich fordere aber zusätzlich noch finanzielle und rechtliche Sicherheit/Unterstützung für Frauen, die ihr Kind bekommen wollen, und zwar bis zur Volljährigkeit des Kindes, da ich glaube, dass damit ein guter Teil der Gründe für Abtreibungen entfallen.
    Um das Paket abzurunden, wünsche/fordere ich noch vernünftige Aufklärung über Verhütungsmethoden und entsprechende Unterstützung der Mädchen/Frauen.

  5. Abtreibung ist Sache der Frau. Niemand hat da reinzureden. Beratung ja, aber freiwillig.
    Und die soziale Arbeit der Frauen die ihre eigenen Kinder betreuen muss gut bezahlt werden, damit das aufhört, dass Mütter und Kinder auf Hartz4 oder einen Ehemann angewiesen sind.

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