Unsere Störenfrieda der Woche: Bertha Pappenheim

Bertha Pappenheim

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Bertha Pappenheim wurde am 27. Februar 1859 in Wien geboren. Sie war die Tochter wohlhabender jüdischer Eltern, die Bertha streng nach dem Frauenideal jener Zeit erzogen: Während ihr Bruder das Gymnasium besuchen durfte, musste Bertha sich mit Handarbeiten und dem Haushalt herumschlagen. Als ihr Vater schwer erkrankte, pflegte Bertha ihn. Zu dieser Zeit hörte sie erstmals Stimmen, vernachlässigte sich, hungerte und litt unter Nervenschmerzen und Lähmungen. Der Wiener Arzt Josef Breuer diagnostizierte “Hysterie”, jene damals unter bürgerlichen Frauen verbreitete Pseudoerkrankung, die als Widerstand gegen die aufgezwungenen Geschlechterrollen verstanden werden kann. In der Folge wurde Bertha Pappenheim als “Anna O.” zu Sigmund Freuds berühmtester Patientin.

Als sie mit ihrer Mutter nach Frankfurt zog, änderte sich Berthas Leben grundlegend. Sie engagierte sich zunächst in zahlreichen karitativen Einrichtungen und später gegen die Prostitution und den Frauenhandel, von dem besonders jüdische Mädchen betroffen waren. Sie schloss sich dem Allgemeinen Deutschen Frauenverein an, später war sie Vorsitzende des Jüdischen Frauenvereins. Bertha Pappenheim kritisierte das traditionelle Frauenbild im Judentum und setzte sich mit zahlreichen Schriften für eine vollständige Gleichstellung der Frau ein. In Neu-Isenburg gründete sie ein Mädchenwohnheim für vom Mädchenhandel betroffene Frauen, das sie mit ihrer Freundin Hannah Karminski betrieb. Sie starb 1936. In der “Reichskristallnacht” wurde das Heim verwüstet, Hannah Karminski starb 1942 in Ausschwitz.

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