Unsere Störenfrieda der Woche: Emma Goldman

Emma Goldman

By T. Kajiwara (Library of Congress[1]) [Public domain], via Wikimedia Commons

Emma Goldman, geboren am 15. Juni 1869 im heutigen Litauen, war eine Feministin und Anarchistin. Sie entwickelte nach ihrer Auswanderung in die USA im Alter von 17 die anarchistische Philosophie in den USA entscheidend mit, was ihr gleich mehrere Gefängnisaufenthalte einbrachte. Auslöser für ihr Interesse am Anarchismus war, dass sie mit ansehen musste, wie vier Anarchisten für die Beteiligungen an der sogenannten Haymarket Affäre mit dem Tode bestraft wurden. In New York verliebte sie sich in ihren langjährigen Lebenspartner Alexander Berkman, der ihre politischen Ansichten teilte. Goldman war Verfechterin der Polyamorie, denn in einer Gesellschaft ohne Herrschaftsverhältnisse kann es auch keine Besitzansprüche gegenüber einem Partner geben. Goldman war der Überzeugung, dass eine Revolution durch Reden allein nicht zu erreichen war, sondern insbesondere durch wirtschaftlichen Protest, direkte Aktion und vor allem den Generalstreik. Dem alleinigen Theoretisieren über eine bessere und andere Gesellschaft stellte sie gegenüber, dass Menschen erkannte Wahrheiten auch im Alltag leben müssen.


Bei einem Streik in einem Stahlwerk 1892 in Homestead nahmen Goldman und Berkman eine führende Rolle ein. Im Verlauf des Streiks kam es zu Gewalttätigkeiten, bei denen mehrere Männer starben.

Emma Goldman war eine furchtlose Frau. Ihren ersten Gefängnisaufenthalt verdiente sie sich damit, dass sie Arbeitslose dazu aufwiegelte, entweder Arbeit oder Brot einzufordern. Sie kritisierte in scharfen und sehr klaren Worten die Zusammenhänge des kapitalistischen Systems, seiner Ausbeutung und Unterdrückung und die Armut derer, die unter seine Räder gerieten. Doch es blieb nicht nur bei Kritik. Immer wieder forderte sie zu Aktionen des zivilen Ungehorsams auf, wobei sie die Anwendung von Gewalt nachvollziehen konnte, sie jedoch als “soziale Erkrankung”, die die ganze Gesellschaft durchdringt, diagnostizierte und deshalb für falsch befand.
Die anarchistische Bewegung im Allgemeinen konnte dennoch von der Gewalt nicht lassen. 1901 schlug ein Attentat auf Präsident William McKinley fehl, Goldman konnte man keine Beteiligung nachweisen.

Ab 1906 gab Emma Goldman die Zeitschrift “Mother Earth” heraus, die das Zeitgeschehen aus einer anarchafeministischen Sichtweise heraus analysierte. Sie betrachtete sich selbst stets auch als Feministin – das war für sie untrennbar mit dem Anarchismus verbunden. Ihr Engagement für Abtreibung brachte sie erneut ins Gefängnis.

Als der 1. Weltkrieg ausbrach, machte sich Emma Goldman in der Friedensbewegung stark. Sie forderte junge Männer auf, die Briefe zur Einberufung zu ignorieren. Landesweit wurden unter J. Edgar Hoover Razzien gegen Anarchisten durchgeführt, er selbst bezeichnete Goldman “als gefährlichsten Anarchisten des Landes”. 1914 wurde ihr die US-amerikanische Staatsbürgerschaft aberkannt und sie wurde nach Russland ausgewiesen.  Die russische Revolution veränderte Goldmans Einstellung zur Gewalt, als der spanische Bürgerkrieg ausbrach, ging sie auch dorthin, um die Revolutionäre zu unterstützen.

Sie starb am 14. Mai 1940 im Alter von 70 Jahren. Noch heute ist sie Vorbild und Heldin nicht nur für viele Feministinnen, sondern auch für viele Anarchisten. Eine Störenfrieda war sie allemal.

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