Unsere Störenfrieda der Woche: Erika Wisselinck

Woman Power Emblem Red

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Die Feministin und Übersetzerin Erika Wisselinck wurde 1984 mit “Frauen denken anders” in Deutschland bekannt. Das Buch gilt als eine der wichtigsten Einführungen in feministisches Denken im 21. Jahrhundert. Darüber hinaus machte Erika Wisselinck sich einen Namen, weil sie die bis dato als unübersetzbar geltenden Werke der US-amerikanischen Radikalfeministin Mary Daly ins Deutsche übersetzte. 1926 im preußischen Görlitz geboren, protestierte sie schon als junges Mädchen gegen das Frauenbild der Nazis, nannte das Klima eine “geistige Ödnis”.  In den 50er Jahren kritisierte sie den Mantel des Schweigens, der in der Adenauer-Zeit über die Vergangenheit im 3. Reich gelegt wurde, arbeitete als Journalistin und Kommunalpolitikerin und später beim Rundfunk. Dabei lernte sie, was es bedeutete, sich in einer “Männerdomäne” Gehör zu verschaffen. Sie setzte sich bereits in den 1950er Jahren für die Emanzipation ein – lange bevor das Thema wieder gesamtgesellschaftliche Relevanz bekam. Als Ende der 1960er Jahre die Neue Frauenbewegung entstand, schloss sich Wisselinck ihr an und gründete unter anderem die “Frauenstudien München”.  Ihr Engagement brachte ihr von männlichen Kollegen beim Rundfunk den Titel “männermordende Emanze” ein. 1973 gründete sie die feministische Monatszeitschaft “Korrenspondenz die frau”, deren Inhalt kostenlos weitergegeben werden durfte – um so die Verbreitung feministischer Diskurse zu erhöhen. Ab 1978 schrieb sie eine zeitlang für die neugegründete Zeitschrift EMMA, doch ein Zerwürfnis mit Alice Schwarzer beendete die Zusammenarbeit. Wisselinck war eine Vertreterin des Differenzfeminismus. Für sie gab es wesenartige Unterschiede zwischen Mann und Frau, die sich ihrer Meinung nach jedoch aus den unterschiedlichen Erfahrungen ergaben. Der Kampf gegen die Natur der Frau war für sie gleichbedeutend mit dem Weg zur Zerstörung von Natur und Umwelt.  Auch beschäftigte sie sich mit der Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit, in deren Gynozid sie Parallelen zum Holocaust beschrieb. Sie starb 2001 auf Madeira.

Gabriele Meixner: „Wir dachten alles neu“. Die Feministin Erika Wisselinck und ihre Zeit. Göttert, Rüsselsheim 2010

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