“Voll Porno” – warum echte Kerle “Nein” sagen

Buchcover: "Voll Porno!" - Warum echte Kerle "nein" sagen.

Christoph Pahl: "Voll Porno!" - Warum echte Kerle "nein" sagen., Francke, 2010

Männer und Pornos – das gehört doch zusammen, oder? “Alle Männer schauen Pornos” belehrte mich vor kurzem erst wieder ein männlicher Freund. “Die, die behaupten, es nicht zu tun, lügen.” Aha. Da ist sie wieder, diese geheimnisvolle Sexwelt der Männer,  von der wir Frauen keine Ahnung haben. Außer wir sind Prostituierte oder PornodarstellerInnen. Christoph Pahl hat mit “Voll Porno – warum echt Kerle “Nein” sagen”  ein sehr persönliches Buch über seinen eigenen Pornokonsum und seine Erfahrungen damit geschrieben, in dem er aufgrund seiner Arbeit mit Jugendlichen zu dem Schluss kommt, wie sehr Pornos Heranwachsende verändern und was Pornos mit unserem Frauen- und Menschenbild machen  – aber das alles hat mit “echten Kerlen” nichts zu tun.

In der Einleitung schreibt er:

Das ist ganz bewusst ein Buch für “echte Kerle”. Dieses Buch ist für die Würde von Männern und Frauen, für guten Sex, für Männer, die Verantwortung übernehmen, für heile Familien und Beziehungen. Und weil ich für das alles bin, bin ich gegen Pornos.

Pornos haben es längst in die Mitte der Gesellschaft geschafft. Bei Umfrage von Pro Sieben aus dem Jahr 2008 gab 1/3 der Befragten Männer an, täglich Pornos zu konsumieren.  Unter Jugendlichen ist Pornokonsum durch Smartphones und ständigen Internetzugang in den letzten Jahren immer selbstverständlicher geworden – auch wenn viele von “Ekel” sprechen, nachdem sie sich das Material angeschaut haben. Wöhrle zeigt die menschenverachtenden Praktiken der Szene auf und wie sehr gerade Frauen unter den Drehs leiden und ausgebeutet werden – und spricht über seine eigene Betroffenheit bei der Erkenntnis, dass er sich an diesem Leid “aufgegeilt” hat.

Pahl spricht den Leser – Männer – immer wieder direkt an. Sein sehr persönlicher Bericht ist mutig und offen und spricht viele Probleme direkt an, ohne sie politisieren zu wollen. Immer wieder befragt er das Gewissen seiner männlichen Leser und versucht, den Widerspruch, den viele zwischen Pornokonsum und echtem Sex fühlen, greifbar zu machen. Das gelingt ihm auch an vielen Stellen sehr gut, weil es eben ein persönlicher Bericht aus eigener Erfahrung ist. Kritisch an dem Buch ist der christliche Hintergrund des Autors – und dass er aufgrund dessen davon ausgeht, dass Männer und Frauen aufgrund ihres Wesens und ihrer Biologie unterschiedlich sind und daraus auch eine Art Idealisierung “echter” Männlichkeit ableitet, die in der Verstärkung von Geschlechterstereotypen haften bleibt. Immer wieder ist in dem Buch von Gott die Rede und ein ganzes Kapitel widmet sich der Frage, was Gott wohl von Pornos hält und ob sie eine Sünde darstellen, die er vergibt. Das ist eine Sichtweise, die moralisiert und deshalb abzulehnen ist.  Wöhrle stellt an vielen Punkten die richtigen Fragen – er weist auf die gigantische Pornoindustrie hin, die Kunden sucht, die Kunden bewusst abhängig von ihren Produkten macht ähnlich wie Fast Food. Doch die Antwort, Besserung und Vergebung in Gott zu suchen, ist falsch. Pornos sind keine “Sünde”, das ist ein Diskurs, der in in der Auseinandersetzung zu vermeiden ist. Pornos bedeuten Ausbeutung, Erniedrigung und Zerstörung des sozialen Zusammenhalts. Deshalb müssen wir als Gesellschaft sie ablehnen.

“Pornos machen aus mutigen Liebhabern masturbierende Angsthasen”, schreibt er. Er will damit zeigen, dass Pornos nicht nur Frauen erniedrigen und Partnerschaften zerstören, sondern dass sie auch ein falsches Bild von Männlichkeit und Lust vermitteln, der den Männern schadet. Er versucht, den Lesern, stattdessen ein positives Bild von Männlichkeit – dem “starken Beschützer” und so weiter – zu vermitteln. Diese Geschlechterstereotypen sind nur auf den ersten Blick moralisch besser. Sie zementieren patriarchale und diskriminierende Sichtweisen. Keine Frau braucht einen Beschützer und kein Mann muss einer sein. Wir wollen weniger Maskulinität, weniger Feminität sondern stattdessen die Freiheit, dass jeder so sein kann, wie er will. Ohne Zwang, sich aufgrund seines Geschlechts so oder so verhalten zu müssen. Pahl betreibt in seinem Buch eine Art “positiven” Sexismus, den er als Gegenentwurf zur Generation Porno versteht – Motto: “Sei ein echter Mann – und schau deshalb keine Pornos.” Richtig ist: Erinnere dich deiner Menschlichkeit und derer der Darsteller und schau deshalb keine Pornos. Dennoch ist Pahls Buch aufgrund seiner sehr persönlichen Sichtweise ein wichtiger Beitrag zur deutschen Pornodebatte.

Das Buch ist erhältlich bei Fembooks.

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