Unsere Störenfrieda des Monats: Sidonia Hedwig Zäunemann

Sidonia Hedwig Zäunemann war eine deutsche Dichterin des. 18. Jahrhunderts. 1711 in Erfurt in eine bürgerliche Familie geboren, zeigte sie sich schon früh widerständig und brach aus den gängigen weiblichen Rollenmustern aus.

Sie lernte gerne und brachte sich selbst Französisch und Latein bei, und das zu einer Zeit, als Bildung für Frauen als etwas höchst Überflüssiges betrachtet wurde. Um unbehelligt reisen zu können, verkleidete sie sich als Mann und ritt zu Pferde.

Sie war die erste Frau, die ein Bergwerk besuchte, damals noch ein mehrstündiges Unterfangen mit gefährlichem Abstieg. Anfangs verfasste sie noch Auftragsgedichte, etwa für Hochzeiten, später aber wurden ihre Gedichte politisch und feministisch.

Sie zeigte sich radikal in ihrer Kritik der Vorherrschaft von Männern und aufgrund ihrer Lebensweise und ihrer hochfeministischen Ansichten galt sie als unkonventionell und Einzelgängerin, was die rebellische Sidonia jedoch nicht davon abhielt, das Patriarchat in all seinen Formen immer wieder zur Zielscheibe ihrer Kritik zu machen. Für ihre scharfe Zunge war sie weithin gefürchtet. Für uns ganz klar eine frühe Störenfrieda!

1738 erhielt sie den Titel Poeta laureata, “kaiserlich gekrönte Dichterin” von der Universität Göttingen. Mit nur 29 Jahren ertrank sie 1740 bei einem ihrer Ausritte. Im Folgenden findet sich eines ihrer bekannteren Gedichte.

Jungfernglück

Niemand schwatze mir vom Lieben und von Hochzeitsmachen vor,
Cypripors Gesang und Liedern weyh ich weder Mund noch Ohr.
Ich erwehl zu meiner Lust eine Cutt- und Nonnen-Mütze,
Da ich mich in Einsamkeit wieder manches lästern schütze.
Ich will lieber Sauer-Kraut und die ungeschmeltzten Rüben
In dem Kloster vor das Fleisch in dem Ehstands-Hause lieben.
Mein Vergnügen sey das Chor, wo ich sing und beten tuhe,
Denn dasselbe wirkt und schafft mir die wahre Seelen-Ruhe.
Will mir den gefaßten Schluß weder Mann noch Jüngling glauben,
Immerhin, es wird die Zeit euch doch diesen Zweifel rauben.
Geht nur hin, und sucht mit Fleiß Amors Pfeile, Amors Waffen,
Und geberdet euch darbey als wie die verliebten Affen!
Dorten stund in einem Carmen auf den Herrn von Obernütz:
Kriegt das schöne Jungfern-Röckgen einen Flecken, Ritz und Schlitz,

So muß auch der Jungfern Glück und die edle Freyheit weichen,
Und dargegen sucht die Angst sich gar eilend einzuschleichen.
Dieser Vers hat recht gesagt, Jungfern können kühnlich lachen;
Dahingegen manches Weib sich muß Angst und Sorge machen.
Kriegt die Noth durch Gegen-Mittel eine Lindrung und ein Loch,
Ey, so währt es doch nicht lange, und man schauet immer noch
Eben so viel Bitterkeit als in Erfurt Mannes Krausen,
Leid und Trübsal, Gram und Pein will die armen Weiber zausen.
Kriegt ein Weib von ihrem Mann manchen Tag ein Dutzend Mäulgen,

Ey! so sagt, was folgt darauf? Über gar ein kleines Weilgen
Brennt des Mannes Zorn wie Feuer, und er schwöret beym Parnaß:
Frau! ich werde dich noch prügeln, oder stecke dich ins Faß.
Dieser Weiber Noth und Pein will ich mich bey Zeit entschlagen,
Denn so darf kein Herzens-Wurm jemahls meine Seele nagen.
Drum so sag ich noch einmahl; Gute Nacht, du Scherz und Küssen,
Ich will deine Eitelkeit bis in meine Gruft vermissen.

(Sidonia Hedwig Zäunemann)

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1 Kommentare

  1. Monika Barz

    herzlichen Dank, ich höre gerne immer wieder von so mutigen Frauen, die vor uns gelebt haben. Mehr davon…. und bringt sie in Geschichtsbücher, Bibliotheken, Partygespräche…, zitiert sie… wo immer ihr könnt.

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