Viva la Vagina – oder: Nichts Neues über da unten

Wir wollen den feministischen Diskurs beleben und unterschiedliche Ansätze zur Diskussion stellen. Deshalb erscheinen bei uns regelmäßig Gastbeiträge, die nicht zwangsläufig die Haltung der oder aller Störenfriedas wiedergeben, aber wichtige Impulse für die feministische Debatte geben können.

Es gibt diese Bücher, die total gehypt werden, und wenn man sie dann liest, fragt man sich warum. Das Buch der beiden norwegischen Ärztinnen Nina Brochmann und Ellen Støkken Dahl “Viva la Vagina – alles über das weibliche Geschlecht” ist so ein Buch. In Norwegen ein Beststeller, wurde es nun in 30 Sprachen übersetzt und überall sehr lobend besprochen. Zwei Frauen, die anderen Frauen erklären, wie das mit der Vulva, der Vagina, dem G-Spot und dem Sex ist. Ich war wirklich neugierig. Immerhin sehen wir Frauen unsere Geschlechtsteile ja nicht und in der Tat: Es gibt viele Dinge, die wir nicht wissen. Deshalb: Toll, dass diese beiden Frauen das angehen – und der Erfolg gibt ihnen Recht. Offenbar ist das Bedürfnis von Frauen, mehr über ihre Vagina zu erfahren, auch im Jahr 2018 immer noch riesig.

Das Buch ist leicht und unterhaltsam geschrieben, die Sprache ist frisch und direkt und macht Lust auf das Lesen. Auch die vielen Zeichnungen lockern das Ganze auf. Das macht das Buch für junge Frauen sicher zu einer interessanten Lektüre, für Frauen ab 30 hingegen enthält es wenig Neues. Nicht nur das: Ein paar Mal musste ich sehr schlucken. Die beiden Autorinnen, immerhin Medizinerinnen, machen ein paar ordentliche Verrenkungen, um zu der Feststellung zu kommen, Transfrauen seien Frauen. Das gelingt ihnen, in dem sie zwischen medizinischem, sozialem und psychologischem Geschlecht unterscheiden. Dass Transfrauen aber eben keine natürliche Vagina haben, sondern bestenfalls eine künstlich nachgeahmte, darüber verlieren sie kein Wort. Seufz. Weiter geht es dann mit einem Kapitel, das die Vorteile der Pille besingt und alle Bedenken entkräftet. Hormonelle Verhütung ist super, warum Frauen Depressionen bekommen, das weiß niemand und es handelt sich dabei um bedauerliche Einzelfälle.

Dafür erfahren wir, wie wir das mit dem Analverkehr hinbekommen, was Squirting ist und dass wir keinen G-Punkt haben, obwohl tausende Frauen das Gegenteil berichten. Nun gut. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass irgendwann ein Buch erscheinen wird, dass Frauen und ihre Sexualität ernst nimmt. Immerhin reden dank dieses Buches nun alle über die Vagina und vielleicht entsteht daraus etwas Gutes.

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