Unsere Störenfrieda der Woche: Josephine Butler

Josephine Elizabeth Butler

By George Richmond (1809-1896) [Public domain], via Wikimedia Commons

Josephine Butler, geboren am 13. April 1828, war eine britische Feministin. Sie setzte sich für die Rechte und den Schutz von Prostitutierten ein. Im Viktorianischen Zeitalter wurde Prostitution als ein notwendiges Übel angesehen, um die überschüssigen Triebe von Männern zu “kanalisieren”. Prostituierte wurden von der Gesellschaft geächtet und diskriminiert – sie galten als “gefallene Frauen”. Durch den Contagious Disease Act konnten Polizisten jederzeit eine Prostituierte festnehmen und sie zwingen, in extra dafür eingerichteten Heimen eine Behandlung gegen ansteckende Krankheiten durchzuführen. Die Polizei benutzte diese Rechte oft für willkürliche und brutale Handlungen, aus denen die Prüderie und Frauenverachtung jener Zeit sprach. Josephine Butler lehnte es ab, die Prostituierten aus sittlichen Gründen zu diskriminieren – sie erkannte klar, dass diese Frauen ein Opfer ihrer Umstände aus Armut und gesellschaftlicher Ignoranz waren.

Bereits in den 1860er Jahren setzte sich Josephine Butler mit ihrem Mann in Großbritannien für eine Abschaffung der Sklaverei ein, da viele britische Adlige in den westindischen Kolonien noch Sklavenplantagen erhielten. Diese wurden schließlich per Erlass in Lohnarbeiter umgewandelt.
Josephine Butler kümmerte sich ehrenamtlich um Prostituierte, die unter schrecklichen Bedingungen mit anderen Ausgestoßenen der Gesellschaft – z.B. den zahlreichen Waisenkindern der Arbeiterklasse – von der Polizei in die “workhouses” gesperrt wurden. Prostitution war für viele Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse die einzige Möglichkeit, zu überleben. Es gab keinerlei öffentliche Fürsorge, keine Arbeitsrechte und keine Gesundheitsversorgung.

Als ihre Tochter durch einen Unfall starb, gründete Josephine Butler ein eigenes Heim und pflegte dort erkrankte Prostituierte.
Sie war eine sehr geschickte und engagierte Aktivistin. So sorgte sie mehrfach dafür, dass Geschichten über den “Frauenhandel” nach Übersee mit dramatischen Schlagzeilen in die Zeitung kamen, um so die Gesellschaft wachzurütteln.

1883 wurde aufgrund ihrer Bemühungen der Contagious Disease Act zunächst ausgesetzt und 1886 vollständig abgeschafft. Außerdem erreichte sie, dass das Alter für eine Heirat von 13 auf 16 heraufgesetzt wurde.

2 Kommentare

  1. Anonymous

    Josephine Butlers Engagement begann, weil sie gegen Zwangsuntersuchungen und strikt gegen die Registrierungspflicht war, die in D gerade neu eingeführt werden, obwohl sogar die AIDS-Hilfe sagt, das sei kontraproduktiv und ein politischer Fehler. Warum verschweigt ihr die Motive von Butlers Arbeit? Sie war auch unbedingt für Berufsrechte für Prostituierte, wie die Feministinnen dieser Zeit fast alle.

  2. IchBinImNetz

    “obwohl sogar die AIDS-Hilfe sagt, das sei kontraproduktiv und ein politischer Fehler”

    Lölchen. Die Aids-Hilfe positioniert sich auch gegen die Kondompflicht. Sollte ich die in der Prostitutionsdebatte also noch ernst nehmen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.