Von Opfern, Tätern und Erlebenden: Liebe Mithu

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Liebe Mithu,

als dein Buch “Vergewaltigung” erschien, las ich erst die Leseproben und dann das ganze Buch. Viele deiner Aussagen fand ich in ihrer akademischen Distanz zynisch, aber angesichts des aktuellen Trends im gesellschaftlich konformen Feminismus, der alles zu einer individuellen Erfahrung und Einstellungssache macht, eben auch nicht weiter verwunderlich. Als dann aber eine Zeitung nach der anderen und schließlich sogar der Deutschlandfunk nicht nur das Buch, sondern auch deine Vorschläge bei der taz belobten und als Wendepunkt in der Debatte zu Vergewaltigung beschrieben, war mir und vielen anderen klar, dass wir handeln müssen.

Du stehst in der Öffentlichkeit. Du wirst als Expertin zum Thema Vergewaltigung eingeladen und verdienst Geld an dieser Debatte. Du hast also zumindest eine moralische Verantwortung, der du, nicht nur meiner Einschätzung nach, nicht nachkommst, wenn du nicht mehr von Opfern und Tätern sprechen möchtest und anzweifelst, die meisten Täter sexueller Gewalt seien männlich. Natürlich kann man ganz viel dekonstruieren und von anderen Seiten beleuchten und genau das machen Kulturwissenschaftler auch. Wenn dann aber vor lauter Dekonstruktion am Ende nur das persönliche Erlebnis übrig bleibt und die gesellschaftlichen Strukturen völlig verschwinden, dann kann man das vielleicht im Zusammenhang mit einem Drogentrip machen, nicht aber bei einem Verbrechen, das jede dritte Frau in Europa betrifft, und dessen Täter so gut wie immer straffrei ausgehen.

Du schriebst, “Opfer” klänge so passiv. Ich will dir gerne mal was ganz Reales erzählen: Schon vorher hat niemand die Betroffenen sexueller Gewalt “Opfer” genannt, denn das würde ja bedeuten, die Taten anzuerkennen. Die Betroffenen sexueller Gewalt nennt man in der Öffentlichkeit gerne “Schlampe” und “selbst Schuld” und “hat der doch gar nicht nötig”. Ich bin an all den Scham- und Schuldgefühlen, die mir die Gesellschaft nach meiner Vergewaltigung zuwies, fast gestorben, bis mich irgendwann eine Therapeutin “Überlebende” nannte. Da wurde mir klar, dass sie Recht hat. Ich kann die Vergangenheit nicht ändern – aber ich habe sie überlebt und die Zukunft gehört damit mir. Deshalb ist der Begriff “Überlebende” so wichtig und wird von so vielen Betroffenen und Therapeuten verwendet. Er gibt Kraft, ohne die Vergangenheit zu verharmlosen. Wie also kamst du auf die Idee, einen neuen Begriff vorschlagen zu müssen? Ich kann mir das nur damit erklären, dass man mit solchen “Vorschlägen” eben ein paar Interviews und Lesungen bekommt und sein Buch verkauft. Wir leben im Kapitalismus, das ist legitim. Was aber dann auch legitim ist, dass du Widerspruch aushalten musst, vor allem, wenn der von Betroffenen ausgeht, wo es doch gerade dir ein solches Anliegen ist, dass nicht mehr über, sondern mit Betroffenen gesprochen wird.

Wir haben in der vergangenen Woche unzählige herzzerreißende E-Mails von Überlebenden erhalten, die von deinen “Vorschlägen” ebenso verletzt waren, wie ich es war. Aus diesem Grund verfassten wir den Offenen Brief. Wir wünschten uns, dass unsere Argumente in dieser Debatte ebenso gehört werden und deine “Vorschläge” nicht zum Status Quo werden. Erst hast du das ignoriert. Dann schriebst du uns einen Kommentar unter unseren Brief, in dem du dich für die Diskussion bedankt hast. Als dann EMMA unseren Protest aufgriff und die Öffentlichkeit, der diese Diskussion bekannt wurde, wuchs, drehte sich das Blatt. Auf einmal drohtest du uns mit rechtlichen Schritten.

Du, als Expertin zum Thema Vergewaltigung, möchtest also von sexueller Gewalt Betroffene und ihre Unterstützerinnen verklagen, weil die deine Meinung nicht teilen und das öffentlich machen? Dabei bist du es doch, die die “Opfer” auffordert, aktiv zu werden, sich das Erlebte anzueignen, aber dann bitte nur in der Art, wie es dir passt? Wie übergriffig, anmaßend und unfassbar unverschämt ist das? Du beanspruchst die Öffentlichkeit für dich, verwehrst sie aber all den Opfern, die den Begriff “Erlebende” kritisieren?

Mit dem gewachsenen Interesse der Öffentlichkeit wurden auch Leute auf das Thema aufmerksam, die wir sehr gut aus all den Hassmails kennen, mit denen wir tagtäglich überschüttet werden: Der rechte Mob. Weder haben wir das initiiert noch beabsichtigt, sondern es sind dir viele Unterzeichnerinnen des Briefs in den Kommentarspalten gegen diese brauen Hasswelle sogar zur Seite gesprungen.

Und was machst du? Anstatt die Täter zu benennen, den rechten Mob, gibst du uns, den Störenfriedas und den Unterzeichnerinnen des Briefes, die Schuld. Du benutzt genau den Opferdiskurs, den du doch für Vergewaltigungsopfer so sehr ablehnst, um dich zum Opfer zu machen – unserem Opfer.
Ja, Mithu. Du bist ein Opfer. Ein Opfer rassistischer Gewalt und Vergewaltigungsandrohungen im Netz. Da das etwas ist, was wir, als nicht gesellschaftskonforme, radikale Feministinnen tagtäglich erleben, gilt dir in dieser Hinsicht unsere Solidarität und unser Mitgefühl. Unsere Kritik gilt den von dir in deiner Position vorgetragenen Vorschlägen, nicht dir als Mensch.

Aber du bist ganz sicher nicht unser Opfer. Wir, all die Unterzeichnerinnen des Briefes und diejenigen, die Betroffenen helfen, haben deine “Vorschläge” als sprachliche Gewalt erfahren und das benannt, in einem offenen Brief, der legitimen Ausdrucksform öffentlicher Anliegen in einer freien Gesellschaft. Du willst uns diese Freiheit nicht zugestehen, uns einschüchtern, zum Schweigen bringen. Von “Falschbeschuldigungen” sprichst du. Gerade du als Expertin für die kulturelle Deutung von Vergewaltigung solltest wissen, wie sehr dieses Wort aufgeladen ist. Es wird benutzt, um Opfer von Vergewaltigungen zu diskreditieren. War es ein Zufall, dass du dieses Wort gewählt hast, oder Absicht?

Deine Attacken gegen uns können wir nur so interpretieren: Du willst uns, die Überlebenden, die Unterzeichnerinnen, die Opferverbände zum Schweigen bringen, weil sie dir schaden, deiner Öffentlichkeitswirksamkeit, deinem Buch, deinem Anspruch auf Wahrheit und am Ende wohl auch deinem Geldbeutel.

Du schreckst davor zurück, die echten Täter zu benennen, die rechten Schaumschläger, du willst dich mit dem rechten Mob nicht anlegen, stattdessen stellst du es in deinen seither erschienen Artikeln so dar, als sei der offene Brief der Auslöser für die Hetzjagd auf dich geworden. Weder gehören Rechte zu unseren Lesern noch zu unseren Followern, wir begegnen ihnen nur, wenn wir mal wieder was gegen die AfD oder die Väterrechtler schreiben und sie uns dann mit Tod, Vergewaltigung und Verbrennen drohen. Der offene Brief wurde am Samstag veröffentlicht, und erst ab Mittwoch, als bereits viele andere Medien auf ihn aufmerksam gewoden waren, begannen die Attacken gegen dich. Womit sollen wir die ausgelöst haben? Mit unserer Kritik an deinen Vorschlägen? Das ist absurd – und falsch und  kommt dem Rufmord an uns und allen Unterzeichnerinnen gleich.

Wer die Sprache definiert, definiert wie wir denken und handeln. Wir brauchen den Begriff “Überlebende” und auch den Begriff “Opfer”, um das, was uns passiert, überhaupt ausdrücken zu können. “Erlebende” ist zufällig, er ist falsch und wer sich mit so einem Thema in die Öffentlichkeit begibt, muss mit Kritik rechnen. Statt dich unserer Kritik zu stellen, drohst du uns erst mit Klage und versuchst nun mit deinem neuesten Artikel in der Huffington Post die Sache auch noch so zu drehen, als seien wir schuld an den Angriffen gegen dich. Ich kann nur erahnen, dass dir leider durch die hässlichen Erfahrungen der letzten Tage selbst klar wird, warum der Begriff “Opfer” wichtig ist, sonst hättest du diesen Artikel in der HuffPo nicht verfasst. Ich hätte mir gewünscht, dass wir uns in einer offenen Diskussion begegnet wären, in einem Beitrag von dir, auf den offenen Brief, einer Erklärung, vielleicht auch einer Entschuldigung, die den Weg freigemacht hätte zu einer gewachsenereren, zu einer gerechteren Debatte, in der sich alle gehört fühlen, insbesondere die, die von deinem Auftreten und deinen “Vorschlägen” vor den Kopf gestoßen waren. Stattdessen wurde uns und auch dir diese Debatte jetzt durch den braunen Mob entrissen, worum es dir, uns und den Unterzeichnerinnen ging, spielt schon überhaupt keine Rolle mehr.

Wir sind nicht Schuld, Mithu. Und die Öffentlichkeit gehört nicht dir. Jeder kann sie erreichen und seine Meinung kundtun, und wenn es viele gibt, die sich dieser Meinung anschließen, dann erreicht das eine Wirkung und dann kommen auch die braunen Kriecher aus den Ecken, für die Frauen ohnehin nur Mittel zum Zweck sind, außer es vergreifen sich “Fremde” an “ihren Frauen”.

Anstatt uns zu beschuldigen, denk doch mal darüber nach, wie sich all die fühlen, die deine Artikel gelesen haben, all diejenigen, die noch immer in Angst leben, die mit Schuld und Scham leben. Während du auf Lesereise durch das Land tingelst, verweigern Krankenkassen unzählig vielen Opfern die bitter notwendigen Therapien, weil es an Geld mangelt, werden nur 8,1 Prozent aller angezeigten Vergewaltiger überhaupt verurteilt. Sexuelle Gewalt ist kein Spielplatz, auf dem man einfach mal lustig Begriffe umdeuten kann und schaut, was dann passiert. Sexuelle Gewalt ist einer der Hauptkriegsschauplätze unserer Gesellschaft, hier geht es um Existenzen, Seelen, Körper, um das Überleben und auch um die Deutungsmacht. Wenn du sprichst im öffentlichen Raum, dann hast du eine Verantwortung für das, was du sagst, und wenn du keinen Beifall, sondern sogar Kritik dafür bekommst, dann verhalte dich wie eine Erwachsene, ruf nicht wie auf dem Spielplatz den zwar großen aber in diesem Falle handlungsunfähigen Bruder (“rechtliche Schritte”) und stell dich der Kritik, die Betroffene an dich richten, ohne sie mit Klagen bedrohen zu wollem.

Und wenn du Opfer wirst, dann benenne die Täter, die Bullys, die auf dich losgehen und werde nicht stattdessen selbst zum Bully, der die Chance in der allgemeinen Aufregung nutzt, unliebsame Kritiker wie uns zum Schweigen zu bringen und den Diskurs wieder an dich zu reißen, in dem du dich ausgerechnet zu unserem Opfer erklärst und damit unsere Kritik an deinen Vorschlägen zu diskreditieren versuchst. Wir lehnen die rechte Vereinnahmung unserer Kritik ab, wir lehnen die rassistische und sexistische Gewaltsprache ab, die dich trifft, wir lehnen es aber auch ab, von dir durch den Schmutz gezogen und verleumdet zu werden, in dem du uns öffentlich mit den Rechten in Verbindung bringst, wir lehnen es vor allem ab, von dir zum Schweigen gebracht zu werden, durch Einschüchterung, Drohungen und was eben sonst noch so zur Verfügung steht. Sicherlich nicht zufällig prügeln jetzt genau jene deiner Freundinnen auf uns ein, denen unsere Kritik an der Sexindustrie nicht passt. Ist das jetzt eure Abrechnung mit uns weil wir Prostitution abschaffen wollen?

Es wird dir nicht gelingen. Geh rechtlich gegen all die vor, die dir Vergewaltigungen wünschen, da liegen Straftaten vor, wenn dein Vorschlag “Erlebende” zu sein dann wieder zu einem verbalen Bumerang in dieser Debatte wird, stehen wir an deiner Seite. Gehst du rechtlich gegen uns vor, dann wirst du dich nicht nur lächerlich machen, weil wir nun mal in einem Land leben, in dem das Recht der Meinung gilt, du wirst auch eine Art neuen Streisand Effekt erreichen. Du wirst uns, ein kleines, ehrenamtliches Projekt bekannt machen, vor allem aber wirst du bekannt werden als die Fachfrau zu Vergewaltigung, die Vergewaltigungsopfern gerne mal mit rechtlichen Schritten droht, wenn sie sich nicht so verhalten, wie sie sich das vorstellt. Was denkst du, wie sich das auf deinen Status, deine Buchverkäufe, deine Popularität auswirkt?  Sei dir sicher, wir weichen nicht. Wir stehen zu dem Offenen Brief und zu allen Unterzeichnerinnen, wir stehen für sie ein und gegen alle, die versuchen, Vergewaltigung sprachlich oder anderweitig zu verharmlosen. Jetzt, und in Zukunft. Wir stehen ein gegen alle, die Vergewaltigungsdrohungen nutzen, um Frauen im Netz zum Schweigen zu bringen. Die Zukunft gehört uns, den Überlebenden. Denen, die sexuelle Gewalt überlebt haben, körperlich und seelisch und die nicht mehr ändern können, wie in der Vergangenheit mit ihnen umgegangen wurde und wie über sie gesprochen wurde, wohl aber, wie sie in der Zukunft benannt und wahrgenommen werden.

15 Kommentare

  1. Ich frage mich wirklich, ob ihr den Artikel von Mithu Sanyal in der Huffington Post wirklich gelesen habt. Darin entschuldigte sie sich doch, wenn sie Menschen verletzt hat und sie schreibt keineswegs, dass der Begriff abgeschafft wird. Stattdessen entstand der Begriff Erlebende doch innerhalb eines Diskurses mit Betroffenen. Kritik ist gut und richtig und der Begriff kann auf jeden Fall diskutiert werden, aber Mensch sollte sich schon richtig zuhören/lesen..

  2. Danke, Mira. Ich unterschreibe jedes Wort von dir. Rechtliche Schritte…? Ich schreibe besser nicht, was ich von dieser Art des Diskurses und des Umgangs mit abweichenden Meinungen denke.

  3. D’accord mit allem. Man weiß gar nicht, ob man lachen oder weinen soll.
    Danke für eure Standfestigkeit.

  4. Kann ich nur voll unterschreiben liebe Störenfriedas ! Nur nicht unterkriegen lassen von diesen übergescheiten Theoretikerinnen, die, wie Ihr haarscharf analysiert, nur ihr Buch verkaufen wollen ! Keine Solidarität mit diesen verkopften Wortklauberinnen !
    Ja auch ich bin eine stolze Überlebende ! Meine Geschichte verfasste ich als multimediale Liveperformance “Vergewaltigung ? Kurzer Prozess ! Schmerzensgeld 14.000.-Dm(7500.-EUR) ! “, ein Tatsachenbericht der Vergewaltigung als Autostopperin in Italien 1984, endete mit dem GEWONNENEM Prozess ! Im Jahr 1997 führte ich die Performance das bisher einzige Mal in Berlin auf Einladung von “LARA, Verein gegen sexuelle Gewalt an Frauen + Mädchen” und MediKultCrew im Freizeitzentrum Marzahn auf ! Wenn Ihr Interesse habt, ich komme gern ! Es ist ein Powerstück und erzählt auch von der tollen Solidarität und Unterstützung der italienischen Frauen und der bekannten Rechtsanwältin Tina Lagostena Bassi aus Rom, die die Verteidigungsstrategie des Vergewaltigers zerpflückt !
    Alles Gute wünscht Euch herzlich
    Christa Biedermann

  5. Danke liebe Störenfriedas! Für den offenen Brief, für sämtliche Analysen und Stellungnahmen, fürs Dranbleiben und fürs Aushalten.

  6. Inge Kleine

    Vielen ist vermutlich gar nicht klar, was in diesem Streit überhaupt passiert ist und welche Ebenen hier ineinander geworfen werden.
    Im Moment stehen die rassistischen und frauenverachtenden Angriffe auf Mithu Sanyal, die ein Mob aus Rechtsextremen und Maskulisten (deren Verbindungen längst recherchiert sind) samt Unterstützerinnen losgetreten hat, im Vordergrund. Diese Angriffe sind abscheulich.
    Die Ursache für diesen Mob und diesen extrem gewaltbesetzten Shitsturm liegt weder im Offenen Brief der Störenfriedas noch in Mithu Sanyals Äußerungen. Sie liegt in der Existenz von Leuten, die _alle_ Frauen im Netz verstummen lassen will, und es ist ihnen egal, was sie gerade dafür nutzen.
    Dieser grundlegende Blick auf das Geschehen, einer aus feministischer Perspektive, fehlt Sanyal und ihren Freundinnen, wenn sie nun die Störenfriedas (oder EMMA) für das Verhalten dieses Mobs verantwortlich machen wollen. Sie tragen zum Effekt bei, wenn sie praktisch verlangen, dass Kritik an ihren Äußerungen unterbleiben muss, jedenfalls bei diesen beiden, weil es Nazis und Maskulisten gibt.
    Und es passt zur üblichen Strategie – das Feld Feminismus für sich alleine beanspruchen. Mit den üblichen Methoden. Keine der Feministinnen, die Sanyal in ihrem Buch oder Artikeln angreift, hat je Frauen oder der einzelnen Frau Vorschriften gemacht, wie sie sich nennen sollen. Keine hat je behauptet, es gäbe nur “die eine” Vergewaltigung. Sie haben allerdings auf Folgen hingewiesen. Sanyal nutzt übliche “Strohmann”-Argumente und unterstellt Feministinnen Positionen, die sie nie hatten, um mit diesem üblichen Feministinnenbashing ihre Anhängerinnen und die frauen- und feministinnenfeindlichen Teile innerhalb der linksliberal orientierten Öffentlichkeit auf Spur zu bringen. Nur dass es diesmal, zum ersten mal seit fast 20 Jahren, nicht mehr geklappt hat.
    Was die Drohungen gegen Sanyal angeht: die Störenfriedas sind Feministinnen, viele der Unterzeichnerinnen sind aus Initiativen, die sich seit Jahren gegen sexuelle Gewalt einsetzen. Die haben sich SOFORT gegen diese Hetze gestellt.
    Eine Hetze, die extrem frauenfeindlich ist (einer Frau eine Vergewaltigung zu wünschen ist ja an Frauenfeindlichkeit kaum zu überbieten und auch nicht in ihrer geschlechtsspezifischen Ausrichtung) und die rassistisch ist.
    Und die so auch von den Unterzeichnerinnen des Briefs und den Störenfriedas entschieden verurteilt wird, seit Beginn der Hetze und quer durch das Netz.
    Vielen Dank für Eure Arbeit und für Eure Stellungnahme hier.
    Meine Unterschrift bleibt.

  7. Danke für Euer Engagement, es ist unerträglich diese Relativierung der Menschenrechte zugunsten der Täter mitanhören zu müssen. Die Relativierung von Begriffen, die einzig zum Ziel haben, Verantwortung abzuschieben und Opfer einmal mehr allein zu lassen.

  8. Mara Nevoluta

    Sollte nicht jedes Opfer , Erlebender oder wie auch immer er/ sie sich bezeichnet wissen wollen das selber entscheiden können?
    Also opfer ist man immer stigmatisiert und es hilft dir nicht weiter.
    erlebend, ist wertungsfrei. es ist nicht positiv oder negativ, es geht nur um den punkt, man hat es erlebt.
    ich finde es bauerlich, das diese hetzjagd auf die autorin nun dazu führt, das ihr vergewaltigung und verletzung gewünscht wird. und glaube nicht das dies der richtige weg ist.
    die deutsche sprache ist vielfältig und sollte genutzt werden. und wenn ein opfer anders bezeichnet werden will, dann sollte es im ermessen des opfers liegen ob das richtig, falsch, verwerflich ist. und nicht im ermessen von menschen die nie erlebt haben wie es sich anfühlt vergewaltigt zu werden und dies erlebt, überlebt und eingebrannt in den kopf bekommen zu haben.

  9. Bri Lunzer-Rieder

    Assoziationen;
    Wortdiebstahl. Begriffszerstörung. Gehirnwäsche. Sprachlosigkeit ER-zwingen.. Denkblockaden hervorrufen, mit un-ER-träglicher Übergriffigkeit. Versklavung. Verblödung. Hilflosigkeiten…mit Männer-RECHT(ssprechung) gewaltsam durchgesetzt.
    Ey; unsere intellektuelle Be-Deutungsfähigkeit als Feminist. Intellektuelle ist *VOLL HERAUSGEFORDERT *

    Meine `Meinung`dazu; raus.
    Ja, damit!
    Mit genau DEM an Gedanken, beschriebenen Gefühlen, die unsereins in Zeiten wie diesen so zu `überkommen` pflegt… und die immens wichtig sind für -letztlich- ALLE; die gesamte Gesellschaft.

    Eine Frau schrieb es hier schon; das GENAUE Denken und Beschreiben ist zuerst. Der echten Reality möglichst nahe kommende…
    und; bei der Diskussion z. B. um den vermaledeiten `Opferstatus`von Betroffenen (von sex. Missbrauch, Gewalt, Vergewaltigung etc…) reicht im sprachlichen Kontext oft das schlichte Wort;
    *AUCH*.

    Z. B.;
    `ich war/bin *AUCH* das Opfer von …. (gewesen)`

    Und das Wörtchen *NUR* ist AUCH oft hilfreich.

    Kampf um Begriffshoheiten und Deutungsmächte um unsere ureigenste, oft so entfremdet wordene Lebensrealitys geht in die nächsten Runden…..
    Auch.
    Nicht nur.

  10. ruth percht

    merci für die gute antwort. frau ist schon immer wieder sehr froh nicht alles selber zusamendenken zu müssen!

  11. Bin ich die einzige, die bei “Erlebende” an George Orwells Roman 1984 erinnert wird? Vielleicht könnte man “Opfer” ja in “Doppeluntäter” umbenennen…

  12. Ich unterschreibe jedes Wort von Mira Sigel. Ich bin ihr dankbar für ihre differenzierten Stellungnahmen zum Begriff “Opfer” und zu den Angriffen auf Mithu Sanyal.
    Ich sehe aber noch eine historische und politische Dimension der Verleugnung des Opferbegriffs. Auch die Kriegsopfer, die Opfer von Auschwitz, alle Opfer Holocaust und der Verfolgung durch die Nazis sind immer wieder ge- und verleugnet worden.
    Mithu Sanyal hat sich mit den Menschen hasengemein gemacht, die sie jetzt angreifen.

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