Wir sind nicht Burka. Wir sind Puff #Leitkultur

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Ich will mit diesem Text zu einer Diskussion einladen. Einer Diskussion über Machokultur. Wer sich seiner patriarchalen Privilegien sicher ist, ist stark. Das deutsche Patriarchat ist sehr erfolgreich, deshalb finden wir, Menschen aus anderen Ländern sollten ganz dringend etwas darüber lernen, wenn sie zu uns kommen. Ich möchte das Wort Patriarchat mit 10 Thesen von seinem negativen Beigeschmack befreien und seine ganze Großartigkeit aufzeigen:

Wir sind eine Leistungsgesellschaft, aber die Leistung einer Frau ist immer weniger wert als die eines Mannes

Wir sind Weltmeister im Leisten. Wir leisten, leisten, leisten. Doch wenn zwei das gleiche leisten ist es noch lange nicht dasselbe. Frauen leisten zwar mehr als Männer, denn sie erledigen fast die ganze unbezahlte Care-Arbeit und auch bei der bezahlten sind es 80 Prozent, das heißt aber noch lange nicht, dass Frauen hier auch das gleiche verdienen wie Männer. 50 Prozent aller Alleinerziehenden, von denen 90 Prozent Frauen sind, leben von Hartz IV. Frauen sind überproportional oft von Altersarmut betroffen. Wir könnten da zwar was dran ändern, aber ganz ehrlich – es sind doch nur Frauen.

Wir geben Frauen zwar die Hand, aber wenn wir sie im Nachhinein vergewaltigen, ist das ihr Problem

Wir finden es zwar super wichtig, dass Männer ihre ungewaschenen Hände auch Frauen hinhalten und so eine Urinrestübertragung stattfindet, aber dafür ist es uns völlig gleichgültig, wenn Frauen vergewaltigt werden, denn tief in unseren patriarchalen Herzen wissen wir, dass die Schlampen es eigentlich brauchen und wollen und wer glaubt überhaupt schon einer Frau? Laut Gesetz heißt „Nein“ zwar „Nein“, aber wenn der Täter nun mal eben zufällig nicht weiß, dass das, was er da macht, eine Vergewaltigung ist, obwohl sein Opfer schreit und leidet dann kann das für das Opfer noch so traumatisierend sein, dann war es keine Vergewaltigung. Sogar ein Video einer Vergewaltigung heißt nicht, dass es eine war, und sollte die Frau dann glatt das Gegenteil behaupten, dann verknacken sie unsere knorke patriarchalen Richter ganz fix zu einer Strafzahlung, dann überlegen sich das die anderen dreimal, ob sie eine Vergewaltigung anzeigen. So bekommt man Ruhe in den Laden!
Ach ja, sollte das Opfer in der Folge nicht mehr arbeiten können oder eine Therapie benötigen, ist auch das das Problem des Opfers. Sollte sie gar noch auf die Idee kommen, das ganze öffentlich zu machen, so werden wir sie öffentlich beschimpfen und ihr die Schuld daran geben, bis sie den öffentlichen Frieden nicht mehr stört. So geht Respekt vor Frauen auf Deutsch.

Wir terrorisieren Frauen mit unserer „christlichen Prägung“ 

Bei uns ist es nicht unmöglich, abzutreiben, wir sind ja keine christliche oder muslimische Bananenrepublik und immerhin profitieren auch Männer davon (das ist überhaupt der Ausgangspunkt all unseres Handelns). Bei uns dürfen Frauen unter bestimmten Bedingungen straffrei abtreiben. Die Pille danach haben sie von uns nicht bekommen, denn schon in der Bibel steht, dass Frauen über ihren eigenen Körper eigentlich nichts zu melden haben, aber da hat uns die EU einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also bekommen die Frauen jetzt die Pille danach, aber erst nach einem kurzen, erniedrigendem Frage- und-Antwort Spiel mit einem Apotheker. Wir pumpen jedes Jahr Milliarden Steuergelder in die Kirchen, damit sie ihre frauenverachtenden Ansichten weiter verbreiten können und die Ehe bleibt ohnehin den Heteros vorbehalten.

Trotz ihrer frauenfeindlichen Haltung unterstützen wir die Kirchen, dafür dürfen Frauen immerhin als Angestellte für diese unter ausbeuterischen Bedigungen schuften und wenn sie die Frechheit haben, sich etwa scheiden zu lassen, verlieren sie ihren Job, alles staatlich subventioniert. Wenn aber stattdessen eine Frau ihr Kopftuch im Öffentlichen Dienst tragen will, dann drehen wir durch. Frauen selbst entscheiden lassen, was sie tragen? Wo kommen wir denn da hin? Das ist der Spirit, der uns gefällt und den wir allem Feminismus zum Trotz auch in Zukunft beibehalten möchten. Terror und Tod, den das Christentum über die Welt gebracht hat, ignorieren wir einfach und konzentrieren uns stattdessen darauf, lauter miese Vorurteile über andere Kulturen zu pflegen und zu kultivieren.

Nächstenliebe ist nur ein Lippenbekenntnis

Klar, Christ sein, heißt für andere da sein, aber das gilt nicht für jeden. Männer können sich jederzeit der Solidarität und Unterstützung der Gesellschaft sicher sein, alle anderen aber haben es schwer.
3,7 Millionen Kinder in Deutschland leben in Armut, aber statt uns entlang unserer „christlichen Prägung“ darum zu kümmern, bauen wir lieber eine Elbphilharmonie für über eine Dreiviertel Millarde für die Reichen und Privilegierten. Wer in unserer Gesellschaft nicht mitzieht, wird drastischen Sanktionen und Stigmatisierungen ausgesetzt, und Geld gibt es für Familien und Kinder nur, wenn es traditionelle Kleinfamilien mit Vater, Mutter, Kind sind und sie ohnehin schon gut aufgestellt sind. Der Rest interessiert uns nicht. Trotzdem heften wir uns die Nächstenliebe an, wie einen Orden. Ist Patriarchat nicht einfach spitze?

Das Patriarchat braucht sein Vaterland

Patriarchat und Patriotismus gehören eng zusammen, wo kein Vaterland, da gibt es auch kein Recht der Väter. Unser Vaterland hat zwar die schrecklichsten Dinge der Weltgeschichte angerichtet und ganz Europa mit Krieg überzogen, doch wir finden es immer noch schnieke, mit dem Fähnchen zu wedeln und unsere Nationalhymne zu gröhlen, von der wir eine Strophe zwar nicht mehr singen, weil sich sonst ein paar Millionen Menschen weltweit auf die Füße getreten fühlen könnten, aber im Großen und Ganzen sind wir schon der Meinung, dass die Welt weiter am deutschen Wesen genesen soll. Wir liefern Waffen an Diktatoren, die Flüchtlingsheime brennen und die Türken sollen auch am besten einfach wieder nach Hause gehen, trotzdem finden unsere führenden, natürlich männlichen Politiker, dass es an der Zeit ist, Nationalismus im Gewand des „aufgeklärten Patriotismus“ wiederzubeleben, denn hey, wann ist denn jemals etwas Schlechtes davon ausgegangen? Auf die Idee, den ganzen Scheiß mit Grenzen und Nationen einfach mal zu überwinden und die Welt ein Stück friedlicher zu machen, kommen wir nicht, denn wir sind Männer. Männer mit einem Vaterland, das es zu lieben gilt.

Wir zelebrieren männliche Gewalt und männliche Vorrechte, wo wir nur können

Ob bei Fußball oder im Straßenverkehr, bei uns gewinnt der Stärkere und Männer sind nun mal gewalttätig, deshalb gibt es in unserer wunderbaren Männerrepublik jede Menge Möglichkeit, männliche Gewalt zu zelebrieren, ob bei Fußballspiel oder an normalen Samstagnächten in den Clubs. Männer morden, Männer vergewaltigen, Männer verprügeln, Männer verüben Terroranschläge, doch um das Thema „männliche Gewalt“ machen wir einen ganz großen Bogen. „Boys will be boys“, sagt man im englischsprachigen Raum und auch wenn wir so voll für deutsche Kultur und Sprache sind, finden wir das gut. Männer brauchen Bier, Pornos und sexistische Witze, Fußball sowieso und ab und an auch mal das Recht, wahlweise der eigenen Ehefrau, einer Fremden, einer Prostituierten oder wem auch immer körperliche Gewalt anzutun. Wir drängeln uns im Supermarkt vor, wir schubsen, wir schüchtern ein, wir bedrängen, wir haben immer Vorfahrt. Wir unterbrechen Frauen laufend, wir dominieren die Talkshows und die Feuilletons und wir erklären grundsätzlich Frauen die Welt.

Das Patriarchat ist der Kitt unserer Gesellschaft, wir leben im patriarchalen Frieden

Wir sind stolz darauf, dass wir trotz über 100 Jahren Frauenbewegung unsere patriarchalen Privilegien noch ausbauen konnten. Immerhin haben wir die höchste Puffdichte in ganz Europa. Frauen werden so zur Ware gemacht und es gibt sogar ganz eifrige Feministinnen, die uns dabei unterstützen, denn wenn die Männer glücklich sind, dann ist es auch der Rest der Republik. Wir haben für unseren patriarchalen Frieden hart gekämpft, doch inzwischen läuft die Nummer einwandfrei. Wir haben ein paar Alibi-Feministinnen, die im Großen und Ganzen genau das sagen, was wir wollen und zur Entspannung sogar freiwillig Poledance machen und am Muttertag bekommt Mama Blumen, ganz so wie zu Adolfs Zeiten.

Wir verknüpfen Vorstellungen von Ehre nicht mit Gewalt

Also, wenn hier fremde Muselmanen ihre Schwestern umbringen, weil die kein Kopftuch tragen, dann geht das nicht. Wenn aber der gute deutsche Ehemann seine Frau samt den Kindern verprügelt oder umbringt, weil die nicht spurt oder gar auf die Idee kommt, ein eigenes Leben haben zu wollen, dann nennen wir das „Familiendrama“ und behaupten, das seien bedauerliche Einzelfälle. In jedem Fall verneinen wir, dass die Morde an Mütter und Kindern etwas mit patriachaler Anspruchshaltung zu tun haben, nach der sie in allererster Linie Besitz des Mannes bzw. des Vaters sind.

Wir sind Teil des Patrirachats. Kulturell, geistig, politisch

Wir leben das Patriarchat. Es findet sich im Sexismus im Kulturbetrieb, bei dem eine schreibende Frau noch immer auf allerlei Widerstände trifft, wenn sie sich herausnimmt, was Männer schon seit Ewigkeiten tun, das Patrirachat ist in unseren Köpfen, wenn wir davon ausgehen, dass Frauen weniger klug, weniger stark oder weniger was auch immer sind. Wir nehmen uns heraus, Frauenkörper in absurde Normen zu pressen und jederzeit sexistisch zu bewerten und sexistische Lieder oder Witze finden wir zum Brüllen komisch. Unsere Politik ist nicht darauf ausgerichtet, patriarchale Privilegien abzuschaffen, sondern diese im Gegenteil auch unter sich verändernden Bedingungen zu erhalten, wie man an den jüngsten Entwicklungen zum Thema Väterrechte sehr deutlich ablesen kann. Männerseilschaften sind das Rückgrat unseres Landes und auch wenn gerade eine Frau Kanzlerin ist, so sind es doch die alten Herren, die im Großen und Ganzen bestimmen, wo es bei uns lang geht. Frauen in Führungspositionen? In Aufsichtsräten? In Schützenvereinen? Als Fußballtrainer? Als Fußballkommentatorinnen? Einfach unerträglich. Auf das deutsche Patriarchat ist Verlass. Wir verhindern solche Zustände zuverlässig.

Wir sind nicht Burka. Wir sind Puff

Deutschland ist das Bordell Europas. Rund eine halbe Million Frauen aus den ärmsten Ecken der Welt schafft bei uns an und wir finden, dass es Teil unseres christlichen, freien und aufgeklärten Deutschlands sein muss, dass sich Männer für 20 Euro einen Frauenkörper zum Missbrauchen kaufen können. Dass die meisten Frauen das nicht freiwillig machen, wissen wir, aber es ist uns schlicht egal. Diese Frauen bekommen keine Krankenversicherung, keine Hilfe und wenn mal wieder eine von ihnen ermordet oder misshandelt wird, dann ist auch das ein tragischer Einzelfall. Wir tauschen uns in Freierforen darüber aus, was wir mit diesen Frauen anstellen und entwürdigen sie auf jede nur mögliche Weise. Und wenn wir gerade keine Frau missbrauchen können, dann wichsen wir wenigstens vorm Porno, bei dem es gar nicht gewaltvoll und frauenverachtend genug sein kann.

 

8 Kommentare

  1. Drastisch, aber ins Schwarze getroffen. Igitt zur Urinrestübertragung beim Händeschütteln. Ich glaube, ich sollte das künftig lieber bleiben lassen.

  2. Käsestulle

    „Deutschland ist das Bordell Europas.“

    … unsere „Feministinnen“ finden das gut und nennen es „Sexarbeit“.

  3. Gabriele Mertn

    Trifft das Patriarchat voll ins Herz ❤️ Ups wie konnte ich vergessen, Herz besitzt es ja nicht !

  4. …… und sie erwarten noch Respekt, und Liiiiiebe!

    Aber vor allem Respekt, Gehorsam und Unterordnung! (Wie ja auch die Kirche, Gerichte, Politiker, Therapeuten, (zB. Bert Hellingen: Familienstellen!?!) Psychiater, und alle patriarchalen Frauen (handmaidens, ) die noch so gerne bei den Frauen „die Schuld“ verorten! Ja, ja, die Frauen sind an allem selber schuld. Vor allem, dass Männer zum Kotzen sind.

  5. Liselotte

    Toller Artikel! Hätte es nicht besser beschreiben können.

  6. „Wenn aber stattdessen eine Frau ihr Kopftuch im Öffentlichen Dienst tragen will, dann drehen wir durch.“

    Man sollte auch nicht vergessen, dass Kopftücher dem „christlichen Abendland“ keineswegs fremd sind – sie sind seit jeher auch Teil der europäischen Kultur. Und im orthodoxen Judentum ist es ebenfalls gang und gäbe, dass verheiratete Frauen Kopftücher tragen, um ihre Haare zu bedecken.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Tichel

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