Wie ich lernte, eine Frau zu sein

Buchcover: How To Be A Woman

Caitlin Moran: How to be a woman - Wie ich lernte, eine Frau zu sein, Ullstein Verlag, 2013

Die englische Journalistin; Kolumnistin und Broadcasterin Caitlin Moran hat bereits 2011 mit “How to be a woman” – zu deutsch: “Wie ich lernte, eine Frau zu sein“, einen echten Beststeller gelandet. Darin beschreibt sie sehr humorvoll und scharfzüngig, wie es sich anfühlt, in dieser Gesellschaft als Frau aufzuwachsen.
Als ihr an ihrem 13. Geburtstag auffällt, dass es vor diesem Frausein kein Entkommen gibt, schreibt sie:

Ich stellte schnell fest, dass meine Situation nicht anders war die eines Affen, der in einer Rakete festgeschnallt ist und ins All geschossen wird, sobald der Countdown auf null steht: Ein Ausstiegsszenario ist nicht vorgesehen. Man kann die Sache nicht einfach abblasen. So sehr man das auch möchte.

Morans Buch erzählt ihre persönliche Reise in das “Frauwerden” – doch jedes Kapitel beinhaltet zugleich auch einen kritischen Teil. Pornokultur, Sexismus und Ungleichheit – wortgewandt und höchst unterhaltsam rechnet sie mit ihnen ab und zeigt sich damit als Feministin aus Überzeugung. Obwohl fast jede Seite ein Schmunzeln hervorruft, hat ihr Buch nichts Relativierendes an sich, keine Spur von “Fun-Feminismus”, dafür jede Menge Sätze, die frau am liebsten in Stein meißeln möchte.

Sie schildert, wie es ist, als Arbeiterkind mit sechs Geschwistern zusammenzuleben, und den eigenen Körper zu entdecken – von Periode, Schambehaarung bis zur Selbstbefriedigung und der Suche nach Sexszenen im TV-Programm.

Die Pornobranche bekommt von ihr ordentlich ihr Fett weg – sie nennt die langweiligen und immer gleichen Darstellungen eine “Porno-Monokultur”, ein “phantasieloser, milliardenfach geklonter Fick.”

Sie kritisiert nicht Pornographie an sich, sondern die Pornoindustrie mit ihren Milliardenumsätzen und ihrer Phantasielosigkeit. Köstlich ist auch das Kapitel, in dem sie sich selbst als “Schamhaar-Nostalgikerin” bezeichnet, ebenso wie das Kapitel, in dem sie erklärt, wie sie mit Hilfe von Germanine Greer den Feminismus entdeckt – oder erkennt, wie sich Sexismus anfühlt:

Anders ausgedrückt: Es gibt noch immer Frauenfeindlichkeit in Hülle und Fülle – aber sie ist nicht mehr klar erkennbar und damit nicht mehr richtig zu greifen. Dagegen anzukämpfen ist deshalb genauso schwer, wie mit einem Brotmesser gegen Schimmelgeruch im Badezimmer vorzugehen. Denn genau wie Antisemitismus und Schuwlenhass ist auch Sexismus inzwischen clever geworden. Hinterhältig. Gut getarnt. Ähnlich wie ein verkappter Rassist heutzutage niemals geradeheraus “Nigger” sagen, sondern sich auf ein paar gezielte Bemerkungen über das “natürliche Rhythmusgefühl” seiner schwarzen Mitbürgerer oder die “erstaunliche Fruchtbarkeit afrikanischer Frauen” beschränken würde, hat ein verkappter Frauenfeind ein gigantisches Arsenal eindeutig zweideutiger Ausdrücke, Kommentare und Standpunkte zur Verfügung, it denen er eine Frau locker erniedrigen und aus der Fassung bringen kann, ohne dass seine Absicht auf den ersten Blick erkennbar ist.

Caitlin Morans Buch ist Unterhaltung, Autobiographie und feministisches Manifest zugleich. Wer ein Buch sucht, um es nicht mehr aus der Hand zu legen, hat mit “How to be a woman” genau das richtige gefunden.

Das Buch ist erhältlich bei Fembooks.

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