Unsere Störenfrieda der Woche: Florence Hervé

Florence Hervé (2010)

By Amrei-Marie (Own work) [GFDL, CC BY-SA 3.0 or CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Unsere Störenfrieda der Woche ist die Journalistin und Feministin Florence Hervé, die das Bundesverdienstkreuz am Bande ablehnte. Ihre Begründung war die folgende (Auszug aus dem offenen Brief des Bundespräsidenten in der Jungen Welt vom 03. Juli 2014):

Wichtigste Anliegen waren und sind mir die Emanzipation der Frau, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit, der Frieden und die Solidarität mit den Völkern der Welt, die deutsch-französische Zusammenarbeit, auch im Sinne einer gründlichen Aufarbeitung der NS-Zeit. Dementsprechend habe ich versucht, mich in den vergangenen Jahrzehnten zu verhalten und einzubringen – zumeist gegen die vorherrschende politische Praxis. Das betraf mein Engagement gegen den Paragraphen 218 ebenso wie den Einsatz gegen die von den damaligen Regierungen in Bonn praktizierten Duldungen der faschistischen Regime in Griechenland, Spanien, Portugal und 1973 auch Chile.

Es widerstrebt mir, eine Auszeichnung vom höchsten Repräsentanten eines Staates anzunehmen, dessen Regierungen selten den Eindruck erweckten, an der Beseitigung von Diskriminierung, sozialer Ungleichheit, an dauerhafter Abrüstung und einer friedensfördernden, gleichberechtigten Zusammenarbeit mit anderen Staaten interessiert zu sein. Derzeit nimmt indes beispielsweise die Frauenarmut wieder zu, an Kindereinrichtungen und Kinderbetreuung wird gespart, die Sorgearbeit wird nach wie vor überwiegend von Frauen geleistet, oft unter prekären Bedingungen und gering entlohnt. Kinder werden so zum »Armutsrisiko«, und Alter wird als »Problem« bezeichnet. Zugleich orientiert sich die offizielle Politik in erster Linie an den »Top-Girls« – und eben nicht an der Mehrheit der Frauen. Die wenigen Fortschritte mußten von Initiativen und Bürgerinnen und Bürgern, von Basisbewegungen und Gewerkschaften erstritten werden.

Sie kritisierte weiter die mangelnde Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit, die neue “Familienfreundlichkeit der Bundeswehr, während es weiter Frauen fast unmöglich gemacht wird, Beruf und Familie gleichzeitig gerecht zu werden und kritisierte Auslandseinsätze der Bundeswehr und Waffenexporte. Außerdem, so schrieb sie:

Schließlich möchte ich nicht den Eindruck vermitteln, ich hätte meinen Frieden mit dieser Politik geschlossen.

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