Unsere Störenfrieda der Woche: Christine de Pizan

Miniatur aus der »Cité des Dames« der Christine de Pisan

Maître de la Cité des dames [Public domain], via Wikimedia Commons

Sie gilt als eine der ersten Feministinnen der Weltgeschichte: die französische Philosophin und Schriftstellerin Christine de Pizan. 1365 in Venedig geboren, kritisierte sie in vielen Werken die Unterdrückung der Frau durch den Mann und die Doppelmoral der christlichen Gesellschaft. Sie war eine entschiedene Gegnerin der Prostitution und widmete Jeanne d’Arc ein Loblied. Ihr berühmtestes Werk ist Le Livre de la Cité des Dames (Das Buch von der Stadt der Frauen).

Zunächst schrieb Christine de Pizan Balladen und Liebesgeschichten – mit dem Einkommen daraus konnte sie alleinerziehend ihre gesamte Familie versorgen.
1399 erschien Querelle du Roman de la rose, als Antwort auf Le Roman de la Rose von Jean de Meung – ein Werk, das wir heute als sexistisch bezeichnen würden. Sie warf dem Autor seine Frauenfeindlichkeit vor und initierte damit einen der ersten Literatenstreite zwischen einem Mann und einer Frau. Sechs Jahre später erscheint das Buch von der Stadt der Frauen, einer utopischen Beschreibung von einer Stadt, die nur von Frauen gestaltet und geführt wird. Darin schreibt sie:

Diejenigen, die Frauen aus Mißgunst verleumdet haben, sind Kleingeister, die zahlreichen ihnen an Klugheit und Vornehmheit überlegenen Frauen begegnet sind.

In ihrer bemerkenswerten Analye führt sie auf, wie die abwertende Meinung von Kirche und Gelehrten das Frauenbild prägten – auch das Bild, das Frauen von sich selbst hatten. In einem Dialog mit Gott erklärt sie, dass Gott die Unterwerfung der Frau, die ebenso sein Geschöpf ist wie der Mann, nicht gewollt haben kann.

Christine de Pizan ragt weit aus ihrer Zeit heraus – in einer Epoche, in der jede Art von feministischem Gedankengut Neuland war, formulierte sie es mutig und schleuderte es ihren Zeitgenossen entgegen.

 

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