Väterrechte statt Kindeswohl – das 2. Zukunftsgespräch im Familienministerium macht Politik für Väter

Als Familienministerin Barley vor einigen Wochen zum ersten Zukunftsgespräch einlud, schlugen die Wellen hoch, lud sie doch vor allem Väterrechtler und Stiefmütter (!) ein, allerdings niemanden von den Mütterinitiativen – trotz entsprechender Anfragen. Nach der Kritik an ihrer parteilichen Zusammenarbeit mit den Väterrechtlern beeilte sich Barley in einem Interview, zu erklären, dass das „Wechselmodell“ per Zwang mit ihr nicht zu machen sei, relativierte diese Aussage aber in den vergangenen Wochen immer wieder.

Nun stand am vergangenen Mittwoch das zweite Zukunftsgespräch an und diesmal waren, wenn auch auf den letzten Drücker, Mütterinitiativen eingeladen, wenn diese auch nur zwei Tage Zeit hatten, sich einen Babysitter und ein überteuertes Bahnticket zu besorgen. Der Termin war wichtig, für viele Alleinerziehende ist die Frage, wer wie das Familienministerium nach der Wahl gestaltet, wahlentscheidend. Die FDP als möglicher Juniorpartner der CDU macht bereits seit Wochen klar, dass sie das Wechselmodell per Zwang wollen und ihr Klientel unter den Vätern sehen.

Zu diesem 2. Zukunftsgespräch im Familienministerium fanden sich ein: Zwei VertreterInnen von „Mein Papa kommt“, ein Vertreter vom „Bundesforum Männer“, zwei Vertreter vom „Väterzentrum Berlin“, drei Vertreter vom „Väteraufbruch für Kinder“ – durch die Bank eindeutige Väterrechtler, denen es vor allem um die Rechte der Väter geht, eher weniger um Kindeswohl und konstruktive Lösungen.

Das zweite Zukunftsgespräch begann mit einem dramatischen Film, in dem Kinder erklärten, dass sie sich ja nicht scheiden lassen, sondern ihre Eltern. Der Duktus ist klar – hier geht es um das – vom Gesetzgeber ganz bewusst sehr schwammig formulierte – „Kindeswohl“.

Studie “Kindeswohl und Umgangsrecht”

Im Anschluss wurde dann auch die neue Studie „Kindeswohl und Umgangsrecht“ vorgestellt, die in etwa drei Monaten abgeschlossen sein soll. Es wurden etwas mehr Mütter befragt, etwas weniger Väter, das mittlere Alter der Kinder war 7 Jahre. 63% der Fälle waren vor Familiengericht, 41% der Eltern sahen Umgangskonflikte, allerdings nur 34 % ihrer Kinder empfanden das genauso. 72 % der Eltern haben keine Beratungsleistungen in Anspruch genommen. 53 % der beratenen Eltern waren mit der Beratung zufrieden.

Anschließend wurden Erhebungsmethoden vorgestellt: Der SDQ Test, der emotionale Probleme, ADHS, soziale Probleme, Verhaltensauffälligkeiten und prosoziales Verhalten feststellt. Dann das Kompetenzanalyseverfahren (KANN), das Empathie, Freizeit, Leistung und Selbstständigkeit der Kinder erfasst (doppelt so viele Fragen wie SDQ), dann wurde die Lebensqualität erfasst(Schule, Familie, Gleichaltrige), schließlich ein Entwicklungstest von 6 Monaten bis 6 Jahren. Hier ging es um Handmotorik und Grobmotorik.

Diese Studie soll maßgeblich dazu herangezogen werden, zu entscheiden, wann welche Eltern das Wechselmodell auch gegen den Willen eines Elternteils „verordnet“ bekommen. Es ist wichtig, an dieser Stelle die Elternteile zu „gendern“ – der Elternteil, der das Wechselmodell nicht will, ist in den meisten Fällen die Mutter, die meistens auch schon vor der Trennung den größten Teil der Erziehungsarbeit übernommen hat und nach einer Trennung vielleicht gerne wegziehen oder einen neuen Job annehmen möchte, jedenfalls nicht weiter in enger Interaktion mit eben jenem Mann bleiben möchte, von dem sie sich gerade getrennt hat. Genau diese Interaktion sieht das Wechselmodell aber vor.

Das Wechselmodell forcieren wollen auf der anderen Seite vor allem Väter – Väter, die ihre Liebe zum Kind häufig erst nach der Trennung und mit dem Erhalt des Unterhaltsbescheids entdecken. Genau sie hat Frau Barley übrigens am Mittwoch noch einmal gestärkt – mit Steuergeschenken an alleinerziehende Väter. Wer denkt, das sei Satire – falsch gedacht. Für die SPD-Familienministerin kommen Väter zuerst – Kinderarmut und Betreuungsprobleme von Alleinerziehenden (die zu 90 Prozent weiblich sind), interessieren da wenig.

Die Helferindustrie

Auf dem Zukunftsgespräch ging es weiter mit einem Vortrag zu Elternberatungen im Trennungsfall. Eine Status Quo Analyse zeigt, dass die Trennungszahlen weiter steigen, dass die Heiraten weiter zurückgehen, dass die Mütter nach wie vor zu 89 % allein erziehen, wobei die Frage ist, was hier alleinerziehend heutzutage noch bedeutet. Es wurde festgestellt, dass Väter, die in der Beziehung ihre Kinder intensiv mitbetreuen, dies auch danach wollen. Von diesen Vätern gäbe es immer mehr. Es zeigte sich, dass der teilweise Kontaktverlust des Kindes zum Umgangselternteil gar nicht maßgeblich für das Wohl des Kindes ist. Die hohe Belastung der Scheidungskinder erklärt sich vielmehr durch problematische „Coelternschaft“.

Man hat festgestellt: 20 % der getrennten Eltern sind konflikthaft, 30 % kooperativ und 50 % üben parallele Elternschaft aus. Auch bei der paritätischen Erziehung ist es also keineswegs so, als gäbe es keine Konflikte mehr zwischen den Eltern, wie diese Zahlen belegen.

Auch der nächste Vortrag von zwei Jugendamtsmitarbeiterinnen stützte diesen Eindruck und betonte die Notwendigkeit von Beratungen. 1/3 der Trennungsfälle gehen in die Erziehungsberatung. Die unzufrieden Beratenen sind deshalb unzufrieden, weil sie sich mit einem Kompromiss zufrieden stellen mussten, anstatt ihre Wünsche durchzusetzen, so wurde erklärt. Die Beratungen wurden überwiegend empfohlen, selten angeordnet. Es wurde auf die vielen verschiedenen Aufgaben der „überforderten“ Jugendämter hingewiesen.

Das Wechselmodell durch die Hintertür

Der Fokus der ganzen Veranstaltung lag auf den Beratungen, die in immer mehr Fällen verpflichtend sein sollen, um den Weg frei zu machen für das Wechselmodell. Würde nämlich, wie die FDP es fordert, das Wechselmodell per Zwang eingeführt werden, so würde die Belastung der Familiengerichte in das Unermessliche steigen, also versucht man es mit einem „subtilen“ Einstieg: Zwangsberatung für alle streitenden Elternteile, in denen das Wechselmodell als Lösung vorgestellt wird. Wer sich wehrt – in den meisten Fällen die Mütter – wird als Konflikttreiber identifiziert, der dem Kindeswohl entgegen steht, und hat dann die Wahl zwischen „freiwilligem“ Wechselmodell oder dem per Zwang.

Im Februar erst urteilte das BGH, dass das Wechselmodell auch gegen den Willen eines Elternteils durchzusetzen sei, so zu erwarten ist, dass die Kooperations- und Kommunikationsfähigkeiten der Eltern dadurch gefördert werden – weil sie eben miteinander reden “müssen”. Die auf dem 2. Zukunftsgespräch gepriesenen Beratungen sollen genau dafür den Weg frei machen, erzeugen doch auch sie eine Kooperationsbereitschaft, die dann von den Familiengerichten nur noch in das Wechselmodell umgewandelt werden muss.

Gelächter für Mütterinitiativen

Eine mutige Mutter, die an dem Zukunftsgespräch teilnahm, berichtet, dass sie nach der finanziellen Ausstattung während des Wechselmodells fragte. Sie wies daraufhin, dass Mütter durch Babypause und Kindererziehung häufig weniger verdienen als ihre Partner und wie man da einen Ausgleich schaffen kann, um die Lebensverhältnisse im Wechselmodell in beiden Haushalten anzupassen. Sie schlug vor, die Einkommen beider Haushalte zu addieren und dann zu teilen, um für vollständig gleichwertige Lebensverhältnisse in beiden Haushalten zu sorgen. Ihr Vorschlag sorgte bei den Ministeriumsmitarbeitern für Gelächter.

Das Wechselmodell löst Trennungsprobleme für die Kinder nicht – es schafft neue

Das Zukunftsgespräch zeigt, dass ein Übel mit einem anderen gelöst werden soll: Kinder leiden unter Trennungen – das ist unbestritten. Genau dieses Leid soll nun durch das Wechselmodell behoben werden, dabei verursacht das wieder neue Probleme, wie ein Blick nach Frankreich zeigt, wo der Kinderpsychiater Dr. Maurice Berger seit Jahren auf die Folgen des Wechselmodells hinweist. Seine Petition, die einen Vorstoß zum Wechselmodell als Regelfall in Frankreich kritisierte, wurde von mehr als 4.400 Kinderpsychologen, Kinderärzte, Kinderexperten und Kinderpsychiatern unterzeichnet und konnte das Gesetz verhindern. In der Petition heißt es:

„Es gibt beim Kind spezifische, auf die abwechselnde Unterkunft beruhende Störungen, die sich von jenen unterscheiden, die jedes Kind angesichts einer Trennung seiner Eltern empfindet. Nicht alle Kinder in wechselnder Unterkunft zeigen diese Störungen, aber ihr Auftreten ist hoch, statistisch bemerkenswert und dauerhaft.
Bei Kindern unter drei Jahren zeichnen sich diese Störungen durch ein Unsicherheitsgefühl aus gepaart mit einer Verlustangst, die zuvor nicht existierte. Das Kind erträgt das Fehlen der Mutter nicht und wünscht sich, immer bei ihr zu sein, ein Symptom, das vor allem abends vermehrt auftritt. Zudem ein depressives Gefühl mit leerem Blick über mehrere Stunden und gelegentlich ein Verwirrungszustand, das Nicht-Wiedererkennen von Orten bei der Rückkehr zur Mutter, Schlafstörungen, Ekzeme, Aggressivität vor allem gegen die Mutter, die als Verantwortliche der Trennung angesehen wird, Vertrauensverlust gegen Erwachsene, insbesondere den Vater, dessen Gegenwart eine Abwehrreaktion auslöst ; bei einigen größeren Kindern Hyperkinesie mit Aufmerksamkeitsstörungen, die Weigerung sich der geringsten schulischen und familiären Zwängen zu unterwerfen.
Diese Störungen, die sich desorganisiert-desorientierte unsichere Zugehörigkeit bezeichnen lassen, können auch mit psychodynamischer Terminologie beschrieben werden. Sie können mit der Nichtbeachtung eines grundlegenden Bedürfnisses zusammenhängen, dem Bedürfnis nach Kontinuität, wenn das Kind immer wieder mit zwei Arten des Verlusts konfrontiert wird. Durch den Verlust der sicherheitsstiftenden Hauptfigur, der sich zudem regelmäßig wiederholt und sich mit der Zeit verfestigt, kann das Kind diese Figur nur für eine begrenzte Zeit gemäß seines Reifegrades und seiner persönlichen Sensibilität in Erinnerung behalten. Genau wie der Verlust von Orten und Gegenständen, die die materielle Umgebung des Kindes konstituieren, der Hintergrund vor dem sich seine Identität und sein Sicherheitsgefühl bildet und entwickelt.
Die elterliche Psychopathologie kann eine wichtige Rolle in der Entscheidung einer abwechselnden Unterkunft und den daraus entstehenden Folgeschäden spielen. Die Störungen verstärken sich im Falle eines elterlichen Konflikts, der von sich alleine aus eine Quelle für Unstetigkeit und Spaltung im Leben des Kindes darstellt. Unter den vorzeitig auftretenden Spuren, die dauerhaft bleiben, zeigen die Studien die Häufigkeit von Hyperkinesie mit Aufmerksamkeitsstörungen. Der Anstieg dieses Beratungsmotivs lässt sich vielleicht in Verbindung bringen mit dem Anstieg der Zahl elterlicher Trennungen, die junge Kinder betrifft. Winnicott unterstrich seit 1962, dass diese Störung in gewissen Fällen mit einem wiederkehrenden Bruch des eigentlich kontinuierlichen Gefühls zu existieren einhergeht.
Internalisierte bleibende Störungen zeigen sich als Angst, Depression, Hemmungen, die man im Erwachsenenalter als Panikattacken, als allgemeine Angststörungen, als Gefühlskälte, als permanenter Druck und Schwierigkeiten, sich auf eine Beziehung einzulassen. Der therapeutischen Betreuung der kleinen Kinder gelingt es häufig nicht, ein Gegengewicht zur traumatischen Wiederholung des Verlusts von Menschen und Orten herzustellen; sie kann scheitern in Ermangelung einer Veränderung des Unterbringungs-Rhythmus.“

Es lohnt sich weiter, sich einmal anzuhören, was Kinder und Mütter im Wechselmodell in Deutschland aktuell erleben:

„Wegen der hohen Aggressivität des Kindsvaters habe ich später privat Übergabepersonen bezahlt, die das Kind an den Vater zum Umgang übergeben. Dies war regelmäßig ein Fiasko: Die Übergabepersonen konnten nicht mit ansehen, wie das Kind bei der Übergabe weinte und sich wehrte und wie unsachgemäß und überhaupt nicht kindgerecht das Baby/Kleinkind behandelt wurde. Als eine Übergabeperson den „Vater“ bat, das lungen-kranke Kind doch bei der Mutter zu belassen, antwortet dieser: „Atmen kann es auch mit mir im Cafe“. Alle Stellungnahmen und eidesstattliche Berichte der privaten Übergabepersonen brachten kein Einsehen von Gericht, gerichtsnahen Institutionen und Jugendamt.

Die Situation der privaten Übergabepersonen gipfelte bei einer Übergabe damit, dass der „Vater“ den Ehemann einer privaten Übergabeperson, einen älteren, krebskranken Herrn, auf offener Straße – wohlgemerkt vor den Augen des Kindes – tätlich angriff und die Hand brach. Er warf den Mann auf eine vielbefahrene Straße und ließ ihn dort verletzt liegen. Daraufhin griff der „Vater“ mich auf offener Straße und vor mehreren Zeugen tätlich an. Der „Vater“ wurde vor dem Strafgericht „frei“ gesprochen mit der Auflage eines Schmerzensgeld (ca. 2000 Euro), denn es würde ja ein familiengerichtlicher Hintergrund existieren. D.h. ein „Vater“ muss für seine Gewalt- und Straftaten wohl keine angemessene Strafe befürchten.“ (Quelle: https://muetterimfamiliengericht.wordpress.com/2017/09/11/frederike-naumann-6-jahre-vor-dem-familiengericht-und-kein-ende-in-sicht-mein-fall/)

Eine andere Mutter berichtet:

„Die Kinder lebten in zwei Welten, bei mir mit Erziehung und Verantwortung und bei ihm mit darfst machen was du möchtest.

Zu diesem Zweck war die Zwischenlösung mit der Next sehr hilfreich, die sich sehr um unsere Kinder bemühte, ihnen alles zurecht zu backen und zu kompensieren, da sie ja eine „so böse Mutter“ haben.

Selbst aufgezeichnete Anrufe ‚ich werde dafür sorgen, dass du in der Gosse landest oder dich umbringst und die Kinder zu mir kommen.‘ , ließen den Erziehungsbeistand nicht intervenieren.

Beide Kinder sind mit der Zeit zu ihrem Vater gezogen. Hobbys und altersgerechter Umgang war Vergangenheit.

Mein Sohn ging nach einiger Zeit auf eigenen Wunsch in ein Heim. Anzunehmen, dass er an den Regeln der abermals Neuen gescheitert ist.

Selbstverständlich trage ich als Mutter die Schuld und habe, seit sie bei ihm wohnen, null Information oder Kontakt.“ (Quelle: https://muetterimfamiliengericht.wordpress.com/2017/09/22/eine-entsorgte-mutter-gedanken-zum-wechselmodell/)

Vaterwille statt Kindeswohl

Auch das zweite Zukunftsgespräch war also von einer eindeutigen Parteilichkeit in Richtung der Väterinteressen unter dem Deckmantel des Kindeswohls geprägt. Vorschläge von Müttern wurden ignoriert und „verlacht“ (unfassbar!), das Wechselmodell als DIE Lösung nicht mehr in Frage gestellt, was Frau Barleys frühere Aussagen ad absurdum führt. Das Wechselmodell soll, entgegen ihrer vorangegangenen Aussagen, ganz eindeutig für die SPD zum Regelfall werden. Es ist genau jene Parteilichkeit – auch der Jugendämter, Familienrichter, Verfahrensbeistände und Umgangspfleger – die das Wechselmodell für viele Mütter zu einer Bedrohung machen. In Müttergruppen wird Müttern geraten, vor Gericht und beim Jugendamt auf keinen Fall auf die Gewalttätigkeit ihrer Expartner hinzuweisen, da dies als Beweis für ihre Bindungsintoleranz (d.h. Intoleranz bzgl. der Bindung der Kinder an den Vater) gewertet werden kann.

Alte Rollenbilder in neuen Kleidern – die SPD lässt sich einspannen

Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, dass das ganze Gerede von „moderner Elternschaft“, in die der Vater miteinbezogen wird, ein Backlash gegen Frauen- und vor allem Mütterrechte bedeutet, den die SPD gerade maßgeblich mitgestaltet. Untersuchungen zeigen, dass Trennungen häufiger von Frauen ausgehen. Genau diese Selbstständigkeit, diese Loslösung aus der patriarchalen Kleinfamilie, sorgt für so viel Widerstand. Solange die Kinder innerhalb dieser Kleinfamilie aufwachsen, bleibt die Rollenverteilung so klar wie vor 60 Jahren: Frauen kümmern sich. Kommt es aber dann zur Trennung, fürchtet der Vater den Verlust SEINES Einflusses auf das Kind, d.h. seine Wertvorstellung, seine Prägung, geht verloren, und genau da setzt das ganze Gerede vom ach so notwendigen Vater (sogar für Neugeborene !) und dem Kindeswohl an. Das ganze Ausmaß dieser „Ideologie“ ist den meisten kaum bewusst. Ein Kind/ein Mensch kann nach dieser Lesart nur dann ein vollwertiger Mensch werden, wenn es durch seinen Vater dazu gemacht wurde – aber auch nur dann, wenn der Vater das WILL. Will der Vater es nicht, kann die Mutter nach Willen der Politik selbst sehen, wie sie mit Existenzangst und Betreuung fertig wird.

Vater im Familiengericht, dein Wille geschehe

Alles dreht sich ständig nur um den Vater und seine übermächtige Rolle für das Kind und für die Gesellschaft, ganz so, wie es vor 150 Jahren schon war. Die Mütter hingegen können entsorgt werden, insbesondere dann, wenn es schon eine „Next“ gibt, die ihre Rolle übernimmt. Familienministerin Barley lässt sich, ob wissentlich oder aus vermeintlich guten Absichten, genau in diese katastrophale Agenda einspannen und betreibt so eine Politik, die weder fortschrittlich noch am Kindeswohl orientiert ist, sondern stattdessen dafür sorgt, dass alte Rollenbilder in neuen Kleidern mit aller Gewalt forciert werden.

Es läuft darauf hinaus, dass jeder Vater, der das Wechselmodell fordert, dieses auch bekommt, ob das für die Kinder sinnvoll ist oder nicht, wird nicht gefragt, denn jeder Nachteil wird durch den “riesigen” Gewinn des sich kümmernden Vaters aufgehoben.

Mütter müssen laut werden

Es hilft nichts, liebe Mütter. Wir müssen auf die Straße, wir müssen laut werden und uns wehren. Der Umgang mit den Müttern hat die gleiche gesellschaftliche Sprengkraft wie die Forderung auf das Recht nach Abtreibung oder die Verfolgung sexueller Gewalt. Hier geht es nicht um Einzelfälle, hier geht es um lupenreine patriarchale Unterdrückung, deren Mittel massive emotionale Gewalt ist, die sich gegen Mütter und Kinder richtet. Mütter, die in Beratungen und Wechselmodell nicht einwilligen, müssen damit rechnen, das Sorgerecht zu verlieren, auch dann, wenn Gewalt und Vernachlässigung eindeutig zu beweisen sind. Verweigern die Kinder den Umgang, ist immer die “bindungsintolerante” Mutter schuld, nicht etwa der Vater und sein Verhalten. Diese erfundene “Bindungsintoleranz”, die ganz dicht dran ist am bereits mehrfach als unwissenschaftlich entlarvten “PAS” – dem elterlichen Entfremdungssyndrom, führt in vielen Fällen zum Verlust des Sorgerechts für die Mütter.

An vielen Stellen ist die Kooperation der Mütter durch die Angst um den Verlust ihrer Kinder geprägt – ein Angst- und Zwangssystem, das nichts, aber auch nichts, mit fortschrittlicher Familienpolitik zu tun hat.Verfahrensbeistände und Umgangspfleger sind teilweise offen Angehörige von Vätergruppen und machen damit Lobbyarbeit im Familiengericht, ohne, dass der Gesetzgeber dem einen Riegel vorschiebt. Am Rande der Veranstaltung ließ sich eine Familienrechtsanwältin zu der Aussage hinreißen, dass es keinen Grund gäbe, gewalttätige oder sexuell gewalttätige Väter von ihren Kindern fernzuhalten, das würden die Mütter alles nur erfinden. Mit Kindeswohl hat das alles nichts zu tun, wohl aber mit den Interessen der Väter.

[Edit]: Außer den Vätergruppen waren außerdem eingeladen (nochmal namentlich die Organisationen): Drei Vertreter des VAMV (Verband alleinerziehender Mütter und Väter, die Macherin von Mama Berlin sowie je eine Vertreterin von Shia und Famula und vom Netzwerk Mütterinitiativen. Es zeigt sich also ein erneutes Ungleichgewicht bei den eingeladenen Personen zugunsten der Väter, wenn auch nicht ganz so drastisch wie beim 1. Zukunftsgespräch, wobei der VAMV eine “neutrale” Position vertritt und weder eindeutig der Väter- noch der Mütterseite zuzurechnen ist, was bei den Väterverbänden anders ist – siehe auch Kommentare unter diesem Artikel.

13 Kommentare

  1. Bertha Suttner

    Danke für diesen Kommentar, ich bin schon eine alte Mutter und somit in den 80’zigern aufgewachsen, als es weder alles in rosa für mich gab und daneben für Mädchen alles erreichbar schien. Seit 1998 hat sich jedoch der Wind gedreht, zuerst mit der Sorgerechtsreform, an welcher sich die Väter dieser Reform flugs als Anwalt, Ausbilder für Verfahrensbeistände oder Gutachter bereicherten. Und das ging munter so weiter mit Unterhaltsreform und Umgangsrecht etc. Der Aufschrei der Mütter blieb aus, erlären kann ich mir dies nur dadurch, dass Mütter entweder genug zu tun haben, Frauen, welche noch keine Kinder haben, gar nicht wissen, was im schlimmsten Fall auf sie zukommen kann oder in der Presse regelrecht mundtot gemacht werden (kein Interesse der Leser). Damit ist für mich auch diese allgegenwärtige Armutsprostitution verbunden, Frauen werden durch die Banke weg abgewertet und das ist gesellschaftlicher Konsens! Was ist aus uns Müttern und Frauen geworden? Eine kleine Schafherde die folgsam dem Wolf im Schafspelz, den Väterrechtlern folgt?” Eine deren Kinder nur noch Prinzession spielen und in rosa durch die Welt wandeln, am Besten gleich noch mit der rosa Brille, denn auch die Prostitution steht für sie als Beruf wie jeder andere offen.

  2. Danke für diesen super geschriebenen, klaren Artikel, der die Sache und die Misere sehr gut auf den Punkt bringt. Unfassbar diese Heuchelei und diese Verdunklung. Es wird das Autoritäre einmal mehr als Fortschrittlich verhökert. Dank der gut organisieren Väterlobbies, von denen ein Grossteil im Rechtsaussen Lager tätig ist. Sie haben 20+ Jahre an dem Wechselmodell und der Infilttrierung der Gesellschaft und der Parteien gearbeitet und es schliesslich verkauft.

  3. Claudia Bratfisch

    Wenn die Eltern dicht beieinander wohnen, und es keine Gewalt, oder aggressive Auseinandersetzungen vor dem Kind gibt. Beide sich liebevoll um ihr Kind, oder Kinder kümmern, sehe ich darin aus meiner Sicht etliche Vorteile. Unsere Kinder brauchen beide Eltern, wir sind unterschiedlich, sie lernen dadurch mehr, von uns beiden. Sie lernen sich auf andere Menschen einzustellen, was ihnen in ihrem Leben nur Vorteile bringen wird. Gewisse Absprachen müssen natürlich stattfinden. Die Eltern haben zeit sich auch um ihre Belange zu kümmern, sie werden nicht überfordert, wovon Kinder profitieren. Ich befürworte das Wechselmodel als Mutter.

  4. Erschütternd dass Frau Barley mit beiden Beinen in die Jauchegrube der Väterrechtler springt.

    Wollen wir hoffen dass Ihre Lobby-gesteuerte Position morgen durch die Wahl beendet wird!

  5. Mira Sigel, Sie haben einen sehr engagierten Beitrag verfasst. Vielen Dank dafür! Diverse Bedenken sind sehr verständlich und auch nachvollziehbar. Aber Sie machen zu harte Fronten auf, wo Dialog, vielleicht auch Streit um die gemeinsame Gute Sache gefragt wäre.

    Für das Bundesforum Männer ist es ein zentrales Anliegen, sich im gemeinsamen Dialog mit Frauen(organisationen) für egalitärere Geschlechterverhältnisse und damit auch egalitärere Partnerschaften von Frauen und Männern einzusetzen. Dabei bringt es Perspektiven von Jungen, Männern und Vätern ein, ohne diese über die Sichtweisen und Lebenserfahrungen von Frauen zu setzen. Ja, das Bundesforum Männer als Interessenverband befürwortet, dass das sog. Wechselmodell normalisiert wird, d.h. zu einer Option in familienrechtlichen Entscheidungen.
    Ziel ist es insgesamt, dass Frauen und Männer in fairen Anteilen für sich selbst und für Kinder und daneben auch für andere (z.B. die Partner_innen) sorgen und auch sorgen KÖNNEN. Das setzt zeitliche und finanzielle Ressourcen voraus, die ebenfalls fair verteilt sein müssen. Darum setzt sich das Bundesforum Männer z.B. auch für Equal Pay ein, um strukturell Lohngefälle zwischen den Geschlechtern, aber auch zwischen Branchen endlich zu überwinden. Darum will das Bundesforum Männer die Abschaffung von Anreizen wie dem Ehegatten-Splitting. Darum setzt sich das Bundesforum Männer auch für die Kindergrundsicherung ein. Darum will das Bundesforum Männer auch, dass die Elternzeit für Väter ausgeweitet wird. Ja, das Bundesforum Männer tut das im Interesse von Jungen, Männern und Vätern, aber gemeinsam mit Frauenverbänden, Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Akteuren. Das Wechselmodell kann nicht nur für sich allein betrachtet werden, es muss in einem Gesamtkontext gesehen werden. Es geht um eine gesamtgesellschaftlich ausgewogenere Lasten- und Ressourcenverteilung zwischen Frauen und Männern! Lassen Sie uns das doch besser gemeinsam als gegeneinander gestalten.

  6. Bernhard Hügi

    Als aussenstehender Mann durfte ich in den letzten Monaten mit erleben mit welchen ungleichen Spiessen gekämpft wird zum wohl der Kinder oder besser wie ungleich die Bedeutung von Mutter und Vater gewertet wird. Wie kann es sein dass das Wort eines Feierabend Vaters mehr bedeutet als, die tägliche Betreuung und Fürsorge einer liebevollen Mutter. Warum muss der Vater seinen Pflichten gegenüber Mutter und Kind nicht nach kommen, so dass die Beiden um jedes Recht und jeden Anspruch kämpfen müssen.
    Machen Mütter so viel falsch dass man ihnen die Kinder weg nimmt.
    Wer bringt ein Kind unter Schmerzen zur Welt.
    Wen erblickt das kleine Kinder meist als erstes.
    Warum werden Väter bemitleidet.
    Warum werden in so wichtigen Besprechung, Mütter einfach vergessen und wenn dann nur in der Minderheit zu gelassen oder eingeladen.
    Einer der Hauptgründe ist sicher das Politik und Gesellschaft von Männer dominiert wird und dabei der Gedanke ans Geld im Fordergrund stehen und nicht das Wohl der Kinder und der Mutter.
    Darum ist es wichtig das Mutter und Kind eine stärkere Stimme bekommen, sie haben. Denken sie an diesen Tagen bei der Abstimmung daran.

  7. ich verstehe nicht, warum stets nur die rechte der väter gestärkt werden, die pflichten jedoch generell nicht gesetzlich verankert werden. der vater darf wenn er will, wenn er nicht will muss er nicht. ohne konsequenzen. der vater meiner kinder hat sich zu 100% aus jedlicher verantwortung gezogen…job und familie zu vereinen gab alltagsstress. da er nicht mehr will sind all seine pflichten zu 100% auf mich übertragen worden. ich wurde nicht gefragt ob ich diese übernehmen will. ich muss. der staat verlässt sich auf die mutterliebe. es gibt durchaus auch fähige väter denen der alltagsstreß einfach zu anstrengend ist. leider funktionieren die wechselmodell gedanken nicht in diese richtung. ich als mutter kann das wechselmodell nicht einklagen. ein unwilliger vater dient nicht dem wohle des kindes. dient denn eine überforderte mutter (arbeiten, kinder, schule, kita, haushalt,…) automatisch dem wohle der kinder?? gesetzlich werde ich gezwungen mich und die kinder zu finanzieren, rechtlich habe ich aber keinen gesicherten zugang zum arbeitsmarkt. das jugedamt sagt, wenn achtung: SIE überfordert sind kommen die kinder eben in ein heim. Niedrigschwellige hilfe wie Haushaltshilfen und Betreuung gibt es schlicht nicht. anderes Thema. ich schließe mich claudia an, gewalt spielt auch bei uns keine rolle und das wechselmodell würde mir die erwerbsfähigkeit ermöglichen. meine kinder sehen ihren vater aktuell 2 tage im Monat. ich lächze nach jeder kinderfreien minute und hasse mich dafür. Vorher hatten wir einen Umgang 14 tägig von do-mo. den kids gings gut. aber einen unwilligen vater kann man nicht zwingen, so unreflektiert und einfach die familienpolitische gesetzeslage.

  8. Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Es müssen mehr Mütter werden, die sich sichtbar machen. Mehr Mütter müssen sich Zeit nehmen für Konferenzen, Veranstaltungen. Leider waren von den wenigen eingeladenen Vertreterinnen von Müttern kaum mehr als die Hälfte tatsächlich gekommen. Das macht es für die wenigen Mütter nicht leicht, sich durchzusetzen, da der eigene Standtpunkt nicht weiter unterstützt wird.
    Bettina Landmesser http://www.netzwerk-muetterinitiativen.de

  9. @Dag Schölper. Ich höre gerne, dass Sie sich für Väterrechte im Sinne eines gemeinsamen einvernehmlichen Sorgens mit gleichen Rechten und Pflichten der Elternteile einsetzen. Wenn es so ist, dann bitte engagieren Sie sich auch im Rahmen Ihrer Väterarbeit für Lösungen:
    -wenn häusliche Gewalt der Grund für die Trennung ist
    -bei sehr kleinen Kindern
    -bei Elternteilen, die keinen Kontakt zum Kind wollen
    -die Frage des Umzugs, z.B. aus Arbeitsgründen.
    Ich bin sehr dafür, dass Väter miteinbezogen werden, wobei ich bei der großen Mehrheit meiner Bekannten sehe, dass die Mütter dankbar für jedes Engagement seitens der Väter sind. Bei den meisten klappt es auch mit dem wechselseitigen Kümmern. Aber ein zwangsweises Wechselmodell für alle inklusive der nichteinvernehmlichen Scheidungen sehe ich mit Sorge.

  10. Nun, Frau Barley wird so schnell keine entsprechenden Gespräche mehr führen und nach dem, was ich hier lesen muss, ist das auch gut so. Warum können Kinder nicht endlich mal ernst genommen werden, wenn es doch angeblich um ihr Wohl geht? Hier sollte zunächst immer versucht werden, den Willen der Kinder zu ermitteln, bei und mit wem sie lieber wohnen möchten. I.d.R, werden es vielleicht beide Elternteile sein, doch wenn das Kind spürbar mit einbezogen wird, dann wird es vielleicht auch weniger entsprechende Störungen entwickeln, wie sie oben durch ein verordnetes Wechselmodell hervorgerufen aufgeführt wurden.

  11. Hallo,

    ich bin jedes Mal aufs Neue geschockt, wenn ich solche Dinge lese. Seit 3 Jahren bin ich vom Vater meines Sohnes getrennt (andere Frauen und vorallem Alkohol). Er hat sich in unserer Beziehung und auch danach nicht um unseren Sohn gekümmert. Dabei war ich, weil selbst Scheidungskind, sehr darum bemüht, daß der Kontakt besser wird. Nun hat er ihn zwei Jahre gar nicht gesehen, obwohl er in der Nähe wohnt.

    Uns geht es gut, wir haben unser Leben neu eingerichtet. Doch da ist diese ständige Angst, mit jeder neuen Frau an seiner Seite, daß er, um nicht als schlechter Vater dazustehen, irgend wann doch an der Tür kloppft. Umgang ist nicht nur sein Recht, welches er nach seinen Launen willkürlich einfordern kann, es ist auch seine Pflicht. Dieser und auch vielen anderen kommt er jedoch nicht nach. Aber als Mutter muß man dies hinnehmen und immer mit der Angst Leben, daß er jeder Zeit die Macht hat unsere Leben komplett aus der Bahn zu werfen.

    Dieses Gefühl der Angst und der Hilflosigkeit nimmt einem ganz viel Lebensgefühl und vorallem Kraft.

  12. Vielleicht wäre es eine Lösung gesetzlich den Eltern vor der Geburt vorzuschreiben sich vertraglich zu einigen, wie denn das Elternsein bei einer Trennung laufen soll. Änderungen jederzeit möglich. Dann wären die Zeiten geregelt, das Finanzielle und alles.
    Allerdings finde ich, dass die Situationen der getrennten Väter und Mütter nicht gegeneinander ausgespielt werden sollte (den Ton in diesem Artikel finde ich hier grenzwertig!). Es gibt hier Ungerechtigkeiten auf beiden Seiten. Väter sind ebenfalls oftmals einer Doppelbelastung ausgesetzt (nämlich, wenn sie gut verdienen, einem anstrengenden Beruf und damit alleinige Zuständigkeit für die Finanzen der Kinder + manchmal der Mutter, und Alleinerziehung der Kinder an den entsprechenden Wochenenden und Ferien). Und es gibt auch Mütter, die sich auf den üppigen Zahlungen der Männer ausruhen (ich spreche aus Erfahrung). Prinzipiell finde ich, sollte auch mal berücksichtigt werden, dass auch Paare, wo beide wenig verdienen, finanzielle Probleme bekommen, die Mütter Vollzeit arbeiten müssen und das Leben stressig ist. Alleinerziehende die keinen Cent mehr für ihre Kinder verdienen müssen (da die Männer zahlen) und außerdem alle zwei Wochenenden und die Hälfte der Ferien frei haben, habens doch durchaus relativ gut (ich hätte gerne mal n Wochenende frei…).
    Und im Übrigen gehören Stiefmütter (darf ich das “!” als “igitt” oder ähnliches werten? Da kotzt dann nämlich mein feministisches Herz über so viel Ignoranz!) dazu. Und übernehmen vielfach Betreuung, Finanzielles usw. und besitzen trotzdem keinerlei Rechte und mit der Anerkennung ist es ebenfalls nicht weit her.
    Natürlich muss der Staat die getrennten Eltern stärker unterstützen, die wirklich schlecht dastehen. Aber es muss auch endlich mit dieser Pauschalisierung aufgehört werden. Väter leisten viel und werden ebenfalls nicht ausreichend unterstütz. Anstatt auf die einen draufzuhauen und die anderen zu glorifizieren, sollte vielleicht mal für Unterstützung BEIDER getrennter Elternteile geworben werden. Für die Kinder (das Wechselmodell halte ich übrigens auch in der Regel für Schwachsinn, aber das pauschale Ausnehmen der Väter auch).

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