Wenn Frauen Frauen verraten: Die Mädchenmannschaft und die Sexarbeit

Frau auf einer Treppe

Blemished Paradise via flickr (CC BY-SA 2.0)

Gestern durfte ich einer jungen Frau ein Interview über Genderbezüge beim Bloggen geben. Dabei fragte sie mich, warum bloggende Frauen so unsichtbar sind. Die Antwort ist natürlich, dass sich patriarchale und sexistische Sichtweisen auch beim Bloggen durchsetzen – was bei Männern scharfzüngig ist, ist bei Frauen hysterisch und außerdem greifen z. B. männliche Journalisten lieber auf, was männliche Blogger schreiben. Das ist aber nicht der einzige Grund, denn Frauen sind generell weniger sichtbar als Männer.  Für den Feminismus muss also eines der obersten Ziele sein, Frauen und ihre Erfahrungen sichtbar zu machen. Genau daran aber hapert es, wenn weibliche Erfahrungen und eigene Überzeugungen einander ins Gehege kommen, da es auch unter Feministinnen große Konkurrenz gibt.  Der Wettbewerb heißt “Wer ist die bessere Feminisin” und alle machen mit.  Anstatt die eigene feministische Analyse an den konkreten Erfahrungen von Frauen auszurichten, ist es deshalb auf vielen feministischen Blogs üblich, nur jenen Frauenerfahrungen Bedeutung zuzumessen, die in die eigene Selbstverortung passen. Als queerfeministischer Blog hat man pro Sexarbeit zu sein – deshalb löst es eine mittlere Krise aus, wenn auf einmal Frauen auftauchen und aus eigener Erfahrung erzählen, wie schrecklich diese tolle Sexarbeit ist. Jetzt hat man zwei Möglichkeiten: Sich auf den Diskurs einlassen – oder blocken, derailen, löschen und silencen. Beim Thema Prostitution hat sich der größte deutsche Blog für Feminismus, die Mädchenmannschaft jüngst für Letzteres entschieden.


Der Feminismus hat es sich auf die Fahnen geschrieben, jenen eine Stimme zu geben, die in der Gesellschaft systematisch marginalisiert und unsichtbar gemacht werden: Den Frauen, den alten, jungen, weißen, schwarzen, den dicken, den dünnen, den prostituierten, den missbrauchten, kranken, behinderten, den alleinerziehenden und kinderlosen. Darauf können sich prinzipiell noch alle Feministinnen einigen. Wie dieses “sichtbar machen” dann am Ende aussieht, darüber gehen die Meinungen so sehr auseinander, dass ein gemeinsame Arbeit an feministischen Inhalten ausgeschlossen ist. Deshalb heißen die Störenfriedas bei anderen Feministinnen gerne mal  “TERFS” (trans-exklusive-radical-feministis) oder “SWERFS” (sexworker-exklusiv-radical-feminists”) und werden grundsätzlich von den dominierenden feministischen Blogs ignoriert. Damit können wir prinzipiell gut leben, denn wir lehnen es wiederum ab, Prostitution nach neoliberaler Lesart “Sexarbeit” zu nennen. Ignoranz ist aber kein probates Mittel, wenn es in der eigenen Arbeit um Erkenntnis, und nicht nur um Selbstdarstellung und Propaganda gehen soll. Deshalb setzen wir uns sehr wohl mit den Ansichten anderer feministischer Strömungen auseinander und beziehen dazu Stellung.

Der bekannteste deutschsprachige feministische Blog, die Mädchenmannschaft, sieht das anders. Das würde an einem Beitrag zum heutigen 02. Juni, dem weltweiten “Hurentag” deutlich.  Unter dem Titel „Wir schaffen alle Nächte, wir wollen gleiche Rechte!“ – Protest gegen das Prostituiertenschutzgesetz und Sexarbeiter_innen-Aktivismus weltweit rufen sie gemeinsam mit Hydra e. V. zum Protest gegen die heutige Lesung des neuen Prostitutionsschutzgesetzes im Bundestag auf.  Sie zitieren dazu in dem Artikel eine Stellungnahme von Hydra:

Doch auch wenn dem vorliegenden Gesetzesentwurf gut gemeinte Ansätze zugrunde liegen mögen, so werden die dort formulierten Maßnahmen nicht dazu führen, das Leben und die Arbeit von Sexarbeiterinnen sicherer zu machen und ihre beruflichen Perspektiven (in oder außerhalb der Sexarbeit) zu verbessern, sondern vielmehr im Gegenteil zu einer weiteren Stigmatisierung führen, Sexarbeit unsicherer machen und teilweise illegalisieren, sowie die Hürden für berufliche Neuorientierung erhöhen.

und verweisen anschließend auf zwei Bücher, die das Thema “Sexarbeit” betrachten.  Hydra e.V. beschreibt sich selbst zwar als feministische, autonome Organisation für Prostituierte, in Wahrheit steckt hinter allerdings eine staatlich geförderte Lobby-Organisation, die sich für allem für die Interessen von Bordellbesitzern einsetzt. 2003, vor der bis heute geltenden Legalisierung der Prostitution mit all ihren verheerenden Auswirkungen, rührte Hydra gemeinsam mit den Grünen mächtig die Trommel dafür, dass die Einkünfte aus der Prostitution legalisiert werden. Prostitution und Sexkauf waren auch vorher legal, lediglich bei den Einnahmen sah das anders aus, und da Vater Staat (jaaa, fragt euch mal, warum es nicht Mutter Staat heißt) erkannte seine Chance, durch Steuern kräftig an der Prostitution mitzuverdienen.  Die neue gesetzliche Regelung, für die Hydra e.V. eintrat, sorgte dafür, dass Deutschland inzwischen das “Bordell Europas” ist und auf unseren Straßen und in Terminwohnungen, Laufhäusern, Bordellen und FKK-Clubs bis zu einer halben Million Frauen, vorrangig aus den ärmsten Gegenden Europas und der Erde, ohne soziale Absicherung einem Beruf nachgehen, in den sie nur durch ökonomische Not gedrängt werden und der sie Ausbeutung und sexueller Gewalt ausliefert. Im Gesetz stand zwar auch, dass Prostitutierte sich jetzt krankenversichern dürfen, in der Realität aber wurde daraus nichts, da sich Prostituierte die Krankenversicherung entweder nicht leisten können, sich vor Diskriminierung fürchten oder von den Krankenkassen aufgrund ihrer erhöhten “Berufsrisiken” ohnehin nicht angenommen werden. Auch die Fantasie der “festangestellten” Hure wurde keine Realität.

Für Hydra e.V. brachen allerdings goldene Zeiten an: Ab sofort bekamen sie Geld für ihre Beratung von Prostituierten, vor allem ihre “Einstiegsberatung”. Diese soll Frauen, die in die Prostitution wollen, unterstützen. Ein Verein, der sich selbst als frauenbewegt beschreibt, hilft also anderen Frauen dabei, in schwierigen oder gar verzweifelten Lagen ihre Körper zu Markte zu tragen und sich der anhaltenden sexuellen Gewalt auszuliefern, die Prostitution bedeutet. Angeblich betreibt Hydra e.V. auch aufsuchende Arbeit und hilft beim Ausstieg, Zahlen dazu gibt es aber keine, wie 2014 bereits die Journalistinnen von EMMA feststellten, als sie danach fragten. Überhaupt fällt auf, dass bei Hydra ziemlich wenig aktive Prostituierte aktiv sind, dafür aber jede Menge Sozialarbeiterinnen (deren Jobs ebenfalls an der Prostitution) hängen, ehemalige Prostituierte, die heute als Dominas arbeiten oder für sich arbeiten lassen und natürlich Bordellbesitzer. Wie sehr das den Diskurs von Hydra e.V. beeinflusst, zeigte sich, als es 2009 Kritik für die Flatrate-Werbung des Pussyclubs in Fellbach hagelte und sich Hydra bemüßigt sah, den Flatrate-Sexkauf in einem offenen Brief zu verteidigen. Jede Prostituierte solle selbst entscheiden dürfen, was sie anbietet, so die an Zynismus kaum zu überbietende Argumentation von Hydra e.V. Damals hatten sich die Freier des Pussyclubs in einschlägigen Foren darüber beschwert, dass die Frauen mittags schon wund waren und die ganze Zeit weinten, so dass die versprochene “Dienstleistung” nicht abgerufen werden konnte. Wenn man sich auf den Seiten von Hydra e.V. umschaut, bekommt man den Eindruck, dass einer Frau etwas besseres als “Sexarbeit” überhaupt nicht passieren kann, so bunt und feministisch geht es da zu, so liebenswert und freundlich sind die Freier. Von Traumatisierung, Gewalt, Ausbeutung ist an keiner Stelle die Rede, beschworen wird die schöne, neue Welt der Sexarbeit mit viel Werbung für die Branche. Wer sich also über die Realität der Prostitution informieren möchte, ist bei Hydra sicher an der falschen Stelle. Hier wird vor allem PR- und Lobbyarbeit FÜR die Prostitution betrieben, die Prostituierten sind nur Mittel zum Zweck. Einer solchen Lobby-Vereinigung kann es natürlich überhaupt nicht in den Kram passen, dass jetzt die Kontrollen von Bordellen und Co. verschärft werden, kein Wunder also, dass sie gegen das geplante Prostitutionsschutzgesetz Sturm laufen. Zur Erklärung: Auch wir, die wir uns als Teil der abolitionistischen Bewegung verstehen, lehnen das Gesetz mit seinem regulierenden Ansatz ab. Prostitution kann man nicht durch ein Gesetz menschenfreundlicher machen, sie ist eine genuin menschenverachtende Institution. Der einzige Weg aus der Prostitution ist ein konsequentes Sexkaufverbot nach schwedischem Vorbild.

Umso erstaunlicher ist es, dass ein selbsterklärt feministischer Blog wie die Mädchenmannschaft nun gerade einen Aufruf von Hydra e.V. promotet. Bereits in der Vergangenheit bezog die Mädchenmannschaft zum Thema Prostition Stellung und wiederholte dabei eine ganze Reihe von Argumenten, die beim Thema Prostitution immer wieder angeführt werden und von uns genauso oft entkräftet werden:

Die Bedingungen, unter denen Sexarbeit ausgeübt wird, sind divers, sie rangieren offenbar zwischen deluxe und mies. So unterscheiden sich beispielsweise der jeweilige Verdienst, öffentliches Image (mediale Glamourisierung vs. Stigmatisierung), das Ausmaß zu dem ein_e Sexarbeiter_in ihre_seine Arbeitsbedingungen den eigenen Vorlieben und Bedürfnissen entsprechend (mit)gestalten kann, das Ausmaß in dem ein_e Sexarbeiter_in sich an öffentlichen/politischen Diskursen beteiligen kann oder das Ausmaß in dem den Akteur_innen Alternativen zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes zur Verfügung stehen. Alles übrigens Faktoren, die – zumal unter globalisierten (post)kolonialen kapitalistischen hetero_cis_sexistischen rassistischen klassistischen ableistischen Bedingungen – auch bei der Bewertung jeder anderen Form der Erwerbstätigkeit eine Rolle spielen.

schrieb Anna-Sarah bereits 2013 auf der Mädchenmannschaft. Dabei benutzt sie das weit verbreitete Argument, dass Putzfrauen und Pflegekräften ihr Job auch nicht immer Spaß macht und sie darin auch ausgebeutet werden. Das ist zwar richtig, dennoch macht es einen Unterschied, ob ich putze oder ob ich mich in meinem Beruf regelmäßig ungeschützt in alle Löcher penetrieren lassen muss, um so die horrenden Zimmermieten zu bezahlen, die der “Verwalter” (so heißen Bordellbesitzer jetzt) mir abverlangt. Prostitution als Arbeit zu verstehen und diese in den Kontext der generellen Kritik an Lohnarbeit zu setzen, blendet die sexistischen, rassistischen und gewaltvollen Aspekte der Prostitution einfach aus. Dazu passt es auch, dass die Mädchenmannschaft den Begriff “Sexarbeit” verwendet, ein neoliberaler Kampfbegriff, der ab Mitte der 1970 Jahre von der vom Playboy finanzierten Organisation COYOTE in den USA in das Leben gerufen wurde, mit dem Ziel, durch die Gleichsetzung von Prostitution mit Arbeit deren zerstörerischen Aspekte einfach auszublenden. Das ist ein Grund, warum viele ehemalige Prostitutierte den Begriff “Sexarbeit” konsequent ablehnen.

Dann geht sie darauf ein, wie eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Prostituierten aussehen könnte:

Wodurch kann ich als Feministin Sexarbeiter_innen unterstützen/Solidarität zeigen – und zwar gleichermaßen jene die sagen, dass sie ihren Job gern machen und keinen anderen wollen; jene die sagen, dass sie ihren Job zwar nicht sonderlich toll finden, es für sie aber aus Gründen ihr Weg zum Geldverdienen ist; jene die sich um eine Alternative zur Prostitution bemühen; und besonders auch jene die von unmittelbarem Zwang und Gewalt betroffen sind? Und das erstmal ganz  unabhängig von der Frage, ob und aus welchen Gründen ich eine Gesellschaft ohne Prostitution grundsätzlich für wünschenswert halte oder nicht? Ich würde mir wünschen, dass ein solcher Ansatz immer als Prämisse über Debatten stünde, wie wir sie hier führen.

Solidarität wird also zumindest als Lippenbekenntnis bei der Mädchenmannschaft groß geschrieben. Dass es in der Praxis damit noch hapert, zeigt sich an den Reaktionen der Mädchenmannschaft von gestern.

Als die Mädchenmannschaft gestern den Link zum Artikel auf Facebook postete, meldeten sich neben engagierten Abolitionistinnen auch einige ehemalige Prostituierte zu Wort, die vehement gegen den Aufruf und seine Wortwahl protestierten. Die Mädchenmannschaft reagierte überfordert: Die Kommentare der Betroffenen wurden gelöscht, die Betroffenen selbst blockiert. Offensichtlich sollen so all jene mundtot gemacht werden, deren Erfahrungen und Argumente die Happy-Sexwork-Welt als genau das entlarven, was sie ist: ein Mythos, aufgebracht von der Sexindustrie, um ihre Geschäfte am Laufen zu halten. Auch Kommentare, die Links zu Betroffenenseiten enthielten, wurden gelöscht, Kritikerinnen sofort blockiert. Auf Nachfragen wurde lapidar erklärt, die Kommentare hätten der Netiquette widersprochen. Da die Kommentare weder Pauschalisierungen noch Beleidigungen enthielten, bleibt nur die Vermutung, dass hier das “Tone-Argument” eine Rolle spielt – wenn Betroffene Kritik am Verhalten der Mädchenmannschaft äußern, dann doch bitte ganz untertänig und freundlich. Empörung mag man ihnen schon nicht zugestehen.

Gelöschter Kommentar einer Betroffenen

Gelöschter Kommentar einer Betroffenen

Die Facebook-Diskussion wurde von u. a. zwei Mitgliedern der Mädchenmannschaft geführt, und zwar Anna-Sarah und Nadine. Es lohnt sich deshalb, sich deren Haltung zu Prostitution einmal anzusehen.

Als sich die Neuregelung des Prostitutionsgesetzes abzeichnete, schrieb Nadine auf der Mädchenmannschaft:

In den Diskussionen um die Neuerung des „ProstSchG“ von 2002 hatten Sozialarbeiter_innen, Sexarbeiter_innen und Aktivist_innen immer wieder betont, dass Zwang und Kontrolle zu einer weiteren Verschärfung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen führt, die in der Sexarbeit tätig sind, egal ob freiwillig, legal oder per Zwang und/oder illegalisiert. Der Ausbau von und die finanzielle Ausstattung freiwilliger Angebote, Beratungsstellen, aufsuchender Sozialarbeit, Notunterkünfte und soziale wie rechtliche Absicherung von in der Sexarbeit tätigen, müssten im Vordergrund stehen.

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Gelöschte Posts mit Links zu Artikeln von Prostitutionsüberlebenden

Ihre Kritik schließt sich den Argumenten von BeSD und BsD an, die von sich zwar behaupten, die Interessen von Sexarbeiterinnen zu vertreten, allerdings entweder nur wenige Mitglieder haben oder aber wiederum dezidiert für die Interessen von Bordellbesitzern eintreten. All das, was sie fordert, sollte schon das Prostitutionsgesetz von 2002 bringen, versagte daran aber kläglich. In mehr als zehn Jahren wurde deutlich, dass legale Prostitution nicht dabei helfen kann, die Schattenseiten der Prostitution zu vermindern, im Gegenteil: Durch die Legalisierung der Prostitution wurde sie zu einer legitimen Wahl von Frauen, die ansonsten wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben bis zu der Gipfelung, dass Arbeitsämter versucht haben, junge Frauen in die Prostitution zu vermitteln. Gelder für Beratung flossen reichlich, wie das Beispiel Hydra zeigt, geholfen haben diese den Frauen in der Prostitution nur wenig. Das Stigma der Prostitution wurde die Legalisierung nicht abgebaut, lediglich die Freier müssen inzwischen nicht mehr davor fürchten, als ebensolche enttarnt zu werden, sondern lassen ihrer Verachtung für prostitutierte Frauen (und Männer) in Freierforen freien Lauf. Die Legalisierung der Prostitution ist gescheitert, daran ändert auch die Regulierung nichts.

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Gelöschter Post mit einem Link zur einer Prostitutionsüberlebenden

Die Haltung der Mädchenmannschaft ist typisch für den queerfeministischen Diskurs zur Prostitution. Dort hat man sich darauf geeinigt, Sexarbeit als Arbeit zu verstehen und lediglich eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Prostituierten zu fordern. Verweise auf traumatisierende Effekte werden mit dem Schein-Argument vom Tisch gewischt, diese dienten einer pauschalen Victimisierung aller Frauen und spreche ihnen ihre “agency” (ein Lieblingsbegriff der sogenannten sexpositiven Feministinnen, die Porno und Prostitution als Gipfel weiblicher Freiheit betrachten) ab. Gegenteilige Erfahrungen werden ignoriert – oder, wie gestern geschehen, bewusst gesilenced.

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Gelöschter Post mit einer Literaturempfehlung

Für uns bleibt es unverständlich, warum die Mädchenmannschaft auf diese Weise reagiert. Sind denn die Betroffenen keine Prostituierten, mit denen sie sich doch eigentlich solidarisieren wollen? Und was ist mit der Solidarität unter Frauen, die doch im Feminismus laut Selbstbekenntnis so groß geschrieben wird? Als größter feministischer Blog im Netz hat die Mädchenmannschaft in jedem Fall eine gewisse moralische Verantwortung, diese Realitäten weiblichen Seins ebenso abzubilden wie jene, die sich als glückliche Sexarbeiterinnen verstehen. Wenn das feministische Ziel ist, Frauen sichtbar zu machen, und zwar ALLE Frauen, nicht nur die, die gerade in den queerfeministischen Diskurs passen, dann hat die Mädchenmannschaft hier kläglich versagt. Nicht nur das: Sie bleibt zugleich auch dem typisch patriarchalen sowie elitär-weißen und akademischen Denken verhaftet, aufgrund ihrer eigenen Posititon anderen Menschen das Gesehenwerden zu erlauben oder zu verwehren. An bourgoiser Herablassung ist das kaum zu überbieten.

 

6 Kommentare

  1. Sehr guter Text – nur eine Bitte: Setzt den Terminus “Sexarbeit” konsequent unter Anführungszeichen, gerade WEIL Prostitutions-Überlebende dieses Unwort so vehement ablehnen.

  2. Anonymous

    Es ist zum Weinen! Die “angeblich so aufgeklärten, angeblich unprüden und Pro-Prostitutionsvertreterinnen” arbeiten der Prostitutionsmafia, dem largen Staat und den Pimps voll ins Tor und sie merken es nicht einmal. Das alte “Teile und Herrsche” Spielchen und die Frauen mit den blauen Augen lassen sich voll darauf ein. Übrigens ist die Prostitutionsdebatte nicht die Einzige, wo sich Frauen spalten lassen und dann gegen betroffene Frauen wüten oder anschweigen! Ja, es stimmt! Manche Frauen Lernens NIE! Man sollte immer die Frage stellen: WEM nützt’s?! Den Männern, wem denn sonst? Was Frauen da über Prostitution schwafeln ist einfach nur heuchlerisch, bigott und dumm! Keine Ahnung wem sie was beweisen wollen mit ihrer Haltung!

  3. Zu dem Beitrag von Mädchenmannschaft:

    “Doch auch wenn dem vorliegenden Gesetzesentwurf gut gemeinte Ansätze zugrunde liegen mögen[…]”

    Wie bitte???

    […]”so werden die dort formulierten Maßnahmen nicht dazu führen, das Leben und die Arbeit von Sexarbeiterinnen sicherer zu machen und ihre beruflichen Perspektiven (in oder außerhalb der Sexarbeit) zu verbessern[…]”

    Verbesserung der “beruflichen Perspektiven”??? Was für eine Verbesserung und welche Perspektiven???Und vor allem:Beruf???!!!
    Ich habe zwar das,was die Prostituierten erleben,selbst nie erlebt,aber ich kann mir trotzdem vorstellen,was sie durchmachen und wie sie sich fühlen müssen.
    Solche Texte schießen echt den Vogel ab…Unglaublich,aber die merken wahrscheinlich gar nix mehr!

    […]”sondern vielmehr im Gegenteil zu einer weiteren Stigmatisierung führen[…]”

    Die Stigmatisierung ist ja wohl eher eines der geringeren Übel in Anbetracht dessen,was diese Frauen sonst so tagtäglich ereben,oder?Wird aber an 1.Stelle genannt…..

    […]”Sexarbeit unsicherer machen[…]”

    Ach,so nach dem Motto “schlimmer geht immer” oder wie?Gehts noch schlimmer???
    Und zu “Sexarbeit” muss ich ja wohl nichts mehr sagen…

    […]”und teilweise illegalisieren, sowie die Hürden für berufliche Neuorientierung erhöhen.“

    Berufliche Neuorientierung?
    Ich könnte echt kotzen…Das wird alles so beschönigt,das gibt’s ja gar nicht…
    In was für einer Fantasiewelt leben die eigentlich?

    […]”sondern vielmehr im Gegenteil zu einer weiteren Stigmatisierung führen, Sexarbeit unsicherer machen und teilweise illegalisieren, sowie die Hürden für berufliche Neuorientierung erhöhen.“

    Also,da fällt einem ja wirklich nicht mehr viel zu ein…
    Na,die Prostituierten wären doch mit Sicherheit seeehr traurig darüber,wenn sue sich einen neuen “Job” suchen müssten

  4. Wenn Frauen Frauen verraten

    Super Text und so wahr. Auch bei Vergewaltigungen und anderen Scheusslichkeiten geben Frauen den Opfer gerne immer Mitschuld! Sie hat halt provoziert, oder sich falsch verhalten, oder, oder oder! Kein Wunder urteilen dann auch die Richter gleich,……wenn es ja auch “die Frauen” so sehen……. (Wie bequem für die Täter!)

    Dass Frauen sich spalten lassen und auch noch Handlangerinnen des Patriarchats werden, ist so alt wie ….? ewig! Dies ist auch der Grund, warum der Feminismus immer nur einen Schritt vor; und dann wieder drei zurück macht. Die Männer können sich somit schön zurücklehnen, und “die Hennen” selbst kämpfen lassen. Wie bequem für die Herren!
    Ich bin leider auch sicher, dass bei den Hexenverfolgungen einige Denunziationen von Frauenseite aus gingen…, einerseits sicher aus Angst selbst verfolgt zu werden, aber auch aus Dummheit oder materiellen Eigeninteressen. Sehr sehr schade.
    So wird das NIX mit uns Frauen!

    Wir Lernens tatsächlich nie; und lassen uns sowohl einspannen, zum Verrat anspornen (loben?) ausspielen und spalten.

    Und dann erst diese “gut gemeinten” Gemeinheiten und Besserwissereien; und die kranke Bezeichnung Sexarbeit etc. etc.

    Leider habe ich zwischenzeitlich tatsächlich auch die Hoffnung auf eine starke Frauensolidarität aufgegeben. Dieser angeblich gut informierte, angeblich feminisierte “Tussi-Haufen” nötigt mir nur noch ein Gähnen ab. —Leider!

  5. UN-FASS-BARes Verhalten der mädchenmannschaft!

    Ich bin entsetzt!

  6. @ Yvonne
    ich würde vermuten, daß das daran liegt, daß die “Gräben” eben nicht strikt anhand der Geschlechter verlaufen. genauso wie es Frauen gibt, die bei Übergriffen Frauen einer Mitschuld bezichtigen, gibt es Männer, die sich bei derartigen zunächst immer erstmal solidarisch mit den Opfern zeigen.

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